10 – Was sonst noch so passiert

Ich bin langsam daran gewöhnt, dass man mich auf Georgisch anspricht. Ich antworte entweder mit „kartuli arwizi“ – Ich verstehe kein Georgisch, oder bin stolz, wenn ich etwas verstehe und die richtige Reaktion aus meinem georgischen Fundus ziehen kann. Zum Beispiel „Guten Morgen! Danke, mir gehts gut, wie geht es Ihnen?“ der Evergreen morgens im Lehrerzimmer.

Jetzt ist es so, dass ich noch lange nicht das gesamte Kollegium kennen gelernt habe. Neulich traf ich morgens wieder auf ein unbekanntes Gesicht, was mich nicht weiter verwunderte. Was mich aber irritierte, war der herzliche Wortschwall mit dem ich überhäuft wurde. An sich auch für bekannte Lehrkräfte nichts ungewöhnliches. Mein vom „ich versuche mit Englisch, Deutsch, Georgisch, Händen-und-Füßen irgendwie durchzukommen“ komplett verwirrtes Kommunikationszentrum meldete: Deutsch ist es nicht, Englisch ist es nicht, du bist in einem georgischen Lehrer*innenzimmer, du verstehst es wie gewöhnlich nicht, aber Georgisch ist es auch nicht!

Es stellte sich heraus, dass die Russischlehrerin prinzipiell das gesamte Lehrer*innenzimmer auf Russisch adressiert.

 

Mit der Russischlehrerin habe ich mich mittlerweile angefreundet und mir von den Schüler*innen „Guten Morgen! Danke, mir gehts gut, wie geht es Ihnen?“ auf Russisch sagen lassen. Vor ein paar Tagen hatte sie Geburtstag und es gab – natürlich nachdem die Schüler gegangen waren- mit Chratschapuri, Lobeliani, Schokotorte, Obst und Martini eine spontane Party im Lehrerzimmer, von der auch ich was abbekommen habe! Ein paar Tage später brachte die Kunstlehrerin, an ihrem Geburtstag, Windbeutel mit. Diese Tradition gefällt mir, ich fange schon mal an zu überlegen, wie ich meinen Geburtstag kulinarisch umsetzte!

 

Was ist noch passiert? Ich könnte mal etwas über die Arbeit schreiben. Meinen Achtklässler*innen habe ich neulich in eine Prüfung, jedem*r ein kleines Mars mitgebracht…

Abgesehen davon, bin ich mit Vorlese-Stunde beauftragt worden. Einige Schüler*innen der 4. und 5. Klassen sollen an einem internationalen Vorlesewettbewerb teilnehmen. Mit 4 Mädels davon treffe ich mich jetzt jeden Donnerstag, wir haben mit Peter Pan begonnen und scheinbar mache ich mich nicht so ganz schlecht. Denn, als ich am Tag danach, einige andere Kinder abholen sollte, sprangen ein paar der Mittwochskinder, die mich jetzt schon kannten, ganz selbstverständlich auf, wollten mitkommen und waren sehr enttäuscht als sie nicht durften. Da war ich ziemlich stolz!

Sonntags war ich als Vertreterin der Ani-Zet Schule unterwegs zur Eröffnung der „Kinderuniversität Tbilissi“. Es wurden erst mal alle Menschen über 12 raus in den Garten zu Kaffee und Kuchen geschickt und ich war besonders neidisch auf die Kinder, die bei einem Schatten-Theater-Workshop mitmachen durften. Ich wurde aber anders entlohnt, denn als wir Freiwillige uns drinnen mit Merchandiskullis eindeckten, entdeckten wir den Specialguest des Tages: einer der Moderatoren von der Sendung mit der Maus! Als neugieriges deutsches Kind bin ich natürlich großer Fan und war selig als es hinterher beim Vortrag Maus-Filme eingebettet gab.

Der Montag war zum ersten mal wirklich arbeitsam… ich stellte fest, dass einem die 4. Klasse auf der Nase herumtanzt, wenn man sie nicht auf Georgisch zusammenstauchen kann. Dass die 10. schon sehr erwachsen ist, man kann mit ihnen gut reden und die 6. wirklich lieb ist. Den Rest der Woche habe ich lieber wieder Vorlesestunden gehalten und hospitiert.

Dann kam am Samstag die 1. Runde eines Märchenwettbewerbs an meiner Schule. Wir bekamen Besuch von Teilnehmer*innen auch aus weiter entfernt liegenden Städten wie Batumi und Telawi und – an dieser Stelle möchte ich ein bisschen Schleichwerbung mit ein fließen lassen – die schönsten Märchen, die die Schüler*innen geschrieben haben, werden gemeinsam mit einem*r Lektor*in bearbeitet, in ein Buch gebunden, von den Schüler*innen mit Bildern versehen und daaaaann: nächstes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse ausgestellt!

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