Stock,Hut,Regenschirm und ein ausgewähltes Fleckchen Erde

Ein bisschen blass um die Nase die Abiphase überstanden, gleich daran reihen sich Zugfahrten, Urlaubstage, Sommernächte, Hitze am See, Feriensachen in meiner Heimatstadt und dann immer mehr Abschiedspartys. Und jetzt ein großer Koffer ‚ein Hut ein Stock ein Regenschirm und vorwärtsrückwärtsseitwärts halt‘ beschreibt ungefähr mein Tänzchen um diesen. Mit nervigen, autonom wachsende to-do-lists. Termine bei allen möglichen Ämtern und Ärzt_innen und überhaupt. Außerdem sind da noch schnörkelig blumenhafte Buchstaben, die ich fest vorhatte vor der Abreise zu lernen! Das Mchedruli-Alphabet, sie gehören zur sehr alten Schrift aus Georgien, zudem die Georgier_innen, die sich selbst Kartvelis nennen, auch Sakartvelo sagen. Wenn ich das richtig verstanden habe heißt der Name soviel wie: ‚Ort für die Kartvelis‘ und das ist er ab September hoffentlich auch für mich, denn dorthin wird es mich für mein kulturweit Jahr verschlagen!

Im Frühjahr habe ich die Mail mit dem Stellenangebot bekommen, war ich schrecklich froh und unglaublich erleichtert zu wissen wie es mit meiner Zukunft weitergeht! Obwohl meine geographischen Vorstellung in diese Richtung nur vage waren. Ich muss gestehen die schärfste Erinnerung war ein alter ESC-Beitrag des Landes… Aber nicht weil ich das selbst so intensiv verfolgt habe, sondern weil ein Freund großer Fan war und uns das im Kollegstufenzimmer vorgetragen hat!

Schnell gegoogelt und immer mehr gefreut, weil mein Land zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer liegt und von wunderschönen Gebirgslandschaften des Kaukasus umgeben ist und zwischendrin soll es sehr gutes Essen geben und das Sprichwort, dass jeder Gast ein Geschenk Gottes ist. Außerdem immer wieder eine Legende von der Zeit, in der Gott (für einen Großteil der Bevölkerung der georgisch-orthodoxe Gott, fast 10% der muslimische plus einige Minderheiten) den Menschen ihren Wohnort zugeteilt hat, und zwar auf einer Art Jahrmarkt auf dem sich alle Völker überboten haben um das schönste Fleckchen abzukriegen. Und als Gott es endlich geschafft hatte alle zufrieden zustellen, kamen die Georgier_innen dazu. Witze-machend und vielleicht auch singend und Gott soll ganz verdutzt gefragt haben, wo sie denn gesteckt hätten. Worauf sie antworteten: ein guter Rotwein hat uns aufgehalten und es musste ein Fest gefeiert werden und dann schien die Sonne so warm und wohlig, gerade richtig für ein Schläfchen… . Von dieser Lässigkeit soll er so beeindruckt gewesen sein, dass er ihnen das schönste aller Länder, was er sich eigentlich selbst als Ferienwohnsitz reserviert hatte, überließ!

So gesehen bin ich ganz hoffnungsvoll, trotz der kribbelig-nervösen Vorfreude! Und für die verselbstständigten to-do-lists bleiben mir auch noch ssechs Tage bis ich zum Vorbereitungsseminar nach Berlini (das Georgische steht auf i’s!) aufbreche und in ein bisschen über zwei Wochen geht mein Flug nach Tbilissi in die Hauptstadt wo ich meine Stelle als FKJlerin (!freiwilliges kulturelles Jahr) an der Robert-Schuman-Europaschule antreten werde.