Kaputtbenutzt (Woche 9)

Ich habe das Gefühl, an einen Auslandsaufenthaltsblog besteht eine gewisse Erwartungshaltung. Man muss doch irgendwann über die Unterschiede zwischen diesem Ausland und daheim schreiben. Gerne in Listenform, das ist so schön übersichtlich, aber wenn es denn sein muss, liest man auch einen längeren Fließtext.

Ich glaube, spätestens nach dem Vorbereitungsseminar haben alle Kulturweitfreiwilligen ein ambivalentes Verhältnis zu diesen Artikeln. Denn egal wie oft man dazusagt, dass es sich natürlich nur um die eigenen Erfahrungen handelt und die Menschen auch in anderen Ländern Individuen und keine Stereotype sind, beeinflusst man mit diesen Artikeln oder Blogeinträgen doch das Bild der Leser vom jeweiligen Land. Und das tendenziell irgendwie stereotyp-negativ. Manchmal auch positiv. Aber immer verallgemeinernd.

Andererseits sind solche Artikel einfach sehr unterhaltsam. Und manche Dinge sind ja auch irgendwie anders. Man möchte etwas erzählen, der Leser versteht doch, dass man nur die eigenen Erfahrungen berichtet. Zusätzlich wäre es auch nicht sehr sinnvoll, das weite Feld der Auslandsberichte denen zu überlassen, die ohne schlechtes Gewissen Klischees verbreiten. Denn gelesen werden diese Artikel auf jeden Fall.

Hier also meine Gedanken zu einem Unterschied zwischen Deutschland und Rumänien. Ohne Wahrheitsanspruch, basierend auf meinen Erfahrungen. Und so.

Es geht darum, ob und wie Dinge kaputtgehen.   

Meine Gastfamilie hat einen Staubsauger. Es ist ein sehr alter Staubsauger, und er besteht gefühlt zur Hälfte aus Klebeband und gutem Willen. Mit diesem Staubsauger zu saugen ist nervig und ineffektiv; das Klebeband beeinträchtigt die Saugkraft erheblich und die Teppichtaste klemmt. Aber der Staubsauger ist noch nicht kaputt, also wird der Staubsauger noch benutzt.

In Zalau fahren auch viele deutsche Busse. Es kleben noch die „bitte beim Fahrer einsteigen“-Schilder an den Türen. Die Sitzbezüge haben 70er Flair. Glaube ich. Diese Busse fahren noch ganz wunderbar, verstoßen aber wahrscheinlich gegen alle Abgasregelungen Deutschlands.

An der Hauptstraße stehen für mein Auge zerfallende und vollständig zerfallene Gebäude, viele noch in Benutzung.

Diese und andere Beobachtungen führen mich zu dem Gedanken, dass Dinge hier wortwörtlich kaputtbenutzt werden. Alles bleibt so lange in Betrieb, bis es wirklich, wirklich, ganz sicher nicht mehr geht. Das ist bestimmt kein ausschließlich rumänisches Phänomen; vielleicht typisch für arme Regionen? Man kann diese Mentalität jetzt gut oder schlecht finden. Sicher ist sie sparsamer als die häufigen Neuanschaffungen der „sparsamen“ Deutschen. Und letztendlich ist es umweltfreundlicher, einen Bus totzufahren, als alle fünf Jahre einen Neuen anzuschaffen.

Die Häuser sind für mich schon schwieriger zu erklären. Warum nicht reparieren und instandhalten? Ich weiß es nicht. Möglicherweise hat das finanzielle Gründe, wahrscheinlich vertsehe ich auch die „rumänische Mentalität“, sofern existent, auch nicht halb so gut, wie ich glaube.

Und zum Schluss noch einmal: Es handelt sich hier ausschließlich um meine persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken dazu.

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