Entspannt oder ich hasse Social Media (Woche 3)

Erst fehlte mir der Schock. Mein antiklimaktischer Einstieg in den Freiwilligendienst war (und ist) mir suspekt.                                                                                                                                                    Jetzt hat mich auch noch die Banalität des Alltags eingeholt. Was hat sich schon verändert, seit ich nicht mehr als Schüler zur Schule gehe?

Ich stehe wieder morgens früh auf, erwische den Bus (meistens), fahre zur Schule. Stehe jetzt zwar auf der anderen Seite des Klassenzimmers, aber der Unterschied ist nicht so groß. Komme zwischen zwölf und drei nach Hause und esse. Bin dann müde, sodass ich mit meinem Tag irgendwie nicht mehr viel anfangen kann.                                                                                                Das Lernen auf Klassenarbeiten wurde durch das Lernen der Landessprache ersetzt. Statt Übungsaufsätzen schreibe ich Unterrichtskonzepte.

Der Idee eines Auslandsaufenthaltes haftet ein Geschmack von Abenteuer an. Dauernde Spannung, ständig neue Eindrücke. Die Fremde erleben, indem man in die Fremde eintaucht (übrigens nicht so leicht, wenn man die Landessprache nicht spricht). Der Alltag kennt aber keine Ländergrenzen. Und die Fremde kann vertrauter sein, als man sich das vorstellt; oder sie wird es sehr schnell. Für das Abenteuer ist man selbst verantwortlich – und es ist nicht immer leicht, mal eben ein kleines Abenteuer zu generieren.

Kommen wir nun zur obligatorischen Social-Media-Hasstirade.                                                            Es sieht so aus, als wäre jeder Freiwilligendienst spannender als meiner. Das liegt an den bösen sozialen Medien, wo jeder nur teilt, was besonders grandios ist. Und daran, dass es hier Leute gibt, die auf ihren Blogs jeden Tag als Abenteuer beschreiben. Und ich will mich ja nicht vergleichen, aber was bleibt mir anderes übrig, wenn mich der Content quasi überflutet. Und dann gibt es auch noch Leute, die etwas ganz anderes machen, was scheinbar auch total spannend und neu und anders ist.                                                                                                    Zurück zum Thema.

Ich bin mir sicher, diese Stimmung ist eine vorübergehende Erscheinung. Gemeint ist, dass ich mich nicht jeden Tag fühle, als wäre mein Leben langweiliger als deins. Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass so ein soziales Auslandsdings keine Garantie auf ständige Spannung ist. Hatte ich jetzt bewusst auch nicht so erwartet, unterbewusst wohl irgendwie schon. Werde mir jetzt Mühe geben, ein bisschen mehr Robinsonade (danke, Duden) in meinen Alltag zu bringen.

Ein Gedanke zu „Entspannt oder ich hasse Social Media (Woche 3)

  1. Anna-Lina Nickel

    Moinsen 🙂

    Ich kann die Stimmung irgendwie nachvollziehen und wenn ich mir nicht viele (vieeel zu viele, wie es mir momentan erscheint!!!) „Freizeitverpflichtungen gesucht hätte, dann würde ich glaube ich die meiste Zeit des Tages schlafen, weil mich ständig eine latente Dauermüdigkeit begleitet, die sich nicht leicht abschütteln lässt…
    Aber ich hoffe auch, dass das mit der Zeit nachlässt und dass man sich daran gewöhnt, dass auch in etwa 1000 Kilometern Entfernung von zu Hause sowas wie „Alltag“ zu existieren wagt! 😉

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