Ein Bericht zwischen losgehen und ankommen

Von draußen dröhnt der Bass lauter Musik zu uns ins Zimmer. Auf dem Gang hört man Gelächter, ab und zu schlägt eine Tür zu. Es ist 21 Uhr und mit ziemlicher Sicherheit wird sich der Lärmpegel bis Mitternacht nicht legen. Im Laufe des Vorbereitungsseminars am Werbellinsee habe ich mich an die Geräuschkulisse in und um Haus 8 gewöhnt. Nach morgendlicher Stille, beginnt der Tag mit den ersten Frühschwimmern, die durch die Gänge schleichen. Allmählich macht sich dann auch der Rest auf zum Frühstück und das rege Treiben beginnt. Später, am Nachmittag, kann man nicht selten ein Akkordeon, eine Querflöte oder eine Ukulele die sommerlichen Klänge von „Despacito“ spielen hören. Auch „Harry Potter“ – Filmmusik und andere Melodien pfeift so mancher Freiwillige vor sich hin. Und ab und zu trällere selbst ich ein paar Takte von „Sure on this shining night“.

Nichts desto trotz bin ich nach den ersten, etwas stressigen Tagen, zur Ruhe gekommen und sehe meinem Abflug und der Zeit in La Paz beruhigt, um nicht sogar zu sagen lässig, entgegen. Denn ich versuche, das Ganze einfach auf mich zukommen zu lassen.
Außerdem freue ich mich darauf, meine WG kennenzulernen, auf den Deutsch-Unterricht, aber vor allem darauf, endlich anzukommen.

Das Vorbereitungsseminar hat mich für Vieles sensibilisiert: Rassismus, (Post-)Kolonialismus, Eurozentrismus, Generalisierungen. Aber auch dafür, was mir persönlich wichtig ist, meine Werte und Gewohnheiten. So viel wie hier, habe ich lange nicht mehr über mich und meinen Platz in einem größeren Kontext nachgedacht.
Und obwohl ich all dies im Hinterkopf behalten werde, wird mein Alltag in den nächsten Wochen doch ganz anders aussehen. Ich werde meine Arbeitserlaubnis beantragen müssen, meine Tätigkeit und Mitmenschen kennenlernen und nicht zuletzt in einer noch unbekannten Stadt Fuß fassen. Etwas komisch wird mir bei dem Gedanken schon, was ich wohl in fünf Tagen machen werde. Alles scheint zugleich unglaublich Fern und doch schon so nah zu sein. Ich scheine irgendwo in der Luft zu schweben, zwischen losgehen und ankommen.

Es Grüßt euch vom Werbellinsee,
Rosa

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