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Was bedeutet Kultur– in Polen, Deutschland, in jedem willkürlichen Land auf der Welt?

Puh. Die Frage – ein Nährboden für noch mehr Gedanken; ein Vakuum für Antworten. Beginnt Kultur wirklich erst dann, wenn man von einem Land spricht, oder bereits im eigenen Elternhaus? Hat nicht jedes Individuum dafür eine eigene Definition?

Bürger*innen eines Staates sind schließlich keine reproduzierbaren Maschinen, die alle nach einem einheitlichen System funktionieren. Wie entstehe dann aber erst ein Nationalgefühl, wenn doch jeder nach seinen eigenen Prinzipien leben würde? Welche Parallelen kann man doch von Familie zu Familie ziehen? Nun. Bei der Kommunikation vielleicht.

Von der nonverbalen Mal abgesehen: Eine von weltweit 7000 Sprachen sprechen wir doch in unseren eignen vier Wänden. Und wenn es jemanden geben sollte, der darauf beruht eine Antwort auf die obere Frage zu bekommen würde ich sagen: Sprache.

Sprache ist für mich Kultur – zumindest ein richtig wichtiger Teil davon – welchen Wert man ihr aber letztlich zuspricht, bleibt jedem selbst überlassen. Einst steht jedoch fest. Lernt man die Sprache kennen, erhält man einen subjektiveren Einblick in die Geschichte, kann die Medien verfolgen und sich besser in ein neues soziales Umfeld integrieren – Jenes Umfeld mit den fremden Weltansichten, Traditionen, Bräuchen, Werten, Systemen…

Bevor man sich also erst wieder die Frage „Was ist typisch…“ stellt und bestmöglich die  Vorurteile anderer wiedergibt – ist man schon mitten drin in dem Lebensstil des Landes, ist selbst, wenn auch unscheinbar, Teil der „Kultur“ geworden.

Also Kochanie, um dir die polnische Kultur ähm Sprache etwas näher zu bringen:

Das polnische Alphabet und die richtige Aussprache

a A wie das kurze a in Ball

ą Ą nasales o, wie on in Bonbon

b B wie b in Bus

c C wie z in Zelt

ć Ć weiches tsch

cz wie tsch in Tscheche

d D wie d in denn

dz wie eine enge Verbindung von d + stimmhaftem s

weiches dsch

wie j im engl. John

e E wie das kurze offene e in Ecke

ę Ę nasales e wie in Cousin

f F wie f in fest

g G wie g in beugen

gi weiches g

h H ch wie ch in ach

i I wie in in wir

j J wie j in jawohl

k K wie k in kochen

ki weiches k

l L wie l in leicht

ł Ł wie u in Auto

m M wie m in Mutter

n N wie n in Nord

ń Ń wie gn in Cognac

o O wie o in Block

ó Ó wie u in plus

p P wie p in Post

r R Zungenspitzen-r

s S wie s in Kost

sz wie sch in Schule

ś Ś weiches sch

t T wie t in Tag

u U wie u in plus

w W wie w in Westen

y Y wie i in bin

z Z wie s in Sommer

ź ź stimmhafte Entsprechung zu ś, si

ż Ż rz wie j in Journal

Wie man bereits an einigen uns bekannten Buchstaben erkennt: Die Grenzen zwischen manchen Sprachen verschwimmen ab und zu. Auch Wörter haben „Zwillinge“ – Begriffe, die wir einfach verstehen. Jeder von uns hat sich sicher einmal in der Situation wiedergefunden, als eine Fremdsprache sporadisch verständlich war – vielleicht hat einer sogar weiter gedacht und sich gefragt: Welche Wörter könnten unseren deutschen noch sehr nahekommen? Auf so einen Gedanken kam nämlich auch Steffen Möller, der wohl „bekannteste Deutsche in Polen“. In seinen Büchern beschreibt er (wenn auch nicht immer mit meinen Ansichten übereinstimmend) das Leben in Warschau, den polnischen Lifestyle allgemein und vieles mehr. Hier ein Ausschnitt aus dem Buch „Viva Polonia“ – sein selbst geschriebenes „polnisch-deutsches Märchen“ deckt meines Erachtens nach bestens die vielen Gemeinsamkeiten zwischen beiden Sprachen auf:

Freddy lebte in Wuppertal und arbeitete als Frizjer. Die Arbeit machte ihm viel Frajda, obwohl sie nicht viele Penunzen brachte. Jedes Jahr freute er sich auf seinen Urlop, denn er hatte großes Rajzefiber. In dieser Saison wollte er, weil es so schön billig war, in einen Kurort namens Bad Saarow fahren, fünfhundert  Kilometry östlich von Wuppertal. Freddy war sehr sceptyczny: Zum ersten Mal ging es in die ehemalige DDR, da konnte man schon eine leichte panika kriegen! Und tatsächlich: Das Hotel in Bad Saarow war ein Masakra. Die Badewanne war ein einziger Syf, und unter seinem Bett fand Freddy sogar einen alten Rolmops. Zum Mittagessen gab es immer nur eine dünne Tomaten-Zupa. Warum hatte er auch das billigste Pensjonat am Ort gebucht?

Jeden Abend ging Freddy in eine Knajpa. Der Barman hieß Herbert und hatte einen Platfus, war aber sehr sympatyczny. Freddy sagte Herbert sofort, dass Wetter, Essen und Frauen in Bad Saarow eine Katastrofa wären. Herbert antwortete langsam: Dafür haben wir aber einen sehr guten Wódka, Grasovka mit dem Bisonkraut in der Flasche!

Nach dem zehnten Glas sagte Freddy: Kolega, du bist in Ordnung“ Sie tanken Bruderzaft, und irgendwann gestand Herbert, dass er früher bei der Stasi als Szpicel gearbeitet habe. Da zog Freddy sein Sztambuch aus der Tasche: Soso, mein Urgroßvater war dafür Feldmarszalek im Krieg, jetzt sind wir kwita!

Plötzlich hatte Herbert eine Idea. Er erzählte Freddy, dass sein Szwagier vor kurzem nach Polen ausgewandert sei und in Warschau als Fizjoterapeuta eine steile Kariera mache. „Wie wäre es, Freddy, wir unternehmen auch mal eine kleine Rejs nach Polen?“ – „Nach Polen?“ rief Freddy erschrocken. „Was für ein Szajs!“ Bad Saarow ist mir schon ostig genug!“ – „Wieso?“, fragte Herbert. „Willst du nicht auch Milioner werden?“ Herbert lachte: „Keine Angst. Ich bin ein alter Ritterfan und habe im Kofferraum meines Warburgs immer eine alte Rynsztunk zu liegen. Die kannst du anziehen, dann wird dir niemand mehr in die Tasche fassen!“ – „Genialne!“, rief Freddy. „Jetzt hast du mich überzeugt! Wann soll´s denn über die Grenze gehen?“

Gancegal, morgen oder übermorgen. Ich seh uns schon, wie wir richtig Gaz geben und bei hundert Sachen das Szyberdach runterkurbeln!“ Doch dann geschah eine Tragedia. Der elfte Grasovka schlug bei Freddy ein wie eine Bomba. Ihm wurde kotzübel, errannte zur Toaleta und übergab sich. Leider verfehlte er knapp den Kibel. Herbert kam mit dem Wisch-Mop angelaufen und war stinkwütend: „Du verträgst noch nicht mal elf Grasovka? Was seid ihr Wessis doch alle für Hochsztapler!“ Als Freddy am nächsten Morgen aufwachte, lag er auf einer Materac am Boden und hatte einen schlimmen Kac. In seinem Kopf kreischte eine riesige Krajzega. Er seufzte, zog sich seinen Szlafrok an und ging zum Frühstücks-Bufet. Anschließend fuhr er mit Herbert nach Warschau und lernte dort eine sehr fajna Frau namens Agata kennen. Sie lebt heute mit ihm in Wuppertal und macht ihm jeden Tag Pfannekuchen mit Marmelada und Cukier Puder!

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