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Ausganssituation: Der 30-stock hohe Kulturpalast – Wahrzeichen Warschaus und Handlungsort einer kleinen Gesichte. Der Geschichte einer kulturweit-Freiwilligen in Warschau, die mit ihren verschiedenen Gefühlen während des 6-monatigen Auslandsaufenthalts zu kämpfen hat. Stockwerk für Stockwerk wird sie sich ihm Aufzug der Plattform in 231 Meter Höhe nähern – und hoffentlich dem Ziel Warschau/Polen in all seinen Facetten kennen zu lernen. Für sich selbst und in erster Linie für alle, die sich eine sehr gute Beziehung zwischen Polen und Deutschland wünschen. Begleitest du sie?

 

„Besetzung“

Bärbel/Björn: Nörgler*in/Pessimist*in                                                                          Sabine/Dimitri: Freude/Optimist*in                                                                                                                                  Sarah/Sven: Wut                                                                                                                         Veronika/Vincent: Träumer*in/Naiv                                                                                            Lara/Lars: Perfektionist*in, Besserwisser*in                                                                         Sandy/Andy :Mut                                                                                                                                   Candy/Danny:Angst                                                                                                                   Martha/Matthäus: Trauer

 

Der Klang deines Herzschlages vermischt sich abrupt mit dem Klang einer Gitarre. Ein Akkustikstück breitet sich im Lift aus. Berauschend, wie der Geruch eines frisch gebackenen Kuchen. Du verschaffst dir einen Überblick und nimmst die Seite mit den Etagenknöpfen ins Visier. Über ihnen findest du kleine Löcher, die zu einer Raute arrangiert wurden. Aber klar, sagst du dir, es ist wie in diesen alten Filmen. In diesen Szenen. Szenen mit mehr oder weniger unaufdringlichen Aufzugsmelodien. Warum auch das noch? Über die Absurdität der Situation beginnst du deinen Kopf zu schütteln. Dein Lächeln bleibt dir allerdings erhalten. Deine Begleiter*innen wiederum halten sich entweder die Ohren zu, wiegen sich im Rhythmus oder verkrampfen unnatürlich. Nur eine*r bringt allen Mut zusammen und beginnt einen passenden Text zu improvisieren.

 

Bärbel/Björn >> Na zdrowie – Gesundheit <<

Sandy/Andy >> Das war doch kein Niesanfall. Ich hab singen wollen…<<

Sarah/Sven >> Dann geh gefälligst in eine Karaoke Bar. <<

Lara/Lars >> Oder noch besser: Am 1. November, an Allerheiligen, verwandelt sich fast ganz Warschau in einen Chor. Adam Strug, Gründer der Gruppe „Monodia Polska“, zieht wie magisch Menschenmassen auf die Friedhöfe von Warschau und singt dort mit ihnen alte, fast in Vergessenheit geratene polnische Volkslieder. Diese hat er sich auf seinen Reisen durch die kleinsten polnischen Städtchen mündlich von den ältesten Bewohnern überliefern lassen. Wirkt die Stimmung auch ziemlich düster, weckt es doch ein Gemeinschaftsgefühl bei Groß und Klein! <<

Sabine/Dimitri >> Eine weitere Musik weckt scheinbar das Gemeinschaftsgefühl unter einigen Menschen hier: Es ist kein traditionelles polnisches Lied, sondern wird von der Alternativen Metal Band Drowning Pool gesungen. „Bodies“ ist der Titel. Jeder kann den…besonderen Text mitsingen, Wahnsinn. <<

Veronika/Vincent >> Let the doggies sit on floor. Let the doggies sit on floor. Let the doggies sit on floooo…<<

Die 6 weiteren Insassen schütteln schockiert über VV´s falsche Lyrics den Kopf.

Candy/Danny >> „Doggies – Hunde“ –eigentlich kein schlechtes Stichwort: Wie sieht die Arbeit im Tierheim denn aus? Nur schlecht oder gleich katastrophal? <<

Unruhig erwartet Candy/Danny die Antwort. Die weiße Gesichtsfarbe steht Martha/Matthäus sonst vom Weinen gerötete Wangen und Augen im starken Kontrast.

Martha/Matthäus >> Die hat noch gar nicht angefangen. Die Schule hat gerade mit anderen Veranstaltungen alle Hände voll zu tun… <<

Lara/Lars >> Ja, zum Beispiel der Nationalfeiertag am 11. November. Seit 89 Jahren wird hier die Wiedererlangung der Unabhängigkeit gefeiert. Jede 1. Klasse muss dafür einen Kurzfilm zu einem von Bolesław Leśmian Gedichten drehen. BL ist ein im 19 bis 20 Jhdt. lebender, polnischer Lyriker gewesen. Nach den Präsentationen wird alles mit einem großen Büffet an der Schule abgerundet. <<

Beim Wort „Büffet“ seufzt Sabine/Dimitri „dezent“

Sabine/Dimitri >> Mhhmmm – erinnerst du dich an das Büffet an dem Abend bei der Deutschen Botschaft? Laura hat dich spontan dazu eingeladen und plötzlich hast du dich unter Absolventen und Absolventinnen, sowie Angestellten wiedergefunden. Interessant nicht? <<

Lara/Lars >> Nicht so wie einige polnische Fakten<<

Sandy/Andy >> Oh ja, kurz nach den Sommerferien wird immer das komplette Warschauer Verkehrsnetz optimiert. Man möchte den Schülern und Schülerinnen den Schulweg vereinfachen. Nun, so kann es vorkommen, dass plötzlich nicht mehr ein Bus bei dir fährt, sondern zusätzlich noch 3 Straßenbahnen. <<

Sabine/Dimitri >> Oder einige Übersetzungen, die zu Missverständnissen führen können: Europa im Polnischen beispielsweise. Die erste Silbe ist im Sprachgebrauch dem deutschen „Oh je“ nahe. „Ropa“ hingegen bedeutet zu Deutsch „Eiter“ weshalb „Oh je Eiter (Europa)“ meine Klasse stets zum Schmunzeln gebracht hat. <<

Lara/Lars >> Auch gibt es im Allgemeinen viele Wörter, die nur in der deutschen Sprache existieren und für die es in anderen Sprachen keinen passenden Begriff gibt, wie Gedenkstätte oder Heimat <<

Candy/Danny >> Ach, da fällt mir ein: Du hast Post aus der „Heimat“ bekommen, richtig? Nur schlechte oder katastrophale Nachrichten? <<

Veronika/Vincent >> OH ja – das hat mich so gefreut, noch viel mehr als der Stempel mit meinem Namen, den ich dank eines Schülers anfertigen lassen konnte. <<

Sarah/Sven runzelt die Stirn

Sarah/Sven >> Für was brauchst du denn jetzt einen Stempel mit deinem Namen? <<

Veronika/Vincent >> Nun… zum Beispiel um meine Gepäckstücke nicht mehr beschriften zu müssen. <<

Bärbel/Björn wölbt eine Augenbraue

Bärbel/Björn >> Hach Madame/Monsieur verreist? <<

Veronika/Vincent >> Ja, ganze 12 Stunden. <<

Martha/Matthäus >> So weit? Oh, was haben wir getan? Wieso verlässt du uns? Wohin soll es denn überhaupt gehen? <<

Veronika/Vincent >> Das sage ich ungarn. <<

Das Zupfen der Gitarrenseiten hallt noch viele Stunden nach Ende des Stückes in dir nach. Du spürst wie du rhythmisch immer weiter in deine Gedanken abdriftest. Gedanken, an die Welt außerhalb dieser 4 Wände. In ein neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache, die dich kommende Woche erwarten wird. Dein Lächeln ist auch weiterhin beständig und wird sogar größer, als du an die fremden und vertrauen Leute dort denken musst. Der Aufzug und deine Begleiter*innen werden dich mit offenen Armen empfangen, wenn du wieder zurückkehren wirst. Wenn du an diese Geschichte anknüpfen wirst…

Der Fahrstuhl wird plötzlich lahmgelegt.

 

Links:

Adam Strug

https://pl.wikipedia.org/wiki/Adam_Strug_(muzyk)

Monodia Polska

http://www.folk.pl/folk/Zespoly/Zespol.php?MonodiaPolska

1.November

Drowning Pool – Bodies

Bolesław Leśmian

https://www.google.de/search?source=hp&ei=FpD1Wf_OGo_fwAK1oLKQDg&q=Boles%C5%82aw+Le%C5%9Bmian+&oq=Boles%C5%82aw+Le%C5%9Bmian+&gs_l=psy-ab.3..0i19k1l10.4085.5213.0.9010.2.2.0.0.0.0.385.530.0j1j0j1.2.0….0…1.1.64.psy-ab..0.2.528…0j0i22i30k1.0.i6OrJrw6HL0

Gedicht meiner 1. Klasse

http://literatura.wywrota.pl/wiersz-klasyka/39441-boleslaw-lesmian-wisnia.html

Deutsche Botschaft

http://www.polen.diplo.de/

 

 

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