01.November

Ja, ich weiß. Es ist der 01.November. Und ich weiß auch, dass mein Freiwilligendienst schon im September angefangen hat. Aber weil Mama sagt, ich soll trotzdem etwas schreiben, schreibe ich jetzt trotzdem etwas. Der Blog wird sicher nicht so schön, wie der Blog meiner Schwester, alleine schon, weil meine Bilder im Oktober eben ohne dermaßen viel Sonne auskommen müssen, aber ich werde mir Mühe geben, einen kleinen Eindruck von Pila und meinem Leben hier zu schildern.

Zwei Monate bin ich jetzt nun nicht mehr Zuhause. Beziehungsweise: Mein Zuhause hat sich in den letzten zwei Monaten ein wenig verändert. Meine Reise nach Pila verlief suboptimal, um es vorsichtig auszudrücken. An dieser Stelle schließe ich mich einfach einmal dem Lied „Deutsche Bahn“ von den Wise Guys an, ohne detailliert auf den Verlauf meiner suboptimalen Hinreise einzugehen. Unterm Strich: Nachdem ich also nicht wie geplant am Samstag, sondern am Sonntag im Zug von Berlin nach Pila saß, kam ich schlussendlich doch in Pila an. Wobei so ganz schlussendlich war es dann doch nicht, weil an diesem Punkt fängt ja alles erst an und so ganz kam ich dann auch nicht in Pila an. Jedenfalls nicht im ursprünglichen Originalzustand. Meinen Kopf hatte es während der Reise aus dem Zugfenster geschleudert zwischen die Gleise, im übertragenden Sinn! Sprich, mein Körper kam in Pila an, mein Kopf nur so halbe, wie ein Kopf halt ankommt, wenn er zwischen die Gleise geraten ist.

Als ich hier ankam, war das Wetter genial. Eigentlich war das Wetter den ganzen September genial. Ich glaube, es hat nicht einmal geregnet. Ob ich das Wetter genießen konnte ist eine andere Frage. Zwischen Heimweg, Überforderung, neuen Gesichtern, neuer Sprache und neuem Zuhause fällt es nicht immer leicht, einfach mal zu genießen. Mittlerweile kann ich aber glücklicherweise sagen, dass mein Kopf sich gut erholt hat nach dem Unfall auf der Hinfahrt.

Die ersten Wochen waren geprägt von sehr ausführlichen Skype-Einheiten mit Freunden und Familie. An dieser Stelle gilt meine Hochachtung meinen Großeltern. (Wer hätte gedacht, dass Oma und Opa irgendwann fast so gut über Whatsapp erreichbar sind, wie meine Generation?!) Ich bin gefühlte fünf mal quer durch ganz Pila gelaufen, habe meine Zimmernachbarin Agniezka kennengelernt, habe die DSD-Klassen in der Schule kennengelernt, habe eine Führung durch Pila erhalten von Paulina, die in Poznan studiert und jetzt gerade ein Semester in Wien verbringt. Ich habe an einem drei-tägigen Lehrerausflug teilgenommen. Wir waren sogar in Tschechien! Dann habe ich noch etwas gelernt. Nämlich kochen. Besser gesagt, ich habe es nicht gelernt, sondern ich wurde damit konfrontiert.

Außerdem bin ich schon einmal umgezogen. Vom dritten in den ersten Stock, bzw. ich wurde umgezogen, weil erst im Oktober das Semester hier anfängt und dann alle Schüler kommen und dann muss ich halt umziehen. Jedenfalls sind Agniezka und ich dann von einem Zweier-Zimmer in ein Vierer-Zimmer umgezogen. Mein erster Gedanke: Super! Jackpot! Ein Vierer-Zimmer für zwei Personen! Mein zweiter Gedanke: Mhm…da stehen vier Betten drin. Vier Betten bedeutet Platz für vier Leute!

Aber mein zweiter Gedanke war sehr leise und ich habe ihn schnell an die Seite geschoben, wie man das mit zweiten Gedanken manchmal macht. Euphorisiert, wie ich durch den verdoppelten Raum nun war, habe ich mir also überlegt, was in meinem Zimmer nicht fehlen sollte. Was konnte ich anfangen mit dem neuen Platz? Was vermisse ich?

Die Antwort darauf kam, als ich durch den Aldi schlenderte und bei den Angeboten ein Keyboard erblickte. Ich dachte nicht dreimal nach, auch nicht zweimal und auch nicht einmal. Ich kaufte es und war ein glücklicher Mensch.

Bis ich erfuhr, dass der zweite Gedanke ein bisschen Realität werden würde. Und jetzt sind wir zu dritt auf dem Zimmer, ich esse in der Küche/auf dem Bett weil ein Keyboard auf meinem Tisch steht aber es ist ok. Und meine Zimmermitbewohner sind supernett.

Dann ging es außerdem vor einer Woche für mich nach Warschau. Da war nämlich ein Jugend-debattiert Seminar, an dem die Schüler aus meiner Schule auch teilnehmen. Um die Schüler also irgendwann gut darauf vorbereiten zu können, habe ich beschlossen an dem Seminar teilzunehmen…und weil ich noch nie in Warschau war…und weil man eben mitnimmt, was man mitnehmen kann.

Das Seminar war schön, Warschau war schön und schön war es wieder zurückzukommen. Und eigenartig war es auch, weil es sich ein bisschen anfühlte, wie nach Hause kommen.

Ansonsten sieht mein Alltag in etwa so aus: Ich schleiche mich um kurz vor acht aus dem Zimmer heraus und bin zu Fuß in etwa 10 Minuten in der Schule, aber nur weil ich mir sehr viel Zeit lasse und die Zeit eine gute Gelegenheit ist, ein bisschen zu überlegen, was heute in der Schule so ansteht, was zum Mittagessen anstehen könnte, warum ich gut geschlafen habe, obwohl ich mir mein Bett mit meinen Büchern und meiner Sporttasche teile.

Dann geht es in die Schule. Die erste Entscheidung, die ich treffen muss ist, ob ich den normalen Weg nehme, den auch die Schüler nehmen. Also die Eingangstür. Oder ob ich den Seiteneingang nehme. Der verschafft mir einen Zeitgewinn von etwa zehn Sekunden. Den Weg benutzen auch die Lehrer. Scheinbar eine einfache Frage, aber nicht für mich. Denn auf die Frage der Englischlehrerin, ob ich mich eher wie ein Schüler oder wie ein Lehrer fühle, habe ich in between geantwortet und eigentlich neither nor. In between führt nur leider kein Weg in die Schule. Wie ich mich letztendlich entscheide? Mal so, mal so.

Dann geht es ins Lehrerzimmer. Ich sitze am Tisch mit den Deutschlehrerinnen Ala, Asia und Jola. Es wird sich kurz ausgetauscht. Was steht an, wie war das Wochenende und wie geht es so? Dann geht es in die Klassen. Ich bin hauptsächlich Teil der DSD Stunden, also arbeite ich mit den Schülern, die sich auf das deutsche Sprachdiplom vorbereiten. Die DSD Klassen sind meistens und zum größten Teil recht motiviert und sehr nett. Sprich, es macht wirklich Spaß. Zwischendrin habe ich dann mal eine Pause, in der ich manchmal einkaufe, manchmal nichts tue, manchmal irgendetwas tue und manchmal sogar etwas Sinnvolles tue.

Das lange Wochenende jetzt hat sich angeboten, einen Blogeintrag zu schreiben. Da Allerheiligen nämlich ein Feiertag ist, hat der Montag hier als Brückentag gedient und war auch frei. Ich hoffe, es folgen weitere Einträge…mal sehen:) hier noch der Ausblick aus meinem Zimmer im Herbst. Ist zwar unscharf, aber die Farben sind trotzdem toll!

herbst

 

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