Du siehst die Welt so, wie du bist

Tja, jetzt sitze ich hier. Heiter wie ein Schützenfest, vital wie eine Packung Traubenzucker, großzügig wie ein Handtuchspender und außer ein paar dummen Sprüchen fällt mir wenig ein um meinen emotionalen Zustand zu beschreiben. Okay, also ich versuche mal meine Situation in Worte zu fassen. So schriftstellerisch meine ich..

Gespannt.

Nur das eine Wort.

Gespannt.

Auf mehr bin ich irgendwie nicht gekommen. Finds aber ganz gut eigentlich. Lyrik, da muss man komprimieren, versteht ihr?

Aber von Vorne. Im September geht es für mich für 6 Monate als kulturweit Freiwillige zum Deutschen Akademischen Austauschdienst nach Ho Chi Minh City, Vietnam. Jetzt sind 6 wohlbehütete Monate in einer südostasiatischen Großstadt mit Bürojob und Rollkoffer für manch einen kein großes Abenteuer. Und doch bin ich eben wahnsinnig gespannt.

Nach insgesamt 13 Jahren Schulzeit und 5 Jahren dualer Studienzeit habe ich zum ersten Mal keine Ahnung wo ich im nächsten Jahr sein und womit ich mich beschäftigen werde. Wenn ich im kommenden Februar aus Vietnam zurückkehre, warten auf mich keine Wohnung, kein Job & keine Zukunftspläne. Im nächsten Winter bin dann da erstmal einfach nur ich und der Haufen neuer Erfahrungen, den ich hoffentlich mitbringe. Und ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie macht mich das ziemlich nervös.

Jetzt ist es natürlich irgendwie einfacher, diese Information für jeden sichtbar ins Internet zu blasen, als mich in einer realen Unterhaltung mit realen Menschen über meine realen Gefühle auszutauschen. Während ich also die meiste Zeit versuche, in den Gesprächen mit meinen Mitmenschen so furchtlos,  individuell und weltoffen wie möglich zu erscheinen, habe ich eigentlich eine Scheiß Angst. Und zwar nicht bildlich gesprochen, sondern offensiv plakativ, mit voller Wucht, so dass die Kaffeetasse klappert.

Also warum das Ganze? Warum tauscht man mit 24 nochmal den sicheren Job, die Wohnung in der Wahlheimat und alle Gewohnheiten gegen das Gefühl von Fremdheit, Kulturschock und Ungewissheit?

Nun, irgendwo habe ich mal gelesen „Das Risiko eines Abenteuers ist mehr Wert als tausend Tage Wohlleben und Bequemlichkeit“. Das finde ich eigentlich schrecklich pathetisch. Aber irgendwie halt auch schrecklich wahr. Und trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit. Denn um diesem furchtbar Ich-bezogenem Monolog nunmal eine ganz neue Perspektive zu verpassen: Es geht um die Sache.

Ich habe mich für die Teilnahme an kulturweit entschieden, dem Jugendfreiwilligendienst der deutschen UNESCO Kommission. Nach ihrer Satzung dient die UNESCO „dem Frieden und der Sicherheit durch Förderung der Zusammenarbeit der Völker auf den Gebieten Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Durch diese Zusammenarbeit soll überall auf der Erde die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gestärkt werden.“ Einer der erklärten Zwecke der deutschen UNESCO Komission ist es daher „die internationale Verständigung, die Weltoffenheit und das kulturelle Engagement von Jugendlichen durch internationale Begegnungen und Austausch zu fördern.“

Jetzt ist dies ein integrativer Text und ich will niemanden von der Botschaft ausschließen, auch dumme Leute nicht. [;-)] Hier also nochmal ganz deutlich: Es geht um Begegnungen. Programme wie kulturweit schaffen Raum für Austausch und für interkulturelles Verständnis. Und ich glaube mit meinem ganzen Herzen daran, dass Frieden in den Köpfen der Menschen beginnt und dass Begegnungen, Kommunikation und Akzeptanz zu den wichtigsten Vorraussetzungen für eine friedlich lebende Gesellschaft gehören. Auf der kulturweit Agenda stehen globale Verantwortung, Nachhaltigkeit, Weltoffenheit und neue Perspektiven – und zu neuen Perspektiven kommt man eben nicht an dem Ort, an dem man blind den Weg zum Bäcker findet.

Aber ob ich und meine Zeit in HCMC dieser übergeordneten Idee gerecht werden können? Keine Ahnung. Ich beschäftige mich nun seit einigen Wochen mit meiner zukünftigen Rolle als Freiwillige, mit dem Privileg eines finanzierten Auslandsaufenthaltes, mit Machtstrukturen in der Welt und mit fairer, objektiver Berichterstattung. Aber meine Kapazitäten sind begrenzt und neben der gedanklichen Vorbereitung will auch der organisatorische Teil (Umzug, Visum, Kündigung des Zeitungsabos) erledigt werden.

Kurzum, bei mir und in meinem Kopf herrscht zur Zeit ziemliches Chaos.

Du hast Lust, an diesem Chaos teilzuhaben?

Dann schau doch öfter mal auf meinem Blog vorbei.

 

Bis dahin,

thân thương,

Eileen

 

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