Черепове́ц

In Deutschland war es ein kalter September als ich abgereist bin und weil Ugg’s und die dicke Winterjacke so viel Platz im Koffer einnehmen, hatte ich alles gleich auf der Fahrt an. Ankunft Moskau. 29 Grad Celsius und ich zerlaufe, wie ein Stück Milka-Schokolade in der Sonne. Von Moskau aus geht es mit dem Schlafzug weiter nach Cherepovets. Ein Abteil mit drei anderen Menschen, die weder Englisch noch Deutsch sprechen. Es fühlt sich an wie der spannendste Film in einer fremden Sprache nur leider ohne Untertitel. Als ich aufwache und aus dem Fenster gucke, sehe ich Wälder, Seen und Natur so weit meine verschlafenen Augen reichen. Diese Weite und Ferne kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen. Beim Anblick dieser unberührten Natur, habe ich mich in dieses Land verliebt.

Der Koffer ist endlich ausgepackt und in der Kammer verschwunden, ich war das erste mal in einem russischen Supermarkt und joggen war ich sogar auch schon. Nach den ersten drei Nächten in meiner neuen Wohnung, schleicht sich so allmählich das Gefühl an, angekommen zu sein. Es ist irgendwie ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass McDonalds nur 5 Minuten Fußweg entfernt ist. Nicht nur McDonalds, auch meine Lieblings-Flakes (Nestle – Cookie Crisp) sind im Supermarkt verfügbar. Meine Wohnung ist viel zu groß für mich allein – 3 Zimmer plus Küche, Bad – für ca 120 Euro im Monat. Als erste eigene Wohnung nach dem Abitur fühlt sich das regelrecht dekadent an, wenn man sich den deutschen Wohnungsmarkt ansieht. Noch habe ich Schwierigkeiten mit der Umrechnung zwischen Euro und Rubel. Mir fehlt noch das Gefühl für die Umrechnung. Die Menschen mit denen ich darüber spreche, raten mir nicht in „Euro“ zu denken, sondern einfach drauf los zu kaufen. Aber das schafft mein „deutsches“ Controll-Freak-Ich noch nicht, ein Busticket für umgerechnet 30ct und die Packung Nestle-Flakes für umgerechnet 1 Euro.

Nach meinem dritten Tag in meiner neuen Schule, freue ich mich immer noch um 6:30 Uhr aufzustehen. Ich bin die erste „kulturweit“-Freiwillige an der Schule und die Mädchen und Lehrer*innen sind aufgeregter als ich selbst. Die Grundschülerinnen laufen auf mich zu, umarmen mich, streiten sich wer meine Hand halten darf und sagen jedes Mal „Ich liebe dich“. Diese Euphorie, Liebe und Freundlichkeit macht mich noch immer sprachlos, aber gibt mir auch das Gefühl das „Richtige“ zu tun. Die älteren Mädchen sind nicht mehr ganz so unbefangen und wenn das erste Eis gebrochen scheint, kommt für sie die Enttäuschung, dass ich keinen Instagram-Account habe. Elja, eine Schülerin aus dem Abschlussjahrgang (11. Klasse) ist vom ersten Moment an am Bahnhof meine „Dolmetscherin“. Sie möchte nach der Schule Sprachen studieren, um dann Übersetzerin zu werden. Meine erste Freundin hier in Cherepovets!!<3

Mein Fazit für die ersten Tage in Russland: Ich hätte definitiv mehr Russisch lernen sollen. Es ist mir jeden Tag auf’s Neue so unangenehm, kaum etwas zu verstehen und mich nur auf Deutsch unterhalten zu können.

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