Halbzeit und ein bisschen mehr

06.12.2107. – Ich habe schon mehr als die Hälfte meines FSJ und auch mehr als die Hälfte meiner Zeit in Cherepovets geschafft.
Geschafft. Das klingt danach, froh zu sein es endlich hinter sich zu haben. Wenn ich ehrlich bin gibt mir dieses Halbzeit-Fähnchen, das da irgendwo in meinen Gedanken-Winden weht, im Moment eine ganze Menge Kraft. Zurück vom Zwischenseminar ist in mir noch viel Leere. Rausgerissen aus routiniertem Alltag. Mit 20 anderen Freiwilligen in ähnlichen Situationen, einmal mein kompletten Leben hier in Frage gestellt.
Und jetzt wieder zurück sein. Doch zurück in meinem Alltag bin ich noch nicht. Seit 3 Stunden bin ich zwar schon wieder offiziell in Russland registriert, doch das große Fragezeichen bleibt. Wie will ich die zweite Hälfte hier gestalten. Was kann ich anders machen. Besser machen. Was muss ich noch alles machen. Und was will ich noch alles machen (wenn man das Visum denn schon mal hat). Was macht mich hier glücklich. Was vermisse ich.
Aber vom Zwischenseminar bleibt mehr als nur das ewige und nie endende Infrage-Stellen meiner Situation.

Reden. Lieben. Tanzen. Ninja sein. Lachen. Weinen. Glücklich sein.

Weinen? Ja, Weinen.
Ich, die ich während meiner ganzen bisherigen Zeit in Russland keine einzige Träne verdrückt habe. Nicht weil ich nicht wollte oder es nicht mal den Anlass gegeben hätte zum weinen. Ich konnte es einfach nicht. Aber am Ende des Zwischenseminars bin ich dann doch ziemlich nah’ am Wasser gebaut.
Zurück in Cherepovets und meine Tränen-Kanäle scheinen wie ausgedörrt.

Zurück in Cherepovets. Die Fragen bleiben und der Drang das Beste aus Allem rauszuholen.

 

 

Mehr als einen Monat später

Über einen Monat ist es jetzt her, dass ich das letzte mal was in meinen Blog veröffentlicht habe. Ich kann gar nicht so genau sagen, woran das eigentlich liegt.

Vielleicht, weil ich seit Oktober 6 Tage die Woche in der Schule bin und es sich langsam Alltag eingeschlichen hat.
6:33 Uhr – der Wecker
7:26 Uhr – Wohnung verlassen
7:49 Uhr – in den Bus einsteigen
8:30 Uhr – Beginn der ersten Stunde
12:00 Uhr – Mittagspause
14:00 Uhr – Hausaufgaben-AG
15: 00 Uhr – Feierabend
Dienstags: Schwimmen
Montags, Mittwochs, Sonntags: Fitness

Der Alltag ist da und mit ihm verschwindet jegliches Aufgeregt-sein in meiner neuen Welt. Mit „morgens früh aufstehen“ habe ich kein Problem, eher mit „abends alleine sein“. Oder vielmehr die Angst davor. Denn Allein-sein bedeutet Nachzudenken.
Nachzudenken, ob man bereit ist, für 4-5 Monate lang Schnee.
Nachzudenken, ob man schon Heimweh hat.
Nachzudenken, wen oder was man eigentlich am meisten vermisst.
Nachzudenken, ob man glücklich ist.
Und wenn man dann wirklich mit einer Tasse Tee auf dem Sofa sitzt und einfach nur nachdenkt und aufhört seine Gedanken zu kontrollieren, dann ertappt man sich dabei über Dinge nachdenken, an die man eigentlich nicht mehr denken wollte. Oder endlos lange der Heimweh-Frage nachzugehen.
Aber man sitzt dann da auf diesem Sofa. Mit dem dampfendem Tee. Alleine. Und dann bahnen sich diese Gedankenfetzen an und man kann nichts gegen sie tun.

Ist das Heimweh? Dieses viele Gedanken-Denken.
Ich glaube nicht. Für mich ist ist eher die Sehnsucht nach bestimmten Menschen. Das sehnsüchtige Erinnern an erlebte Augenblicke (Augenblicke, die sich nie wieder in dieser Form wiederholen werden). Und der Wunsch den Menschen in die Augen zu gucken, wenn man mit ihnen kommuniziert, um dann vielleicht am Ende sogar in die Arme genommen zu werden.

Aber es gibt auch viele Momente hier, die mich am Gedanken-denken oder am Sehnsüchtig-sein hindern.
Abends mit der „Gastfamilie“ Tee trinken. In einem Projekt mit den Schülerinnen* zusammen das Thema „Müll-Trennung“ aufarbeiten. Zusammen kochen (Kaiserschmarren, Блины, Пельмени, Вареники). Klassenausflüge. Fünf Projekt-Tage mit „Tape-Art“ und Sven Linnert. Schneeballschlachten. Musik hören.
Und so kommen auch im November immer noch Dinge, die mich aufgeregt sein lassen.
Am 18.11 fahre ich mit Эля zusammen für 4 kurze Tage nach Москва . Auf dem Programm stehen Kreml, Bolshoi-Theater, Moscow-City, Roter Platz, etc. bevor ich mit Merle zusammen in den Flieger nach Berlin steige. In Berlin beginnt dann von Neuem die Odyssee für mein zweites Visum und dann weiter nach Wroclaw (Breslau) zum KULTURWEIT-Zwischenseminar.

Im Sommer bevor mein FSJ begann, dachte ich noch, wie blöd es doch ist, das Alles hier unterbrechen zu müssen und zurück nach Deutschland zu fahren. Natürlich kann ich jetzt nicht mehr behaupten „einmal 6 Monate (am Stück) in Russland gelebt zu haben“. Aber ich freue mich trotzdem auf meine „Ferien“.
Ich freue mich meine KULTURWEIT-Mädels wiederzusehen und gemeinsam Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen.
Sie geben mir hier so krass viel Kraft, Vertrauen und das Wissen, dass in diesem Riesen-Land noch jemand* ist. Jemand, der sich manchmal genauso fremd fühlt, der auch 96% des Gesagten nicht versteht und der seine Komfort-Zone auch ziemlich oft verlassen muss. Durch sie fühle ich mich stärker. Durch das Wissen nicht alleine zu sein.

(Ausser vielleicht wenn man feststellt, dass man kein Internet mehr auf seiner Sim-Karte hat, weil man zu lange nach Yakutsk telefoniert hat und die Frei-Minuten anscheinend doch nicht für ganz Russland gelten:)

 

Deutschunterricht in Klasse 11

 

Ergebnis der Projektwoche „Tape-Art“

 

Ergebnis der Projektwoche „Tape-Art“

 

Galsky-Manor

 

Besuch einer städtischen Bürger-Initiative zum Trennen von Müll

 

Besuch einer städtischen Bürger-Initiative zum Trennen von Müll

Zwei Wochenenden und x Kilo später

Samstagabend. 21:57 Uhr. Ich sitze in der Küche. Vor mir der Laptop. Ein leeres Pages-Dokument und ein leerer Kopf. Mein Kopf ist voller Worte. Und doch finde ich sie nicht, um sie abzutippen. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade je eine halbe Stunde mit meiner Familie und mit Jules ge-FACETIME-t habe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es zu viel gibt, was ich erzählen kann. Wahl. Geburtstag. Erster TV-Auftritt. Schule. Essen. Ausflüge.
Mein Kopf ist voll von Erlebnissen. Und doch finde ich kaum Worte, um zu beschreiben, was ich fühle.

In der Schule habe ich meinen Rhythmus gefunden zwischen Deutsch-Unterricht, Mittagspausen, Hausaufgabenbetreuung und meinen Russisch-Stunden. Ab Montag beginnt die Projekt-Woche „Tape-Art“. Wenn ich nur beim Vorbereitungsseminar den „Tape-Art“-Workshop gewählt hätte. Dann hätte ich wenigstens eine leise Ahnung, wie ich es anstellen soll, aus buntem Tape etwas annähernd ästhetisches zu schaffen. Habe ich aber nicht.

Das letzte Wochenende im September. Somit auch das letze Wochenende mit einem freien Samstag. Ab nächster Woche heißt es dann auch samstags mit dem Klingeln des Weckers aufzustehen. Am vergangenen Wochenende war ich mit Freunden auf der дача. Lange Spaziergänge im Wald und am Wasser. Leckeres Essen. Pilze sammeln. Im Wald Blaubeeren sammeln. Blaubeeren von denen man blaue Lippen und eine blaue Zunge bekommt, weil sie von innen noch wirklich blau sind. Erste Kontakt mit Elchen (leider nur in Form der Elch-Läuse; sie sind groß genug, dass man sie mit bloßen Händen unterm Shirt hervorziehen kann). Und wieder ein bisschen mehr das Gefühl für die Größe und Weite Russlands bekommen.

24.09.2017. Mein Geburtstag. Ein Sonntag. Und trotzdem haben alle Geschäfte offen. Nice! In meiner Wohnung befindet sich weder eine Kuchenform noch ein elektrisches Handrührgerät. Letzteres konnte ich mir leihen und so dachte ich mir, zaubere ich für meine Gäste Kaiserschmarrn. Nur irgendwie wollte der Eischnee nicht, wie ich es wollte. Er wollte gar nicht. Und ich war froh über geöffnete Geschäfte am Sonntag.
Wie mein Geburtstag, ist auch die Bundestagswahl 2017 jetzt schon fast eine Woche her. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich meinen Eindrücken und Gefühlen hier Ausdruck verleihen kann. Ich habe aufgegeben als ich den Blog eines anderen Freiwilligen gelesen habe. Jonathan Franz ist für 12 Monate in Namibia. Und seine Worte haben ziemlich genau beschrieben, was ich gedacht habe.
https://kulturweit-blog.de/jonientdecktdiewelt/2017/09/24/die-wahl/

Eine knappe Woche später (heute) habe ich Pilzsuppe aus selbst gesammelten Pilzen gegessen. Dafür dass ich es erst seit ein paar Monaten begriffen habe, wie lecker Pilze sind und sich meine Pilz-Erfahrungen bislang aus Pilzen auf Pizzen und zu Pasta beschränken, war es ein sehr intensives Pilz-Erlebnis. Die Suppe war ausgezeichnet.
Und seit knapp 20 Tagen bin ich heute das erste Mal wieder Fahrrad gefahren. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt eine so lange Fahrrad-Pause hatte. Ich habe jeden Meter der Strecke voll ausgekostet. Zum Rybinsker Stausee. Eine Fahrradtour à la Ahrenshoop-Urlaube. Lange Wege durch den Wald. Teils über Platten-Wege (gut für die Durchblutung laut Daddy). Es riecht nach Moos und Baumrinde. Unberührte Natur. Und wenn man vergisst, dass man knapp 2500 km entfernt ist, fühlt es sich fast an wie der Darß-Wald. Am Ende stehen wir im Sand und sehen das Meer. Nur dass das Meer nicht die Ostsee am West-Strand ist, sondern der Rybinsker Stausee. Aber mit einer Fläche von ca. 4580 Quadratkilometer, kann man teilweise nicht das gegenüber liegende Ufer sehen. Nur die Wellen und das Meeresrauschen fehlen.
Zurück in Cherepovets, gibt es abends Блины bei meiner Vermieterin. Es fällt mir schwer es zuzugeben, aber sie sind besser als die Pfannkuchen meiner Oma und das obwohl Omas Essen sonst schon aus Prinzip besser ist als alles Andere.
Das leckere russische Essen hat leider auch zu einem veränderten Spiegelbild meiner Selbst geführt. Die Anmeldung im Fitnessstudio war also nur eine logische Folgerung meiner veränderten physischen Verfassung.

 

 

 

чай am Рыбинское водохранилище

Von SCHNUPFEN, TAPETENWECHSEL und RELATIVITÄTSTHEORIE

Geschafft. Die ersten 7 Tage in Russland liegen hinter mir. 5 Schultage, ein Wochenende und immer neue Begegnungen. Auch nach 5 Tagen in der Schule, habe ich noch nicht alle Schülerinnen kennengelernt und jeden Tag stelle ich mich auf’s Neue vor. „Ich heiße Pauline. Ich bin 18 Jahre alt. Ich komme aus Deutschland…“ Bis dahin haben die Mädchen alles verstanden, aber bei dem Versuch Freiwilligendienst oder gar FSJ zu erklären, komme ich beim erklären und sie mit ihren Deutsch-Kenntnissen an unsere Grenzen. Und immer wieder die Frage, warum ich mir Russland ausgesucht habe. Und immer wieder ist es mir unangenehm, erklären zu müssen, dass ich es mir nicht direkt ausgesucht habe. Natürlich hab ich mich für Russland und für Cherepovets entschieden in der Hinsicht, dass ich den Platz angenommen habe. Aber trotzdem; es fällt mir schwer den Mädchen zu verstehen zu geben, dass ich mir Russland als Land nicht aussuchen konnte. Es fühlt sich an, als würde ich sie enttäuschen. Bislang sitze ich noch hinten im Unterricht und höre mehr zu (hospitieren). Manchmal werde ich von den Lehrer*innen gefragt, wie das Wort genau ausgesprochen wird oder wie ein Satz schöner klingen würde. Ich bin da, um zu zeigen wie man RELATIVITÄTSTHEORIE ausspricht, was TAPENTWECHSEL bedeutet oder um ihnen neue Wörter wie SCHNUPFEN beizubringen, wenn ich erklären soll warum ich so nasal spreche. Meine erste Erkältung. Und das Thermometer zeigt noch Werte über 10 Grad. Wenn mir dann auch noch erklärt wird, dass es der kälteste Winter seit über 30 Jahren werden soll, wird mir gar nicht mehr warm. Die Mädchen laufen noch in T-Shirt und Röckchen (teils ohne Strumpfhose) rum und ich würde am liebsten schon lange Unterwäsche anziehen. Angekommen sein. Bin ich schon angekommen ? Ich weiß es nicht. Mein Koffer ist ausgepackt, ich war zweimal im Supermarkt, bin 8x Bus gefahren, war eine Pizza essen und im Schwimmbad. Und doch werde ich das Gefühl nicht los in einer Blase zu leben; die irgendwo zwischen Deutschland und Russland schwebt, durch die ich alles glasklar sehen, aber die mich trotzdem noch isoliert. Ich bin nicht mehr in Deutschland, aber so richtig bin ich auch noch nicht in Russland. Das Leben in der Blase fühlt sich nicht traurig und einsam an, mehr wie ein Beobachtungsposten. Auf mein altes Leben in Deutschland und auf mein neues Leben hier. Als das Vorbereitungsseminar am Werbellinsee sich dem Ende geneigt hat, ich für zwei Nächte zurück nach Hannover gekommen bin und mich verabschiedet habe, konnte ich das alles nicht realisieren. Über 300 neue Menschen zu denen man nach 10 Tagen wieder „Lebe Wohl“ sagen musste, sich von den Menschen zu verabschieden die man am meisten liebt und für 6 Monate in ein Land zu reisen, dessen Sprache man nicht versteht. Das konnte ich beim besten Willen einfach nicht begreifen. Ich kann nicht sagen, ob ich es mittlerweile so richtig verstanden habe. Ich kann nur sagen, dass ich (in meiner Blase) gerade sehr glücklich bin. Festzustellen, dass der Wald (fast) so wie der Darß-Wald riecht, dass die Pizza viel besser schmeckt als in Deutschland oder dass Freundschaft, Freundschaft bedeutet, egal in welchem Land man lebt. All das macht mich glücklich. Aber am schönsten ist es, zu merken, wie gerne ich hier in der Schule bin. Ich fühle mich noch mehr wie eine der Schülerinnen. Schülerin zu sein, dass kann ich nach 12 Jahren Schule wahrscheinlich so ziemlich am besten, besser als FSJ’lerin oder gar Lehrerin. Und ich merke auch (ganz Streber-Like) wie gerne ich früher in die Schule gegangen bin.

(Fast) wie auf dem Darß

Die 2. Klasse

Черепове́ц

In Deutschland war es ein kalter September als ich abgereist bin und weil Ugg’s und die dicke Winterjacke so viel Platz im Koffer einnehmen, hatte ich alles gleich auf der Fahrt an. Ankunft Moskau. 29 Grad Celsius und ich zerlaufe, wie ein Stück Milka-Schokolade in der Sonne. Von Moskau aus geht es mit dem Schlafzug weiter nach Cherepovets. Ein Abteil mit drei anderen Menschen, die weder Englisch noch Deutsch sprechen. Es fühlt sich an wie der spannendste Film in einer fremden Sprache nur leider ohne Untertitel. Als ich aufwache und aus dem Fenster gucke, sehe ich Wälder, Seen und Natur so weit meine verschlafenen Augen reichen. Diese Weite und Ferne kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen. Beim Anblick dieser unberührten Natur, habe ich mich in dieses Land verliebt.

Der Koffer ist endlich ausgepackt und in der Kammer verschwunden, ich war das erste mal in einem russischen Supermarkt und joggen war ich sogar auch schon. Nach den ersten drei Nächten in meiner neuen Wohnung, schleicht sich so allmählich das Gefühl an, angekommen zu sein. Es ist irgendwie ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass McDonalds nur 5 Minuten Fußweg entfernt ist. Nicht nur McDonalds, auch meine Lieblings-Flakes (Nestle – Cookie Crisp) sind im Supermarkt verfügbar. Meine Wohnung ist viel zu groß für mich allein – 3 Zimmer plus Küche, Bad – für ca 120 Euro im Monat. Als erste eigene Wohnung nach dem Abitur fühlt sich das regelrecht dekadent an, wenn man sich den deutschen Wohnungsmarkt ansieht. Noch habe ich Schwierigkeiten mit der Umrechnung zwischen Euro und Rubel. Mir fehlt noch das Gefühl für die Umrechnung. Die Menschen mit denen ich darüber spreche, raten mir nicht in „Euro“ zu denken, sondern einfach drauf los zu kaufen. Aber das schafft mein „deutsches“ Controll-Freak-Ich noch nicht, ein Busticket für umgerechnet 30ct und die Packung Nestle-Flakes für umgerechnet 1 Euro.

Nach meinem dritten Tag in meiner neuen Schule, freue ich mich immer noch um 6:30 Uhr aufzustehen. Ich bin die erste „kulturweit“-Freiwillige an der Schule und die Mädchen und Lehrer*innen sind aufgeregter als ich selbst. Die Grundschülerinnen laufen auf mich zu, umarmen mich, streiten sich wer meine Hand halten darf und sagen jedes Mal „Ich liebe dich“. Diese Euphorie, Liebe und Freundlichkeit macht mich noch immer sprachlos, aber gibt mir auch das Gefühl das „Richtige“ zu tun. Die älteren Mädchen sind nicht mehr ganz so unbefangen und wenn das erste Eis gebrochen scheint, kommt für sie die Enttäuschung, dass ich keinen Instagram-Account habe. Elja, eine Schülerin aus dem Abschlussjahrgang (11. Klasse) ist vom ersten Moment an am Bahnhof meine „Dolmetscherin“. Sie möchte nach der Schule Sprachen studieren, um dann Übersetzerin zu werden. Meine erste Freundin hier in Cherepovets!!<3

Mein Fazit für die ersten Tage in Russland: Ich hätte definitiv mehr Russisch lernen sollen. Es ist mir jeden Tag auf’s Neue so unangenehm, kaum etwas zu verstehen und mich nur auf Deutsch unterhalten zu können.

Auf geht’s!

Übermorgen, am 01.09.2017, geht es endlich los zum Vorbereitungsseminar nach Berlin. Genauer gesagt, zur EJB am Werbellinsee nördlich von Berlin.  Damit beginnt auch mein FSJ für 6 Monate mit dem Freiwilligendienst „kulturweit“. Vor fast an einem begann die Bewerbungsphase und jetzt ist es endlich soweit!

Mein Name ist Pauline Grell und ich komme aus Hannover. Im Frühjahr habe ich mein Abitur an der Sophienschule Hannover absolviert.  Mit „kulturweit“ und dem PAD reise ich nach Tscherepowez in Russland, um vor Ort an einem Mädchengymnasium tätig zu sein. Neben der Tätigkeit als Assistenz der Deutschlehrkräfte, engegiere ich mich auch in Bereichen der Hausaufgabenbetreuung, Nachmittagsgestaltung und möglichen Ferienprogrammen für die Schülerinnen.

Momentan bin ich aber noch mit packen beschäftigt:) Ab Moskau fahre ich mit einem Schlafzug weiter ins 500 km entfernte Tscherepowez und da will ich nur einen Koffer plus Handgepäck bei mir haben. Neben Gastgeschenken und den alltäglichen Gegenständen, brauche ich aber auch Wintersachen, die vielleicht mal ein bisschen kältere Temperaturen als hier in Deutschland aushalten. Da ich nur für 6 Monate unterwegs bin, darf ich fast ausschließlich winterliche Temperaturen genießen und freue mich schon, endlich mal wieder richtigen Schnee zu sehen, anstatt des norddeutschen Schneematschs.

Nach den 10 Tagen Vorbereitungsseminar steht mir noch der Abschied von Freunden und Familie bevor und dann fliege ich am 12.09 los nach Moskau! Langsam fängt es auch an im Bauch zu kribbeln! Vor Aufregung. Berlin – Abschied – Abflug – ich freue mich riesig auf diese Zeit!

Bis bald!!! Pauline aus Hannover und bald aus Tscherepowez 🙂