Der Alltag und das Oktoberfest

Und schon sind wieder drei Wochen um! Die Zeit vergeht hier so unglaublich schnell – könnte möglicherweise daran liegen, dass viel passiert, oder daran, dass ich doch ziemlich viel Zeit auf der Arbeit verbringe.

Wo fange ich am besten an?

Also, an der Deutschen Schule habe ich jetzt endlich einen festen Stundeplan.

Das Theaterprojekt vor drei Wochen lief gut. Jeden Tag hatten wir eine andere achte Klasse und haben mit den Schülerinnen und Schülern Theaterspiele gemacht, über das Thema soziale Netzwerke diskutiert und die Klasse schließlich in Gruppen aufgeteilt, die dann selbst ein kleines Theaterstück zu dem Thema entwickeln sollten. Es waren also an allen fünf Tagen die gleichen Voraussetzungen und doch waren jeder Tag und vor allem die Stücke am Ende des Tages komplett unterschiedlich, weil wir unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und Ideen hatten.

Die Woche hat mir großen Spaß gemacht, weil ich viel mithelfen konnte und weil ich es toll fand, den Lernprozess und das Ergebnis am Ende beobachten zu können. Das Einzige, was mich wirklich irritiert hat, war, dass diese Dreizehnjährigen größtenteils fast aussahen wie Erwachsene und sich teilweise auch gekleidet haben, als seien sie mindestens siebzehn, aber sich dann doch verhalten haben wie Kinder. Meiner Meinung nach ist das bei diesen Projekttagen besonders aufgefallen, und vielleicht hat mir das bereits ein bisschen geholfen für die weitere Arbeit mit Kindern in der Pubertät, bei denen es mir aber sicherlich auch in Zukunft schwerfallen wird zu wissen, wie man mit ihnen umgehen soll.

Immerhin brauche ich mir darüber vorerst nicht allzu viele Gedanken machen, da ich zurzeit hauptsächlich in der Grund- und Vorschule arbeite. Nachdem nämlich die vorletzte Woche dann ein bisschen chaotisch war, da ich nicht so ganz genau wusste, was ich jetzt eigentlich machen sollte und zu wem ich jetzt eigentlich mit in den Unterricht kommen sollte, habe ich mir Ende letzter Woche anhand von einigen Richtlinien der Grundschulleiterin einen eigenen Stundenplan zusammengestellt, der nun ein wenig mehr Struktur in meinen Alltag bringt.

Bis dahin habe ich viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitungen des Oktoberfestes der Deutschen Schule Athen gesteckt, das am 8. Oktober stattgefunden hat. Dazu aber später mehr.

Außerdem hat nämlich vorletzte Woche der Deutsch-Intensive-Kurs an der Vorschule angefangen, den ich an drei bis vier Nachmittagen in der Woche mit Stavi, einer Betreuerin aus dem Kindergarten, zusammen leiten werde. Dort geht es darum, die elf Kinder, die mitmachen, spielerisch zum Deutschsprechen zu bringen: Wir basteln, spielen und backen mit ihnen und denken uns möglichst viele Dinge aus, die ihnen Spaß machen könnten. In den letzten zwei Wochen haben wir alles Mögliche zum Thema Herbst gemacht: Wir haben Herbstblätter gesammelt, Herbstwichtel gebastelt und ein „lebensgroßes“ Baumpuzzel gemacht, das wir später zusammengeklebt und mit bunten Herbstblätter-Händeabdrücken verziert haben. Heute haben wir dann mit dem Thema „Apfel“ angefangen und mehr oder weniger erfolgreich Apfelringe mit Zimt gebacken. Auch wenn die ganze Vorbereitung viel Arbeit ist und die Kinder oft unruhig und laut sind, da der Kurs am Nachmittag ist, macht mir der Deutsch-Intensiv-Kurs super viel Spaß, weil ich eigene Ideen einbringen kann und weil es toll ist, wenn die Kinder Spaß an dem haben, was wir uns ausdenken. Und natürlich hoffe ich auch, dass die Kinder dabei etwas lernen (nicht nur was die deutsche Sprache angeht, sondern auch bezüglich gewisser Regeln – wie zum Beispiel, dass man sich melden soll, wenn man etwas sagen möchte oder dass man nett mit den anderen umgeht und sich gegenseitig zuhört).

Der ca. 2 Meter große Herbstbaum, den wir im Deutsch-Intensiv-Kurs gebastelt haben.

Der ca. 2 Meter große Herbstbaum, den wir im Deutsch-Intensiv-Kurs gebastelt haben.

Und vormittags bin ich wie gesagt die meiste Zeit in der Grundschule. Hier gehe ich bei unterschiedlichen Lehrerinnen mit in unterschiedliche Klassen zu unterschiedlichen Fächern (dazu zählen hauptsächlich Deutsch, Mathe und Kunst in den Klassen zwei bis vier). Im Unterricht helfe ich dann entweder den Kindern bei der Stillarbeit und beantworte ihre Fragen oder gehe mit schwächeren Schülern auf den Gang, um die Aufgaben mit ihnen zusammen zu bearbeiten oder ihnen eine bestimmte Sache nochmal einzeln zu erklären – und manchmal sitze ich auch nur da und schaue zu, was ein bisschen langweilig und auch nicht so ganz Sinn der Sache ist, aber das kommt glücklicherweise auch nicht besonders häufig vor.

Außerdem bin ich noch zweimal in der Woche für zwei Stunden im Kindergarten und auch für wenige Schulstunden am Gymnasium (bisher nur in einer achten Klasse). So bekomme ich Einblick in die gesamte Schule, was zwar manchmal aufgrund von langen Kommunikationswegen ein wenig anstrengend ist, was ich aber trotzdem sehr schätze und interessant finde.

Da ich mir aber trotzdem noch etwas mehr Arbeit mit älteren Schülern und auch mehr Projektarbeit wünschen würde, war ich letzten Mittwoch bei der Sitzung des Schülerparlaments dabei. Dort haben sich die Schülersprecher und ein Klassensprecher auch jeder Klasse versammelt und über verschieden Anliegen diskutiert. So konnte ich einen guten Einblick in die Interessen der Schüler bekommen und auch gleich die Schülersprecher kennenlernen.

 

Nun zu meine Wochenenden: Die waren in den letzten drei Wochen – man glaubt es kaum – geprägt von Oktoberfesten. Ja, so richtig schön Bayerische Oktoberfeste. Hier in Athen. Es begann mit einem kleinen Schulfest an der Athener Schule (eine kleine Grundschule mit Deutsch als erste Fremdsprache) am ersten Oktober. Dorthin wurden wir von unserer Fachberaterin eigeladen und als Paddy und ich im Dirndl aufkreuzten, waren wir willkommene Gäste und Vorzeigemädchen, die dann auch gleich eine Brezel umsonst bekommen haben.

Genau eine Woche später folgte Nummer zwei, das größte und für mich anstrengendste Oktoberfest – nämlich das an der DSA. Hier habe vormittags noch bei der Deko geholfen und war dann beim Fest selbst auch mal als Gast, aber (vor allem gegen Ende) hauptsächlich als Helferin (am Recycling-Stand) anwesend. Dieses Fest war riesig und es gab alles, was das Herz begehrte (Brezeln, Würstchen, Bier, Waffeln, Kuchen, Eis, eine Tombola, Lebkuchenherzen, Livemusik und, und, und…)!

Ich auf dem Oktoberfest der DSA.

Ich auf dem Oktoberfest der DSA.

Ja, und vorgestern habe ich mir dann noch ein letztes mal mein Dirndl übergeworfen, um zum Oktoberfest an der Neuen Schule Athen (dort arbeitet Paddy) mitzukommen. Auch hier war es wieder voll, es gab „authentisch bayerische“ Spezialitäten und doch immerhin nicht ganz so besonders bayerische Musik.

Das alles hat viel Spaß gemacht, wir haben uns mit vielen netten Leuten unterhalten, gut gegessen und die komischen Blicke auf unsere Dirndl in der Metro ertragen, aber jetzt reicht es mir erst mal mit blau-weißen Karos. Dass ich in Deutschland noch nie auf einem Oktoberfest war, habe ich in den letzten drei Wochen sicherlich gut aufgeholt…

 

Und dann war da noch so etwas, das ich hier in Athen zum ersten mal wirklich „gefeiert“ habe: der Tag der Deutsche Einheit. Am Abend des dritten Oktobers waren wir vier kulturweit-Freiwilligen nämlich zum Empfang an der Residenz des Deutschen Botschafters eingeladen. Das war so ein fancy event mit lauter wichtigen Leuten und wir kamen uns ehrlich gesagt ein wenig fehl am Platz vor, amüsierten uns aber trotzdem gut, da es nach einigen Reden über die deutsch-griechischen Beziehungen (zum größten Teil auf Griechisch, sodass wir nichts verstanden) ein köstliches Büffet mit noch köstlicherem Dessert gab. 🙂

Wir vier kulturweit-Freiwilligen beim Empfang der Deutschen Botschaft zum 3. Oktober.

Wir vier kulturweit-Freiwilligen beim Empfang der Deutschen Botschaft zum 3. Oktober.

Aber das ist noch nicht alles an spannenden Dingen, die Wir in den letzten drei Wochen erlebt haben: Am Sonntag vor zwei Wochen haben Natalie, Paddy und ich nämlich noch einen wunderschönen Tagesausflug auf die idyllische Insel Aegina gemacht, wo wir die Hafenstadt ein wenig erkundet haben, mit gemieteten Fahrrädern an der Küste entlang Richtung Süden gefahren sind, uns in einer griechischen, nicht allzu touristischen Taverne ein leckeres Mittagessen gegönnt haben und uns schließlich noch ein wenig am Strand entspannt haben, bevor wir von der Fähre nach Hause den Sonnenuntergang bewundern konnten. Ja, das war wirklich ein super schöner Tag, der aus einer ganz spontanen Schnapsidee am Vorabend entstand und sich wirklich gelohnt hat, schönes Wetter und good Vibes inclusive. 🙂

Wir vor der Hafenstadt von Aegina.

Wir vor der Hafenstadt von Aegina.


Aegina - Der Blick von der Wesküste aufs Meer.

Aegina – Der Blick von der Westküste aufs Meer.

Aber auch in Athen habe ich mittlerweile schon etwas mehr gesehen: An meinem freien Tag am 3. Oktober habe ich mal wieder einen Ausflug auf den Filopappou-Hügel gemacht, von wo aus ich Athen, die umliegenden Berge, die Akropolis, den Hafen und das Meer bewundern konnte. Ich glaube, das wird mein neuer Lieblings-Platz.

Der wunderschöne 360°-Blick vom Filopappou-Hügel.

Der wunderschöne 360°-Blick vom Filopappou-Hügel.

Und letzte Woche Dienstag (übrigens der 11. Oktober, also der Tag, an dem ich seit genau einem Monat in Athen war) hat Ronja, eine Betreuerin aus dem Kindergarten, mit der ich mich sehr gut verstehe, mit mir und zwei anderen Praktikantinnen eine kleine Tour durch Athen gemacht und uns neben vielem anderen zum Beispiel ein wenig im wunderschönen Stadtviertel Plaka umhergeführt. Es war ein sehr schöner Nachmittag, den wir noch mit einem leckeren griechischen Abendessen im alternativen Viertel Exarchia haben ausklingen lassen.

 

Jaja, und so langsam wird auch hier das Wetter kühler (es sind allerdings tagsüber immer noch meistens über 20 Grad, das soll also nur heißen, dass es sich nicht mehr empfiehlt, kurze Hosen zu tragen) und die Tage werden kürzer. Der Alltag nimmt seinen Lauf und wir sind am Überlegen, nächstes Wochenende das dann doch noch gute Wetter für einen weiteren Insel-Trip auszunutzen. Denn die Wochenenden gehen hier viel zu schnell vorbei und unter der Woche bin ich viel beschäftigt mit der Arbeit, nutze die Zeit in der Metro zum Zeitung lesen – deutsche Zeitung (online), denn auch wenn ich in Griechisch definitiv große Fortschritte mache, so weit, dass ich die Zeitung lesen könnte, bin ich sicher noch nicht – und spiele so wie heute Abend ab und zu mit meinen beiden Mitbewohnerinnen Wizard (ein sehr cooles Kartenspiel). Am Wochenende war dann mal wieder Laufen und es hat so gut getan, dass ich beschlossen habe, auch noch due Treffen des DSA-Runnung-Team in meinen Alltag mitaufzunehmen.

Wie immer bin ich also gespannt, was die nächste Woche so alles bringt. Hier weiß man nie so genau was kommt – Spontanität ist definitiv eine Eigenschaft, die ich mir im Laufe des nächsten Jahres noch ein bisschen besser antrainieren werde.

Und zum guten Schluss: Mir geht es immer noch gut hier, auch wenn ich merke, wie sich die anfängliche Euphorie so langsam Normalität verwandelt. Ich versuche, diese neue Normalität weiterhin als spannend wahrzunehmen und die Motivation, möglichst viel davon mitzunehmen und möglichst viel zu erleben, aufrechtzuerhalten – und bisher gelingt mir das auch ziemlich gut, muss ich sagen! 🙂

 

Θα τα πούμε!

Ein Gedanke zu „Der Alltag und das Oktoberfest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.