Athen – Der Anfang und ein erster Eindruck

Wow, gestern vor zwei Wochen bin ich in Athen angekommen!

Tja, und jetzt bin ich hier und bleibe für ein Jahr. In dieser Stadt, von der ich noch kaum etwas gesehen habe und in der ich mich noch ganz schön fremd fühle.

 

Im November 2015 habe ich mich bei kulturweit für ein FSJ im Ausland beworben, war drei Monate später bei einem Auswahlgespräch und habe dann im April meinen Einsatzstellenvorschlag bekommen: Athen.

Ich war noch nie in Athen und wusste (bzw. weiß) auch nicht besonders viel über die Stadt. Und eigentlich wollte ich ja spanisch lernen. Aber was soll’s, eigentlich bin ich mir sicher, dass das Jahr im Ausland eine ganz besondere Erfahrung wird – egal wo ich hingehe.

Also habe ich zugesagt, mein Abi gemacht, die Sommerferien mit meiner Familie verbracht und schon war es so weit. Wie das immer ist, kam der Tag der Abreise dann irgendwie doch sehr plötzlich und viel schneller als erwartet.

„Ich kann das nicht. Ich fühle mich nicht bereit dazu. Ich weiß ja noch nicht einmal, was ich da machen soll. Ich bin überhaupt nicht vorbereitet. Und überhaupt, ich will doch eigentlich gar nicht weg von zu Hause!“

Abfahrt! Im Zug nach Berlin.

Abfahrt! Im Zug nach Berlin.

Und auf ging es zum Vorbereitungsseminar am Werbellinsee. Die 10 Tage dort waren sehr intensiv, ich habe viele neue Leute kennengelernt – wenn auch nicht alle der über 250 Freiwilligen – und die Themen waren spannend! Wir haben viel über Rassismus, Diskriminierung, Privilegien und vor allem über post-kolonialistische Strukturen geredet und mir wurden in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Es entstanden tolle Diskussionen, schwierige Gedanken und Irritationen und viel, viel Stoff zum Nachdenken und Verarbeiten.

Am ersten Tag auf dem Vorbereitungsseminar.

Am ersten Tag auf dem Vorbereitungsseminar.

Am Ende des Seminars war ich in gewisser Weise ein veränderter Mensch und voll mit Informationen und neuen Sichtweisen. Aber nach einer weiteren Nacht in einer Jugendherberge in Berlin bin ich glücklich und voller Vorfreude nach Athen gestartet. Und spätestens als ich neben Paddy, meiner neuen Mitbewohnerin und Mitfreiwilligen, und Natalie, ebenfalls eine Freiwillige in Athen, im Flugzeug saß, waren mit der Angst, dass meine Koffer zu schwer sein könnten, alle negativen Gedanken verschwunden. Der Flug verging schnell und wir landeten um kurz nach drei bei Regen (Regen?! Was soll das denn jetzt?!) am Athener Flughafen.

Der Blick aus dem Flugzeug: Griechenland!!!

Der Blick aus dem Flugzeug: Griechenland!!!

Juhuuu, wir sind daaaaaa!!!!! 😀

Gutgelaunt folgten wir den Schildern zum Gepäckband, sammelten unsere Koffer ein, nahmen noch ein paar free maps von Athen auf Vorrat mit und machten uns auf den Weg in unser neues Leben, zu unserem neuen Zuhause. Während Natalie von ihrer Vermieterin abgeholt wurde, machten Paddy und ich uns auf zur Metro und meisterten den 40-minütigen Weg zu unserer Wohnung trotz des vielen Gepäcks und der fremden Sprache problemlos.

Und dann waren wir da, standen auf einmal in unserer neuen Wohnung. Erleichterung. Die Wohnung ist schön und geräumig. Der Bruder von unserem Vermieter wohnt in der Wohnung über uns und hat uns alles gezeigt. Jeder hat sein eigenes Zimmer und zusätzlich gibt es eine offene Küche und einen relativ großen Wohnbereich, anderthalb Balkone und anderthalb Bäder. Die Wohnung ist möbliert und sieht aus wie auf den Fotos, die wir vorher im Internet gesehen haben: Schön, wenn auch ein bisschen sehr vollgestellt mit massiven Möbeln, alten Vasen und sonstigem Krimskrams. Es ist so ziemlich alles da, was man braucht; nur in der Küche lässt sich an der Ausstattung vielleicht noch etwas feilen, es fehlt zum Beispiel ein Wasserkocher – aber dafür haben wir eine Eismaschine, also wollen wir uns mal nicht beschweren! 🙂

Ein Rundum-Blick in unser Wohnzimmer.

Ein Rundum-Blick in unser Wohnzimmer.

 

Der wundervolle Blick von unserem Balkon.

Der wundervolle Blick von unserem Balkon.

Sonntagabend sind wir dann noch bei uns in der Nähe Essen gegangen und es gab zur Feier der griechischen Küche erstmal Burger (für mich veggie). Es war sehr lecker und wir haben das „Pitta Best“ direkt gegoogelt, um zu sehen, ob es eine Kette ist. Soweit wir herausfinden konnten, ist es einfach nur ein ziemlich leckerer, großer und gut besuchter Einzelhändler, der zufällig nur zwei Minuten zu Fuß von uns zu Hause entfernt ist.

Nachdem wir also am Montag (12.9.) Einkaufen gewesen waren, in der Wohnung, die sich als ziemlich staubig herausgestellt hatte, erstmal Großputz gemacht hatten, Joschi (eigentlich Josephin, unsere dritte Mitbewohnerin und Mitfreiwillige, deren Flug einen Tag später gegangen war als unserer) von der Metro abgeholt hatten und uns ein bisschen in unserem Viertel umgesehen hatten, beschlossen Paddy und ich, auch Joschi unser neues Lieblings-Restaurant zu zeigen. Diesmal gab es für uns griechischen Salat, Gyros und Pita-Sandwiches – wieder unheimlich lecker und sehr preiswert!

Am Dienstag ging dann der Alltag los. Vormittags war ich zum ersten Mal an meiner Einsatzstelle, der „Deutschen Schule Athen“. Ich war vorher ziemlich aufgeregt, aber nachdem ich meinen netten Ansprechpartner kennengelernt hatte und er mir und einem weiteren Praktikanten die Schule gezeigt hatte, war ich guter Dinge und machte mich auf den Weg zu einem Treffen mit der Fachberaterin für Deutsch in Athen. Sie ist eine weitere Ansprechperson von uns kulturweit-Freiwilligen und hat uns einiges über ihre Arbeit hier und über unsere Schulen erzählt (wir vier Freiwillige arbeiten alle an verschiedenen Schulen in Athen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten und dabei von der Fachberaterin der Zentralstelle für Auslandsschulwesen unterstützt werden, oder – in meinem Fall – als Deutsche Auslandsschule das deutsche Abitur anbieten). Am frühen Abend sind wir dann noch in einer sehr netten und mega leckeren Taverne in der Nähe essen gegangen.

Ein Bild von meiner Schule, das sie leider nicht von ihrer schönsten Seite zeigt.

Ein Bild von meiner Schule, das sie leider nicht von ihrer schönsten Seite zeigt.

Am Mittwoch musste ich noch nicht arbeiten und habe den Tag genutzt, um mich ein bisschen einzurichten, beim Waschen festzustellen, dass unsere Waschmaschine kaputt ist (sie ist bis heute übrigens immer noch nicht repariert, obwohl der Techniker, den der Bruder unseres Vermieters für uns gerufen hat, schon zweimal da war) und ein bisschen das Viertel zu erkunden.

Mein erster richtiger Arbeitstag war dann Donnerstag, der 15. September. Ich sollte mir erst einmal die Grundschule der DSA ansehen und habe mich morgens sehr darauf gefreut. Am Nachmittag kam ich aber ziemlich demotiviert und traurig nach Hause, da ich nichts Richtiges machen konnte, keiner einen Plan zu haben schien und ich einfach bei irgendwelchen Lehrern mitgegangen war, die gerade da waren. Und dann hatte ich nicht mal eine Monatsfahrkarte zum Studentenpreis kaufen können, weil sie meinen Freiwilligenausweis von kulturweit nicht anerkennen wollten.

Aber am nächsten Tag sah die Welt wieder besser aus, denn ich habe mich erinnert, dass alles am Anfang ein bisschen schwer ist und man keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte. Schon der Freitag lief besser, weil ich die Lehrerinnen an der Grundschule so nach und nach kennenlernte, und auch die nächste Woche, in der ich mich im Kindergarten und in der Vorschule umgesehen habe, hat mir gefallen. Die Kollegen sind sehr nett und auch die Kinder sind super (manchmal ein bisschen laut, aber so ist das eben). Letzten Freitag war ich dann zum ersten Mal am Gymnasium und habe eine ähnliche Erfahrung gemacht wie an meinem ersten Arbeitstag: Ich kenne kaum jemanden, weiß nicht so recht, was ich machen soll, und komme mir ein wenig verloren vor. Aber ich bin sicher, dass sich das bald gibt, wenn ich erstmal ein bisschen Zeit dort verbracht habe.

Ja, so sieht zurzeit mein Arbeitsalltag aus: Ich bin noch in der „Eingewöhnungsphase“ und versuche, mich so gut wie möglich zurecht zu finden. Soweit macht es mir aber Spaß an der DSA und ich bin motiviert für das, was kommt (zum Beispiel werde ich beim Oktoberfest der Schule helfen oder soziale Projekte unterstützen; und auch die gezielte Förderung von einzelnen Schülern soll ich in einigen Klassen übernehmen). Bin mal gespannt, was noch so alles kommt!

Unter der Woche bleibt leider nicht viel Zeit, um Athen kennenzulernen, da ich bisher immer von acht bis 16 Uhr in der Schule war und mit der Elektrika (Metro) fast eine Stunde dorthin bzw. wieder nach Hause brauche und weil ich mich noch daran gewöhnen muss, immer selbst Einkaufen gehen und kochen zu müssen.

Aber für das kulturelle Programm nutzen wir dann das Wochenende: Vorletzten Samstag waren Paddy, Joschi, Natalie und ich ein bisschen in der Innenstadt Athens und haben uns die Fußgängerzone, die kleinen schönen – wenn auch etwas touristischen – Gässchen der Stadtviertel Monastiraki und Plaka und von weitem auch die Akropolis angeschaut. Am Sonntag haben wir dann eine Tour an den Strand gemacht: Mit dem Bus sind wir ca. 2 Stunden gefahren, um uns Sounio, den Tempel des Poseidon, anzusehen, ein bisschen baden zu gehen und in der Sonne zu liegen. Es war wunderschön dort und wir haben uns gefühlt wie im Urlaub!

Paddy, Natalie und ich im Zentrum von Athen. Klein auf dem Berg im Hintergrund: die Akropolis.

Paddy, Natalie und ich im Zentrum von Athen. Klein auf dem Berg im Hintergrund: die Akropolis.

 

Wir vier vor alten Steinen: Σούνιο, der Temple des Poseidon.

Wir vier vor alten Steinen: Σούνιο, der Temple des Poseidon.

 

Der Blick aufs Meer am südlichsten Punkt der Halbinsel Attika.

Der Blick aufs Meer am südlichsten Punkt der Halbinsel Attika.

Dieses Wochenende waren wir wieder am Strand: Die anderen drei waren in Flisvos am Strand (mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur ungefähr eine halbe Sunde von unserer Wohnung entfernt), während ich bei einem lockeren Treffen der Kollegen in Marathon am Strand war. Danach waren Paddy, Joschi und ich dann spontan noch mit ein paar Leuten, die Joschi kennengelernt hatte, auf einer Beach-Party. Es war ganz cool, allerdings relativ anstrengend, da hier meist eher später gefeiert wird als wir das von Deutschland kennen, wir dann darauf warten mussten, dass früh am Morgen die Metro wieder fuhr, und die Techno-Musik nicht so ganz mein Geschmack war. Trotzdem hatten wir einen schönen Abend und haben uns dann gestern einen entspannten Tag zu Hause gemacht, den Joschi und ich mit einem Besuch des Freilichttheaters in unserer Nähe haben ausklingen lassen. Dort gab es ein Stück einer griechischen Theatergruppe, von dem wir leider nicht besonders viel verstanden haben, aber wo sie viele traditionelle Tänze in aufwendigen Kostümen gezeigt haben, die wir auch ohne Sprachkenntnisse bewundern konnten.

Der Blick vom Filopappou-Park auf unser Viertel und das Meer.

Der Blick vom Filopappou-Park auf unser Viertel und das Meer.

Heute bin ich dann motiviert in meine zweite volle Arbeitswoche gestartet, in der ich ein Theaterprojekt für die achten Klassen begleite, bei dem es um den Umgang mit Medien und mit sozialen Netzwerken geht. Die Kinder haben eigentlich ziemlich gut mitgemacht und hatten viele kreative Ideen. Mal sehen, was die nächsten vier Tage noch so bringen. Und gerade eben hatten wir unsere erste Griechisch-Stunde. Es hat total Spaß gemacht! Wir haben das Alphabet und einige Begrüßungen gelernt und ich hoffe, dass wir schnell Fortschritte machen. 🙂

 

Tja, und das ist er jetzt, mein erster Blog-Eintrag. Ich habe ehrlich gesagt selbst kaum noch daran geglaubt, dass er jemals zustande kommt: Allein in den letzten zwei Wochen ist schon so viel passiert und ich könnte noch viel mehr erzählen! Und dann ist da noch das Thema „Fair Berichten“, über das wir auf dem Vorbereitungsseminar gesprochen haben und dem ich mich nicht wirklich gewachsen fühle. Aber ich dachte, ich versuche es einfach mal und gebe mein Bestes, meine Freunde und Familie zu Hause ein wenig auf dem Laufenden zu halten und dabei keine Single-Stories über mein Gastland Griechenland zu verbreiten.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich hier bisher wirklich glücklich bin. Ich nehme Athen als „ganz anders“ wahr (anders als Deutschland und anders als das, was ich kenne) und fühle mich auch noch ziemlich fremd, da ich mich weder in der Stadt zurechtfinde noch die Sprache beherrsche. Aber trotzdem genieße ich das mediterrane Klima, die süd-ost-europäische Mentalität, die vielen Begegnungen mit den neuen, netten Menschen um mich herum und meine Zeit hier generell. Ich spitze die Ohren und höre gespannt zu, wenn Leute darüber reden, wie sie Griechenland und die Griechen empfinden oder was man in Athen und Umgebung unbedingt sehen muss. Auch wenn ich oft an zu Hause denke und an all die lieben Menschen, die ich in Deutschland zurückgelassen habe, sind das keine schmerzlichen Gedanken, sondern schöne Erinnerungen. Ich lasse mich auf dieses Land ein und freue mich darauf, dass es mein neues Zuhause wird, während ich meine Heimat trotzdem immer in meinem Herzen trage. Und wie gesagt: Es macht mich ziemlich glücklich. Ich erwische mich oft, wie ich auf dem Weg zur Metro einfach so vor mich hin grinse und freue mich, dass ich es so gut erwischt habe!

Also dann, γεια σας! 😀

4 Gedanken zu „Athen – Der Anfang und ein erster Eindruck

  1. Paulina 🙂 ein wunderbarer erster Eintrag, den ich sehr interessiert gelesen habe. Das hört sich doch alles ziemlich gut an! Freut mich sehr, dass es dir so gut ergangen ist und ergeht! Halt die Ohren steif und bleib motiviert 🙂 Ganz ganz liebe Grüße aus Russland!

  2. Cooler Blog! Ich war 2013 mit kulturweit in Polen und bin jetzt beruflich in Athen 🙂 Hab heute mein Monatsticket für die ÖPNV verlängert, an Monastiraki. Da waren sie super kritisch bezüglich meines ISIC Studentenausweises, bei Syntagma letzten Monat haben sie nur ganz kurz drauf geschaut. Vielleicht probierst du es nächsten Monat mal an einer anderen Station, vielleicht klappts ja ?

  3. Ohh Pauli, das klingt echt schön! Ich beneide dich! Freue mich über die nächsten Einträge und Bilder ☺️❤️ i miss you! Deine Dedo ❤️

  4. Toll, toll, toll!!! ich freu mich, dass es dir so gut geht in deiner neuen Heimat! Und dass man die Fotos durch anklicken ranzoomen kann, find ich sehr cool!

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