Die ersten Tage, eine Dote und das Essen

In der ersten Woche habe ich viele Leute kennengelernt. Ich habe die ersten Tage im Goetheinstitut damit verbracht Leuten über die Schulter kucken zu dürfen bzw. von ihnen viel erklärt zu bekommen. Außerdem habe ich Zeitungsartikel, die das Goetheinstitut betreffen archiviert. Ich habe also sehr schnell sehr viele Infos über das Goetheinstitut und seine Events bekommen.

Es gibt zum Beispiel ein sehr spannendes Programm, das sich ,,Goethe Decouverte“ nennt. Jedes Jahr werden 12 kamerunische Künstler von einer Jury ausgewählt. Diese Jury besteht aus bedeutenden kamerunischen Künstlern. Einmal im Monat gibt es dann ein Goethe-Decouverte Event, bei dem einer dieser 12 Künstler auftritt bzw. etwas präsentiert. Alle Kunstrichtungen können vertreten sein: Musik, Film, Performance, Literatur, Theater, Installationen usw.. Die Teilnehmer bekommen etwas Geld und die Möglichkeit sich in einem größeren Rahmen zu zeigen. Das ist hier nämlich leider gar nicht mal so einfach und möglich. Es gibt hier keine Theaterhäuser bzw. Bühnen, außer das Goetheinstitut, Das Institut Francais und Othni. Manchmal gibt es Musik-Events in einer der Sportzentren.

Der Institutsleiter hat mir von einem Problem erzählt mit dem das Goetheinstitut konfrontiert ist. Die meisten Künstler oder Deutschlernenden, die von dem Goetheinstitut unterstützt werden, wandern letztendlich irgendwann aus Kamerun aus, weil sie in anderen Ländern mehr Möglichkeiten sehen. Das ist natürlich nicht das, was das Institut erreichen oder unterstützen will, weil es eher darum geht die Künstlerszene im Land zu stärken. Es ist interessant, wie das Goetheinstitut eine Aufgabe übernimmt, die es eigentlich gar nicht hat, weil sich niemand anderes darum kümmert. Mein Chef meinte sie investieren viel mehr in den Erhalt der Künstlerszene in Yaoundé, als in den eigentlichen Austausch zwischen deutscher und kamerunischer Kultur.

 

Ansonsten habe ich in den zweit Wochen, viel zeit damit verbracht meinen Handyvertrag zum laufen zu bekommen, abends gehen wir sehr oft essen, Wilfried (ein Mitbewohner) hilft mir dabei mein Französisch zu verbessern und hat mir einige Videos von seinen künstlerischen Arbeiten gezeigt. Er baut viele Video-Installationen und ist momentan dabei einen 3D Film zu entwickeln. Er wird im Juli auch bei Goethe Decouverte mitmachen. Außerdem war ich mit Dolly (Sie ist im Institut verantwortlich für Presse und Kommunikation und außerdem Slamerin) und einem Freund meines Chefs auf dem Mokolo Markt, ein riesiger Markt in Yaoundé wo man alles findet was man sucht. Am letzten Sonntag war ich mit Gaetan (Vor mir Praktikant und jetzt an der Rezeption) bei der Dote seiner Schwester. Sie fand in seinem Heimatdorf außerhalb von Yaoundé statt. Es war super schön die ländliche Gegend zu sehen.

Eine Dote ist ein Fest, dass vor der Hochzeit gefeiert wird. Es gibt enorm viel zu essen und die Familie der Braut überreicht dem Bräutigam eine Liste mit Wünschen, die er besorgen muss. Typisch sind z.B. eine Ziege, Stoffe und Geld. Natürlich wird das mittlerweile auch auf moderne Dinge erweitert wie Playstations und Autos, aber man wählt nur Dinge, die der Bräutigam auch finanzieren kann. Es ist eine symbolische Geste, die sich aber nur um materielle Dinge dreht. Es gibt viele Diskussionen, zwischen den Eltern der Braut und der Familie des Bräutigams. Dort dürfen, aber auch wirklich nur diese Personen anwesend sein und Gaetan und ich haben einen Ausflug auf einen Berg, mit dem Blick auf Yaoundé gemacht.

Auf der Dote waren sehr viele Kinder anwesend. Kinder scheinen hier eine sehr große Rolle zu spielen. Ich habe mich auch mit einem Arbeitskollegen unterhalten und er meinte er wolle auf jeden Fall 6 Kinder haben und aus Spaß ,,davor ist man doch gar keine richtige Familie“. Gaetan meinte auch, dass hier viele Leute sehr früh heiraten, wenn man mit 30 noch unverheiratet ist, sei das schon eher ungewöhnlich. Es ist aber, wie in Deutschland auch sehr normal auch vor der Hochzeit schon Kinder zu bekommen.

 

Ich habe gerade auf der Dote , aber auch in der Stadt schon ein paar, für mich neue Gerichte gegessen. Einige von ihnen bekamen mir leider nicht so gut. Eros z.B. ist ein Gericht, dass etwas aussieht wie Spinat. Es wird wie vieles andere hier mit rotem Öl zubereitet. Ich habe jetzt auch endlich gelernt, dass mit ,,legumes“ hier oft kein Gemüse gemeint wird sondern Eros. Als ich das noch nicht wusste, wurde es mir ein bisschen zum Verhängnis, weil mir Eros wirklich nicht gut bekommt. Super lecker sind Beignets, in Öl gebackene Teigkrapfen. Man isst hier auch sehr viel Ei. Manchmal nur einfach gekocht oder als Omelett. Ich mag das Omelett in das Spaghetti, Tomaten und Zwiebeln integriert sind sehr gerne. Dann gibt es noch Plantaines (quasi wie Bananen, nur dass sie gekocht werden müssen), Manioc sind ein bisschen wie Kartoffeln. Sie werden hier sehr häufig gegessen, ob als Brei oder eingewickelt in Bananenblätter (Batons du Manioc, wie lange Würst). Ich habe gestern erfahren, dass mit den Batons du Manioc, während der Kolonialiserung die Sklaven ernährt wurden, weil sie ewig haltbar sind. Sie beinhalten, aber auch kaum Proteine, was oft zu Problemen geführt hat. Dann habe ich noch Taro gegessen. Das ist ein Gericht mit Manioc Brei und einer gelben Soße. Außerdem isst man dazu Fleisch, wie zu den meisten Gerichten hier. Ich glaube ich habe hier noch kein Gericht ohne Fleisch gegessen, außer Avocado Salat. (Ich durfte auch schon Helfen Avocados bei unseren Nachbarn zu ernten und sie haben uns gleich mal 6 Avocados mit nach Hause gegeben) Dann gibt es natürlich noch viel Obst wie Papaya und Mangos und man isst viele Erdnüsse.

Gestern war ich dann mit meinem Chef und seinem Freund im Nationalmuseum. Es war sehr interessant, wie sich die Politik nach Außen hin präsentieren will. Danach waren wir mit einem sehr interessanten Mann essen. Er forscht über die Kolonialzeit in Kamerun und stellt darüber ein Archiv her. Er hat uns sehr viele interessante Dinge erzählt. Mit ihm konnten wir auch den deutschen Friedhof im Finanzamt besuchen und besichtigten das erste errichtete Haus in Yaoundé.

Ich habe das Gefühl ich lerne und erlebe jeden Tag etwas neues und wenn ich dann nach Hause komme egal ob 19 Uhr oder 23 Uhr kann ich sofort einschlafen. Es gibt hier ein paar für mich ungewohnte Systeme, wie das Taxis fahren, aber sie haben ihren Sinn und ich denken ich gewöhne mich sehr schnell daran. Eine viel größere Herausforderung ist die Sprache.

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