Cluburlaub in San Rafael

Die Wochenenden werden knapp und ich fahre nun öfter raus aus Medellín. Feiertage werden hier immer auf einen Montag gelegt und deshalb gibt es viele Brückentage. Nachdem ich schon ein Badewochenende in Guatapé hinter mir habe, bin ich am Freitag etwas weiter mit dem Bus gefahren – etwa eine Stunde flussaufwärts des Río Guatapé liegt das Dorf San Rafael.

Weil ich sehr spät losgefahren bin, komme ich bei Dunkelheit in San Rafael an. Nicht mein klügster Schachzug, weil ich noch einige Kilometer bis zum auserkorenen Hostel zurücklegen muss. Ohne nennenswerte Sichtweite wandere ich also über die Hängebrücke und in die Berge hinein. Am Straßenrand tauchen immer weniger Häuser auf, bald laufe ich nur noch an Weiden und Fincas vorbei. Eine Taschenlampe wäre schön.

Nach einigem Suchen stelle ich fest, dass es in San Rafael wohl leider kein Experience Hostel gibt. Fake News. Die alte, wunderschöne Finca liegt verlassen da und hat ihre besten Hostelzeiten schon hinter sich. Ich frage im Club Paradise, einer großen Hotelanlage mit Pool, noch einmal nach und treffe glücklicherweise den netten Koch des Hotels. Er verschafft mir ein Einzelzimmer mit privatem Bad für den halben Preis – und meine Nacht ist gerettet. Der Club Paradise wirkt, als wäre er mitten in die grüne Graslandschaft geklebt worden. Seine bunte Poolarea und die laute Musik passen nicht gerade ins malerische Bild von San Rafael. Aber ich genieße natürlich trotzdem rücksichtlos meinen spontanen Cluburlaub.

Am nächsten Tag erkunde ich das Pueblo und trinke Kaffee im Parque Principal von San Rafael. Hier herrscht reges Treiben, alles ist sehr bäuerlich geprägt und es stehen Kaninchen und Esel zum Verkauf. Die koloniale Kirche ist zur Predigt voll besetzt. Je später es wird, desto mehr alte Männer mit Hüten versammeln sich auf den Parkbänken und trinken Bier. Viele von ihnen halten ihr Pferd dabei fest und es ist normal, sei Pferd überallhin mitzunehmen. Pastel de Pollo ist noch hausgemacht, die Preise sind angenehm.

Bevor ich wieder Abschied nehme, suche ich mir ein einsames Stück Sandstrand am Fluss. Es ist wirklich schön in San Rafael und zudem sehr warm. Nur die Unterkunftssuche gestaltet sich schwierig – beim nächsten Mal finde ich vielleicht eine etwas abgelegenere Finca und dann ist San Rafael ein echter Geheimtipp! Denn die Touristen kommen gewöhnlich nur bis Guatapé.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.