Politik und Frieden in Kolumbien

Nach der frustrierenden Wahlentwicklung in Deutschland ist es spannend einen Blick auf die politische Landschaft Kolumbiens zu werfen. Hier gibt es wenig Einheitsbrei, viele offene Fronten und brisante Themen. Die Politikverdrossenheit der Bevölkerung ist dennoch unheimlich hoch, da Jahrzehnte der Korruption jegliches Vertrauen in Regierungen und Politiker zunichte gemacht haben.

Ich werde nichts zusammenfassen können, aber will versuchen darzustellen, was ich bisher verstanden glaube: In Kolumbien gibt es sowohl nach links als auch nach rechts orientierte, starke Parteien. Als linksextrem könnte die Partei der Ex-FARC-Guerilla gelten, die bei den Senatswahlen nur wenige Stimmen abgreifen konnte und stark umstritten ist. Sergio Fajardo ist als Vertreter der grünen Partei bekannt, Germán Vargas Lleras war lange Zeit an der aktuellen Regierung beteiligt. Sich gegenüber stehen außerdem Humberto de La Calle, ein Befürworter des Friedensabkommens des aktuellen Präsidenten, und Iván Duque Márquez, der wie Ex-Präsident Uribe hart gegen Guerillas durchgreifen will. Duque gehört dem Centro Democrático an. Mit Gustavo Petro steht ein Politiker zur Wahl, der selbst einmal der M-19-Guerilla angehört hat. Der zentrale politische Punkt des aktuellen Präsidenten, Juan Manuel Santos, der für ein Friedensabkommen mit der FARC den Friedensnobelpreis bekommen hat, scheidet die meisten kolumbianischen Geister. Einig sind sich die meisten vor allem in einem Punkt: Santos muss weg.

Die politische Situation in Kolumbien ist mehr als verwirrend und von viel Korruptionsverdacht oder persönlichem Misstrauen geprägt. Mit deutscher Mithilfe wurde nun für Kolumbien ein Wahl-O-Mat erstellt, der besonders Erstwähler ansprechen und eine gute Orientierung für die anstehenden Präsidentschaftswahlen bieten soll:

www.candidater.co

Wer Lust hat, kann sich gern mal durch die ca. 30 Fragen klicken. Es ist wirklich interessant zu sehen, welche Themen in Kolumbien wichtig sind und wie groß die Unterschiede zu Deutschland sein können. Neben den klassischen Themen Bildung und Wirtschaft spielt in Kolumbien zum Beispiel das Thema Innere Sicherheit eine große Rolle. Der Frieden, der Umgang mit Ex-Guerilleros und auch die Situation an der Grenze zu Venezuela sind häufig debattierte Themen.

Am Sonntag, 27. Mai 2018, finden die Präsidentschaftswahlen statt. Ich kann noch nicht wirklich einschätzen, wie viel sich danach für Kolumbien ändern wird. Es gibt aber noch viel im Friedensprozess und in der Stabilisierung der nationalen Wirtschaft zu tun.

Update: Es gibt eine gute Zusammenfassung des aktuellen Stands auf SPIEGELOnline: http://spon.de/afeTn

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