La Escuela Normal Superior Maria Auxiliadora

Die Escuela Normal in Copacabana liegt auf einem Hügel im Valle de Aburrá, am Stadtrand von Medellín. Jeden Morgen fahre ich mit meiner Mitfreiwilligen zur Endstation der Metrolinie, steige in einen abenteuerlichen Bus und mache mich an den Aufstieg, der je nach Wochentag sehr anstrengend sein kann. Montags lässt sich der Hügel mit dem Mount Everest vergleichen, zwar ohne das Triumphgefühl auf dem Gipfel, dafür aber mit Sauerstoffnot und Übermüdung.

Mein Arbeitsplatz ist ein sonniger, luftiger Ort. Am Morgen begrüssen mich der Sicherheitsmann, der Portier, der Hausmeister, die ein oder andere Nonne, die Kindergartenkinder ebenso wie die älteren Schüler und auch meine Deutschkoordinatorin Alba. Die Paisas lieben es sich überschwänglich nach dem Wohlbefinden des Gegenübers zu erkundigen, während ich am Morgen meist nur ein atemloses „Bien, gracias.“ hervorbringe. Ich steige die Treppen zur Sala de Alemán hinauf, wo die älteren Schüler unterrichtet werden. Hier bringt Alba mich meistens auf den neuesten Stand. Wenn es mal wieder einen Rohrbruch gab, kann ich direkt zurück nach Hause fahren.

Ich hatte große Angst, dass ich durch kulturweit plötzlich wieder in einem Schulbetrieb steckenbleibe, denn 12 Jahre in Deutschland haben mir vorerst gereicht. Glücklicherweise ist meine Arbeit in der Escuela Normal aber nicht mit meiner Schulzeit zu vergleichen. Zwar wurden in diesem Halbjahr alle Stunden auf den Morgen verlegt, weshalb ich früh aufstehen muss und leider wieder die Zahlen 5 bis 7 auf dem Wecker stehen. Meine Rolle in der Schule ist aber eine ganz andere: Ich begleite Lehrer im Unterricht, da diese oft selbst kaum Deutsch sprechen. Die Escuela Normal ist die einzige öffentliche Schule in Kolumbien, die Deutschunterricht verpflichtend anbietet, deshalb bin ich in verschiedenen Klassen ständig unterwegs. Ich bereite kleine Präsentationen und Spiele vor, recherchiere Material für Alba oder registriere Schüler für die PASCH-Website. Hierbei ist der Mix aus administrativen und kreativen Aufgaben recht frei wählbar. Natürlich gibt es aber auch langweilige Aspekte an meiner Arbeit: Ich mag es zum Beispiel nicht zu korrigieren.

Im Moment führen Fabie und ich Interviews mit jedem Deutschschüler durch, um mehr über das Niveau im Unterricht herauszufinden. Auf diese Weise suchen wir auch Kandidaten für Stipendia oder Austauschprogramme. Die Escuela Normal ist Mitglied bei PASCH. Das ist ein Netzwerk von Schulen, das vom Goethe-Institut aufrechterhalten wird, und das Schülern regelmäßig die Möglichkeit gibt, nach Deutschland oder auf Sprachcamps zu reisen.

Macht mir die Arbeit an der Schule Spaß? Ich bin mir sicherer als je zuvor, dass ich nicht auf Lehramt studieren will. Es gibt einfach manche Dinge an Schulen, die mir auf die Nerven gehen. Und auch meine Geduld mit Kindern hat irgendwo ein Ende. Allerdings bin ich sehr froh über meine Arbeitsstelle: Man wird willkommen geheißen, nicht überlastet und trotzdem gefordert. Ich merke, wie ich dazulerne. Und, oh mein Gott, die Cafeteria ist super. Denn wir können umsonst frühstücken, Mittag essen und uns an der Eistheke bedienen, was auch die Klassen mit 55 Schülern wettmacht.

Das Leben an der Escuela Normal ist oft anstrengend, denn der lange Schulweg und die großen Klassen sorgen für Erschöpfung.  Die Arbeit ist allerdings doch recht vielseitig, die Schüler sind sympathisch und nett und die Aussicht vom Schulhof ist atemberaubend. Obwohl ich weiß, dass ich nach 12 Monaten froh sein werde, dass ich nicht mehr in einer Schule arbeiten muss, habe ich im Moment noch Lust drauf. Die Escuela Normal ist mir ans Herz gewachsen und ein wichtiger Teil meines Lebens in Medellín geworden – trotz Wecker um 5 Uhr.

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