Seminar zwischen Regenwald und Karibik

Die Casa Loma in Minca ist ein wunderschöner Seminarort – aber in dem von der Regenzeit überwältigten Bergdorf stoßen wir Freiwilligen auch auf Schwierigkeiten und die Schattenseiten der Abgeschiedenheit.

Aber lasst uns mit Sonne und Strand beginnen: Unsere Reise zum Zwischenseminar, das uns nach 2 Monaten endlich wieder mit den anderen kulturweit-Freiwilligen vereinigen soll, beginnt mit einem Trip nach Taganga. Im überschwemmten Santa Marta verbringen wir zwei Stunden im Taxi, bevor hinter einer Bergkuppe das Fischerdorf auftaucht.

Das Hostal Moringa liegt auf einer Anhöhe und vom Pool aus bietet sich ein beeindruckender Blick über die ganze Bucht von Taganga. Noch von der Lebensmittelvergiftung aus Cali erschöpft, verbringe ich fast drei Tage in der Hängematte. Im Hostel wird frischer Fisch gegrillt, mit Limette und Knoblauch. Tagsüber wandern wir mit brasilianischen Hostelgästen zur Playa Grande, deren Sandstrand von hunderten kolumbianischen Familien fast verdeckt wird. Eine Kayaktour mit Tauchgang lohnt sich dennoch.

Montags machen wir uns auf nach Minca, etwa anderthalb Stunden entfernt von der Küste. Der Ort liegt in der Sierra Nevada, wo ein tropisches Regenklima herrscht und die Straßen schnell schmal werden. Die Casa Loma empfängt uns mit vegetarischen Burgern und gefiltertem Wasser.

Wie sich jedoch bald herausstellen soll, geht hier etwas nicht mit rechten Dingen zu. Als erstes erkrankt unsere Trainerin, später andere Freiwillige und schließlich haben sich verschiedene Infektionen auf die ganze Gruppe ausgebreitet. Mumps, Magen-Darm, Bronchitis, Grippe, Augenentzündungen und fiese Amöben knocken 22 Jugendliche und zwei Trainerinnen aus. Woran das liegt? Manche schieben es auf die Casa Loma, andere auf die Regenzeit oder auf unglückliche Umstände. Tatsächlich findet aufgrund der Krankheiten kaum Seminararbeit statt. Aufwärmspiele, Massagen und Entspannungspausen gibt es dafür zur Genüge. Schade aber, dass die Viren unser Treffen so bombardieren und auch die Trainerinnen keine weitere Motivation aufbringen können, was die gemütlichen Atmosphäre aber nicht stört.

Nach 5 erschöpfenden Tagen im Dschungel mit Ausflügen zu einer tollen Kaffeefinca und zu Wasserfällen, mit stürmendem Regen in wilder Natur und einer gemischten Stimmung in der Gruppe zieht es uns wieder an die Küste. Ich bin als Einziger noch gesund geblieben. Das Wochenende nach dem Seminar verbringen wir in Costeño Beach, östlich des Tayrona-Parks. Im Mototaxi fahren wir durch Palmenwälder zum Hostal Brisa Tranquila. Uns erwarten Traumstrände, Kokosnüsse und Surferwellen. An einer Flussmündung lassen wir uns ins warme karibische Wasser treiben, bevor wir uns  einen Fisch grillen lassen und abends in Riesenhängematten unter Palmen entspannen.

Unser Urlaubsprogramm ist ein echter Erfolg. Und ich persönlich bin auch begeistert vom Seminarort in Minca – allerdings sollte man bei einem Blick auf die nähere Umgebung vielleicht auch weniger abenteuerliche Orte für die nächsten Seminare in Erwägung ziehen. Die Sierra Nevada ist eben nicht nur ein Gebirge mit Kaffeepflanzen, Craft-Beer und Tropenfeeling, sondern auch ein Ort voller Viren und Amöben.

Wo ist nun der Motivationsschub? Der bleibt für mich nach dem Seminar aufgrund von fehlendem Input leider erstmal aus. Und auch die Trainerinnen haben ihren Fokus auf andere Dinge gelegt. Als ich jedoch mit dem Taxi wieder in Medellín ankomme und die Berghänge mich begrüßen, da kriege ich nochmal mehr Lust auf das anstehende Backpacking und auch Motivation für die kommenden 9 Monate im kolumbianischen Alltag: Jetzt geht’s erst richtig los!

 

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