Sommerregen

Der Kalender zeigt den 31. August an und es regnet in Strömen. Draußen versinkt die Welt im Grau und die Kirchturmuhren schlagen. Die Lufttemperatur beträgt 16 Grad. Dabei sollte es doch eigentlich noch Sommer sein, oder?

Die Schüler haben zumindest Sommerferien. Ein süßes Gefühl der Überlegenheit kribbelt im Abiturienten, denn es geht nicht mehr zurück an die Schule: Morgen beginnt das Vorbereitungsseminar und am 14. September startet das Flugzeug nach Kolumbien.

Ich werde viel erleben in der nächsten Zeit und damit ein bisschen Persönlichkeit über meinen Blogeinträgen schwebt, will ich mich heute vorstellen: Ich bin Jakob, 18 Jahre alt und komme aus Tübingen in Baden-Württemberg. Ich lebe hier gern, wegen der Fahrräder und der Studenten und der lauen Sommerabende. Ich liebe die Musik, von Klassik bis Punk bis Swing. Meine Spanischkenntnisse zu verbessern ist mir ein besonderes Anliegen und neben meiner Leidenschaft für Gitarren interessiere ich mich für Literatur und Film. Mein Abitur habe ich am Carlo-Schmid-Gymnasium gemacht und später bot mir kulturweit im Nachrückverfahren einen Freiwilligendienst in Medellín, Kolumbien an.

Was ich in der Großstadt am meisten vermissen werde? Wahrscheinlich mein Fahrrad! Was die Freunde betrifft, so hat jeder im nächsten Jahr eigene Pläne und Skype-Konferenzen sind in Planung. Meine Familie lasse ich auch für ein Jahr in Deutschland zurück – das macht alles überhaupt keinen Spaß. Vielmehr merkt man erst, wenn man geht, was man alles zurücklässt. Chester Bennington von Linkin Park sagte noch:

„You don’t know what you’ve got, until it’s gone.“

Es regnet in Deutschland und es ist kalt. Das wird mir im nächsten Jahr nicht mehr oft widerfahren – es mag zwar ab und zu Schauer geben in Medellín, dafür erwarten mich aber ewige Frühlingstemperaturen. Und wenn alle Abschiede vollzogen und alle Flieger bestiegen und alle Kulturschocks überwunden sind, dann kann ich mir mein eigenes WG-Zimmer einrichten. Dann gehe ich exotisches Obst und Kochbananen einkaufen und koche mir die Seele aus dem Leib. Dann höre ich mir bei einem kühlen Club Colombia fröhliche Gitarrentrios an und reise als Backpacker auf tropische Inseln. Dann kann ich mich in all dem Trubel vielleicht endlich einmal selbst kennenlernen und merke, was ich gerne studieren würde.

Ich freue mich sehr und das eine Auge weint vielleicht auch nur wegen dem Regen. Um 22.36 Uhr steige ich in den Zug zum Seminar nach Berlin und morgen bade ich vielleicht schon im Werbellinsee – im Norden soll das Wetter gerade besser sein. Endlich lerne ich all die verrückten FSJler kennen, die in der gleichen Patsche stecken wie ich und die Freude trotzdem kaum bändigen können.

Koffer gepackt – und los!

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