Die Stadt des Ewigen Frühlings

Im Tal des Río Magdalena erstreckt sich die Hacienda Nápoles über fast 3000 Hektar. Als Pablo Escobar den gigantischen Landsitz im Jahr 1978 errichten ließ, fanden auf dem Gelände sowohl eine Stierkampfarena als auch eine Flugzeuglandebahn Platz. Neben einer wertvollen Oldtimersammlung und prächtigen Villen machte vor allem der hauseigene Zoo großen Eindruck: Hier lebten exotische Tiere wie Zebras, Kamele, Elefanten, oder Nilpferde.

Wer war dieser Pablo Escobar? Das wusste der mächtige Gründer des Medellínkartells wohl manchmal selbst nicht, denn während er die Antilopen im eigenen Zoo bestaunte, versuchte er politisch als „Anwalt der Armen“ seinen Einfluss geltend zu machen. Aber Escobar ist eine wichtige kolumbianische Persönlichkeit: In Medellín ist knapp 25 Jahre nach seiner Erschießung immer noch ein Stadtviertel nach dem Drogenboss benannt. Zu Escobars Zeiten galt die Hauptstadt von Antioquia als gefährlichster Ort der Welt.

Fakt ist, dass ich in etwa drei Wochen mein WG-Zimmer in eben dieser Stadt finden sollte. Ich hoffe auf eine solide Spülmaschine und einen Gemeinschaftsbalkon, vielleicht sogar auf amerikanisches Fernsehen. Ob ich Angst habe?

Medellín wurde 2013 zur innovativsten Stadt der Welt gekürt. Ein modernes Seilbahnsystem bringt die Bewohner der Armenviertel zur Arbeit ins Stadtzentrum. Die Kriminalitätsrate liegt heute kaum höher als der lateinamerikanische Durchschnitt. Das Wetter verspricht ganzjährig Frühlingstemperaturen, die Busanbindung in alle Klimazonen Kolumbiens ist gut und meine WG liegt in Hörweite des Fußballstadions, wo Atlético Nacional regelmäßig für Festtagsstimmung sorgt.

Ich habe eigentlich keine Angst. Pablo Escobar ist mir hauptsächlich durch die Netflix-Serie „Narcos“ präsent und ich freue mich sehr auf mein selbständiges Leben im bunten Frühlingstreiben von Antioquia. Ein bisschen gesunden Respekt habe ich aber dennoch vor der schwierigen Vergangenheit Kolumbiens und vor den Problemen, die mir Kulturunterschiede und Behörden bereiten werden. Aber im Moment überwiegt auf jeden Fall die Vorfreude!

Mehr Beiträge zu Medellín, meinem Freiwilligendienst und meiner Vorbereitung werden hoffentlich folgen. 

Der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez sagt dazu:

 „El que no tiene memoria, se hace una de papel.“

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