post

Ohne Punkt und Komma

Egal, wo – es kommt vielmehr darauf an, mit wem man seine Zeit verbringt.

Ob in einer dunklen Ecke im (nicht besonders hygienischen) Pub-Pub, bei Regenwetter im MC Donalds in irgendeinem Vorort von Bratislava, auf einem Konzert, wo die einzigen Hinweise auf den Textinhalt die Emotionen des Publikums sind oder erkältet beim Bergsteigen an der polnischen Grenze. Oder auch ganz alleine in einem Café in Nitra.

Wenn man mit den richtigen Menschen unterwegs ist, kann es gar nicht langweilig werden.

Neben der Tatsache, dass ich das Potential zu eienm Motivationscoach fuer Migraenegeplagte Amateurbergsteiger habe, war das wohl die Erkenntnis der Woche.

Ich habe mal wieder deutlich gemerkt, wie gut es tun kann, viel mit Freunden zu unternehmen – aber auch, wie sehr ich manchmal einfach einen Tag fuer mich brauche. Oder auch zwei oder drei.

Einfach, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten und wieder Lust darauf zu bekommen, etwas zu unternehmen.

Deswegen war ich die letzten beiden Wochenenden nicht auf grossen Reisen, sondern habe einen Gang zurueck geschalten. Ich muss zugeben, dass das nicht ganz freiwillig passiert ist – ich war wegen des Regens in Bratislava mal wieder ein bisschen krank und deswegen am Wochenende nicht wirklich in Campinglaune.

Nachdem ich freitags dann das beste slowakische Street Food gegessen hatte und danach wegen Smola a Hrušky der Abend doch ein wenig länger wurde als geplant, war ich gar nicht mal unzufrieden darüber, am nächsten Tag nicht um 4 Uhr aufstehen zu müssen. Stattdessen bin ich am Nachmittag ganz gemütlich nach Dolný Kubín in den Norden gefahren, um Patricia zu besuchen.

Patricia und ich, wir haben schon viel Zeit miteinander verbracht. Wir sind Meisterinnen der WhatsApp-Sprachnachrichten-Funktion, leidenschaftliche Tee-Trinker und Organisationsfreaks. Meistens machen wir nicht viel, sondern verbringen unsere Wochenenden hauptsächlich in Cafés und mit dem obligatorischen Sonntags-Pancake-Frühstück, aber trotzdem kommt es sehr selten vor, dass wir mal nichts zum Reden finden. Vor ein paar Wochen hat sie mich schon in meiner Hometown besucht – und diesmal war es an mir, in den Bus zu steigen.

Was Dolný Kubín zu bieten hat: Einzimmerwohnungen mit zwei Bädern, Brücken, die nach 2 Monaten wie aus dem nichts auftauchen, Ingwertee 2.0 und ziemlich eindeutigen Sozi-Charme, der sich nicht nur auf die äußeren Viertel der Stadt beschränkt.

Und dann gibt es da auch noch den Choč. Irgendwie haben wir es auch tatsächlich geschafft, zwischen all den Kaffee- und Teepausen auch noch eine kleine Wanderung einzubauen, die dann doch nicht so klein war. Denn Der Choč ist mit 1600m wohl der höchste Berg, auf den ich bisher gestiegen bin. Ich war an diesem Tag sehr dankbar fuer  fuer meine regelmässigen Yoga-Einheiten während der letzten Wochen, denn ohne die ganzen deep Lunges und Krieger 1, 2 und auch 3 wäre ich glaube ich nicht mehr heil unten angekommen. Irgendwie war der Weg abwärts nämlich noch steiler als der nach oben.

Auf zwei Punkte bin ich an dieser Wanderung besonders stolz: Erstens, darauf, dass wir den Weg auf Anhieb gefunden haben. Und zweitens, dass wir nicht kurz vor dem Ziel aufgegeben haben, als die Lichtung sich doch nicht als der Gipfel, sondern als Zwischenstopp entpuppte.

 

Und die Aussicht auf die Berge der Slowakei und Polens war am Ende das frühe Aufstehen, den Muskelkater, als auch die 20 Minuten voller verzweifelter Versuche, meine Weggefährten mit übermotivierten Kommentaren (Die Top 3: „Schau mal, die Sonne scheint!“, „Schau mal, die Aussicht!“ und „Wir werden so stolz sein da oben!“) trotz Kopfschmerzen zum Weiterlaufen zu bewegen wirklich wert.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.