Bad Boy, умный boy, good boy

 

Letztere Bezeichnungen gehören zum Alltagsrepertoire meiner Deutsch-Lehrerin und sie zeigen haarscharf mit wie viel Humor hier am Arbeitsplatz umgegangen wird. Nach fünf Wochen Russland muss ich zugeben, dass auch wenn ich die ein oder anderen Bilder der Freiwilligen aus wärmeren Gefilden sehe, und der Wunsch nach ein bisschen mehr Wärme aufkommt, dass ich von der russischen Kultur und Sprache in dem Maße fasziniert bin, dass ich später in diesem Bereich, der deutsch-russischen Kulturbeziehungen arbeiten möchte. Es ist die schon so oft besungene Mischung der Hassliebe, da ist das Interesse an der russischen Kultur, der Tiefe der russischen Sprache und deren Komplexität, des nostalgischen Gefühls in einem Meer von sozialistischen Wohnungsbauten und sozialistischen Überbleibseln zu stehen, und auf der anderen Seite eben diese „anderen“ Überbleibsel, die noch in den Köpfen der Menschen stecken, wenn es um Politik, Autorität und dem Umgang mit Minderheiten geht. Besonders aufgefallen ist mir der Ausspruch „Putin kann nicht alles richten“, „jeder muss bei sich anfangen“, „soll Putin die Straßen putzen?“, was schon ein wenig an alte deutsche Aussagen erinnert, umgewandelt könnte man sagen „wenn das Putin wüsste“. Dann sind da aber auch auf der anderen Seite sehr viele junge Menschen, die beginnen umzudenken.

Aber jetzt noch einmal kurz zu ein paar lustigen Alltagsanekdoten:

„Entschuldigen Sie, aber wo kann man hier ein Busticket kaufen“? –„Steigen Sie einfach ein!“

Völlig perplex stand ich an der Bushaltestelle und wusste nicht, wo ich denn jetzt eine Fahrkarte kaufen kann. Aber hier funktioniert das ganze so. Man steigt ein, dann geht ein oder eine so gennante(r) „Kondukter“ durch den Bus und verkauft einem zu einem Preis von 22 Rubel (ca.30. Cent) ein Ticket, hat man Glück oder stellt sich geschickt an, kann es einem sogar mal gelingen schwarz zu fahren, aber das würde natürlich niemals jemand tun.

Wabe 21, ein kurzer Blick in die Tabelle, Preisklasse 2., Ermäßigung für Studenten, das macht dann 30 Rubel. Vergesst es! Hier zahlt man unabhängig davon wie viele Stationen man fährt 22 Rubel. Man munkelt, dass wenn man einfach sitzen bleibt, man für 22 Rubel in Moskau landet!

Die „Billeti“ (für die der französischen Sprache Mächtigen sollte klar sein, was damit gemeint ist) bestehen aus 6 Ziffern und sind den deutschen loszetteln sehr ähnlich. Hat man das Glück, dass die Quersumme der ersten 3 Ziffern, die der letzten drei entsprechen hat mein ein „счастливый билет“ und soll laut Brauch, dasselbige essen, um dann den ganzen Tag Glück zu haben.

So das reicht jetzt für heute. Weitere politische Ausführungen und Eindrücke gibt es im nächsten Blockeintrag. Dort wird unter anderem, mein Wochen-Ausflüg nach Deutschland und die einzigartige Erfahrung in einem russischen Nachtzug zu fahren, Erwähnung finden!

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