Mr.Romantic is going for Belarus

(M)ein »kulturweit« Blog

Neues aus Berlin

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Hallo Freunde,

ich sende euch liebe Grüße vom Werbellinsee nahe Berlin, wo sich mein 10 tägiges Vorbereitungsseminar langsam zum Schluss neigt. Es war eine extrem abwechslungsreiche und spannende Woche, aber lasst mich etwas weiter ausholen und meine Erzählung am 01. September beginnen.

An diesem Tag ging die Reise für mich los: Morgens um 5 Uhr aufstehen, die Lieben zuhause nochmal fest drücken und dann in Frankfurt den Zug nach Berlin besteigen. Dort angekommen, hieß es dann nach den anderen Freiwilligen am Bahnhof (in der Regel junge Menschen mit Rucksack und freundlichem Lächeln) ausschauhalten, die ersten 50 Namen und Einsatzorte mitgeteilt bekommen (und fürs erste gleich wieder  zu vergessen 🙂 ) und dann mit einer Flotte von insgesamt 5-6 Reisebussen Richtung Europäische Jugendbegegnungsstätte am Werbellinsee (EJB) fahren. Diese beinhaltet ein extrem weitläufiges Gelände mit Seminarhäusern, Kino, Disco und natürlich den Wohnhäusern, welche überall auf dem Territorium verstreut sind. Ich beziehe ein 2er-Zimmer in Haus Null, was andere Freiwillige liebevoll als „den Arsch der Welt“ bezeichnen. Tatsächlich dauerte für uns der Weg zu Essen und Veranstaltungen gefühlt eine halbe Ewigkeit, was glücklicherweise zu vielen interessanten Wegbekanntschaften führte. Insgesamt empfand ich die Gemeinschaft auf dem Seminar als absolut super! Bei über 300 (!) Freiwilligen aus ganz Deutschland, welche wiederum bald in die ganze Welt gehen werden, trifft man auf ganz viel Herzlichkeit, Neugier und Kommunikationsbereitschaft. Insofern ist das Vorbereitungsseminar ein ziemlich grausamer Ort – man schließt Unmengen wertvoller Freundschaften mit Leuten, denen man nach etwas mehr als einer Woche Lebewohl sagen muss – teilweise für unbestimmte Zeit :/ Dazu gehört unter anderen auch mein Zimmernachbar Justus, mit dem ich mich die Woche ausgezeichnet verstanden und das gesamte Seminar zusammen erlebt habe – ich wünsche dir ganz viel Freude und Erfolg an deiner Einsatzstelle in Neu-Delhi;  ich hoffe wir halten weiter Kontakt!

Aber zurück zum Seminarablauf: Nach einer unterhaltsamen und herzlichen Begrüßung durch das gesamte Kulturweit-Team wurden wir in sogenannte Homezones aufgeteilt – diese bestanden aus ca. 10 Freiwilligen einer Einsatzregion (in meinem Fall Osteuropa) und einem für uns zuständigen Trainer, der uns die nächste Woche durch das Seminar führen sollte. Ich bin nach anfänglichen Startschwierigkeiten schnell sehr gut mit meiner Homezone Nr. 21 zurechtgekommen, und unser Trainer Mika ist sicherlich einer der besten Menschen auf dem Seminar! Wir bekamen einen Homezoneraum zugeteilt, welchen Mika schon im Voraus mit einer üppigen exklusiven Bibliothek aus spannenden Medien und Literatur zu für uns relevanten Themen ausgestattet hat. Für den maximalen WissensInput war also definitiv gesorgt! 🙂

Die anschließenden Tage gestalteten sich nach folgendem Schema: Nach dem Frühstück gab es von 9-12 Uhr eine dreistündige Bildungseinheit in den Homezones, selbiges nach der Mittagspause von 15-18 Uhr. Teilweise wurden die Homezones auch durch Workshops zu bestimmten Themenkomplexen ersetzt bzw. ergänzt, in die man sich am Tag vorher eintragen konnte. Dies sorgte für eine ausgesprochene Vielfalt an Bildungsangeboten, gleichzeitig hatte man immer die Möglichkeiten Preferenzen zu setzen und seine persönlichen Interessen zu verfolgen. So diskutierte ich zum Beispiel am Sonntag über politische Korrektheit unserer KindheitsheldenInnen/Literatur, lernte am Dienstag ein kostenloses Online-Portal für die Erstellung von einfachen Zeichentrickfilmen kennen und stritt heute über versteckten angeborenen Rassismus und über die Berechtigung und Relevanz des Skandalthemas „Kulturelle Aneignung“. Besonders interessant finde ich die sogenannten Reflexions-und Schutzräume, in denen sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen mit gesellschaftlichen Knackpunktthemen, die sie selbst betreffen, wie z.B.: Empowerment, Weißsein, Gender, Sexismus, Klassismus etc. unter einander befassen konnten. Ich selbst besuchte zum Beispiel den Workshop mit dem plakativen Namen „Männer sind Schweine“, in welchem ich mich in einer geschützten Männerrunde über (umgekehrten) Sexismus, die Frauenquote, aufgezwungene Täterrollen und gesellschaftlichen Erwartungsdruck austauschen konnte. Dann gab es auch noch die sogenannten „Partnertage“, an denen die für uns zuständigen Organisationen nochmal spezifische Workshops im Hinblick auf unsere zukünftigen Aufgabengebiete veranstalteten. Bei meiner Organisation handelt es sich um den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) und damit verbunden die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, durch welche ich an mein künftiges Lehrerdasein herangeführt wurde und in dem Zusammenhang Themengebiete wie Unterrichtsplanung, Methodik und Didaktik, Projektmanagement sowie interaktives Lernen nähergebracht bekam. Am meisten Spaß hatte ich jedoch eindeutig bei dem Workshop „Notfallkoffer für den Unterricht“, in welchem 2 Stunden lang zahlreiche Unterrichtsspiele selbst gespielt und auf ihre Nützlichkeit/Anwendungsart und Zielgruppe untersucht wurden 🙂

Am Montag ging es für alle Freiwilligen nach Berlin, wo wir von Vertretern des Auswärtigen Amtes herzlich empfangen wurden und anschließend hochspannenden Exkursionen zu Themen wie Obdachlos sein, Flüchtlingsalltag , Postkolonialismus in Berlin, Lobbyismus im Regierungsviertel etc. beiwohnen durften!

Zwischendurch bleibt natürlich auch viel Zeit, um soziale Kontakte zu knüpfen sowie die verschiedensten Freizeitaktivitäten zu starten, welche von Beachvolleyball über eine gesellige Werwolfrunde bis zu einem Filmeabend reichen. Besonders cool war auch das kollektive Public-Viewing des kontrovers diskutierten Kanzlerduells samt spontan  initiiertem Trinkspiel (Stichwort EU, Digitalisierung, Flüchtlinge,… 😉 ) am Sonntag.

Was dann noch an Zeit übrig bleibt verbringen wir vor allem mit Schlafen, denn die große Vielfalt an Informationen und Aktivitäten nimmt auch die härteste Nachteule ziemlich mit…

 

Was erwartet mich noch die nächsten Tage? Gleich geht es erstmal weiter mit meiner Homezone, auch ein Werwolfabend ist wieder angesetzt. Morgen findet dann nachmittags ein von mir lang erwartetes Highlight unseres Seminarprogrammes statt – bei der Veranstaltung taz-meinland besuchen 10 professionelle Journalisten der taz den Werbellinsee, um mit einzelnen interessierten Freiwilligen (darunter ich) in anbetracht der nahenden Bundestagswahl ins Gespräch zu kommen und zu erfragen: „Was ist deutsch?“, „Welches Bild von Deutschland möchten wir nach Außen vermitteln?“, „Was ist die Qualität, was eventuell die Misere eines guten. demokratischen Zusammenlebens?“. Dabei soll es einen Talk auf Augenhöhe geben, dessen Ergebnisse mit in den Zeitungsinhalt aufgenommen werden. Was soll ich sagen – ich freue mich riesig darauf! Abends wird es dann noch eine offene Bühne mit anschließender Abschiedsparty geben, bevor es am Sonntag wieder mit dem Bus nach Berlin und für mich gegen 9 weiter Richtung Belarus geht…

Jetzt muss ich aber wirklich weiter; ich melde mich wenn ich an meiner Einsatzstelle angekommen bin!

Bis dahin machts gut und habt euch lieb!

PS: Hier seht ihr ein Bild der coolen Leute, die mit mir zusammen nach Belarus reisen und denen ich garantiert noch öfters über den Weg laufen werde 🙂   Ich freue mich!

 

 

2 Kommentare

  1. Ich bin immer noch sauer, dass ich nicht erwähnt wurde… aber ich kann darüber großzügig hinwegsehen, weil die Zeit mit dir echt cool war (:
    Ganz viel Spaß in Belarus!!

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