Zwischen sprechenden Tieren und Heiliger Messe- Litauische Weihnacht

Am Donnerstag hatte ich die Gelgenheit mich mit einer Schülerin über Weihnachten in Litauen zu unterhalten und so einen authentischen Einblick in die Traditionen dieser Zeit des Jahres zu bekommen; das Internet hatte sich als weniger verlässliche Quelle offenbart..

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Um zu verstehen, warum Weihnachten in Litauen anders ist als in Deutschland muss man einen Blick auf die Baltische Mystik werfen: Über Jahrhunderte hinweg war das Chrsitentum mehr „Zwang“, viele Litauer, Letten und Esten glaubten an ihre Naturgötter und die Verbundenheit zwischen Ahnen und Lebenden. Die Götter spiegeln das Leben der Balten wieder: Viele waren Bauern und somit abhängig von Boden oder Wetter; und so gibt es eben auch Götter für Regen, Sonne (Saule), Donner (Perkunas), Schutz für den Hof (Dwargautis) oder das Vieh (Eratinis, Sutwaras oder auch Karawaitis) und und und… Die Naturverbundenheit der Balten wiederum wird deutlich, wenn man sich die Vielzahl der  Götter für Natur und Tiere betrachtet: Von der Meeresgöttin (Juras Mate), über die Weggöttin (Kellukis), die Bienengöttin oder den Berggott (Kaugaris) gibt es auch in dieser Beziehung für jede Lebenslage die passende Gottheit. Erwähnenswert finde ich auch einige kuriose Götter, etwa den Biergott (Dugnaija), den Gott des Hörens (Prigirstis) oder den Gott für Sauna-Birkenreiser (Szlotrazys).

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des heidnischen Glaubens war, dass Tote nicht einfach versterben, sondern als Bestandteil der Natur weiterhin existieren. Ahnen können in Tieren fortleben, oft aber auch in Bäumen (Linden für Frauen und Eichen für Männer) oder in bestimmten Hügeln oder Hainen.

Dennoch sind heutzutage ein Großteil aller Litauer katholischen Glaubens und praktizieren katholische Traditionen, die jedoch eng mit der Geschichte der Religionen in Litauen verknüpft ist.

Wie bereits einmal erwähnt hat die Adventszeit in Litauen eigentlich keine Bedeutung, aber die Menschen erfreuen sich trotzdem an Dekoration, Leckereien und Weihnachtsmusik.

Eigene litauische Weihnachtslieder existieren so jedoch nicht, das Liedgut ist entweder übersetzt oder von modernen Popsängern komponiert.

Gefeiert wird im Dezember außer Weihnachten noch der katholische Feiertag „Maria Empfängniss“, jedoch nur im kirchlichen Rahmen. Zur Einstimmung auf den 24. werden an Wochenenden in den Kirchen außerdem Konzerte veranstaltet und man kann gesegnte Oblaten kaufen, die für Heiligabend eine wichtige Rolle spielen…

Was bei uns Rauhnächte bekannt ist, aber nicht weiter von Bedeutung ist, findet in Litauen noch Lebendigkeit. Der 21. ist Tag der Sonnenwende und Glaubensanhänger der Romuva-Bewegung veranstalten z.B. Feuer für die Sonnengöttin, die ,nebenbeigesagt, die Wichtigste aller Götter ist. Am 23. ist dann die Nacht, in der die Tiere sprechen. Deshalb ist es verboten Tier in irgendeiner For zu verspeisen, das bedeutet alle sind Veganer. Nun ja fast, denn Fisch ist demnach kein Tier. Man sitzt an diesem Abend mit der Famlie zusammen und gedenkt den Ahnen, deren Seelen in den Körpern der Tiere leben. Je nach Religiösität der Familie ist entweder der 23. oder der 24. Dezember von größerer Bedeutung: In jedem Fall verspeist man gemeinsam ein Mahl mit 12 Gerichten, von denen jedes für eine Jahreszeit oder einen Apostel steht, je nach religiöser Interpretation. Die Gerichte müssen nicht alle ein Hauptgericht sein, dann wäre es ja unmöglich von allem zu kosten (was so Tradition ist…), sondern können auch aus z.B. nur einem Apfel bestehen. Ein Muss für jeden Weihnachtstisch ist die Mohnmilch, welche mit Kucikus (kleine, nur ganz leicht süße Weihnachtskekse) verspeist wird. Ansonsten werden Salate, Fisch odre Fleisch aufgetischt. Außerdem wird die Oblate gebrochen. Der Familienälteste gibt zunächst jedem Familienmitglied ein Stück der Oblate und jedes Mitglied bricht widerum ein Stück für die Ahnen ab. In manchen Familien wird sogar ein extra Gedeck für die Verstorbenen hingestellt. In katholischen Familien besucht man außerdem die Heilige Messe am 24.12. . Geschenke bringt nicht zwingend ein Weihnachtsmann, oft tauschen die Familienmitglieder die Geschenke einfach direkt und ohne „Geheimnisstuerei“ untereinander aus. Das Schenken ist auch aufgrund der jünegeren Geschichte der sowjetischen Besatzung noch gar nicht lange üblich, denn bis vor ein bis zwei Generationen war in vielen Familien übehaupt nicht genug Geld für große Geschenke übrig. So tauschte man lediglich    Kleinigkeiten. Deshalb ist es auch kein Tabu in Familien, den Kindern einfach Geld zu schenken. Die Weihachtstage werden also nicht nur in christlicher Tradtion begangen, sondern man erkennt deutlich, dass die alten Glaubensvorstellungen in die „neuen“ chrristlichen Überzeugungen etabliert wurden.

 

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