Kreuze und heilige Steine – Religionen in Litauen

Offiziell ist der Großteil der Litauer katholischen Glaubens, nur rund 1,5% dermenschen hier ist evangelisch. Außerdem gehört ein Teil der Bevölkerung acu der russisch-orthodoxen Kirche an, denn immer rund 6,3% der Bevölkerung zählen zur Russischen Minderheit.

Das Christentum ist also die dominierende religiöse Gruppe. Das spiegelt sich auch in den Souvenirläden wieder, denn typische Produkte sind kleine Schnitzereien wie Kreuze, Christi oder Heiligenfiguren. Eine Besonderheit ist der geschnitzte „Schmerzensmann“, ein Christus  mit Kopf in den Händen. Wenn man übers Land fährt sieht man regelmäßiggroße Kreuze an offenen Stellen stehn; das hat wiederrum weniger mit Religion zu tun, sondern erinnert an Bauernhäuser die an diesen Stellen einmal standen und durch im 2. Weltkrieg zerstört wurden.

Winter-Beleuchtung an der Auferstehungs-Kirche

Winter-Beleuchtung an der Auferstehungs-Kirche

(Interessanterweise ist das „Russische noch sehr in der Bevölkerung gefestigt, zumal man doch immer wieder bemerkt, dass aufgrund der historischen Begebenheiten eine gewisse Distanz zu Russland herrscht. Der Großteil der Schüler lernt z.B. Russisch als zweite Fremdsprche nach Englisch und in den Supermärkten sind russische Produkte nicht unüblich, so z.B. „Chalva“ ein Halvaaus Sonnenblumenkernen. Sämtliche Internetseiten sind auch auf Russisch. Gleichzeitig gibt es eine massive Angst vor einer Bedrohung durch Russland. Nicht umsonst befürwortet man die NATO hier so sehr. Außerdem formieren sich Bürgerwehren, in welchen Bürger militärisch für einen Einfall der Russischen Armee trainieren.)

Eine weitere religiöse Gruppe sind die Juden, allerdings leben nur rund 4000 Juden in ganz Litauen heute.

Interessant sind auch alte heidnische Kulte, z.B. die Romuva-Bewegung. Diese geht auf alte heidnische Kulte zurück, in welchen noch Naturelemente als Götter verehrt wurden. Der Himmel war ein Berg auf dem die Götter wohnten. Darunter z.B. der Donnergott Perkunas, Der Himmelgott Dievs, die Sonnengöttin Saule, der Mondgott Menes oder die Hausgottheit Laima. Steine, Wälder oder Bäume gelten als heilig und die Feiern sind vor allem durch die Jahreszeiten bestimmt. Gefeiert wird z.B. die Sonnenwende. Wichtig sind auch die Ahnen, sie werden verehrt und müssen in die Gegenwart eingebunden werden.

Sehr interessant finde ich auch die Hare-Krishna-Bewegung, welche mir hier bereits in drei Städten begegnet ist. In Anlehnung an den Hinduismus formte sich diese Bewegung ursprünglich in Indien, schwappte aber in den 60er und 70er Jahren nach Europa. Viele junge Menschen entsagten sich dem weltlichen Leben und schlossen sich zu Gemeinschaften zusammen. Essentiell in dem Glaube der Bewegung scheint eine Art meditativer Gesang zu sein. Jeden Tag zieht die Hare-Krishna-Gruppe in orangefarbenen Klamotten durch die Innenstadt Kaunas und singt ihren monotonen Gesang. Vorgeschrieben sind 1728 Chanten/Wiederholungen des Liedtextes täglich, das nimmt natürlich eine Menge Zeit in Anspruch… Die Mitglieder leben in einer Gemeinschaft nach strengen religiösen und enthaltsamen Vorschriften. Ein bisschen exotisch wirkt es, wenn mitten in der sonst so überhaupt nicht multikulturellen Innenstadt die Hare-Krishna-Leute auftauchen.

Kopftücher, ausländische Läden oder nur eine andere Hautfarbe sind hier sehr selten. Die Einstellung der litauischen Regierung bezüglich Einwanderung ist sehr konservativ. Religion hat einen hohen Stellenwert und Vielfalt ist noch nicht als Vorteil anerkannt. Noch nicht, weil wenn man mit Jugendlichen spricht, deutlich rauskommt, dass sie eigentlich eine liberalere Haltung für besser halten.

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