Körbe statt Tore und Kepta Duona statt Bratwurst

16:00 Uhr am Sonntag Nachmittag: Wenn in Deutschland gespannt auf der Mattscheibe Bundesliga geschaut wird oder in den Stadien die Anhänger des “Fussballgotts” ihren allwöchentlichen Heiligen Tag zelebrieren, geht man in Litauen auch ins Stadion, allerdings nicht zum Fußball, sondern zum Basketball.

Basketball hat eine lange Tradition in Litauen und ist definitiv der „Volkssport“, ob man ihn jetzt aktiv betreibt oder doch nur aktiv mitfiebert. Jede größere Stadt hat ihren eigenen Mannschaft und meistens eine dazugehörige Gruppe von Cheerleadern, so dass Stimmung aufkommt und die Emotionen aufflammen wird Basketball gespielt.basket-801708_640

Basketball wurde 1891 von einem kanadisch-stämmigen Arzt entwickelt, als  unbedingt „faire“ Sportart für die Winterzeit mit nur dreizehn Regeln. Das zugehörige Papier mit den ersten Beschreibungen dieses Ballspiels wurde erst kürzlich in New York an einen Texaner versteigert. Das Regelwerk und vor allem das „Image“ des Basketball  hat sich natürlich sehr viel weiterentwickelt und einen Erfolgskurs eingeschlagen; nicht nur in den USA wird Basketball mit Leidenschaft gespielt, sondern auch auf den Philippinen oder eben in Litauen.

Der Kaunasser Verein „Zalgiris“ ist einer der ältesten Vereine Litauens (1941) und eine nationale Bekanntheit.  Zu Sowjetzeiten hat Zalgiris also bereits existiert und war, so ehmalige Profispieler, bei erfolgreichen Spielen gegen den Moskauer Basketballclub immer auch Zeichen des litauischen Widerstands. Natürlich nicht Widerstand im aktiven Sinne, das wäre damals höchst gefährlich gewesen, aber dennoch waren sie Ausdruck einer eigenen, nationalen Identität der Litauer. Der Erzfeind heute   sind die „Lietuvos rytas“ aus Vilnius (Litauischer Morgen),  diesen Sonntag wird aber gegen die „Neptunas“ aus Klaipėda gespielt.

Schon eine Stunde vor Beginn des Spiels wird das Stadion mit lauter Musik aufgeheizt, die meisten Fans lassen aber bis 20 Minuten vor dem Spiel auf sich warten und die Jugendmannschaft der Zalgiris nutzt das Spielfeld um sich zu präsentieren. Statt Bratwurst essen hier die meisten Leute „Kepta Duona“ mit Dip zum Bier, also nicht viel anders als in Deutschland. Die Farbe Grün breitet sich langsam immer mehr aus, die Fans kommen mit Schals, Hüten, Shirts und Flaggen im Zalgiris-Grün. Der Neptunas-Fanblock ist hingegen eigentlich noch nicht einmal als solcher zu bezeichnen, lediglich ein paar „Hartgesottenen“ halten den Buhrufen und Pfiffen der Masse an Zalgiris-Fans stand.

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Die Neptnas-Fans

Das hier in Kaunas auch nur das Kaunasser Team unterstützt wird, macht die Stadionleitung gleich am Anfang des Matches deutlich: Die Neptunas-Spieler werden nur kurz genannt, während die Zalgiris-Spieler in einer Musik- und Lichtshow das Spielfeld betreten. img_20161023_1700031

Vor dem Spiel singt man noch die Nationalhymne und es gibt sogar eine Übersetzung für Gehörlose. Während des Spiels wird gesungen und getrommelt, die Geräuschkulisse verwandelt sich aber jedes Mal in einen Buhen, nähern sich die Neptunas dem gegnerischen Korb. Gibt es  ein Timeout, treten die Cheerleader der Zalgiris.

Zur Halbzeit hat Zalgiris dann einen beträchtlichen Vorsprung von fast 20 Punkten und die Sache scheint sicher. Fans strömen heraus und besorgen Bier-Nachschub, und als Entertainment-Programm wird auf großen Leinwänden eine Satire über die Neptunas gezeigt, bei der Spielausschnitte mit „lustigen“ Kommentaren unterlegt wird. Das kommt bei der Überzahl an Zalgiris-Fans natürlich gut an.

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Nach der Halbzeit scheint es dann so, als könnten die Neptunas doch noch gewinnen und zwischenzeitlich unterscheiden beide Teams nur noch 6 Punkte, also nur zwei 3-Punkte-Wuerfe. Doch der Abstand vergroessert sich wieder und Zalgiris gewinnt 77:67. Es wäre aber auch unvorstellbar gewesen in einem Strom deprimierter Kaunasser Fans das Stadion verlassen zu müssen 😉

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