Traumjob Lehrer?

Bisher habe ich ja nicht viel über meine Arbeit an der Schule verlauten lassen. Es ist ja auch vielleicht nicht so interessant für jeden, was ich arbeiten muss. Aber wenn eventuelle Kulturweit-Nachfolger haben bestimmt Interesse daran, wie Kulturweit-Arbeit so aussieht:

Mittlerweile habe ich einen eigenen Wochenplan mit festen Terminen zu denen ich in der Schule sein muss. Montags mache ich, wie übrigens jeden Tag, Sprachübungen mit kleinen Schülergruppen für ihre Deutschprüfung. Außerdem habe ich 3 Schüler, die bereits Deutsch sprechen und sich deshalb im normalen Unterricht etwas langweilen. Da sind 2 sehr niedliche Fünftklässler, noch sehr umgänglich und bereit kreative Aufgaben zu machen. Wir schauen Kurzfilme, wie z.B. über die kleine außerirdische Kartoffel Wombo, und reden darüber. Schwieriger ist da meine Montags-Einzelstunde mit einer Deutsch-Muttersprachlerin aus der achten Klasse. Die Pubertät eben…Ich darf mich schon geehrt fühlen, wenn sie sich überhaupt in meine Unterrichtsstunde bemüht…Andererseits: Welcher Jugendliche hat schon Lust, statt so einfachen Dingen wie „Familie vorstellen“ im DaF-Unterricht, auf einmal „richtigen“ deutschen „Deutschunterricht“ nach dem bayrischen Lehrplan zu machen?!

Im Moment „toure“ ich außerdem täglich mit einem Vortag ber Mich und Deutschland durch sämtliche Deutschklassen der Schule. Das war am Anfang interessant; jetzt, nach 12 Vorträgen, kann das ganz schön ermüdend sein…

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So langsam habe ich verstanden, wie man sich in dieser Schule zurechtfindet. Es gibt einfach zu viele Treppen und sie sehen auch noch alle so gleich aus!

Dienstags wie Mittwochs habe ich dann Sprechübungen mit Jüngeren; mal die Siebtklässler (die sich bei ihren Eltern darüber beschwert haben, dass die Achtklässler auf einmal „Extraübungen“ bei einer „neuen Deutschlehrerin“ haben und deshalb jetzt auch Sprechen üben mit mir) und dann noch zwei Gruppen die nächsten Frühling an einem Deutsch-Wettbewerb teilnehmen wollen. Dieser Wettbewerb dreht sich um das Thema Fußball. Nein, wir spielen kein Fußball, sondern machen Vokabelarbeit und Landeskunde. Die Mädchen und Jungen haben zwei Teams mit je 6 Leuten gebildet und müssen für den Wettbewerb eben nicht nur sportliches Talent unter Beweis stellen, sondern auch Sprachkenntnis und Wissen. Als Preise winken eine Reise zum Herta-BSC nach Berlin und ein Training im Olympiastadion, eine Reise nach Palanga zum Training mit der U19-Nationalmannschaft Litauens und viele Sachpreise. Das Engagement und die Begeisterung der Schüler ist jetzt schon hoch.

Die ersten drei Tage der Woche bin ich immer bis etwa 2 Uhr in der Schule.

Die letzten zwei Tage bleibe ich länger, denn zu meinen Aufgaben gehört es auch, Hausaufgabenbetreuung zu machen. Das ist zugegebenermaßen nicht meine Lieblingsaufgabe, denn die zu betreuenden Fünftklässler sind selber nicht sehr begeistert davon, dass sie länger bleiben und arbeiten sollen, so gab es mir eine resolute Fünftklässlerin gleich am Anfang zu verstehen und ignorierte mich glatt…

Manchmal kann man nur Schmunzeln; Wie gut, dass ich selber mal Schüler war und weiß, dass Negatives eher an dem Umstand „Schule“ liegt, als, dass man absichtlich vorhätte sein Umfeld mit schlechter Laune, Revolution und Arbeitsverweigerung zu verpesten…

Herrlich ist auch ein Junge dem ich donnerstags parallel zu seinem normalen Unterricht Förderstunden geben soll; Am Anfang konnte er nichts, verweigerte alles. Er traute sich nicht alleine und bringt deshalb jetzt einen Freund als moralische Unterstützung mit, und tata, auf einmal kann er Deutsch!

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An einer katholischen Schule mit drei Wochenstunden Religion für Alle darf natürlich auch die Kirche nicht fehlen: Im Keller befindet sich der Eingang. Geht man vorbei, und ist gläubig, verbeugt man sich einmal kurz vor dem Altar.

Meine persönliche Lieblingseinzelstunde ist mit einer Schülerin der 11. Klasse; Sie hat sich in Eigenregie Deutsch beigebracht und kam bislang bloß nicht zum Sprechen. Daher treffen wir uns um die Praxis zu üben und es ist unglaublich wie gut sie Deutsch spricht. Man kann sich anspruchsvoll mit ihr unterhalten, obwohl sie nur ein halbes Jahr Deutsch gelernt hat. Als Thema hat sie sich deutsche Literatur, Kunst und Filme ausgesucht. Das Schöne an dieser Stunde ist, dass nicht nur sie etwas aus dem Unterricht mitnimmt, sondern ich auch viel Interessantes kennenlerne.

Das Highlight des Lehrerberufes bleibt aber der Freitag, denn Freitag kriegt man frei. Und in nur einer Woche beginnen schon meine ersten Ferien!

Es mag sich teilweise so anhören, als würde mir die Arbeit nicht gefallen. Das tut sie aber im Allgemeinen und im Besonderen, wenn man „Danke“ hört, gemeinsam Lachen kann oder merkt, dass jemand Interesse  an Deutschland hat und gerne Fragen stellt.

Und jede neue Erfahrung bringt neue Erkenntnis, in diesem Fall Erkenntnisse die mich mit dem einem oder anderem Erlebnis der eigenen Schulzeit versöhnen: Ein Lehrer kann einfach nicht 30 Schüler gerecht beurteilen, dazu sieht man von Vorne viel zu wenig. Was für die Schuler „Schleimen“ ist, kann dem Lehrer schon mal als „Interesse“ an seinem Unterricht vorkommen. Der egozentrischen Art der „Pubertiere“ tritt man am besten mit einer satirischen Ernsthaftigkeit entgegen, Versuche das Weltbild zu ändern werden ohnehin gnadenlos scheitern… Und immer daran Denken: Lachen nicht vergessen!

Lehrersein – ein Abenteuer auf Zeit, aber nicht mein Traumjob 😉

 

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