Schulalltag in Litauen

Gleich am Montag habe ich angefangen in meiner Einsatzstelle, dem Jesuitengynasium Kaunas, zu arbeiten. Von meiner WG sind es etwa 15 Minuten zu Fuß durch die Innenstadt bis zur Schule. Man betritt das Schulgelände durch ein Tor das auf den Pausenhof führt, welcher recht klein ist, zumal sich auf ihm zudem noch der Sport bzw. Basketballplatz befinden und der Parkplatz für Lehrer und Schüler.  Die Schule besteht aus vier Gebäuden:

  1. Einem historischen Backsteinhaus am Eingang, welches früher einmal Bibliothek war, aber wegen der Wendeltreppen und engen Räume irgendwann zu klein war.
  2. Der Kirche: Ja, die Schule hat eine eigene Kirche in der auch Messen abgehalten werden, denn sie ist ja ein jesuitisches Gymnasium. Ab und zu trifft man auf den Gängen der Schule auch einen Priester oder eine Nonne.
  3. Dem alten Schulgebäude, einem vierstöckigem, gelben Haus. In Litauen kommen die Schüler zu den Lehrern und hier haben die meisten Lehrer ihre Räume.
  4. Dem neuen Haus, einem sehr modernen Gebäude mit vielen Fenstern. Hier finden sich unteranderem die neue Bibliothek, das Lehrerzimmer, die Pausenhalle und Aula, sowie die Schulmensa. Sie ist wirklich etwas Besonderes, weil sie in ein historisches Gemäuer integriert ist, das beim Bau des neuen Komplexes ausgegraben wurde.

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Meine allererste Stunde verbrachte ich bei Lina, meiner Ansprechpartnerin, in der Stunde. Die Klassen hier sind wesentlich kleiner als bei uns, nur mit 12-14 Schülern. Alle Schüler tragen Uniform, selbst die Kleinsten. Wie bei uns gibt es hier Klassen bis zur 12. Und dann machen die Schüler ihr Abitur oder einen gleichwertigen, aber internationalen Abschluss.

Ich hatte einen autoritären Unterrichtsstil erwartet und war ganz überrascht, dass sehr viel Kommunikation zwischen Schülern und Lehrer stattfindet. Allerdings ruft der Lehrer die Schüler auf und sie antworten ohne zu zögern. Insgesamt herrscht ein sehr freundliches Unterrichtsklima.

Eine weitere meiner Aufgaben hier ist es, die Schüler auf A1 bis B1-Niveau auf ihre Deutschprüfung vorzubereiten. Die Prüfung ist freiwillig, aber fast alle Schüler des Deutsch-Jahrgangs haben sich angemeldet. Wir üben mit Fragen und Antworten die Prüfungssituation. Viele Schüler sprechen schon wirklich gut Deutsch und bemühen sich. Manche sind etwas extrovertiert, andere eher erst einmal schüchtern bis verlegen. Wie gut, dass ich noch nicht Litauisch sprechen muss 😉

Diese Woche musste ich außerdem einer Schülerin helfen, die am Montag zum internationalen Jugend-Debattiert-Finale fahren wird. Kurzfristig muss sie sich auf vier Themen mit Pro- und Contra-Argumenten vorbereiten, daher erarbeitete ich die Argumentation und übe das Sprechen mit ihr. Es ist sehr beeindruckend, wenn jemand zu so hochkomplexen Themen wie „Staatsdoping“ oder „Genfer Konventionen“ auf einer Sprache reden kann, die nicht seine Muttersprache ist. Ich habe großen Respekt vor dem, was die Deutschlernenden hier in der Schule und in den Deutsch-Wettbewerben leisten.

Zugegeben ist die Arbeitsmoral hier aber auch etwas strenger, viel Freizeit scheint den Schülern nicht zu bleiben. Dazu hatte ich einige Schlüsselerlebnisse: Am Montag sollten die Schüler erzählen, was sie am Wochenende gemacht haben. Alle waren sie mit der Schule samstags auf der Bildungsmesse und keiner konnte vom Sonntag noch von etwas anderem als Hausaufgaben erzählen. Als ich in der Sprechübung dann später die Schüler nach ihren Hobbys befragte kam doch tatsächlich am häufigsten Hausaufgaben als Antwort! Schließlich erzählte mir eine Kollegin, dass als sie diesen Sommer an der Schule anfing, sie ganz überrascht davon war, dass die Schüler hier anscheinend nicht genug Arbeit bekommen können; ihre Siebtklässler verlangten nach mehr Arbeit! Das wäre in Deutschland nicht vorstellbar…

Die Schule hat hohe Anforderung, schon in den Aufnahmeprüfungen werden Zweidrittel abgelehnt. Dafür bekommen die Schüler hier eine Menge Wissen geboten (zu mindestens wenn ich über den Sprachenzweig spreche, die anderen Fächer habe ich nicht kennengelernt…).

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