Dauerkrank wegen Freizeitstress – Heulen vor Schülern? – Verlängert?!

Nun bin ich also auch eine der weiteren, die sich für das neue Jahr vielleicht vorgenommen haben, diesen Blog wieder mit etwas Leben zu füllen. Seit Ewigkeiten schon habe ich nichts geschrieben, was aber mehr daran lag, dass einfach viel zu viel passiert ist, als gar nichts! Und vieles liegt auch schon so weit zurück, dass es nur noch schöne Bilder in meiner Erinnerung sind, aber in Worte fassen lassen sich diese Tage, Erfahrungen und Momente leider kaum noch.

Aber jetzt ist schon Januar, und ich denke, es ist Zeit, die Wichtigsten Ereignisse doch nochmal zu sammeln und auch für mich einen kleinen Überblick über die vollgestopften Tage (vor allem Wochenenden!) zu schaffen. Meine Kamera ist leider nicht so oft, wie ich eigentlich wollte aktiv dabei gewesen, daher sind die Fotos für diesen Abschnitt eher rar…

Somit also liebe Grüße aus dem wirklich hübsch verschneiten Iklad und viel Freude bei den folgenden Mini-Einträgen J (zusätzlicher Nachtrag: Uuups, es ist irgendwie doch schon wieder viel länger geworden, als ich wollte… Wie konnte das nur passieren?!)

 

Martinstag:  kaum bin ich aus Rumänien zurück, greift auch schon der stressige Alltag nach mir, Martinstag steht vor der Tür und wir müssen mit unseren 7.-Klässlern ein Theaterstück auf Deutsch vorführen. Das war ein echter Akt, alles vorzubereiten und die Schüler, die ich ja echt lieb habe, die aber leider nie ihren Mund aufmachen, dazu zu bringen, 5 Minuten zu schauspielern! Letzten Endes ist es aber doch noch gut geworden und ich bin wirklich stolz auf sie! Danach gings noch gemeinsam an ein großes Lagerfeuer, wo Lieder gesungen worden, bevor ich mich schließlich aufmachte, das Wochenende in Eger bei der lieben Elly zu verbringen.

 

Zwischenseminar:  Zum Zwischenseminar werde ich gar nicht so viel sagen, sondern lieber frech auf andere Blogs verweisen, die sowieso besser darüber schreiben 😉 Nur werde ich DANKE sagen, für die wunderschöne Zeit, danke an alle anderen Freiwilligen, an unsere Trainerinnen, die nicht besser hätten sein können, an den Ort (auch wenn ich es mir anders vorgestellt hätte) und an das wunderschöne Wetter, das uns die ganze Zeit begleitet hat! Und hier die Links zu den Blogs der Anderen: https://kulturweit-blog.de/leoungarn/ https://kulturweit-blog.de/isigoing/ https://kulturweit-blog.de/linainszeged/

 

Zagreb:  direkt vom ZS aus ging es dann also nicht wieder nach Hause, sondern erst mal nach Zagreb, 5 Stunden Busfahrt in eine Stadt, die mich so positiv überrascht hat, dass ich bestimmt bald für längere Zeit dorthin zurückkehren werde! Und hier warteten nicht nur tolle Architektur und die Eröffnung des Weihnachtsmarktes auf uns, sondern auch Unmengen an Argentiniern, die wegen eines Tennisspiels zwischen Kroatien und Argentinien hier waren (wie schön es war, endlich mal wieder Spanisch zu hören!) Getroffen haben wir aber auch nicht nur die, sondern vor allem die Freiwilligen aus Kroatien, Bosnien und Slowenien, die hier ihr Zwischenseminar hatten, mehr als 30 kulturweitler an einem Wochenende an einem Fleck, das ist schon nicht schlecht, oder? Und mit die wichtigste Person, die ich nun hier getroffen habe, war Alin, nach drei Monaten mal wieder ein komplett vertrautes Gesicht aus der Heimat, auch wenn sie nicht aus Hannover kam, sondern sogar noch länger als ich in halb Europa unterwegs war.

 

Budapest:  direkt das nächste Wochenende verbrachte ich in Budapest, zuerst bei einem Gedicht- und Prosawettbewerb meiner Schüler, dann noch mit einigen Freiwilligen. Bei dem Wettbewerb traten viele verschiedene Nationalitätenschulen, wie es auch meine ist, an, und die Schüler der Klassenstufen 5-8 sagten auswendig gelernte Gedichte und Textpassagen auf Deutsch auf. Meine vier Schützlinge schlugen sich wirklich gut gegen die harte Konkurrenz, unter anderem mit einem Auszug aus den „Känguru-Chroniken“ (mal wieder), „Wir Kinder von Bullerbü“ und dem tollen Gedicht von Paul Boldt „Auf der Terrasse des Café Josty“. Der 6.-Klässler, der letzteres vortrug, erreichte sogar den zweiten Platz und schenkte später mir (!) die Rose, der er bekommen hatte J

Der Rest des Wochenendes sah dann noch so aus, dass wir (also andere Freiwillige und ich) auf einer Weihnachtsfeier des momentanen Zfa-Fachberates in Budapest sehr leckere Suppe fast allein aufaßen, viel Wein bekamen und bei einer bitteren Kälte, aber wunderschöner Sonne durch diese fabelhafte Stadt spazierten und nachts die Runde durch einige Ruinenbars machten, für die Budapest so berühmt ist. Das was die Stimmung etwas gedrückt hat, war, dass ich am Samstagnachmittag leider mit Fieber im quietschenden Hostelbett lag (eindeutig meine eigene Schuld, wochenlang krank, weil ich zu viel auf Achse war). Aber trotzdem war es ein tolles Wochenende, mit viel Glühwein (natürlich auch nicht das allerbeste Heilungsmittel) und Lángos und einer Stadt, die vor allem im Dunklen, wenn alle Lichter plötzlich angehen und alles beleuchtet wird, jeden Menschen verzaubert.

 

Gedichte für die dritte Klasse:  Sie ist eine meiner Lieblingsklassen – die 3a. Dort sitzen wirklich die süßesten Kinder meiner Schule, ich stehe vor ihnen und erkläre, was zusammengesetze Nomen sind oder spiele mit ihnen Galgenmännchen, aber am liebsten will ich sie nur abknutschen und nie wieder loslassen! Jedenfalls musste genau diese Klasse neulich ein Gedicht passend zu Nikolaus auswendig lernen. Worauf natürlich niemand von ihnen wirklich Lust hatte. Im Nachmittagsunterricht saß ich also bei ihnen und habe geholfen, damit sie sich die paar Zeilen merken konnten: Lieber guter Nikolaus… Und außerdem sagte ich noch, so streng, wie es mir in Anbracht dieser geballten Niedlichkeit vor mir überhaupt möglich war, dass sie doch bitte das Gedicht jeden Tag ein bisschen lesen und üben sollten, bis zum Montag, wo sie es können sollen. Und am Montag komme ich ahnungslos in die Klasse, Klein-Ádám und noch vier andere Jungs kommen auf mich zugelaufen, den Stolz ins Gesicht geschrieben und erklären mir, sie hätten jeden Tag geübt! Sie stellen sich auf, schön in einer Reihe, und tragen das Gedicht mit solch einer Inbrunst mir vor und warten gespannt und glücklich, was ich dazu sage. Und ja, was sage ich dazu? Ich kann gar nichts sagen, so sehr hat mich dieser Moment berührt, diese kleinen 8 Jahre alten Jungs, die sonst die Rabauken der Klasse sind – so sehr, dass mir wirklich die Tränen kommen und ich denke, noch nie, wirklich noch nie habe ich es mehr gespürt, wie gut auch mir dieses Jahr und dieser Ort, diese Schule tut und wie glücklich einen Kinder machen können, egal wie anstrengend sie manchmal sein mögen.

 

Nikolausparty:  Das nächste große Ereignis war natürlich direkt wieder ein paar Tage später: Die Nikolausparty von unserer Schule! Freitagvormittag, normaler Unterricht. Dann lohnt es sich nicht nach Hause zu gehen, da eine Stunde später direkt die Party für die Unterstufe anfängt. Ein Achtklässler ist DJ, die Eltern machen ein leckeres Buffet, und die Kinder dürfen eine kleine HipHop-Choreographie lernen, Wichtelgeschenke verteilen und einfach Spaß haben. Dann eine halbe Stunde Pause und es kommt die Oberstufe (also 5.-8. Klasse). Hier wieder der gleiche Ablauf, bloß dass es den mal mehr, mal weniger in der Pubertät steckenden Jugendlichen unangenehm ist, vor anderen Leuten zu tanzen. Also übernehmen das zwei Lehrerinnen und ich. An sich also eine wirklich nette Party, die ich leider frühzeitig verlassen musste, um meinen Zug nach Pécs noch zu schaffen, wo ich das Wochenende mit Enken zusammen bei Greta, Isi und Peter verbrachte.

 

Klasse: 6b Thema: Winter Wie so oft im Dezember war unser Thema im Deutschunterricht der Winter. Was wisst ihr darüber? Wann ist Winter? Was macht man im Winter? Wie ist das Wetter? Und so weiter und so fort… Aber in der 6. Klasse ist das immer wieder etwas Besonderes. Vielleicht, weil das eine Klasse ist, die ich leider nur viel zu selten sehe, oder aber auch vielleicht, weil sie die motivierteste Klasse ist, die ich jemals gesehen habe und die Schüler sogar besser deutsch sprechen als meine Achtklässler. So bin ich also immer voller Elan dabei (außer neulich, als ich so geschickt war, kurz vor Unterrichtsanfang bei ihnen meinem Daumen dank eines Tackers ungekannte Schmerzen zuzufügen…). Und dieses Mal war es also das Thema Winter, wir zeichneten eine tolle Mind Map an die Tafel und auf meine Frage hin: „Was esst ihr denn an Heiligabend?“ riefen alle begeistert: „Fischsuppe!“ Das klingt doch mal nicht schlecht. Und sie fragen, ob ich denn schon mal ungarische Fischsuppe probiert hätte. Als meine Antwort „Nein“ ist, sind alle entrüstet und sagen, ich MÜSSE das probieren, es sei sooo lecker. Also sage ich im Spaß: „Na gut, wer von euch lädt mich also zu Weihnachten zu sich ein, damit ich sie dort probieren kann?“ Und zwei Hände schießen bettelnd in die Höhe „Ich! Wir laden dich ein! Komm zu uns!“ Sie gehören Jakab und Barnabás, eben den beiden Jungs, die ich schon so sehr in mein Herz geschlossen habe und die auch beide an dem Gedicht- und Prosawettbewerb teilgenommen haben.

Solche kleinen Dinge passieren mir in letzter Zeit immer häufiger und es ist wunderschön zu sehen, wie wir uns alle gegenseitig besser kennenlernen und vertrauen.

(Fischsuppe habe ich schließlich doch noch probiert, auf der Weihnachtsfeier von allen Lehrern – und ja, sie ist eindeutig empfehlenswert!)

 

Weihnachten & Silvester: recht spontan habe ich mich auch noch dazu entschieden, über Weihnachten doch nach Hause zu fahren – eine Idee, die sich im Nachhinein wirklich sehr gelohnt hat! Und der eigentliche Plan war auch, am 28. Dezember wieder zurück zu fliegen und schließlich Silvester bei Elly in Eger zu feiern. Nur ist daraus leider nichts geworden. Dieses Gefühl, nach vier Monaten, endlich wieder deine Mutter, deinen Vater, deinem Bruder umarmen zu können. Dieser Geruch, wenn du den ersten Schritt durch die Wohnungstür machst, hinein in die Wohnung, wo du aufgewachsen bist, wo du 16 von deinen 19 Jahren lang gelebt hast. Ein vertrautes Zimmer, ein vertrautes Bett, Essen, das einfach nur nach zu Hause schmeckt. Und direkt der erste Abend, so wie es früher so oft war, unsere Nachbarn sind da, die eher zur Familie gehören, als nur Nachbarn sind, wir kochen, essen, lachen, alle reden durcheinander. Und ich merke, dass es so verdammt gut ist, hier zu sein. Eine kleine Pause von dem Leben, das zwar einerseits so toll ist, andererseits aber auch gar nicht leicht, sondern dunkel und schwer, zu schwer jedenfalls, um sie hier öffentlich zu machen. Es ist gut, einmal nach Luft zu schnappen. Später am Abend fahre ich mit meinem Fahrrad durch die dunklen leeren Straßen von Hannover, der Stadt, die ich wohl immer lieben werde, egal wo ich grade bin, genau den Weg, den ich im Schlaf fahren könnte, tausende von Malen bin ich ihn gefahren und das, was dann folgt, ein Wiedersehen mit all den wichtigen Menschen, scheint eine wirkliche Reise in die Vergangenheit zu sein. Derselbe Ort, dieselben Leute, ja, teilweise sogar dieselben Gesprächsthemen bringen diese Nacht mit sich. Einerseits wunderschön, hier zu sein, andererseits so seltsam. Weil es manchmal scheint, als wäre ich nie weg gewesen, als wäre hier die Zeit stehengeblieben, während ich in Ungarn war und dort so viel passiert ist. Ich wurde sozusagen zurückgeworfen in eine Welt, in der ich war, als ich selbst noch anders war. Gefällt mir das? Zweifel kamen mir auf, Unsicherheit, ob es wirklich richtig war. Aber letzten Endes war es das, so sehr, dass ich kurzerhand ein neues Flugticket gebucht habe und auch noch über Silvester blieb.

 

Januar 2017, meine Familie hier in Budapest: und direkt, kurz nachdem ich selbst erst zurückkam, voller Vorfreude auf die Arbeit (ja, tatsächlich! Ich habe meine Schüler und auch die Lehrer wirklich vermisst), kam auch schon meine Familie nach Ungarn. Für 5 Tage waren sie da, auch einen halben bei mir in Iklad, um die Schule und die Lehrer kennenzulernen. Den Rest der Zeit verbrachten wir in der Hauptstadt, bei einer eisigen Kälte von zwischenzeitlich -15 Grad, wunderschönem wolkenlosen Himmel und einer Donau, auf der riesige Eisschollen trieben, die der Stadt noch mehr Schönheit schenkten. In diesen Tagen habe ich so viel gesehen, so viel Neues, sei es eine unglaubliche Bibliothek oder einfach nur eine Buslinie, so dass ich inzwischen vielleicht wirklich kleine Stadttouren anbieten könnte – all jenen Menschen, die mich doch hoffentlich nochmal irgendwann besuchen wollen, denn ich kann echt nur sagen: Es lohnt sich!!!

 

 

Und damit nun herzlichen Glückwunsch an alle, die bis hier hin gelesen haben! Sobald man einmal dabei ist, kann man leider irgendwie nicht mehr aufhören zu schreiben J Macht’s gut und bis bald! (Und falls hier doch keine Fotos mehr sein sollten, dann kommen sie in den nächsten Tagen, weil ich in der Schule viel besseres Internet habe, als an dem Ort, wo ich wohne…)

 

PS: Fast hätt‘ ich vergessen! Noch eine kleine Bemerkung zum Schluss: Ich habe VERLÄNGERT!!! (Die Idee war wirklich sehr spontan und fiel mir dank des Weins auf der Weihnachtsfeier des Zfa-Fachberaters ein… aber ich bin wirklich froh drum und freue mich sehr auf die Zeit hier bis August!)

2 Gedanken zu „Dauerkrank wegen Freizeitstress – Heulen vor Schülern? – Verlängert?!

  1. Theresa Poralla

    Liebe Milena!
    Ein toller Beitrag und gerade mit der Beschreibung des „Zuhause-seins“ über Weihnachten sprichst du mir auch ein bisschen aus der Seele. Danke dafür und ich hoffe, du hast noch eine gute Zeit bis August – vielleicht sehen wir uns ja auch dem NBS 🙂
    Liebe Grüße aus Estland,
    Theresa

    Antworten
    1. Milena Zittlau Beitragsautor

      Liebe Theresa,
      vielen Dank! Das freut mich, wenn es dir gefällt 🙂 Und auch noch ganz viel Spaß in Tallinn, die Stadt ist auch echt toll!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.