Nach über 500 Keksen, 6 weiteren Ländern und fast 300 Freiwilligen an einem Ort

Dies soll nun also mein letzter Blogeintrag werden. Nach so langer Zeit doch noch einmal was. Ich sitze zu Hause, in Hannover, es ist September und ich bin keine Freiwillige mehr. Seit meinem letzten Eintrag sind schon wieder Ewigkeiten vergangen, obwohl ich doch so viel schreiben wollte. Damals hat der Abschied schon angefangen, der Abschied vom Schuljahr, von den Schülern, jeden Tag kam jemand zu mir, hat mir kleine Geschenke überreicht, selbst gemalte Bilder, Lesezeichen, kleine Briefe und Süßigkeiten. Es war so viel Dankbarkeit dabei, so viel Liebe und man weiß gar nicht, wie man am besten damit umgehen kann. Diese Liebe war aber auch das, was ich zurückgeben wollte, schließlich war ich die Person, die ein Jahr dort war, geholfen hat, mit ihnen gespielt, gelacht, getröstet und sie gelehrt hat. Und dann bin ich einfach verschwunden. Ich wollte, dass sie eine Erinnerung an mich behalten, dass sie merken, wie sehr sie mir ans Herz gewachsen sind. Natürlich einige mehr als andere, die Klassen, wo ich mehr Zeit verbracht habe, die Kinder, mit denen ich oft zu zweit gearbeitet habe. Deswegen habe ich mir an einem verlängerten Wochenende bei herrlichen 28 Grad Außentemperatur die Zeit genommen, Kekse zu backen. Jeder Schüler bekommt Kekse, kleine und große Herzchen, mit buntem Zuckerguss. Circa 230 Schüler, das macht über 460 Kekse. Überraschend, wie schnell das dann doch noch ging, ich hatte eindeutig mehr Zeit eingeplant. Und dann noch so viel Teig übrig gehabt, dass meine Lieblingslehrerinnen und Freundinnen auch noch etwas bekamen und ich für mich noch eine Apfeltarte machen konnte. An meinen letzten Tagen habe ich sie verteilt, bin von Klasse zu Klasse gelaufen, mit Fotos von ihnen, zusammen mit mir. Ich bin gespannt, wie viele sich noch an mich erinnern, wenn ich (hoffentlich bald) mal wieder dort bin.

Aber der Abschied ist nicht nur in einem Augenblick, so man es sich immer vorstellt, es geht viel langsamer und unauffälliger von statten. Zuerst ist die Schule zu Ende.  Aber dann gibt es noch die offizielle Verabschiedung von den 8.-Klässlern. Dann das Sommerfest, wo die Kinder ihre Zeugnisse bekommen, Blumen an ihre Lehrer verschenken und ich wieder viele sehe. Dann auch noch das Sommerlager im Kulturhaus in Iklad, wo ich helfe. Ein Sportlager, ein Friseurbesuch, ganz normales einkaufen in Aszód. Überall trifft man sich doch noch wieder, ist das nun positiv oder negativ? Macht es den Abschied einfacher, weil es so schleichend kommt, oder genau deswegen schwerer?

 

Und es ist erstaunlich, schon fast gruselig, wie schnell man von einer Welt in die andere rutschen kann. Ohne großes Aufsehen, ohne das es einen näher berührt. Nur im Vorherein ist es ein psychischer Akt, aber wenn es dann passiert, lässt es einen seltsam kalt. Man stellt sich so schnell auf alte, vertraute Umstände ein. Und so ging es mir in diesem Sommer oft. Von meinem Zuhause in Aszód weg, in den Urlaub, natürlich was Neues, neue Orte, neue Länder, eine tolle Reise, von der ich immer noch schwärme, zwei Wochen durch Südosteuropa. Aber die Menschen waren schließlich vertraut, kulturweit-Freiwillige. Nicht mal alle persönlich vertraut, Lara und Verena kannte ich vorher noch nicht, Philip und Anna allerdings schon. Aber genau das war das Richtige, die beste Mischung für wunderschöne, witzige, seeehr heiße, diskussionsreiche, entspannte und ereignisreiche Tage.

Dann wieder – innerhalb von zwei Flugstunden ab in die andere Welt, nach Deutschland, drei Tage in Hannover, vorwiegend bei Freunden verbracht, bevor es zu dem nächsten Abschnitt ging, eine Woche Familie im Großformat genießen können. Zurück in Hannover wieder das herrliche Norddeutsche Wetter genießen, eine gerade erst wiedergesehene Freundin für ein weiteres Jahr verabschieden, nun ist sie unterwegs in der weiten Welt – und dann zurück in Richtung Ungarn, noch einmal alle besuchen, mich bedanken und einfach nochmal alle sehen und es genießen, in Iklad sein zu dürfen. Aber erst ein weiteres Mal Rumänien bewundern.

Wie kann man das eigentlich schaffen, Orte, Identitäten, Menschen wechseln wie die Kleidung, die man trägt. Vielleicht, in dem man akzeptiert, dass es genau das ist, was man braucht? Immer Neues, Anfänge, den Sprung ins kalte Wasser, alles wie ein Spiel, damit man selbst mit sich klarkommt, probiert, sich kennenzulernen und über sich zu lernen. Und letzten Endes feststellt, dass genau die Festlegung auf bestimmte Dinge, auf Neigungen, Stilfragen, vielleicht sogar Eigenschaften und Einstellungen das Falsche ist. Es ist ähnlich wie bei dem „Zuhause“. Je mehr man kennenlernt, sieht und erfährt, desto größer und weiter wird das Bild, man kann sich weniger sicher sein, was nun am Wichtigsten ist. Weil ja plötzlich zu viele Sachen wichtig sind, aber so unterschiedliche, dass es gar nicht möglich ist, eine Reihenfolge festzulegen.

 

Ok, es tut mir leid, ich habe das Gefühl, mich wieder dolle verzettelt zu haben. Eigentlich wollte ich doch nur kurz über meinen Sommer und die schönen letzten Tage in Ungarn berichten. Vielleicht auch über das Nachbereitungsseminar. Dazu also jetzt nur noch einige Worte: Danke an die ganzen Menschen, die ich wiedergetroffen habe, die ich neu kennengelernt habe, es war eine Freude, alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, Geschichten aus Argentinien und Myanmar zu hören, Fotos anzuschauen und Turbofolk zu hören. Es war ein gelungener Abschluss, der aber nur ein offizieller war. Ich weiß, dass es weitergeht mit kulturweit und mir. Und nicht nur mit kulturweit an sich, sondern auch mit den Leuten, die ich von dort mitgenommen habe, da sie mich (teilweise) die ganze Zeit über in diesem Abschnitt begleitet haben.

 

Aber wie geht es nun weiter? Ich möchte mich verabschieden. Von diesem Blog, denn das ist tatsächlich das Ende davon. Er wird weiterexistieren, wahrscheinlich noch viel länger, als mir lieb ist, aber eigentlich ist das doch schön. Auch für mich wird es schön sein, zu wissen, dass ein Teil von mir für immer aufgeschrieben ist. Ich bin gespannt, in wie weit ich mich in ein paar Jahren noch mit meinen Ansichten und Aussagen identifizieren kann, schließlich weiß ich ja jetzt, ich darf mich auf nichts festlegen, sondern bin nun mal im stetigen Wandel.

 

Sziasztok és viszontlátásra. Nagyon szépen köszönöm mindenkinek,  az embereknek Magyarországon, Németországban, a barátoknak itt és ott, az Ikladi iskolának, a gyerekeknek, a tanároknak és kulturweitnak. Sok szeretettel.

Endspurt #1

Alles hat irgendwann ein Ende. Auch dieses Schuljahr. Das 14. Jahr, dass ich in der Schule war, nur mit verkehrter Rolle. Und bin ich froh darüber, auf der Lehrerstuhl sitzen zu dürfen (naja, meistens eher auf dem Lehrertisch), als auf einem der Schülerstühle!

Jedenfalls sind inzwischen meine verbleibenden Tage in der Schule an zwei Händen abzuzählen und die Zeit, die mir noch in Ungarn bleibt, ist viel zu kurz für die ganzen Orte, die ich nochnicht gesehen habe.

Es ist kaum zu fassen, aber in ganzen 9 Monaten habe ich es immer noch nicht geschafft, die bekannteste Touriattraktion in Ungarn zu sehen: den Balaton, oder auch Plattensee.

Und weil ich ja nun meine Wochenenden voll auskosten muss, mache ich ganz viel. Wie hier:

Samstag, 27.05. 5:35 Uhr. Mein Wecker klingelt. Ein bisschen Manu Chao zum aufwachen ist doch einfach viel entspannter als so ein ekliger Ton, vor dem man irgendwann richtige Panik bekommt. Durch mein Rollo scheint die Sonne einen schmalen Strahl auf mein Bett, der erste Hund bellt und als ich das Rollo hochziehe und rausschaue, sehe ich keine Wolke am Himmel. Der Tag wird sehr warm werden, das spürt man schon jetzt. Vor vier Wochen hatten wir noch einen plötzlichen Schneefall, jetzt schon 30 Grad. Ich ziehe mich an, setze einen Kaffee auf, trinke ihn an meinem Küchentisch. Der mit dem blauen Hammamtuch als Tischdecke und dem Strauß aus Monblumen und Margeriten, die in der kulturweit-Flasche stehen. Pünktlich zu den Kirchenglocken, die 6 Uhr schlagen, verlasse ich das Haus und mache mich auf, zum anderen Ende von Aszód. Hier findet jeden Samstag ein Bauernmarkt statt, die Leute aus der Umgebung verkaufen alles, was sie anbauen. Und nur ganz früh gibt’s die ganz guten Sachen. Tomaten, Feldsalat, frischer Spinat, heute ganz neu auch Erbsen. Es ist ein Traum! Überall die kleinen Stände, ältere Frauen mit Kleidern und Kopftuch, Männer mit schwieligen Händen, denen man die harte Arbeit ansehen kann, all die Farben, frisches Grün, Rot, gelbe Paprika, kleine neue Kartoffeln, und über dem allen ein Stimmengewirr, die melodische Sprache, die teilweise klingt, als würden alle nur singen.

(Zeitsprung)

Ich stehe an der Bushaltestelle am Hauptplatz, in meiner Tasche Sonnenbrille, Geld, Telefon und Wasser. Ganz viel Wasser, es ist wirklich heiß heute. Der Bus nach Vác fährt etwa eine Stunde, und das ist heute mein Ziel. Umgerechnet drei Euro zahle ich bis in die schöne Stadt 40 Kilometer westlich von Aszód, direkt an der Donau gelegen. Der Busfahrer ist ein älterer freundlicher Herr, der mich schon begrüßt, als ich einsteige und zahle. Manchmal fahre ich mit dem Bus von der Schule nach Hause, daher kenne ich die meisten Busfahrer auf der Strecke nach Iklad bereits. Und das ist auch der erste Ort, durch den wir durchfahre. Das letzte Mal, das ich weiter im Dorf drin war und nicht nur am Anfang bei der Schule, war im Winter. Vieles hat sich hier verändert, der Sommer gibt Farbe und Freude. Es kommt mir vertraut vor, schließlich habe ich hier für  5 Monate gewohnt. Aber ich merke, dass mein Zuhause eindeutig nicht mehr hier ist, sondern in dem grünen Haus, unterhalb und oberhalb von Kirchen, von dessen Garten mit den Schwertlilien ich auf das Schloss und den Freiheitsplatz von Aszód schauen kann. Wir fahren weiter, ich lehne meinen Kopf an die Scheibe, schaue raus, lasse meine Gedanken schweifen. Zu Nóri, einer meine liebsten Kolleginnen, die hier am anderen Ende von Iklad mit ihren Familie wohnt, zu einem Traum, den ich vor langer Zeit mal hatte. Galgamácsa, das nächste Dorf, spielte darin eine Hauptrolle, unbekannterweise. Jetzt fahre ich zum ersten dort hindurch. Ich bin wirklich gespannt, die Route die ich abfahre, sind für viele Schüler normaler Alltag und ich gehe die Namen von denen durch, die hier wohnen. Und tatsächlich bin ich wieder überrascht, schon so viele Menschen hier zu kennen, immer wieder begegnet mir eine Person, die ich als Schwester, Oma oder Vater von irgendwem identifizieren kann. In Galgamácsa nun läuft ein Mädchen an dem Busvorbei, gefolgt von einer kleinen Frau mit so unglaublich langen Haaren, wie ich es selten gesehen habe. Sie ist die Mutte von Blanka und Dávid, deren Vater ich auch schon oft im Zug nach Budapest getroffen habe, er ist Schaffner. Sie alle laufen vorbei, mit zwei von ihren vier Pferden, sehen mich aber nicht. Ich fühle mich wie in einem fahrenden Kino, bin Beobachterin vom Leben der Menschen, die ich eigentlich immer nur bei meiner Arbeit sehe. Ich sehe ihren Alltag, ihre Umgebung, den Ort, wo sie aufwachsen, so anders als meine Heimat, aber von einer Schönheit, einer Ruhe umgeben, die mir den Atem raubt. Kleine Häuser, große Gärten, alles steht in Blüte, Mohn und Kornblumen am Straßenrand, Holunderblütendolden, die  voll und schwer auf die Straße hinunter hängen.

(Zeitsprung)

In der Luft hängt des Geruch des Wassers, ich spaziere in einem Park, auf der einen Seite die Donau, auf der anderen die Türme der Stadt Vác, Kinder spielen laut kreischend auf dem Spielplatz, junge Leute liegen im Schatten unter den Bäumen, eine Familie kommt mir entgegen. In der Stadt sehe ich einen Hochzeitsumzug, eine große „Fitness im Freien und für alle”-Veranstaltung auf dem großen Platz, direkt neben einer Eisdiele, die so große Kugeln verkaufen, dass man Stunden daran lecken kann. Die Sonne knallt vom Himmel, obwohl es schon später Nachmittag ist und Fahrradfahrer schlangeln sich zwischen den Fitnessbegeisterten durch. Zwei kleinere Kinder fallen mir von weitem auf, dass kann doch nicht… Doch! Petra und Ádám, die Zwillinge aus der 3b. Sie winken mir fröhlich zu, ich rufe „Sziasztok!”, grade noch rechtzeitig, bevor sie um die nächste Ecke verschwinden.

(Zeitsprung)

Ich sitze vor meiner Tür, meinem Stammplatz, beobachte meine Nachbarn, die grade ihren Garten neu machen und sehe auch ihren Sohn, Ákos aus der 5a, auf seinem Fahrrad immer kleiner werdende Kreise ziehen. Auf meinem Schoß steht die Schüssel mit Salat, Tomaten, frische Erbsen, Spinat vom Markt, dazu das leckere Olivenöl von der kroatischen Insel Krk, das die Vermieterin von der kleinen Wohnung, die wir für unseren Kurztrip nach Kroatien gemietet haben, selbst hergestellt hat.  Es ist das alles, diese Besonderheit im Einfachen, dieser Frieden, der in der Landluft liegt, die Sonnenuntergänge auf den hügeligen Feldern gegenüber, das Zirpen der Grillen. Das ist das Zuhause, was ich mir in den letzten Monaten aufgebaut habe.

Fotos sprechen lassen…

Ich hab’s irgendwann mal versprochen. Und hier sind sie nun: Einige meiner Erlebnisse der vergangenen Monate in Bildform. (Man bemerke bitte, die Fotos sind in einem Zeitraum von mehreren Monaten entstanden, ich bin nicht immer auf Achse! Meine Arbeit habe ich schließlich auch noch 🙂 und die hält mich auch ganz gut auf Trab. Unterfordert bin ich jedenfalls zum Glück nur sehr selten)

Zum Beispiel hatte ich auch erwähnt, dass ich zu meinem Geburtstag Besuch hatte. Nicht nur das, sondern auch herrlichstes Wetter und ein wunderschönes Frühstück im eigenen Garten waren dabei.

Und die Torte, die ich von der Schule bekommen habe, gibts auch auf nem Bild (allerdings nur noch ca. ein Sechstel vom Ganzen)

Eine Woche später fing auch in Bratislava, wo ich für ein Wochenende war, der Frühling an.

Und dann ging’s auch schon nach Lviv in die Ukraine. Eine Zugfahrt und eine Stadt, die mich unglaublich beeindruckt haben, ein wahnsinniges Erlebnis und so tolle Dinge, die wir sehen und erleben durften. Vielleicht bekommt man durch diese Bilder einen kleinen Eindruck davon.

 

Aber nicht nur Lemberg ist wunderschön, auch Timisoara, wo ich noch ein Wochenende bei der lieben Pauline verbracht habe. (Leider gibt es nur ein einigermaßen gutes Bild hier…)

 

Außerdem habe ich seit Ewigkeiten mal wieder das Meer gesehen! Ein paar Tage am Mittelmeer, in Kroatien, die zwar auch am Bodensee hätten sein können, da man wegen den Insel nie direkten Blick aufs offene Meer hat, aber trotzdem schön waren. trotz überwiegend schlechten Wetters.

 

Ein, dann mit tollem Wetter, Wochenende in Pécs gab es auch noch:

 

Und schließlich zulezt auch noch mal Bilder von meinem wunderschönen Zuhause! Aszód darf schließlich nicht vergessen werden, obwohl ich oft an den Wochenenden weg bin, genieße ich die Zeit, die ich hier verbringe wirklich sehr. Und mache es mir zu Hause auch ganz gemütlich – so sehr, dass ich mir eigentlich gar nicht vorstellen möchte, bald schon ausziehen zu müssen!

13 reasons why…

Im Folgenden präsentiere ich Ihnen 13 Gründe, warum es einfach gut ist. Was, das erfährt man letztlich von selbst.

(kleine Anmerkung: dieser Blogeintrag hat, bis auf den Titel, rein überhaupt nichts mit der heiß diskutierten Serie zu tun. Nicht, dass da irgendwer auf falsche Ideen kommt 😉

Also Vorhang auf für meine Gründe:

1.  …weil ich nur so in den Genuss gekommen bin, auch mal ganz alleine in einer eigenen Wohnung zu wohnen.

2.  …weil ich wieder ein Teil meines Herzens an einem Ort lasse und später nur darauf hoffen kann, ihn gut behütet wieder vorzufinden, wenn ich irgendwann mal wiederkomme.

3.  …weil ich sonst nicht auf die grandiose Idee gekommen wäre, mich auf ein Studium der Ungarischen Literatur und Sprache zu bewerben.

4.  …weil ich nicht dabei gewesen wäre, als meine lieben 8-Klässler erfolgreich ihre DSD-I-Prüfungen abgeschlossen haben.

5.  …weil ich niemals so viele tolle und interessante Orte in Ost- und Südosteuropa gesehen und kennengelernt hätte.

6.  …weil ich das erste Mal seit 7 Jahren meinen Geburtstag wieder in Hannover gefeiert hätte. Und somit nicht in den Genuss einer riesigen Torte von meinen Kollegen und Geburtstagsgesang von allen 250 Schülern und Lehrern in der Schule gekommen wäre.

7.  …weil ich nun das Nachbereitungsseminar am Werbellinsee auch wieder im Sommer habe. Und dann auch baden kann.

8.  …weil ich sonst nicht die traditionelle Osterwasserschlacht in Lviv in der Ukraine gesehen hätte.

9.  …weil ich nicht erfahren hätte, was bei dem laotischen Neujahrsfest in Budapest passiert.

10.  …weil ich keine Gründe mehr hätte, mein Dirndl weiterhin zu tragen (wie zum Beispiel bei dem Trachttag oder beim Nationalitätenwettbewerb).

11.  …weil meine liebste Kollegin Anikó nicht zu der besten Ansprechpartnerin und guten Freundin geworden wäre, die immer Kaffee, Kuchen und Eis für einen da hat, Sport mitmacht und sich um meine Pflänzchen kümmert, wenn ich an den Wochenenden mal wieder unterwegs bin.

12.  …weil sich sonst gar nicht die Möglichkeit ergeben hätte, dass meine Schüler und ich uns besser kennenlernen konnten und ich wirklich sehr sehr viele von ihnen, von den niedlichen Erstklässlern bis hin zu den pubertierenden Achtklässlern, in mein Herz schließen konnte.*

13.  …weil ich schon immer (für mich zumindest) der Meinung war, dass 12 Monate im Ausland besser sind als nur 6 und sie wirklich einfach glücklicher machen.

 

* Vor allem in letzter Zeit immer öfter bekomme ich das Gefühl, dass meine Zuneigung auch auf Gegenseitigkeit beruht, zu spüren. Wenn zum Beispiel die Unterstufenschüler mir selbst gemalte Bilder schenken, mir stolz auf Deutsch „ich liebe dich“ zurufen oder schüchtern nach meiner Hand greifen und mich später gar nicht mehr loslassen wollen. Oder auch, wenn die Älteren mir Schokoladenherzen als Dankeschön für kleine Hilfen geben oder wenn sie mich fragen, ob ich nicht auch im nächsten Schuljahr noch dableiben kann. Oder auch, wenn sie mich fragen, ob sie mich in Deutschland besuche  dürfen. Das sind einige von diesen Momenten, wo ich einfach nur dankbar bin, dafür, überhaupt die Möglichkeit zu haben, hier zu sein, wo ich glücklich bin, in diesem kleinen ungarischen Dorf und in dieser Einsatzstelle, die tatsächlich so gut zu mir passt, meinen Freiwilligendienst machen zu dürfen, und wo ich tatsächlich sehr zufrieden damit bin, was ich momentan so mit meinem Leben anfange.

 

Ich LEBE!

Tatsächlich: Ich lebe noch. Auch wenn‘s hier auf meinem Blog in den letzten Monaten ziemlich still war – ich bin immer noch in Ungarn und somit ein Teil von kulturweit. Leider habe ich es nicht so mit den sozialen Netzwerken (nur Instagram habe ich auch mal für mich entdeckt, zwar bin ich dort schon lange, aber noch nie so aktiv gewesen wie jetzt. Also wer gerne (Architektur-)Fotos sehen möchte, kann meine Seite dort auch gerne besuchen). Ich entschuldige mich für das fehlende Leben und kann aber versichern, dass in der nächsten Zeit wieder mehr kommt. 🙂

Denn ich habe wirklich viel über meinen Blog nachgedacht. Und darüber, was ich schreiben könnte. Ich habe auch schon öfter damit angefangen, daher kommt jetzt ein Ausschnitt meines Notizbuches (vom 13.04.):

„Die Meldung, die Existenz ist noch da! Was ist denn passiert? So viel, dass die Zeit zum Schreiben nicht da war? Oder einfach so wenig, dass es nichts zu schreiben gab? Oder ein Mittelding und ich war einfach zu faul?

Aber irgendwie muss man ja auch wieder irgendwann anfangen, schließlich soll es hier nicht alles zum Erliegen kommen.

Und dann sind da plötzlich so viele Gedanken, die sich vordrängen, sodass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Durch meine Kopfhörer schallt mir ein persisches Lied aus meinem Lieblingsfilm in die Ohren, schräg gegenüber von mir schläft ein Hund auf dem Sitz und vor dem Fenster zieht die ungarische Puszta vorbei. Plattes Land bis zum Horizont, langsam wird es dunkel und der Zug langsamer. Aber bis nach Nyíregyháza, meinem Ziel, ist es noch viel Zeit. Viel Zeit, Gedanken zu ordnen und zu Papier zu bringen. Ich bin ja ein echter Fan vom Zug fahren. Oder Bus. Am besten bei Nacht. Draußen schwimmen die Orte an einem vorbei, Landschaften, Städte, man ist eingeschlossen in eine ganz eigene Zeit. Und ich habe Glück: denn hier in Ungarn fahre ich immer Zug. Oder Bus. Überall hin. Zur Schule, nach Budapest, zu anderen Freiwilligen, oder auch nach Bratislava, wie vor zwei Wochen, zusammen mit den lieben Leutchen aus Pécs, oder zum Flughafen Budapest, um nach Genf zu fliegen, eine Woche Skifahren in Frankreich mit meiner Familie . Das war eine gute Auszeit, auch eine wichtige. Das war vor über einem Monat und hier ist schon die nächste Auszeit, nämlich Frühlingsferien. 10 Tage lang keine Arbeit, nicht um 6 Uhr aufstehen müssen und keine Schule von innen sehen. Ist natürlich schön, aber es macht mich gleichzeitig viel zu traurig. Weil die Zeit schwindet, immer schneller, und immer weniger bleibt.

Kleine kalte Winterdepressionen sind nun vorbei. Der Frühling ist da, woran man’s merkt? Strahlen auf den Gesichtern schon früh am Morgen, das Grinsen wird breiter, die Motivation für Sport größer, die Klamotten dünner und bunter – und die Schüler aber leider auch immer fauler. Mein Ehrgeiz, sie zu motivieren steigert sich zum Glück auch immer mehr, jetzt für die letzten paar Monate sollte man nochmal alles geben! Und wenn’s dann doch mal nicht geht, dann sind da noch andere Sachen, die glücklich machen: ein Kaffee in der Küche von Anikó, Sonnenuntergänge oben auf den Feldern, Geburtstagsbesuche aus Hannover, ewige Spaziergänge und Gespräche durch Budapest oder auch einfach die Schokolade aus dem Päckchen meiner Großeltern.“

 

Es ist nicht nur so, dass ich noch lebe, sondern vor allem, dass ich das Leben lebe. Vielleicht ist das hier schon mal ein kleiner chaotischer Eindruck, in gewissen Maßen eine Widerspiegelung von meinem momentanen Inneren. Und bald geht’s weiter mit noch mehr Dingen, die glücklich machen, mit einer Auflistung und auch konkreteren Beschreibungen (plus Fotos!) von den Erlebnissen meiner letzten Monate. Das ist nun also mein Comeback!

Freaky Budapest Hostel

Alles was ich hier schreibe, ist ganz genau so (!!!) passiert, ohne  Verschönerung oder Übertreibungen.

Freitag, 27.01. 18:45 Uhr

Ich stehe am Bahnhof Keleti in Budapest und warte auf Leo, die auch gleich aus Orosháza ankommen soll. Zusammen mit einigen anderen Freiwilligen aus Ungarn und Bosnien verbringen wir das Wochenende hier, sie alle, da sie verschiedene Musicals besuchen, ich dagegen nur, weil ich für das Wochenende etwas zu tun brauchte und mich ihnen also anschloss, in der Stadt zu verweilen. Leos und mein Plan war, uns etwas zu essen zu suchen und dann in Richtung Hostel zu gehen, wo alle anderen schon warteten. Nur hatten alle in ein Hostel eingecheckt, welches mir, dank der kurzfristigen Zusage, zu teuer war. Also hatte ich einen Tag vorher kurzerhand über booking.com ein anderes Hostel gebucht: das Hi5 Hostel, gute Lage auf einer der Ringstraßen und nicht weit vom Wombats, wo die anderen waren, sehr gute Bewertungen und vor allem ein mega Preis, zwei Nächte für nur umgerechnete 10 Euro. Außerdem noch ein supernetter Typ namens Gábor, der mir per E-Mail schrieb, wo ich klingeln musste (bei der Nummer 48) und ob ich Hilfe bräuchte bei der Anreise oder Ähnlichem.

Das waren also die Fakten. Und Leo und ich sind (ohne was Gutes zu Essen gefunden zu haben) in der Király ut. angekommen. Allerdings auf einer Höhe, wo wir feststellten, dass wir in jeweils unterschiedliche Richtungen mussten. Wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, dass ich in meinem Hostel einchecken gehe und dann zu allen Anderen kommen würde. Soweit so gut. Ich laufe 10 Meter, bis mir etwas Entscheidendes einfällt. Ich schlage mir die Hand vor den Kopf. „Es kann nicht wahr sein! Wie kann man nur so bescheuert sein!“ rufe ich, mehr oder weniger laut durch die Straße und ernte leicht befremdete Blicke von anderen Passanten. Denn ich habe doch tatsächlich nicht nachgeschaut, welche Hausnummer das Hostel hat. Die Nummer, wo ich klingeln muss, habe ich, auf der Karte gesehen hab ich es auch, die Straße weiß ich – aber die exakte Nummer nicht. Aber halb so schlimm, denk ich mir, ich weiß ja ungefähr, auf welcher Höhe es ist, ich finde das schon.

In der Teréz körút angekommen klappere ich also alle möglichen Häuser ab, schaue auf Klingelschilder und suche die Türen nach anderen Hinweisen ab. Aber nirgendwo taucht das Hi5 Hostel auf. Nur ein „FriendsHostel“ finde ich. Irgendwie kann ich mich darüber amüsieren, nur leider wird es langsam merklich kälter. Also rufe ich Leo an. Die nicht rangeht. Als nächstes Isi, die ein Glück abnimmt und mir verspricht im Internet nach der Adresse zu suchen. Zwei Minuten später kommt die Erlösung per SMS: „Nagymézö u 27 :)“ …und ich komme mir komplett blöd vor. Denn das ist eine ganz andere Adresse!!! Aber ich habe Riesenglück, ich kenne die Straße und so weit ist sie gar nicht von meinem Standort enfernt. Aber trotzdem verstehe ich einfach nicht, wie das sein kann. Ich habe ja schließlich auf der Karte gesehen, wo das Hostel ist, und das war eindeutig nicht die Adresse, die mir Isi geschickt hat! Aber egal, ich mache mich auf den Weg dahin, frierend und mit voller Reisetasche, inzwischen ist es fast 8 Uhr abens. Auf dem Weg werde ich (zum ersten Mal in Budapest!) von einem seltsamen Typen angemacht, der mir auch noch irgendwas anzügliches auf Englisch hinterherruft. Aber verzweifeln tue ich erst, als ich dreimal über eine Ampel hin und her renne, weil die Straßenschilder nicht hergeben, welche Hausnummern in welcher Richtung zu finden sind. Nach einer weiteren Viertelstunde finde ich aber endlich das Haus und klingel direkt bei der Nummer 48. Nur ist irgendetwas seltsam. Das Eingabefeld für die Nummern ist elektronisch betrieben, wie so oft hier, und es funktioniert nicht. Jetzt schaue ich mir also das Haus nochmal genauer an, gehe auf die andere Straßenseite, um es besser zu sehen. Und traue meinen Augen nicht. Ich stehe vor einem verlassenen Haus. Vor einer Ruine!

„Isi! Bist du dir ganz sicher, dass das die richtige Adresse war?“

„Hey, ja eigentlich schon. Warum denn?“

„Weil da verdammt nochmal niemand drin wohnt!“

„Echt jetzt?! Hm aber seltsam, ich habe mich auch schon gewundert,

Hi5 ist nämlich auch irgend so eine Agentur, die Wohnungen an Touristen

 vermietet. Und die Adresse hab ich auch nur über TripAdvisor gefunden!“

Wir kommen überein, dass ich probiere, mich hier mit einem freien WLAN zu verbinden und mir die Buchungsbestätigung nochmal genau anzugucken. Falls das nicht klappen sollte, gehe ich einfach erst mal zu ihnen ins Hostel. Nach gefühlten 50 Versuchen, mich mit einem freien Telekom Hotspot zu verbinden, sagen mir meine rot angelaufenen Finger, die ich dank der -12 Grad leider nicht mehr bewegen konnte, dass ich mich nun eindeutig auf den Weg ins Wombats machen sollte. Wieder in Király ut. angekommen finde ich das Hostel nicht. Blind laufe ich daran vorbei und bin einfach nur noch genervt. Drehe wieder um. Sehe die riesige Tür. „Wombats“ steht da doch ganz groß! Ich soll wohl in den dritten Stock gehen. Und stehe jetzt wieder vor eine Tür. Und die kriege ich nun wahrlich nicht auf, egal was ich mache. Ich lache verzweifelt auf und wähle (mal wieder) die altbekannte Nummer von Isi. Als sie mir endlich die Tür aufmacht, stellt sich auch raus, warum ich sie nicht öffnen konnte: Man braucht die Zimmerkarte, um sie zu entsperren!  Im Zimmer angekommen wartet auch Leo auf mich und meine Geschichte und nachdem ich kurz wieder aufgetaut bin, entscheiden wir, zusammen zu der Adresse von der Buchungsbestätigung zu gehen (die doch die Teréz körút ist, mit der Hausnummer 7, also die Straße, wo ich ganz am Anfang war!). Aber wir haben immer noch nichts gegessen und sind gleichzeitig unter Zeitdruck, weil wir um halb 10 eigentlich im Operett Theater sein sollen, um dort für die Schüler einer bosnischen Schule etwas übersetzen sollen. Mit unseren perfekten Ungarischkenntnissen natürlich.

Um etwa viertel vor neun machen wir uns also zu dritt (Leo, Isi und ich) auf den Weg: Mission Hostel finden im Endspurt! Da die Adresse ja irgendwie die ist, wo ich schon mal war, erscheint es uns als logisch, dass mein Hostel umbenannt wurde, nämlich in „FriendsHostel“. Weil es ja das einzige Hostel weit und breit war. Das finden wir nur leider zuerst nicht wieder. Es stellt sich raus, dass wir nur auf der falschen Straßenseite waren und wir finden also das FriendsHostel in der Nummer 4, nicht 7. Außerdem treffen wir hier noch einen leicht verzweifelt aussehenden Backpacker wieder, der uns schon einmal nach einem Straßennamen gefragt hat. Ich will bei der Nummer 48 klingeln, es irritiert nur, dass hier nicht das Hostel dransteht, sondern irgendeine Privatzimmervermietung. Und es macht niemand auf. Das FriendsHostel steht am Klingelschild mit der Nummer 22, also probieren wir da unser Glück. Und tatsächlich: Jemand geht ran und öffnet uns! Der Backpacker scheint nicht mit uns mitkommen zu wollen, also lassen wir ihn unten stehen und machen uns auf ins vierte Stockwerk. Wir kommen zu einer offenen Tür rein und eine gemütliche und warme Atmosphäre empfängt uns. Die Frau an der Rezeption sieht super nett aus, telefoniert jedoch grade und macht uns mit einem Handzeichen deutlich, dass wir doch kurz warten sollen. Und dann sagt sie: „Sorry, what was the name again? Hi5 Hostel? Really? I have never heard of this! I didn’t even know that it exists!“

Wir gucken uns an. Und wissen jetzt mehrere Sachen:

  1. Sie telefoniert nicht, sondern spricht mit dem Backpacker unten vor der Tür.
  2. Das FriendsHostel ist eindeutig nicht das Hi5 Hostel, das seinen Namen geändert hat.
  3. Der Backpacker sucht das gleiche Hostel wie wir.

Unklar ist jetzt nur noch, ob das Hostel überhaupt existiert, oder ob einfach alles fake ist. Wir erklären der Frau an der Rezeption lachend unser Problem und sie kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Sie hätte wirklich noch nie davon gehört, und jetzt gleich mehrere Leute an einem Abend! Und sie war wirklich total lieb, hat extra nochmal im Internet nachgeschaut und schließlich eine Telefonnummer angerufen, die bei meiner Buchungsbestätigung dabei stand (wir sind blöderweise – oder vielleicht auch dank des ganzen Chaos – nicht auf die Idee gekommen, anzurufen…) Abgehoben hat aber auch nach mehreren Minuten niemand. So hat sie uns schließlich geraten, doch einfach mal hinüber zur Nummer 7 zu gehen und dort nochmal zu schauen.

Gesagt getan – und wen treffen wir wieder? Den armen Backpacker! Er erzählt uns, dass er bei der Nummer 48 an Haus 7 geklingelt hätte, aber niemand aufgemacht hat. Und wir gehen nochmal alle zusammen hin. Nirgendwo an der Haustür und auch sonst nirgends steht irgendetwas von einem Hostel. Und nicht mal am Klingelschild. Denn bei der Nummer 48 steht nur ein spanischer Name – Carlos. Trotzdem klingeln wir. Und nach Ewigkeiten macht jemand auf und nuschelt, ob wir ins Hostel wollen. Jaaaaa!!! Wir sollen in den 5. Stock. Den gibt’s nur leider nicht in diesem Haus, stellen wir nach vielen Treppenstufen entnervt fest. Irgendwie wird einfach alles immer immer komischer. Es ist ein ziemlich ungutes Gefühl, das uns alle durchläuft.

Und dann kommt uns ein Asiate entgegen. Der ist ziemlich sicher nicht Carlos. Und auch nicht Gábor, der mit dem ich geschrieben habe. Aber er winkt uns mit sich und so folgen wir im. In eine Wohnung. Im kleinen Flur fragt er uns, ob wir reserviert hätten. Ich sage, ja ich, und spähe an ihm vorbei. Von dem Flur aus kann man in ein Zimmer gucken, das wie ein großes Wohnzimmer wirkt. Dort sitzen zwei Menschen, die uns mit teilnahmslosem Blick betrachten. Der Asiate nuschelt leise: „Ok, so here is the kitchen, here is the living room and..“  er führt uns weiter den Flur lang, um eine Ecke. Keine Rezeption weit und breit, keine Registrierung, gar nichts. Ich laufe direkt hinter ihm, in der Hand meine kleine Reisetasche, hinter mir Isi, dann Leo und dann der Backpacker. „… here is a bathroom and the shower. There in the room you can choose your bed.“  Man kann vom Flur aus in das Zimmer sehen, vier Stockbetten, nebeneinander aufgereiht, das erste ist perfekt vom Flur aus zu sehen. Und darauf sitzt ein Mann. Mitte oder Ende 20 würde ich ihn schätzen. Er sitzt auf dem oberen Bett in einer Haltung, die ich als leicht abstrakte Yoga-Position bezeichnen würde. Und er hat einen langen braunen Vollbart und lange Haare. Und einen Blick, der so starrend und gleichzeitig abwesend ist. Aber trotzdem lässt er mich keine Sekunde aus den Augen. Aber es ist nicht mal dieser leicht psychopathische Blick, der mich am meisten verstört, sondern eine andere Sache. Der Mann ist nackt. Komplett nackt!!!

Mein ganzer Körper spannt sich sofort an. Der Asiate! Ihn habe ich völlig vergessen. Er bekommt gar nicht mit, dass ich den Moment äußerst seltsam und unangenehm finde und stört sich auch nicht an dem Anblick von diesem nackten Yoga-Jesus auf dem Bett. Ich laufe mit kleinen Schritten in den Raum rein, kann kaum atmen, weiß nicht ob ich lachen soll oder einfach zusammenbrechen (angesichts dieses Endes der sowieso schon völlig abgedrehten Geschichte), und stelle schließlich meine Tasche auf dem letzten Bett in der hintersten Ecke ab. Drehe mich um. Der Typ hat nichts an seiner Position oder seinem Blick geändert. Und ich gucke die völlig geschockte Isi an, die mich leise fragt: „Willst du wirklich hier bleiben?!“NEIN!“, ist meine recht eindeutige Antwort und ich gehe, genauso langsam, wie ich reingekommen bin, wieder aus dem Zimmer hinaus. Wir machen uns schweigend wieder in Richtung Ausgang, Isi sagt dem Backpacker, der noch nichts gesehen hat leise „There is a naked man sitting in the bed…“  und als wir in dem kleinen Eingangsbereich stehen, hören wir nur den Backpacker fragen: „So there is no other room available?“

Er kommt auch zurück. Und mit ihm der Asiate. An die zwei Minuten danach kann ich mich leider nur noch verschwommen erinnern, jedenfalls sagte der Asiate irgendwas von wegen „I will tell my manager“ und dann gingen wir auf die Tür zu. Ich will sie aufmachen – und es geht nicht. Und in dieser Millisekunde denke ich nur noch panisch: „Jetzt sind wir wirklich unter die Psychos geraten!!!“

 

Natürlich sind wir das nicht. Man musste nur einen Knopf drücken, damit die Tür aufging, aber wir waren noch zu geschockt, um das selbst rauszufinden. Nach dieser Begegnung sind wir dann endlich auch was essen gegangen, wo sich alles in Lachen umwandelte. Ich habe schon lange nicht mehr so viel und lange gelacht, wie über diesen Abend.

Letzten Endes habe ich nach noch mehr Komplikationen, die uns aber alle nur noch mehr erheiterten, ins Wombats eingecheckt und dort geschlafen.

Budapest, Zagreb, Zwischenseminar – Impressionen zu den letzten Monaten

Nun kommen hier also endlich die Fotos zu meinem letzten Blogeintrag, damit man das,  was ich in Worte gepackt habe, wenigstens ungefähr auch sieht. 🙂

Zuerst  mal ein Gruppenbild am See in Gárdony, bei unserem Zwischenseminar:

und noch eins, am Bahnhof in Budapest. Das tolle Foto ist  dank eines Selfiesticks enstanden, den ich in einer Bar in Deva, Rumänien geschenkt bekommen habe. Das coolste an ihm ist, dass die rumänische Biermarke „Ciuc“ eingraviert ist!

EIn bisschen was aus Zagreb:

 

… und Budapest:

und als letztes noch einen kleinen Gruß aus dem kalten und verschneiten Iklad 🙂

Dauerkrank wegen Freizeitstress – Heulen vor Schülern? – Verlängert?!

Nun bin ich also auch eine der weiteren, die sich für das neue Jahr vielleicht vorgenommen haben, diesen Blog wieder mit etwas Leben zu füllen. Seit Ewigkeiten schon habe ich nichts geschrieben, was aber mehr daran lag, dass einfach viel zu viel passiert ist, als gar nichts! Und vieles liegt auch schon so weit zurück, dass es nur noch schöne Bilder in meiner Erinnerung sind, aber in Worte fassen lassen sich diese Tage, Erfahrungen und Momente leider kaum noch.

Aber jetzt ist schon Januar, und ich denke, es ist Zeit, die Wichtigsten Ereignisse doch nochmal zu sammeln und auch für mich einen kleinen Überblick über die vollgestopften Tage (vor allem Wochenenden!) zu schaffen. Meine Kamera ist leider nicht so oft, wie ich eigentlich wollte aktiv dabei gewesen, daher sind die Fotos für diesen Abschnitt eher rar…

Somit also liebe Grüße aus dem wirklich hübsch verschneiten Iklad und viel Freude bei den folgenden Mini-Einträgen J (zusätzlicher Nachtrag: Uuups, es ist irgendwie doch schon wieder viel länger geworden, als ich wollte… Wie konnte das nur passieren?!)

 

Martinstag:  kaum bin ich aus Rumänien zurück, greift auch schon der stressige Alltag nach mir, Martinstag steht vor der Tür und wir müssen mit unseren 7.-Klässlern ein Theaterstück auf Deutsch vorführen. Das war ein echter Akt, alles vorzubereiten und die Schüler, die ich ja echt lieb habe, die aber leider nie ihren Mund aufmachen, dazu zu bringen, 5 Minuten zu schauspielern! Letzten Endes ist es aber doch noch gut geworden und ich bin wirklich stolz auf sie! Danach gings noch gemeinsam an ein großes Lagerfeuer, wo Lieder gesungen worden, bevor ich mich schließlich aufmachte, das Wochenende in Eger bei der lieben Elly zu verbringen.

 

Zwischenseminar:  Zum Zwischenseminar werde ich gar nicht so viel sagen, sondern lieber frech auf andere Blogs verweisen, die sowieso besser darüber schreiben 😉 Nur werde ich DANKE sagen, für die wunderschöne Zeit, danke an alle anderen Freiwilligen, an unsere Trainerinnen, die nicht besser hätten sein können, an den Ort (auch wenn ich es mir anders vorgestellt hätte) und an das wunderschöne Wetter, das uns die ganze Zeit begleitet hat! Und hier die Links zu den Blogs der Anderen: https://kulturweit-blog.de/leoungarn/ https://kulturweit-blog.de/isigoing/ https://kulturweit-blog.de/linainszeged/

 

Zagreb:  direkt vom ZS aus ging es dann also nicht wieder nach Hause, sondern erst mal nach Zagreb, 5 Stunden Busfahrt in eine Stadt, die mich so positiv überrascht hat, dass ich bestimmt bald für längere Zeit dorthin zurückkehren werde! Und hier warteten nicht nur tolle Architektur und die Eröffnung des Weihnachtsmarktes auf uns, sondern auch Unmengen an Argentiniern, die wegen eines Tennisspiels zwischen Kroatien und Argentinien hier waren (wie schön es war, endlich mal wieder Spanisch zu hören!) Getroffen haben wir aber auch nicht nur die, sondern vor allem die Freiwilligen aus Kroatien, Bosnien und Slowenien, die hier ihr Zwischenseminar hatten, mehr als 30 kulturweitler an einem Wochenende an einem Fleck, das ist schon nicht schlecht, oder? Und mit die wichtigste Person, die ich nun hier getroffen habe, war Alin, nach drei Monaten mal wieder ein komplett vertrautes Gesicht aus der Heimat, auch wenn sie nicht aus Hannover kam, sondern sogar noch länger als ich in halb Europa unterwegs war.

 

Budapest:  direkt das nächste Wochenende verbrachte ich in Budapest, zuerst bei einem Gedicht- und Prosawettbewerb meiner Schüler, dann noch mit einigen Freiwilligen. Bei dem Wettbewerb traten viele verschiedene Nationalitätenschulen, wie es auch meine ist, an, und die Schüler der Klassenstufen 5-8 sagten auswendig gelernte Gedichte und Textpassagen auf Deutsch auf. Meine vier Schützlinge schlugen sich wirklich gut gegen die harte Konkurrenz, unter anderem mit einem Auszug aus den „Känguru-Chroniken“ (mal wieder), „Wir Kinder von Bullerbü“ und dem tollen Gedicht von Paul Boldt „Auf der Terrasse des Café Josty“. Der 6.-Klässler, der letzteres vortrug, erreichte sogar den zweiten Platz und schenkte später mir (!) die Rose, der er bekommen hatte J

Der Rest des Wochenendes sah dann noch so aus, dass wir (also andere Freiwillige und ich) auf einer Weihnachtsfeier des momentanen Zfa-Fachberates in Budapest sehr leckere Suppe fast allein aufaßen, viel Wein bekamen und bei einer bitteren Kälte, aber wunderschöner Sonne durch diese fabelhafte Stadt spazierten und nachts die Runde durch einige Ruinenbars machten, für die Budapest so berühmt ist. Das was die Stimmung etwas gedrückt hat, war, dass ich am Samstagnachmittag leider mit Fieber im quietschenden Hostelbett lag (eindeutig meine eigene Schuld, wochenlang krank, weil ich zu viel auf Achse war). Aber trotzdem war es ein tolles Wochenende, mit viel Glühwein (natürlich auch nicht das allerbeste Heilungsmittel) und Lángos und einer Stadt, die vor allem im Dunklen, wenn alle Lichter plötzlich angehen und alles beleuchtet wird, jeden Menschen verzaubert.

 

Gedichte für die dritte Klasse:  Sie ist eine meiner Lieblingsklassen – die 3a. Dort sitzen wirklich die süßesten Kinder meiner Schule, ich stehe vor ihnen und erkläre, was zusammengesetze Nomen sind oder spiele mit ihnen Galgenmännchen, aber am liebsten will ich sie nur abknutschen und nie wieder loslassen! Jedenfalls musste genau diese Klasse neulich ein Gedicht passend zu Nikolaus auswendig lernen. Worauf natürlich niemand von ihnen wirklich Lust hatte. Im Nachmittagsunterricht saß ich also bei ihnen und habe geholfen, damit sie sich die paar Zeilen merken konnten: Lieber guter Nikolaus… Und außerdem sagte ich noch, so streng, wie es mir in Anbracht dieser geballten Niedlichkeit vor mir überhaupt möglich war, dass sie doch bitte das Gedicht jeden Tag ein bisschen lesen und üben sollten, bis zum Montag, wo sie es können sollen. Und am Montag komme ich ahnungslos in die Klasse, Klein-Ádám und noch vier andere Jungs kommen auf mich zugelaufen, den Stolz ins Gesicht geschrieben und erklären mir, sie hätten jeden Tag geübt! Sie stellen sich auf, schön in einer Reihe, und tragen das Gedicht mit solch einer Inbrunst mir vor und warten gespannt und glücklich, was ich dazu sage. Und ja, was sage ich dazu? Ich kann gar nichts sagen, so sehr hat mich dieser Moment berührt, diese kleinen 8 Jahre alten Jungs, die sonst die Rabauken der Klasse sind – so sehr, dass mir wirklich die Tränen kommen und ich denke, noch nie, wirklich noch nie habe ich es mehr gespürt, wie gut auch mir dieses Jahr und dieser Ort, diese Schule tut und wie glücklich einen Kinder machen können, egal wie anstrengend sie manchmal sein mögen.

 

Nikolausparty:  Das nächste große Ereignis war natürlich direkt wieder ein paar Tage später: Die Nikolausparty von unserer Schule! Freitagvormittag, normaler Unterricht. Dann lohnt es sich nicht nach Hause zu gehen, da eine Stunde später direkt die Party für die Unterstufe anfängt. Ein Achtklässler ist DJ, die Eltern machen ein leckeres Buffet, und die Kinder dürfen eine kleine HipHop-Choreographie lernen, Wichtelgeschenke verteilen und einfach Spaß haben. Dann eine halbe Stunde Pause und es kommt die Oberstufe (also 5.-8. Klasse). Hier wieder der gleiche Ablauf, bloß dass es den mal mehr, mal weniger in der Pubertät steckenden Jugendlichen unangenehm ist, vor anderen Leuten zu tanzen. Also übernehmen das zwei Lehrerinnen und ich. An sich also eine wirklich nette Party, die ich leider frühzeitig verlassen musste, um meinen Zug nach Pécs noch zu schaffen, wo ich das Wochenende mit Enken zusammen bei Greta, Isi und Peter verbrachte.

 

Klasse: 6b Thema: Winter Wie so oft im Dezember war unser Thema im Deutschunterricht der Winter. Was wisst ihr darüber? Wann ist Winter? Was macht man im Winter? Wie ist das Wetter? Und so weiter und so fort… Aber in der 6. Klasse ist das immer wieder etwas Besonderes. Vielleicht, weil das eine Klasse ist, die ich leider nur viel zu selten sehe, oder aber auch vielleicht, weil sie die motivierteste Klasse ist, die ich jemals gesehen habe und die Schüler sogar besser deutsch sprechen als meine Achtklässler. So bin ich also immer voller Elan dabei (außer neulich, als ich so geschickt war, kurz vor Unterrichtsanfang bei ihnen meinem Daumen dank eines Tackers ungekannte Schmerzen zuzufügen…). Und dieses Mal war es also das Thema Winter, wir zeichneten eine tolle Mind Map an die Tafel und auf meine Frage hin: „Was esst ihr denn an Heiligabend?“ riefen alle begeistert: „Fischsuppe!“ Das klingt doch mal nicht schlecht. Und sie fragen, ob ich denn schon mal ungarische Fischsuppe probiert hätte. Als meine Antwort „Nein“ ist, sind alle entrüstet und sagen, ich MÜSSE das probieren, es sei sooo lecker. Also sage ich im Spaß: „Na gut, wer von euch lädt mich also zu Weihnachten zu sich ein, damit ich sie dort probieren kann?“ Und zwei Hände schießen bettelnd in die Höhe „Ich! Wir laden dich ein! Komm zu uns!“ Sie gehören Jakab und Barnabás, eben den beiden Jungs, die ich schon so sehr in mein Herz geschlossen habe und die auch beide an dem Gedicht- und Prosawettbewerb teilgenommen haben.

Solche kleinen Dinge passieren mir in letzter Zeit immer häufiger und es ist wunderschön zu sehen, wie wir uns alle gegenseitig besser kennenlernen und vertrauen.

(Fischsuppe habe ich schließlich doch noch probiert, auf der Weihnachtsfeier von allen Lehrern – und ja, sie ist eindeutig empfehlenswert!)

 

Weihnachten & Silvester: recht spontan habe ich mich auch noch dazu entschieden, über Weihnachten doch nach Hause zu fahren – eine Idee, die sich im Nachhinein wirklich sehr gelohnt hat! Und der eigentliche Plan war auch, am 28. Dezember wieder zurück zu fliegen und schließlich Silvester bei Elly in Eger zu feiern. Nur ist daraus leider nichts geworden. Dieses Gefühl, nach vier Monaten, endlich wieder deine Mutter, deinen Vater, deinem Bruder umarmen zu können. Dieser Geruch, wenn du den ersten Schritt durch die Wohnungstür machst, hinein in die Wohnung, wo du aufgewachsen bist, wo du 16 von deinen 19 Jahren lang gelebt hast. Ein vertrautes Zimmer, ein vertrautes Bett, Essen, das einfach nur nach zu Hause schmeckt. Und direkt der erste Abend, so wie es früher so oft war, unsere Nachbarn sind da, die eher zur Familie gehören, als nur Nachbarn sind, wir kochen, essen, lachen, alle reden durcheinander. Und ich merke, dass es so verdammt gut ist, hier zu sein. Eine kleine Pause von dem Leben, das zwar einerseits so toll ist, andererseits aber auch gar nicht leicht, sondern dunkel und schwer, zu schwer jedenfalls, um sie hier öffentlich zu machen. Es ist gut, einmal nach Luft zu schnappen. Später am Abend fahre ich mit meinem Fahrrad durch die dunklen leeren Straßen von Hannover, der Stadt, die ich wohl immer lieben werde, egal wo ich grade bin, genau den Weg, den ich im Schlaf fahren könnte, tausende von Malen bin ich ihn gefahren und das, was dann folgt, ein Wiedersehen mit all den wichtigen Menschen, scheint eine wirkliche Reise in die Vergangenheit zu sein. Derselbe Ort, dieselben Leute, ja, teilweise sogar dieselben Gesprächsthemen bringen diese Nacht mit sich. Einerseits wunderschön, hier zu sein, andererseits so seltsam. Weil es manchmal scheint, als wäre ich nie weg gewesen, als wäre hier die Zeit stehengeblieben, während ich in Ungarn war und dort so viel passiert ist. Ich wurde sozusagen zurückgeworfen in eine Welt, in der ich war, als ich selbst noch anders war. Gefällt mir das? Zweifel kamen mir auf, Unsicherheit, ob es wirklich richtig war. Aber letzten Endes war es das, so sehr, dass ich kurzerhand ein neues Flugticket gebucht habe und auch noch über Silvester blieb.

 

Januar 2017, meine Familie hier in Budapest: und direkt, kurz nachdem ich selbst erst zurückkam, voller Vorfreude auf die Arbeit (ja, tatsächlich! Ich habe meine Schüler und auch die Lehrer wirklich vermisst), kam auch schon meine Familie nach Ungarn. Für 5 Tage waren sie da, auch einen halben bei mir in Iklad, um die Schule und die Lehrer kennenzulernen. Den Rest der Zeit verbrachten wir in der Hauptstadt, bei einer eisigen Kälte von zwischenzeitlich -15 Grad, wunderschönem wolkenlosen Himmel und einer Donau, auf der riesige Eisschollen trieben, die der Stadt noch mehr Schönheit schenkten. In diesen Tagen habe ich so viel gesehen, so viel Neues, sei es eine unglaubliche Bibliothek oder einfach nur eine Buslinie, so dass ich inzwischen vielleicht wirklich kleine Stadttouren anbieten könnte – all jenen Menschen, die mich doch hoffentlich nochmal irgendwann besuchen wollen, denn ich kann echt nur sagen: Es lohnt sich!!!

 

 

Und damit nun herzlichen Glückwunsch an alle, die bis hier hin gelesen haben! Sobald man einmal dabei ist, kann man leider irgendwie nicht mehr aufhören zu schreiben J Macht’s gut und bis bald! (Und falls hier doch keine Fotos mehr sein sollten, dann kommen sie in den nächsten Tagen, weil ich in der Schule viel besseres Internet habe, als an dem Ort, wo ich wohne…)

 

PS: Fast hätt‘ ich vergessen! Noch eine kleine Bemerkung zum Schluss: Ich habe VERLÄNGERT!!! (Die Idee war wirklich sehr spontan und fiel mir dank des Weins auf der Weihnachtsfeier des Zfa-Fachberaters ein… aber ich bin wirklich froh drum und freue mich sehr auf die Zeit hier bis August!)

Geschichten aus Rumänien II – (die Unvollendeten)

1.

29.10. 14:37 Uhr

Ich stehe am „Bahnhof“ von Felsöpakony, es weht ein eisiger Wind und die grauen Wolken lassen das Dorf noch etwas trostloser wirken. Kleine Häuser, wenige Bäume, von denen immer mehr braune Blätter fallen, und eine winzige Dorfkneipe. Ab und zu lassen sich einige Menschen in Jogginganzügen blicken, die meisten eher älter. Die Anderen sind Kinder. Ich schaue auf mein Handy. Nichts. Die Unruhe in mir verstärkt sich mit jeder Sekunde. Er wollte eine halbe Stunde vorher anrufen. Und jetzt ist es schon so spät, dass wir schon lange losgefahren sein sollten. Um 11 Uhr morgens ging es für mich los: 1. Tag der Herbstferien, ab nach Aszód, von da aus mit dem mir inzwischen sehr vertrauten Zug nach Budapest-Keleti. Von dort mit zwei verschiedenen Metrolinien bis zum Nyugati pályaudvar, einem anderen Bahnhof, genau so schön wie Keleti, aber man sieht, dass hier weniger internationale Touristen ankommen, sondern eher die „normale“ Bevölkerung aus dem Umland. Hier also muss ich noch eine halbe Stunde warten, bis der kleine Bimmelzug sich endlich auf den Weg macht. Nach 45 Minuten komme ich dann schließlich an, in Felsöpakony, einem ähnlich großen Dorf wie Iklad, im Südosten von Budapest. Hier sollte mich meine Mitfahrgelenheit abholen, und mich bis nach Timișoara, Rumänien bringen. Nur hat sie sich bis jetzt nicht gemeldet. Und mein ungutes Gefühl, dass sie vielleicht gar nicht mehr wird größer und größer.

Natürlich ist er am Ende gekommen, und stellte sich zudem auch noch als super nett raus. Wir hatten eine am Anfang recht stille, am Ende jedoch wirklich lustige und interessante Fahrt mit noch einem Wiener und einer Rumänin bis Timișoara, wo Thilo mich sogar direkt vor dem kleinen EIngangstor zum Kloster absetzte.

 

2. Timișoara

Ich sitze an einem großen Tisch in einer wunderschönen Wohnung im Herzen von Timișoara. Meterhohe Decken, alte Flügeltüren, Doppelglasfenster, altes Parkett im Fischgrätenmuster – eine Altbauwohnung, wie man nur davon träumen kann! Es wird grade noch alles eingerichtet, keiner der Stühle und Hocker passt zueinander, aber dafür steht schon ein großes  und gut bestücktes Bücherregal, auf dem Boden liegen Kissen und Kunstkataloge. An den Wänden lehnen verteilt die Stücke einer dreiteiligen Weltkarte. Grade diese Unfertigkeit ist es, die eigentlich den besonderen Charme der Wohnung ausmacht.

Besitzerin ist die momentane DAAD-Lektorin in Timișoara, Sabina, bei der wir zum Frühstück eingeladen sind. Insgesamt sitzen wir zu siebt, einige Zeit sogar zu 8 um den Holztisch, worauf sich Obst, Croissants, Marmelade, Käse, Tomaten, Nüsschen, Kuchen, Saft, Tee und Kaffee türmen. Was für ein Frühstück! Doch nicht nur das ist ein Genuss, auch die Gesellschaft ist es, wir sind lustigerweise nur Frauen, aus Deutschland und Österreich, und ich kannte niemanden länger als einen Tag, fühlte mich trotzdem sofort unglaublich wohl und geborgen in dieser Situation. Gespräche wechselten von Zukunftsperspektiven und Studienmöglichkeiten, zu Politik in Österreich, Geschichte von Rumänien und zu dem amüsanten Lieferservice von Ikea und weiter zu  den guten Limonaden von Timișoara.

 

 

3. Andere Kleinigkeiten, die erzählenswert sind

Vampir gesehen?! Und dann auch noch direkt nach Halloween, in Transsilvanien!! – Philip und ich sitzen im Bus Richtung Hunedoara. Vor uns ein älteres Ehepaar mit einem kleinen Kind auf dem Schoß, vielleicht ein bisschen älter als ein Jahr. Es dreht sich die ganze Zeit zu mir um und strahlt (mit geschlossenem Mund). „Guck mal, das Kind da ist voll süß“, sage ich zu Philip. Aber je länger ich es angucke, desto seltsamer finde ich es. Irgendwas stimmt nicht, aber ich komme nicht drauf, was es ist. Dann setzt es plötzlich seine Mütze ab, es kommen wenige, fast weiße Haare zum Vorschien, die nach allen Seiten abstehen. Es starrt mich an, durchdringende blaue Augen. Ich habe noch nie ein Kind gesehen, dass einen so intensiven Gesichtsausdruck hatte. Ich bemerke, dass die Haut rund um die Augen sehr trocken und fast faltig ist – vielleicht Neuromitis. Dann fängt es an richtig zu grinsen. Und das ist der Moment, wo ich mich wirklich erschrecke! Das Kind hat einen recht großen, ziemlich angeschwollenen Mund. Und nur zwei Zähne, die oberen Schneidezähne, aber nicht die Ersten, sonder die Zweiten. Also eine Lücke zwischen den Zähnen, sie sind aber super symmetrisch und sehen eindeutig nicht so aus wie normale Schneidezähne. Eher wie Reißzähne von einer Katze, so gebogen und so spitz. Oder halt wie Vampirzähne, nur nicht an der Stelle von den Eckzähnen gelegen, sonder weiter vorne. Deswegen wahrscheinlich auch der angeschwollene Mund, da es sich die ganze Zeit auf die Lippen beißt. Je länger wir das Kind angucken, desto unwohler fühlen wir uns. Ich weiß nicht warum, aber plötzlich ist es nicht mehr süß, sondern einfach nur noch gruselig. Ich probiere, die Blicke zu meiden, sehe woanders hin – und habe doch immer wieder dieses Grinsen und den starrenden Blick vor Augen.

Inzwischen (fast drei Wochen später) kommt mir die Situation fast schon unwirklich vor, aber ich weiß noch genau, was ich gesehen habe. Ich denke sogar recht oft daran, einfach, weil es mich so sehr beschäftigt hat, erklären kann ich es mir aber überhaupt nicht.

 

 

In der Philharmonie in Sibiu – Insgesamt zu 5 sind wir an einem Abend in Sibiu in die Philharmonie gegangen, niemand wusste so richtig, was genau für ein Konzert es gab, aber die Idee war einfach ganz schön. So saßen wir dann also da, leider mit nicht wirkllich guten Plätzen. Direkt über dem Orchester, also so, dass wir nur ganz wenige Musiker überhaupt sehen konnten. Und außerdem bei einer Festbeleuchtung, die uns alle ein wenig irritiert hat. Das Orchester selber war aber echt gut, den Dirigenten konnten wir auch beobachten und das war besonders toll – man hat ihm von der ersten Sekunde an angesehen, wie viel Spaß er wirklich dabei hatte! Und dann haben sie ihr zweites Stück angefangen. Und ich konnte es echt nicht fassen. Es gibt genau ein klassisches Konzert, dass ich über alles liebe, und das ist das Cello-Konzert von Dvořák. Es war schon immer mein größter Wunsch, das einmal live sehen zu können. Ich kenne es auswendig, ab dem ersten Ton an – und demnach baff war ich, als wirklich ernsthaft eben dieses Stück angespielt wurde. Ich saß einfach komplett zufällig an irgendeinem Abend im Oktober mit irgendwelchen Leuten in einer Stadt mitten in Rumänien, wo ich nur hingekommen war, um Freunde zu besuchen, die ich vor nicht mal drei Monaten kennengelernt hatte – und genau da ging mein Traum in Erfüllung, da wo ich am allerwenigsten damit gerechnet hätte! Und es war gut, es war verdammt gut!! (Nur leider konnten wir den Solisten wegen unseren blöden Plätzen nicht sehen.) Aber geflasht bin ich immernoch, wenn ich daran zurückdenke!

 

 

 

Einige von zahlreichen Momenten, die diese Woche beeinflusst haben. Ich habe angefangen, sie aufzuschreiben, war nicht zufrieden damit, habe Sachen wieder durchgestrichen, neu geschrieben, doch wieder das alte genommen. Und irgendwann dachte ich: egal. Dann ist es nicht gut, ist unvollendet, unvollständig und eben nicht abgeschlossen, aber dann ist es halt genauso wie in meinen Gedanken, die auch noch nicht damit abgeschlossen haben, sondern immer noch in Rumänien hängen.

 

 

Geschichten aus Rumänien Teil I

Herbstferien in Ungarn, auf ging’s für mich nach Rumänien! Hier habe ich andere kulturweit-Frewillige besucht, sowohl welche, die ich schon kannte, als auch welche, die ich noch nicht kennengelernt habe. Pauline, Philip und Johanna, falls ihr das hier zufälligerweise auch lesen solltet: Nochmal liebsten Dank für die Gastfreundschaft, dank euch ist die Woche zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden!!! Der Eintrag selbst besteht eigentlich nur aus Fotos mit einigen wenigen Infos dazu (Und Vorsicht – meine Leidenschaft zu Architektur wird vielleicht auch deutlich!), also kann ich eigentlich nur sagen:

Vorhang auf für ein wunderschönes Land, in das ich hoffentlich bald zurückkehren werde 🙂

I. Timișoara

Timișoara ist die drittgrößte Stadt in Rumänien und liegt am südöstlichen Rand der Großen Ungarischen Tiefebene. Hier habe ich Pauline besucht, die in dem Kloster Mânăstirea Ordinului Salvatorienilor wohnt. Die Stadt wird 2021 Kulturhauptstadt Europas und ist wirklich einfach nur wunderschön. Leider war meine Zeit dort echt viel zu kurz, deswegen habe ich nicht viel sehen können

img_20161030_161248 Piața Unirii in Timișoara

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p1080350 Rumänisch-Orthodoxe Kathedrale von Timișoara

p1080353 Piața Victoriei

 

II. Deva

Deutsch: Diemrich, Ungarisch: Déva; die Hauptstadt des Kreises Hunedoara in Siebenbürgen. Die Stadt ist eine „typisch“ rumänische Stadt, also nicht so touristisch wie Timișoara oder Sibiu. Auch hier gibt es eine kleine Altstadt, aber vorallem die normalen Wohnblocks haben es mir angetan – und mich ein bisschen an Kirgistan erinnert… Direkt bei der Stadt liegt ein fast 400 Meter hoher Vulkankegel, auf dem die Burg Deva steht – der Blick von da noch viel schöner als auf den qualitativ leider nicht so hochwertigen Fotos!

Blick auf die Stadt von der Cetatea Deva

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III. Hunedoara

Hunedoara ist die Haupstadt des Kreises und ihr deutscher Name ist Eisenmark. Die Industriestadt hat vor allem eine Sehenwürdigkeit: Die Corvinus-Burg. Das historische Vorbild von Graf Dracula (Vlad III. Drăculea) soll sich wohl zeitweise auch hier aufgehalten haben!

das typische Stadtbild von Hunedoara – wunderbare Kontraste

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Und unser eigentliches Ziel dort: Castelul de Hunedoara, die Burg Corvinus

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Und noch einmal das wunderbare Kontrastprogramm: Die Felsenburg aus dem 17. Jahrhundert, die auf den Resten einer Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert erbaut wurde, steht nämlich inmitten eines Industriekomplexes (der heutzutage größtenteils stillgelegt ist)

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Aber beeindruckend ist sie wirklich! Hier der Innenhof

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Der Festsaal

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Und schließlich noch der Dachstuhl von einem der Türme

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IV. Sibiu (Hermannstadt)

Die Stadt, die 2007 Kulturhauptstadt war, liegt mitten in Siebenbürgen, nahe den Südlichen Karpaten und in dem Gebiet, das von den Siebenbürger Sachsen besiedelt war. Hier hab ich nicht nur Johanna besucht, sondern auch unglaublich viele andere Leute kennengelernt, sowohl Freiwillige, als auch Erasmus-Studenten und noch mehr Leute.

Turm der Zimmerer und Stadtmauer

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Piața Mare

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Blick auf die Altstadt und die (leider kaum sichtbaren) verschneiten Berge vom Turm der evangelischen Kirche aus

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typisches Haus in der Altstadt von Sibiu

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V. Retezat Nationalpark – Karpaten

An meinem letzten Tag konnte ich schließlich noch – ganz spontan – dank einem rumänischen Freund von Philip mit ihm noch 15 anderen rumänischen Jugendlichen für einen Tag in den Karpaten wandern gehen. Der beste Abschluss von den tollen Ferien, den man sich überhaupt nur vorstellen kann! Es war unglaublich kalt und wir mussten um 6 Uhr früh aufstehen, aber das hat sich gelohnt: vier Stunden steiler Aufstieg bis zu einen (natürlich zugefrorenen) Gletschersee auf über 2000 Meter Höhe in einer verschneiten Landschaft, die einfach nur unwirklich aussah – vor allem, wenn man dann in die Ebene geschaut hat, wo es aussah, als wäre Hochsommer. (Alle folgenden Bilder sind in chronologischer Reihenfolge)

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Das war also das offizielle Ende meiner Herbstferien, auch wenn ich gedanklich immer noch nicht damit abgeschlossen habe. Jeden Tag denke ich über dieses faszinierende Land nach, bin voller euphorischer Gedanken an die erlebten Momente dort und informiere mich immer mehr über Geschichte und Politik. In der Woche war alles dabei, nichts ist zu kurz gekommen, ich habe unglaublich viel gelernt, gesehen und nochmals danke an alle Menschen, die ich kennengelernt habe, und die diese Woche so besonders gemacht haben!