Archiv für den Monat: September 2016

Auftauchen nach dem Sprung ins kalte Wasser

Sonntag 23.09.16

Ich liege auf meinem Bett und höre Tracy Chapman. Musik hören ist wirklich ein Mittel zur Beruhigung und Entspannung. Ich habe gemerkt, dass die letzten 8 Tage, die ich jetzt schon hier in Darkhan bin mich doch mehr aufgewühlt haben als ich es mir eingestehen wollte. Es passiert so viel in kurzer Zeit, ich muss mich an so viel Neues gewöhnen, da ist ein Moment des Durchatmens wichtig!

Egal, ich werde euch mal erzählen, was diese Woche so passiert ist. Ich war zum Beispiel mittlerweile alleine Einkaufen. Mein Schulleiter hatte mich vor ein paar Tagen im Auto mitgenommen und mir zwei Stunden lang einige Läden gezeigt und allgemein ein paar Punkte in der Stadt, an denen ich mich orientieren kann. Ich finde mich seitdem sehr viel besser zurecht! Es gibt hier keine wirkliche Innenstadt, weshalb die Orientierung für mich als Deutscher, da es bei uns ja eigentlich immer eine Innenstadt mit Fußgängerzone gibt, etwas schwierig war. Supermärkte die unseren sehr ähneln, sind vorhanden, allerdings auch viele Märkte mit Ständen für alles Mögliche. Es gibt sehr viele kleine Läden an jeder Ecke, die eigentlich fast alle das gleiche verkaufen. Das meiste findet man allerdings in großen Hallen, die vollgestopft mit kleinen Ständen sind. Es gibt solche für Klamotten, Lebensmittel, Schreib- und Büroutensilien, Gemüse und natürlich Fleisch. Der Fleischmarkt ist für mich der faszinierenste. Die Nomaden bringen, so wurde es mir erzählt, das Fleisch in die Stadt und dieses wird hier auf riesigen Verkaufstischen ausgebreitet und der Kunde kann mit kleinen, gabelartigen Stechern die Qualität prüfen.

ein kleinerer Fleischmarkt

ein kleinerer Fleischmarkt

eine Halle mit Geschäften

eine Halle mit Geschäften

Gestern habe ich es geschafft mit dem Taxi zum Markt zu fahren!! Adressen richtig auf mongolisch auszusprechen ist echt nicht einfach für mich! Überhaupt kommt mir die Aussprache echt schwierig vor. Ich hatte gestern meine erste Sprachstunde und musste wieder mal feststellen, dass ich das R nicht rollen kann. Allerdings braucht man das rollende R im Mongolischen, das normale R ist ein anderer Buchstabe! Ich werde jetzt also üben! Der Sprachunterricht hat aber eigentlich wirklich Spaß gemacht. Ich habe die kyrillischen Buchstaben und ihre Aussprache gelernt und Sachen wie „Ich heiße Milan, wie heißt du?“. Vorgestern hatte ich mich bei der Sprachschule gemeldet und habe gleich gestern meinen ersten Unterricht bekommen. Ich bin beeindruckt wie schnell das ging. Ich habe vorgestern dann auch noch ein paar Ausländer in der Sprachschule kennen gelernt und wurde sogar zum Essen bei Rian eingeladen. Er kommt aus Amerika und lebt seit einem Jahr mit seiner Familie hier. Er hat vier Vormittage in der Woche Sprachunterricht! Bei mir ist es nur zweimal bis jetzt.

Mit der 7. Klasse im Park

Mit der 7. Klasse im Park

Ich gebe nachmittags nach wie vor Nachhilfeunterricht. So langsam habe ich meine Klassen etwas kennen gelernt und kann den Unterricht auf sie abstimmen. Das Unterrichten so ohne Lehrerausbildung fordert von mir aber auch viel Fantasie um die Kinder nicht zu langweilen. Ich habe mit ihnen gesungen, gemalt, gespielt aber auch (bei den älteren) Texte bearbeitet, zum Beispiel zum Oktoberfest, das ja momentan stattfindet. Ich muss sagen, es macht mir wirklich Spaß auch wenn ich immer ein bisschen in Sorge bin, dass meine Unterrichtsvorbereitung nicht ausreicht und die Kinder am Ende nur auf Mongolisch untereinander reden. Die Unterrichtszeit von 40 Minuten pro Klasse finde ich allerdings sehr gut! Die Kinder fragen mich ständig ob ich mit ihnen Basketball spielen will. Ich habe das jetzt auch schon ein paar Mal gemacht und hatte wirklich Spaß! Sehr viele von meinen Schülern, vor allem die Jungs, finden Basketball richtig gut, spielen im Verein und haben Bilder von berühmten Basketballern als Facebook-Bild. Ich habe zuhause Basketball nie wirklich gemocht, hier bin ich aber trotzdem gut, da ich einfach fast einen Kopf größer bin als alle Schüler.

Heute fand ein Herbsttag für die Schüler statt. Wir sind alle zusammen in den riesigen Park gegangen. Dort mussten die Schüler Stationen der einzelnen Fächer besuchen. Oyu (meine sichere Bank bei Fragen bzw. die Deutschlehrerin) und ich haben eine Station mit dem Titel „Spaß im Herbst“ gemacht. Es hat geregnet und irgendwie haben die Sachen die wir uns vorher überlegt haben nur teilweise geklappt, weshalb Oyu dann meinte, dass ich mit den Kindern irgendwas spielen soll. Mit der 12. habe ich dann „Bibedi Bibedi Bob“ gespielt, was echt lustig war! Dieser Tag im Regen im Park hat echt Spaß gemacht!

mit der 12. Klasse

mit der 12. Klasse

Die 9. Klasse beim Basteln. Links: Oyu

Die 9. Klasse beim Basteln. Links: Oyu

Es gibt gerade sehr viele Dinge hier, die ich unbedingt sehen, bzw. machen möchte. Ich will aus der Stadt raus und etwas wandern und ich will reiten lernen. Das wird allerdings nicht so einfach wie ich mir das vorgestellt habe, da in der Stadt logischerweise nicht geritten wird. Außerdem würde ich gerne feiern gehen, habe aber noch nicht wirklich jemanden gefunden der mich mitnehmen könnte. Die Discos gehen hier von 8 bis 12 Uhr, danach schließt alles! Mein Gott, wenn das kein Kulturschock ist! Es gibt hier aber auch ein Theater, ich hoffe, dass ich da auch mal demnächst hingehen kann.

Bis dahin werde ich jetzt mal wieder in mein mongolisches Leben abtauchen.

Bis dann, Milan

 

Im ersten Wochenende!

Samstag 17.09.2016

Cainuu aus der Mongolei! Es ist ein paar Tage her, dass ich geschrieben habe und in diesen Tagen ist sehr viel passiert! Ich bin mittlerweile in Darkhan, meiner neuen Heimatstadt angekommen und habe meine WG bezogen. Ich wohne mit zwei Russinnen und einem Mongolen zusammen und wurde sehr freundlich aufgenommen. In der WG wird russisch gesprochen, das Englisch meiner Mitbewohner ist leider nicht sehr gut. Das ist immer noch deutlich besser als mein Russisch aber ich habe so die Hoffnung hier Russisch zu lernen. Unsere Kommunikation ist also momentan sehr fantasievoll! Darkhan ist zwar die zweitgrößte Stadt der Mongolei und sieht auch erstmal recht groß aus, allerdings ist alles, was man braucht, Läden, die Schule, ein großer Park und Bars zu Fuß zu erreichen. Taxis gibt es ansonsten auch sehr viele und sie sind sehr günstig!

img_2766img_2767

An der Schule an der ich arbeiten werde und bereits arbeite gibt es insgesamt nur 99 Schüler. Die Klassen sind also sehr klein, von 5 bis 15 Schülern. Ich war am Mittwoch, nach einer Nacht in Darkhan sofort in der Schule und im Deutschunterricht dabei. Ich habe eine Betreuungslehrerin, sie heißt Oyu, spricht deutsch und sie hat mich in die Schule eingeführt. Die Schüler sind sehr lieb aber auch etwas „aufgekratzter“ als in Deutschland würde ich sagen. Am Donnerstag habe ich dann auch sofort  unterrichtet! Ich werde hier ein Nachhilfelehrer sein und Teilgruppen der sechsten, siebten, neunten und zwölften Klasse unterrichten! Ich hatte am Donnerstag Nachmittag also gleich drei Klassen zu bewältigen und nur wenig Zeit mich vorzubereiten. Ich habe improvisiert und den Klassen etwas über Deutschland erzählt und zum Beispiel „Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Wanze“ als „deutsches Lied“ mit ihnen gesungen. Am Freitag war ich schon etwas vorbereitet aber es ist nicht leicht eine Fremdsprache zu unterrichten, wenn man nur diese Fremdsprache als Mittel zum Erklären hat! Meine neunte Klasse hat nach 5 Minuten verzweifeltem Erklären von „Ich packe meinen Koffer“ das Spiel immer noch nicht verstanden und ich musste etwas anderes machen. Mein Auftrag von der Schule besteht nur darin mit den Kindern deutsch zu sprechen um ihre Fähigkeiten im Dialog zu verbessern, was ich daraus mache liegt bei mir.

img_2772

Heute war ich mit den Kindern Fußball spielen. Ich soll ab jetzt jeden Samstag ein Training geben. Es hat Spaß gemacht und die Kinder (6. bis 8. Klasse) waren sehr motiviert. Ich habe allerdings noch keine Ahnung, wie ich sie „trainieren“ soll, heute haben wir einfach in zwei Mannschaften gepielt.

Es geht mir alles in Allem ganz gut, ich habe schon etwas Heimweh das will ich nicht verschweigen denn ich muss mich hier schon an sehr viele neue Dinge gewöhnen. Das Einkaufen wird z.B. zur großen Hürde, da ich die Sprache nicht spreche und die meisten Menschen auch kein Englisch können. Ich habe schon von vielen Leuten hier gehört, wie hart der Winter wird (bis zu -50°C !!!!) und, dass ich die warme Zeit jetzt noch nutzen soll, die sei nämlich in einem Monat vorbei!

Abgesehen davon werde ich jetzt hoffentlich bald einen Mongolisch-Kurs bekommen und ich habe auch schon ein paar Expats getroffen, zu denen mein Vorgänger den Kontakt hergestellt hat. Ich versuche also, ins Sozialgefüge einzusteigen, doch ich denke das wird noch etwas Zeit brauchen.

img_2771img_2784 img_2785

img_2790