Im Nachtzug

In meinem Reiseführer steht, wenn man mal was authentisch Ukrainisches machen will, sollte man in einem Nachtzug 3. Klasse fahren, dazu eine Beschreibung von Jogginganzug tragenden und Wodka trinkenden Fahrgästen. Die Züge verbinden eigentlich alle größeren Städte miteinander und weil die Entfernungen teils wirklich groß und die Züge teils wirklich langsam sind, kann man schon mal 12 oder 13 Stunden unterwegs sein.

Vor meiner ersten Fahrt war ich dann auch ziemlich gespannt (der Reiseführer war der nicht der einzige, der so eine Sache daraus gemacht hat). Nach mittlerweile 6 Zugfahrten muss ich aber leider sagen: So was besonderes ist es jetzt nicht.

Der ganze Waggon ist offen, auf der einen Seite sind Viererabteile, auf der anderen zwei Liegen übereinander längs. Unter der Decke sind noch mal Ablagen, auf denen Liegematten und mit Kopfkissen liegen und man auch sein Gepäck verstauen kann. Unter den Sitzbanken bzw. Liegen ist auch noch mal Platz für Gepäck. Jeder bekommt frisch gewaschene und eingepackte Bettwäsche mit einem kleinen Handtuch, wenn man möchte auch noch eine Tasse Tee oder Kaffee. Also alles hat irgendwie seine Ordnung und seinen Platz. Die Betten sind in der 3. Klasse ziemlich schmal und auch nicht länger als 1,70 cm, aber für mich reichts. (In der 2. Klasse hat man aber auf jeden Fall ausreichend Platz.)

Eine Fahrt ist mit guten 100 grn auch für ukrainische Verhältnisse erschwinglich, Zugfahren ist also nicht ausschließlich etwas für reiche Leute. Das hieß auf meinen Fahrten aber leider nicht, dass im Zug dann irgendwas los gewesen wäre. Auch wenn manche Leute sich was Bequemes angezogen haben: Die Wodkaflasche hat noch niemand rausgeholt. Es war immer ziemlich früh Ruhe und die meisten Leute haben einfach nur geschlafen. Ziemlich langweilig.  Aber ich kann mich nicht beschweren, alle waren freundlich, manche auch ziemlich kommunikativ, und haben Rücksicht auf die anderen genommen. Zweimal habe ich sogar verschlafen, dass meine direkten Bettnachbarn gewechselt haben (aber ich glaube, ich habe auch einen guten Schlaf). Man kann auch gut alleine unterwegs sein eigentlich, gerade in der 3. Klasse sind auch andere Fahrgäste allein oder mit kleinen Kindern unterwegs. Ich habe mich insgesamt nie unsicher gefühlt und fand auch sonst alles ziemlich super.

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