Das Wetter

Auf einer Karte sieht es so aus, als ob Kiew und Frankfurt ungefähr auf der gleichen Höhe liegen. Daraus habe ich irgendwie den Schluss gezogen, so viel anders könnte das Wetter auch nicht sein. Viel anders ist es jetzt im Endeffekt hier auch gar nicht, nur halt kälter.

Als ich Anfang Januar wieder in Kiew angekommen bin, habe ich dann meinen bisherigen Kälterekord mit -17 Grad erlebt. Wäre auch eigentlich nicht so schlimm gewesen, aber ich kam ja gerade aus Deutschland und war noch nicht passend angezogen, was dann dazu geführt hat, dass ich mit meinem großen Rucksack die anderthalb Kilometer von der Metro nach Hause gerannt bin und trotzdem meine Beine am Ende nicht mehr richtig gespürt habe. Also die waren nicht komplett taub, nur die Haut außen habe ich nicht mehr richtig gespürt. Kann man sich das irgendwie vorstellen? Besser kann ich es nämlich nicht beschreiben.

Aber eigentlich bin ich mittlerweile in der Materie und weiß, wie man sich anzieht: lange Unterwäsche, zwei Paar Socken (davon ein Paar dicke Socken) und wenns ganz hart kommt noch eine Jacke unter der Jacke. Mir den Schal so um den Kopf zu wickeln, dass auch die Ohren warm bleiben, muss ich noch ein bisschen üben. Was ich mir auch von meinen Kolleginnen abgeguckt habe: Mit schweren Wanderschuhen oder Winterstiefeln auf die Arbeit kommen und drin gegen Turnschuhe tauschen (oder wahlweise auch Pumps, aber bei mir sinds dann doch die Turnschuhe).

Ein Problem sind für mich nur die nassen Tage, also die Tage, an denen die Temperatur über null steigt und alles plötzlich zu tauen anfängt. Der Schnee wird dann ziemlich eklig und an manchen Stellen sieht man erst, wenn man mit den Füßen drin steht, ob etwas eine gefrorene Fläche ist oder doch eine riesige Pfütze. Und da ich nie Gummistiefel trage, sind meine Füße danach so lange nass, bis ich nach Hause komme. Wie lange das auch dauert. Und manchmal ist halt einfach die ganze Straße eine Pfütze, da muss man halt einfach durch. Letzte Woche war ein Tag so warm, dass alles angetaut ist und ich mal wieder mit nassen Füßen rumgelaufen bin. Danach ist der ganze Matsch schnell wieder gefroren, sodass meine Straße von einer zentimeterdicken Eisschicht überzogen worden ist, der man nicht ausweichen konnte. Solange die Straße flach ist, kommt man auch dann noch relativ schnell voran, wenn man sich auf die Rutschpartie einlässt und die Füße so wenig wie möglich hochhebt. Und ich glaube es ist auch gut, wenn man den Körperschwerpunkt immer etwas nach vorne verlagert. Nur an der kleinen Steigung direkt vor meinem Haus stoße ich jetzt an meine Grenzen. Mittlerweile hat es auf das Eis aber wieder geschneit und es ist nicht mehr so rutschig.

In der Stadt sieht das ganze natürlich anders aus, da ist überall mindestens so weit geräumt, dass man sich gefahrlos fortbewegen kann. Nur nasse Füße kriegt man überall schnell mal.

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