Im Knast wegen Binden!

Die etwas reißerische Überschrift hat mehrere Bedeutungen. Zum einen soll sie euch natürlich anlocken, damit ihr meinen heutigen Beitrag lest. Zum anderen Teil komme ich später.

Ich arbeite bei X FM unter Anderem in der Nachrichtenredaktion und da stoße ich immer wieder auf Themen, die über Straßenerneuerungen und Pestiziden hinaus gehen. Themen, die auf politischer Ebene spannend sind. So ein Thema kam gestern auf einer Pressekonferenz auf – darum heute kein persönlicher Blogeintrag von meinen Erlebnissen, sondern einfach ein Nachrichten Update aus Kampala.

Erst mal ein wenig Hintergrundwissen:

Der ugandische Präsident Yoweri Museveni und seine Frau Janet haben vor den letzten Wahlen das Versprechen gemacht, arme Familien mit Damenbinden zu unterstützen. Vor allem Stimmen von Müttern konnte man so gewinnen.

Besonders Mädchen vom Land schneiden durchschnittlich schlechter in der Schule ab als ihre männlichen Kollegen. Einer der Gründe: man verpasst Unterricht, wenn man jeden Monat ca. eine Woche fehlt. Das ist die Alternative, wenn man seine Schuluniform nicht verunreinigen möchte aber auch kein Geld für Binden hat. Also hat die Feministin Dr. Stella Nyanzi mit der Aktion #Pads4GirlsUG Spenden für Binden gesammelt. An sich eine gute Sache. Aber wenn man gleichzeitig in den sozialen Medien darüber wettert, dass das, was man da mache eigentlich Aufgabe von Janet Museveni sei (sie ist auch Ministerin für Bildung und Sport), dann werden Binden zum Politikum und aus den Augen der Regierung ein Problem.

Nyanzi wurde schon lange von der Polizei beobachtet, jetzt sitzt sie seit Montag in Untersuchungshaft. Der Grund? Angeblich Computermissbrauch. Einige Politiker sprechen sich für die Aktivistin aus und betonen, wer im öffentlichen Amt arbeiten wolle, müsse Kritik ertragen können. So auch der Präsident der Democratic Party Norbert Mao:

Neben Stella Nyanzi gibt es noch weitere Aktivisten, die sich für mehr Gratisbinden an Schulen einsetzen, zum Beispiel der Künstler Sadat Nduhira. Die politische Anprangerung, Wahlversprechen nicht einzuhalten, haben bis jetzt nur Wenige gewagt. Meine reißerische Überschrift bezieht sich auch auf die Sprache, mit der Nyanzi arbeitet. Ein Beispiel: „Musevenist liars are on a gang-banging spree to rape us again.“

Was mich interessiert: Was denkt ihr dazu? Hätte Stella Nyanzi für ihre Sache – Binden für ärmere Mädchen – kämpfen sollen, ohne den Medienrummel und die Beleidigungen an die Regierung oder ist es genau richtig, den Mund aufzumachen und direkt zu sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist?

Wer sich ein eigenes Bild von den Aussagen Nyanzis machen möchte, hier ihre facebook-Page: https://web.facebook.com/stella.nyanzi?fref=ts

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