Sonntagsausflug zu Tarzan

So viel Kampala auch an Kultur, Partys und Menschen zu bieten hat, irgendwann muss man auch mal raus. Ein wenig frische Luft atmen und den Staub der Großstadt abklopfen. Die kleinere Stadt Entebbe ist nicht weit entfernt und bietet mit dem Botanischen Garten die ideale Möglichkeit für einen klassischen Sonntagsausflug.

Erkundung von Flora…

Mit meiner neuen Lieblingsapp uber gings recht günstig eine Stunde nach Entebbe, zum Victoriasee – der zweitgrößte Süßwassersee der Welt. Im Park muss man als Ausländer dann um die 2,60 € Eintritt zahlen.

Dafür bekommt man einen Dschungel-artigen Garten, in dem Szenen aus dem ersten Tarzan Film gedreht wurden. Man kann günstig essen, direkt am Strand und den Ausblick aufs Wasser genießen. Es lässt sich die ugandische Picknick-Kultur entdecken. Decke und Mitbringsel bilden keinen allzu großen Unterschied zu Deutschland. Jedoch scheinen

…und Fauna

die Menschen in Uganda ihr Auto noch mehr zu lieben als der deutsche Ottonormalverbraucher. Im Park wird nicht gelaufen oder spazieren gegangen, es wird gefahren. Das Auto wird direkt auf der Wiese oder auch direkt auf dem Strand geparkt, und gepicknickt dann natürlich direkt daneben.

 

Affe denkt nach

Mein persönliches Highlight war neben den exotischen Pflanzen die Vertrautheit der Affen. Ich hätte zunächst überhaupt nicht damit gerechnet, überhaupt mehr Tiere als Vögel zu sehen. Diese Affen waren jedoch Menschen wohl sehr gewöhnt und süchtig nach Erdnüssen. Während ein kleines Äffchen noch zaghaft sich die drei Nüsse aus meiner Hand klaubte, griff es dann blitzschnell mit der anderen nach der ganzen Tüte.

Affe hat auch keine Ahnung

 

Bei diesem handwerklichen Geschick gepaart mit dem anfänglichen Schauspiel der Unschuld und Schüchternheit wäre jeder Taschendieb blass vor Neid geworden! Meine Mitbewohnerinnen und ich mussten über unsere Naivität einfach nur lachen.

„Jetzt live aus Uganda“

Was habe ich das vermisst! Live im Radio sprechen. Und dass eine Sahara zwischen dem Studio und mir liegt muss in Zeiten modernster Technik ja kein Hindernis mehr sein. Leider ist das „jetzt live“ nicht erst gestern passiert (ich habe hier zwar Internet, aber nur manchmal und es ist etwas launisch) wollte ich euch meine Live-Schaltung von Uganda nach Deutschland nicht vorenthalten. In der Morgen-Show „Der Morgen“ sprach ich mit Hertz 87.9 über Elefanten, Pressefreiheit und Chartmusik.

Hier der Link zu meinem Interview: Freiwilliges kulturelles Jahr in Uganda

Im Knast wegen Binden!

Die etwas reißerische Überschrift hat mehrere Bedeutungen. Zum einen soll sie euch natürlich anlocken, damit ihr meinen heutigen Beitrag lest. Zum anderen Teil komme ich später.

Ich arbeite bei X FM unter Anderem in der Nachrichtenredaktion und da stoße ich immer wieder auf Themen, die über Straßenerneuerungen und Pestiziden hinaus gehen. Themen, die auf politischer Ebene spannend sind. So ein Thema kam gestern auf einer Pressekonferenz auf – darum heute kein persönlicher Blogeintrag von meinen Erlebnissen, sondern einfach ein Nachrichten Update aus Kampala.

Erst mal ein wenig Hintergrundwissen:

Der ugandische Präsident Yoweri Museveni und seine Frau Janet haben vor den letzten Wahlen das Versprechen gemacht, arme Familien mit Damenbinden zu unterstützen. Vor allem Stimmen von Müttern konnte man so gewinnen.

Besonders Mädchen vom Land schneiden durchschnittlich schlechter in der Schule ab als ihre männlichen Kollegen. Einer der Gründe: man verpasst Unterricht, wenn man jeden Monat ca. eine Woche fehlt. Das ist die Alternative, wenn man seine Schuluniform nicht verunreinigen möchte aber auch kein Geld für Binden hat. Also hat die Feministin Dr. Stella Nyanzi mit der Aktion #Pads4GirlsUG Spenden für Binden gesammelt. An sich eine gute Sache. Aber wenn man gleichzeitig in den sozialen Medien darüber wettert, dass das, was man da mache eigentlich Aufgabe von Janet Museveni sei (sie ist auch Ministerin für Bildung und Sport), dann werden Binden zum Politikum und aus den Augen der Regierung ein Problem.

Nyanzi wurde schon lange von der Polizei beobachtet, jetzt sitzt sie seit Montag in Untersuchungshaft. Der Grund? Angeblich Computermissbrauch. Einige Politiker sprechen sich für die Aktivistin aus und betonen, wer im öffentlichen Amt arbeiten wolle, müsse Kritik ertragen können. So auch der Präsident der Democratic Party Norbert Mao:

Neben Stella Nyanzi gibt es noch weitere Aktivisten, die sich für mehr Gratisbinden an Schulen einsetzen, zum Beispiel der Künstler Sadat Nduhira. Die politische Anprangerung, Wahlversprechen nicht einzuhalten, haben bis jetzt nur Wenige gewagt. Meine reißerische Überschrift bezieht sich auch auf die Sprache, mit der Nyanzi arbeitet. Ein Beispiel: „Musevenist liars are on a gang-banging spree to rape us again.“

Was mich interessiert: Was denkt ihr dazu? Hätte Stella Nyanzi für ihre Sache – Binden für ärmere Mädchen – kämpfen sollen, ohne den Medienrummel und die Beleidigungen an die Regierung oder ist es genau richtig, den Mund aufzumachen und direkt zu sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist?

Wer sich ein eigenes Bild von den Aussagen Nyanzis machen möchte, hier ihre facebook-Page: https://web.facebook.com/stella.nyanzi?fref=ts

Home Sweet Home?

Ich wohne im sogenannten „Beach House“ – ein hübsches Haus in Bukoto (Stadtteil von Kampala), das seinen Namen von einem kleinen Sandkasten hat. Mein Zimmer ist wirklich winzig und dennoch muss man fast soviel Miete zahlen wie in Bielefeld – wo ich jedoch Altbau, Parkett und ca. 17qm vorzuweisen habe. Kampala hat aber wiederum auch mehr zu bieten als Bielefeld.

Unser „Beach“

Das Herzstück des Hauses ist die Küche, die mehrmals täglich benutzt wird und die Terrasse. Ich wohne zusammen mit einem Pärchen aus Deutschland, einer Chemikerin aus der Schweiz, zwei Dänen, einer Jeanne d‘ Arc aus Colorado und einer weiteren kulturweit-Kollegin. Auch wenn ich alle erst vor kurzem kenne gelernt habe, fühlt es sich schon für mich wie eine richtige Wohngemeinschaft an. Jeder kann mit jedem reden oder sich auch einfach mal zurückziehen. Und unsere schattige Terrasse ist meine kleine Oase vom stressigen Arbeitstag in Kampala, voller Wartezeiten, Sonnenbränden und mangelnden Englischkenntnissen meinerseits.

Christian – unser Superkoch aus Süddeutschland

Es ist wirklich sehr sauber hier und ich tue mein Bestes um mitzuhalten. Weil es in Uganda an Waschmaschinen mangelt, muss ich hier meiner Wäsche per Hand waschen und danach sogar bügeln! Das habe ich in Deutschland zwar nie gemacht, ist hier aber durchaus sinnvoll.

 

 

Waschtag – und nebenbei ein bisschen Farbe kriegen

 

Zum einen tötet die Hitze des Bügeleisens fiese Viecher ab, die sich unter meine Haut fressen möchten, zum anderen ist jeder hier wahnsinnig adrett gekleidet und wer mit zerknitterter Kleidung zur Arbeit erscheint,

kann auch mal schräg angeguckt werden. In Kampala trägt man Hemd in Hose, Pencil Skirt mit Jacket – trotz knallender Sonne.

 

 

 

 

Tipp des Tages: Reisewaschmittel kann man sich getrost sparen – für 50 Cent gibt es in jedem Supermarkt einen riesen Batzen Seife.

Start ins Ungewisse

Der nicht sonderlich einfallsreiche Titel trifft auf meinen Start ins kulturweit-(halbe)Jahr zu. Ich werde bei der New Vision Group arbeiten, der somit größten Mediengruppe des Landes und bei der Deutschen Welle Akademie, die sich mit mir erst gründen wird. Bei beiden Organisationen konnte mir bisher noch nicht konkret gesagt werden, was genau meine Aufgabe sein soll. Ich lasse mich überraschen und hoffe, die Aufgaben – welche es auch immer sein mögen – meistern zu können.

Warten in Wien – kurz bevor wir von der Wiese verjagt werden. Innerhalb von 15 Minuten haben sich 10 Schreibtischtiere beschwert, weil wir mir unserem Hippiegetue die Landschaft stören würden.

Mein Flug an sich war in jeden Fall eine Reise ins Ungewisse. Ich wollte am Montag, den 13.03. fliegen – gecancelt wegen Streiks. Also gut, dann einen Tag später – auch gecancelt wegen Streiks. Dann sollte es also der Donnerstag werden. Die Streiks waren vorbei, aber die Maschine von Brüssel nach Entebbe fiel aus. Also musste ich von Berlin über Wien fliegen. Und über Kairo.

Summa summarum bin ich nicht um 20:55 am Montag sondern um 04:15h am Freitag in Entebbe angekommen. Aber nun bin ich hier. Endlich!

In meinen ersten drei Tagen konnte ich Erfahrungen auf Boda Bodas (Motorräder), Matatus (Busse), Märkten und Partys sammeln, stetig verbunden mit der Überwindung zu feilschen.

 

Tipp des Tages: Schlafkissen auf Flügen sind eigentlich unnötig. Besonders bei häufigem Umsteigen schleppst du es nur unnötig rum und man bekommt auf Nachfrage immer ein Kissen geliehen.