Von Schlamm und Paradiesen

Anmerkung:

Den folgenden Blogbeitrag habe ich im Juni verfasst und ihn bislang nicht vervollständigt und daher noch nicht veröffentlicht. Da ich jetzt in den letzten Tagen vor meiner Rückreise wieder mehr Zeit für diesen Blog habe, möchte ich euch nachträglich noch daran teilhaben lassen. Und meine (hoffentlich) zukünftigen Leser müssen ja sowieso einiges aufholen. 😉

 

Es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich mich das letzte Mal zu Wort gemeldet habe. In den vergangenen 4 Wochen hat sich einiges Erzählenswertes angesammelt denke ich.

Kurz nach meinem letzten Eintrag habe ich ein sehr beeindruckendes Wochenende im und am Phong-Nha-Ke-Bang Nationalpark im nördlichen Mittelvietnam verbracht. Dort gibt es Höhlen, viele Höhlen und was für welche! Und natürlich alle möglichen Superlative, womit fleißig geworben wurde. In besagtem Nationalpark verstecken sich Naturwunder. Ich komme mir beim Schreiben gerade ein bisschen albern vor, aber die schiere Größe und das Alter dieser Höhlen haben mich wirklich in Ehrfurcht versetzt. Die sogenannte Paradieshöhle beispielsweise strotzte nur so vor bis zu 30-m hohen Stalagmiten und Stalagtiten. Mein Tourguide hat uns erklärt, diese würden mit einer Maximalgeschwindigkeit von 3cm pro Jahrhundert entstehen. Bei diesen Ausmaßen fühlt es sich fast unpassend an, von Geschwindigkeit überhaupt zu sprechen. Ihr könnt euch nun mit ein bisschen Dreisatz ausrechnen, wie alt die Höhlen sein müssen. Und die größte und superlativste Höhle (ich bin mir des Verbrechens an der Grammatik bewusst, das ich da gerade begangen habe, aber es handelt sich tatsächlich um die weltweit größte Höhle, eine andere ist lediglich die größte Flusshöhle oder größte-xyz) von allen wurde erst vor etwas über 10 Jahren entdeckt. Diese Son-Doong-Höhle zu besuchen, wäre aber meilenweit außerhalb meines Budgets gewesen und ich hätte auch eine Woche Zeit gebraucht, da man zum Eingang erst einmal zwei Tage durch den Dschungel trekken muss.

In den lediglich zwei Tagen, die ich dort verbracht habe, habe ich die Phong-Nha-Höhle, die Tien-Son-Höhle, die Paradieshöhle und letztlich die sogenannte Dark Cave zu Augen bekommen. Jede hatte ihre eigene Faszination: Die Dark Cave verdankt ihren Namen der Tatsache, dass es in ihr keine künstlich angelegte Beleuchtung gibt wie in den anderen Höhlen und man sich mit Helmlampe bewaffnet in die Dunkelheit vortastet (natürlich nur mit kundigem Führer). Das beste ist allerdings das Schlammbad, das einen in der Höhe erwartet. Sehr schlammiger Schlamm, der die wunderbare physikalische Eigenschaft hat (nämlich seine Dichte), Menschen auf der Oberfläche schweben zu lassen wie kleine Eisschollen. Meine Gruppe von ca. 20 Personen (alles Erwachsene, sollte ich dazusagen), hat das mit einer kleinen Schlammschlacht gefeiert. Dieser Schlamm ist wirklich großartig. Und gut für die Haut soll er auch sein. ^^

Die Paradieshöhle, deren Namen natürlich touristisch-ökonomische Überlegungen zugrunde liegen, hat tatsächlich etwas sakrales. Man steht in einer riesigen, uralten Kathedrale, deren Meisterarchitekt die Natur ist und fühlt sich ganz klein. Ich neige eigentlich nicht zur Pathetik, aber bei diesen Dimensionen scheint es mir angemessen. 😉 Man läuft ca 40 Minuten in die Hähle hinein und hat lediglich die Spitze des Eisberges zu Augen bekommen. Es werden sogar richtige Trekks in das innere der Höhle angeboten: 7km, die zu Fuß und mit Kajaks zurückgelegt werden.

Die dritte im Bunde, genannt Tien-Son, ist im Vergleich zur Paradieshöhle geradezu bescheiden, aber dafür hat es der Weg dorthin umso mehr in sich. Man gelangt mit dem Boot zur Phong-Nha-Höhle, von dessen Ausgang aus ein Weg den Berg hochführt. Dieser Weg besteht aus Stufen. Sehr vielen Stufen. Und die Höhle ist nartürlich ganz oben. Nachdem also meine Reisegruppe sich die Phong-Nha-Höhle angesehen hatte, wollten wir auch die Tien-Son sehen. Zumindest manche. Der Rest musste aufs Klo. Das kam aber im Endeffekt aufs Gleiche raus, weil das Klo kurz vor der Höhle lag und man sich ebenfalls erst einmal 300 Stufen hochkämpfen musste. Jedenfalls hatten wir uns die Eispause anschließend redlich verdient. ^^

Zuletzt gibt es noch die Phong-Nha-Höhle selbst, die als erste entdeckt wurde und nach der auch der Nationalpark benannt ist. Durch sie führt ein Fluss und man besichtigt sie per Boot. Es tropft überall und man kann sozusagen die Stalagmiten beim Entstehen beobachten. Und auch diese Höhle war, wie fast alle damals schon bekannten, ein Unterschlupf der Vietnamesen im Krieg.

Nach diesem Wochenende wurde es immer heißer und heißer in Hanoi, bis das Thermometer am ersten Juniwochenende auf backofenartige 40° anstieg. Leider rannte die Zeit nur so und da ich am 5. Juni nach Da Nang geflogen bin, hieß es Koffer packen und Ade zu meiner lieben Wohnung sagen. Leider nicht nur zur Wohnung, sondern auch zu einigen Freunden, die ich nicht mehr sehen werde (zumindest nicht in Vietnam, Deutschland ist ja bekanntlich ein Dorf :D)

Neben diesen unerfreulichen Anlässen war zum Glück auch noch genügend Zeit, um der Hitze mit Poolnachmittagen zu entkommen. Man kann in Hanoi nämlich für um die 4-5€ in schicken Hotels auch als Nicht-Gast den Pool benutzen. Aber aufs deutsche Freibad freue ich mich trotzdem schon. 😉

P.S.: Über Kommentare freue ich mich immer! 😀

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