10 Tage in Kambodscha Teil 1- über Angkor und Angkah

Nachdem ich mich schon viel zu lange nicht mehr gemeldet habe und es viel zu viel zu berichten gibt, möchte ich mich in diesem Text auf die Eindrücke aus meiner zehntägigen Reise in Vietnams Nachbarland konzentrieren.

Erst einmal bin ich sehr stolz, jetzt endlich mein zweites offizielles Visum in meinem Reisepass präsentieren zu können, nachdem ich in Hongkong lediglich einen schnöden Zettel bekommen hatte (dafür war es aber auch kostenlos ^^).

Die Einreise verlief wie geschmiert, wir waren sogar schon in Kambodscha, bevor irgendjemand sein Visum hatte, weil alle Visa zentral von der Busgesellschaft beantragt wurden, während wir zum Warten auf einen Rasthof hinter (!) der Grenze gebracht wurden. Die erste Herausforderung, die jeden Besucher in Kambodscha erwartet, ist die Verwirrung angesichts zweier gleichzeitig verwendeter Währungen, kambodschanischen Riel und US-Dollar. An große Geldscheine habe ich mich glücklicherweise schon in Vietnam gewöhnt. 😉 1 US-Dollar entspricht 4000 Riel und man bekommt häufig Riel zurück, wenn man mit Dollar zahlt. Oder umgekehrt.

Phnom Penh war mein erstes Ziel und mir kam die Stadt sehr gemütlich vor, beinahe schon ruhig. Wahrscheinlich bin ich durch Hanoi schon ganz schön abgehärtet. Aber tatsächlich wird kaum gehupt und es gibt zwar mehr Autos, aber auch weniger Mopeds. Statt Taxis sind die putzigen TukTuks (bestehend aus einem Moped, das ein Wägelchen, in dem die Passagiere sitzen, hinter sich herzieht) das Touristen-Fortbewegungsmittel Nummer 1. Und Fahrer gibt es wirklich an jeder Straßenecke!

In Phnom Penh hält es viele Backpacker nicht lange, sondern es wird nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach Siem Reap zu den Tempeln Angkors angesehen. Die Hauptstadt des Landes ist im Vergleich zu Giganten wie Bangkok oder Saigon geradezu beschaulich, mit „nur“ 2 Millionen Einwohnern (manche Quellen sagen sogar 1,5 Mio.). Mir hat es sehr gefallen, man kann die Stadt gut zu Fuß erkunden und den Märkten, über die man früher oder später stolpert, kann man nur schwer widerstehen.

Aus touristischer Sicht hat Phnom Penh keine „Highlights“, aber dafür umso eindrücklichere Orte zu bieten. Ich spreche von den sogenannten Killing Fields außerhalb der Stadt und dem Tuol-Sleng-Museum (auch genannt S21-Museum), den wichtigsten Orten für die Aufarbeitung und Erinnerung an die Grauen der Roten Khmer unter dem Pol-Pot-Regime.

Manche Reisende besuchen Kambodscha, ohne sich mit diesem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen.  Ich persönlich finde, dass es wichtig ist, sich diese Orte anzusehen oder darüber zu informieren. In Deutschland assoziiert man Kambodscha vor allem mit zwei Schlagworten: Angkor Wat und den Roten Khmer. In dieser Reihenfolge. Und ich habe in der Schule nichts über diese Geschichte gelernt, was vor allem daran liegt, dass ich sowieso nichts über Kambodscha gelernt habe. Und dies wiederum liegt daran, dass man generell nichts über Länder lernt, die keine Verbindung zur deutsch-europäischen Geschichte haben.

So viel zu einem kleinen Abstecher in die Systemkritik…

Jedenfalls war der einzige Anknüpfungspukt für mich das, was ich bislang über den Vietnamkrieg erfahren habe. Und tatsächlich hängen die Geschehnisse zusammen in einem großen verwirrenden Knoten aus (Fehl-)Entscheidungen und deren Folgen. Dies zu erläiutern übersteigt mein Wissen und würde auch diesen Blogebeitrag sprengen, deswegen nur so viel: natürlich ist bei der Entstehung dieser Tragödie auch der Westen unter Federführung der USA involviert gewesen.

Doch da Kambodscha von den Roten Khmer während ihrer Herrschaft systematisch von der Außenwelt abgeschirmt und den wenigen Besuchergruppen ein perfekt inszeniertes Schauspiek vorgeführt wurde (kommt mir irgendwie bekannt vor), erfuhr der Westen nichts von all dem Schrecken. Und auch später, als man Informationen über die Taten der Khmer Rouge hätte in Erfahrung bringen können, zogen es die meisten vor, dies zu unterlassen. Denn dieselben Khmer Rouge wurden nach der Befreiung Klambodschas durch Vietnam 1979 zur Opposition gegen das kommunistische Regime, das dort durch die Vietnamesen aufgebaut wurde. Und als Gegner der Kommunisten wurden sie automatisch Vebündetete der USA (diese betrachteten das Eingreifen Vietnams denn auch nicht als Befreiung, sondern als Besetzung) und hatten auf Hinwirken des Westens bis 1989 den Sitz Kambodschas in den Vereinten Nationen inne. Am ironischsten an dem Ganzen finde ich, wie gekonnt alle Parteien ignorierten, dass die Khmer Rouge sich eigentlich immer als DIE Kommunisten Kambodschas inszeniert hatten.

Allen, die Genaueres zu den Geschenissen, ihrer Vorgeschichte und ihren Folgen erfahren möchten, empfehle ich sehr einen Besuch der Killling Fields in Kambodscha. Da das für die meisten eher schwierig zu realisieren sein wird, sind Bücher und Internetadressen zu diesem Thema auch eine gute Idee. Wikipedia ist zum Beispiel immer ein Anfang. 😉

Und nun muss ich noch erklären, wie ich auf den kryptischen Titel gekommen bin: der Name, mit dem die Roten Khmer sich während ihrer Herrschaft selbst bezeichneten, lautete „Angkah“. Übersetzt bedeutet das einfach „die Organisation“. So wie das einfache Volk nicht wusste, welche Menschen eigentlich hinter Titeln wie „Bruder Nummer 1 „steckten, konnten die Mitglieder Angkahs in einem Moment Brüder und im nächstem Moment durch ein falsches Wort Verräter sein. Verräter landeten in einem der zahlreichen Foltergefängnisse, um ein Geständnis zu erpressen (niemand „Unschuldiges“ wurde getötet) und dann auf den Killing Fields. So sind auch die meisten heutigen Politiker Kambodschas zu irgendeinem Zeitpunkt im Gefolge Angkahs gewesen, bis sie es sich verscherzt hatten und in die Opposition (zB nach Vietnam) gingen.

Als in meinem Kopf die vielen Bilder und das unbegreifliche Grauen schwirrten, fiel mir plötzlich auf, wie ähnlich Anghkah und Angkor doch klingen. Mir schien es passend, dass man bei dem Einen an das Andere erinnert wird. Denn dasselbe Volk war in Angkor zu solch unglaublicher Schönheit und Größe fähig. Die Bilder dazu werde ich allerdings auf den nöchsten Blogeintrag verschieben. Nach diesem bedrückendem Thema möchte ich ein bisschen Abstand zur geballten Ladung Welterbe-Massentourismus.

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