Frohes neues Jahr!

In einem meiner ersten Beiträge habe ich euch ja die Motorrad-Mumien, die man hier überall sieht, beschrieben; leider konnte ich zu diesem Zeitpunkt kein eigenes Foto zur Untermalung beisteuern und musste deswegen auf die unendlichen Bildarchive des Internets zurückgreifen. Als ich vor ein paar Tagen meine Aufnahmen aus Saigon/Ho-Chi-Minh-Stadt gesichtet habe, ist mir ein Bild untergekommen, das perfekt die Vollverhüllung zum Schutz gegen die Sonne ablichtet, obwohl ich eigentlich nur den im Hintergrund zu sehenden Wiedervereinigungspalast festhalten wollte. Dieses möchte ich jetzt mit euch teilen. 🙂

Kaum zu glauben, aber der Verkehr war in Ho-Chi-Minh-Stadt noch mal auf einem anderen Niveau als in Hanoi…das Bild täuscht, so leer und ordentlich (alles ist relativ) war es eigentlich nur rund um die Touristenattraktionen. ^^

A propos Wiedervereinigung:

Bei meinem Besuch in Saigon, der – bei der Kürze des Aufenthaltes keine Überraschung – das klassische Touristenprogramm beinhaltete, ist mir vor Augen geführt worden, wie es aussieht, wenn die Geschichte von den Siegern geschrieben wird und der Sieger nicht der westlichen Hemisphäre entstammt. Denn bei besagtem Palast handelt es sich um das gleiche Gebäude, das zur Zeit des geteilten Vietnams Unabhängigkeitspalast hieß. Davor wiederum stand auf dem gleiche Gelände der Präsidentenpalast des südvietnamesischen Autokraten Diems, der zur Zeit des französischen Kolonialismus als Residenz des Generalgouverneurs von Indochina gedient hatte (als Quellen dienen hierbei mein Reiseführer und Wikipedia ;)).

Der heutige Name soll daran erinnern, dass mit der Eroberung des Palastes durch nordvietnamesische Panzer die endgültige Niederlage Südvietnams und damit das Ende des Krieges besiegelt war. Anhand dieser wechselhaften Geschichte ist mir bewusst geworden, dass Worte ebenfalls Waffen sein können und das in diesem Konflikt definitiv auch waren. In diesem Falle haben in sowohl der Begriff der „Unabhängigkeit“ als auch der der „Wiedervereinigung“ eine ironische Note.

 

Das zweite Beispiel für die Macht der Namen ist das „American War Museum“ in Saigon. Durch diesen simplen Perspektivwechsel, den Krieg als Amerikanischen Krieg statt als Vietnamkrieg zu bezeichnen, hat sich einiges in meiner Wahrnehmung geändert, und das, obwohl ich durchaus behaupten würde, auch vorher schon einen kritische Auseinnandersetzung (im Geschichtsunterricht und den Medien) erfahren zu haben.

Aber in dem Land, in dem sich alles tatsächlich abgespielt hat und das den Krieg gewonnen hat, ist die Darstellung der Ereignisse natürlich ganz anders gewichtet. Die Texte ließen deutlich ihre ideologische Intention spüren und Objektivität war nicht die erste Priorität. Die wahrheitsliebende Seite in mir fand den Propagandaanteil in den Museumsausstellungen natürlich etwas schwierig, aber insgesamt war ich sehr froh, die Ereignisse mit Scheuklappen zu betrachten, die ich vorher noch nie aufhatte. Ich hoffe, ihr versteht, was ich mit dieser Metapher meine. ^^

Wer, wenn nicht Vietnam, hat allen Grund, provietnamesische Propaganda zu zeigen? Die Grundeinstellung war nicht mehr: „Okay, das war schlecht, aber…“, sondern einfach: „Das war schlecht.“ – Vereinfacht ausgedrückt natürlich!

Jetzt ist dieser Beitrag schon wieder viel längr als geplant geworden, aber ich hoffe, dass ihr dennoch etwas mit meinen Gedanken anfangen könnt. Es hat mich überrascht, wie anders es doch ist, ausshließlich als Tourist unterwegs zu sein, ich hatte mehr Kapazität, die Dinge auf mich wirken zu lassen, weil ich nicht so sehr mit dem Alltag beschäftigt war.

Und natürlich ist mein Aufenthalt in Saigon jetzt auch schon über einen Monat her, sodass meine Gedanken zu diesem Vortrag reifen konnten. 😉

Ich verspreche, mich wieder häufiger (und vielleicht weniger abschweifend) zu melden!

 

 

 

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