After 8 weeks

Es wird Herbst in Hanoi. Bislang zeichnete sich das Wetter noch durch hochsommerliche Temperaturen und den stetigen Kampf der Einheimischen gegen die Sonnenbräune aus. Doch in den letzten Tagen ist das Thermometer auf unter 20° gefallen und es hat ein unangenehmer Nieselregen eingesetzt, der den ganzen Tag über mehr oder minder stark vom Himmel tropft. Seit letzter Woche trage ich sogar Jacken (kaum vorstellbar ^^). Gestern habe ich die vietnamesischen Begriffe zum Thema Wetter gelernt. Wenn man sagen möchte, dass es geregnet hat, gibt es einen Ausdruck, der meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf trifft. Man sagt: „Der Himmel ist nass-feucht.“ Hier ist es nämlich nicht einfach nass. Es ist feucht. Und ich befürchte, dass meine Wäsche in ein paar Wochen einfach gar nicht mehr trocken werden wird.

Allerdings ist es dennoch ein irreales Gefühl, wenn mich Nachrichten und Bilder vom verschneiten Deutschland erreichen. Und zum Wochenende wurden auch schon wieder Temperaturen bis 30° angekündigt. Der Winter lässt sich also noch ein bisschen Zeit.

Bis dahin genieße die Wärme, solange sie noch im Überfluss vorhanden ist. Besonders freue ich mich, für das Zwischenseminar nächstes Wochenende in den Süden zu reisen. Dort herrscht sowieso das ganze Jahr über Hitze. Ich werde die anderen Südostasien-Freiwilligen wiedersehen und sogar noch die Gelegenheit für ein bisschen Sightseeing in Ho-Chi-Minh-Stadt /Saigon haben. Was will man mehr! 😀

Für diejenigen kulturweit-Teilnehmer, die ein halbes Jahr (also noch bis Mitte Februar) im Ausland sind, ist das dann tatsächlich schon die Halbzeit. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Mit meinen Vietnamesischkenntnissen geht es schleichend, wenn überhaupt, voran. Ab und zu verstehe ich einige Wörter, aber am Antworten scheitere ich jedes Mal. Verflixte Aussprache. Trotzdem freue ich mich über jedes kleine Erfolgserlebnis.

Vor ein paar Tagen sollte ich in der Schule etwas kopieren, allerdings war der Kopierraum abgeschlossen. Mit Hilfe von Händen, einigen vorher erfragten Vokabeln und Aufschreiben habe ich es geschafft, nachzufragen, zu verstehen, dass der Raum bis zum Mittag geschlossen sein würde (es gibt immer eine Person, die sich darum kümmert, niemand kopiert einfach selbst) und habe schlussendlich die Kopien im Copyshop außerhalb der Schule machen lassen. Und dann war ich stolz auf mich. ^^

Letztes Wochenende war ich zusammen mit anderen Freiwlligen und Praktikanten vom Goethe-Institut auf einem Festival in der Nähe von Hanoi, das seit einigen Jahren jeden Herbst stattfindet und immer mehr Menschen, darunter viele Backpacker und Expats, anlockt. Es heißt „Quest“ und hatte eine breite Auswahl von Livemusik aus den verschiedensten Genres (von Rap über Indie bis hin zu Metal), Workshops und Zusatzprogramm wie zum Beispiel abendliche Filmvorführungen. Die Lage mitten in der Natur an einem See, der das Gelände von zwei Seiten umgab, war traumhaft schön. Ich war begeistert, wie schnell die hektische Großstadt der Ruhe der Natur gewichen ist.

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Auf der Fahrt nach Cat Ba vor einigen Wochen hörte Hanoi gefühlt gar nicht mehr auf und eine Stadt ging fast fließend in die nächste über. Diesmal waren wir gerade einmal 15 Minuten mit dem Bus gefahren und schon waren wir umgeben von grün. Insgesamt dauerte die Fahrt zum Festivalgelände vielleicht eine knappe Stunde. Das Festival dauerte von Freitagmittag bis Sonntagabend und weil wir freitags glücklicherweise frei bekommen hatten, konnten wir es ganz ausreizen. Da die wenigstens Teilnehmer über eine Campingausrüstung verfügten, konnte man sich zusätzlich zu der Eintrittskarte und den Bustickets auch noch einen Platz im Zelt und Schlafzeug kaufen. Wenn mein Zelt nicht gerade auf Baumwurzeln gestanden hätte, hätte das auch sicherlich einiges an Komfort geboten. ^^

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Die Livebühne am Tag…

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…und abends

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wunderschöne Dekoration

wunderschöne Dekoration

Aber der Schlaf ist ja bei Festivals bekanntermaßen der unwichtigste Faktor und die Atmosphäre und Musik, das Wichtigste, waren super. Das ganze Gelände war liebevoll dekoriert und es gab vier Bühnen, von denen eine Livemusik, zwei DJs und eine sowohl als auch boten. Die Workshopangebote reichten von Joga und Waldspaziergängen über Bodypainting und Bauchtanz bis zum Traumfänger-Basteln. Die Bands waren sowohl aus allen teilen Vietnams als auch von Übersee angereist. Es waren zwar keine bekannten Namen darunter, aber das hatte auch niemand erwartet.

Kunst gab es nicht nur in musischer Form.

Kunst gab es nicht nur in musischer Form.

Die Musik war in der letzten Woche auch nach Ende des Festivals mein steter Begleiter und zwar in Form der andauernden Proben der Schüler auf dem Schulhof. Nächste Woche wird ein Wettbewerb stattfinden (wie genau das ablaufen wird und warum eigentlich, konnte mir leider bisher noch niemand so richtig erklären) und dafür trainieren die Klassen zusammen mit ihren Klassenlehrern eine Tanzchoreografie. Da alle achten und neunten Klassen daran teilnehmen werden, und zwar alle mit dem gleichen Lied, war mir der Ohrwurm spätestens am zweiten Tag sicher. Sobald ich mehr weiß, werde ich davon berichten. Meine Vermutung ist, dass die besten Klassen dafür auserkoren werden, am Tag der Lehrer nächstes Wochenende aufzutreten. Dieser Tag ist in Vietnam sehr wichtig und wird mit einem großen Fest in der Schule und Geschenken für die Lehrer gewürdigt. Dabei gibt es aber natürlich immer noch eine Hierarchie, so erhalten die Klassenlehrer die größten Geschenke. Mein Eindruck ist, dass dieser Tag bei aller ernsthaften Feierlichkeit durch den großen Leistungsdruck der Schüler auch ein wenig in „Tag der Bestechung“ abgleitet. Ich bin sehr gespannt, wie alles dann tatsächlich ablaufen wird.

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