Irgendwo zwischen MUC und BER

Das war’s. Adios Munich, wir sehen uns in einem Jahr wieder. Jetzt sitze ich in einem ICE und fühle mich sehr deutsch: Durch den ganzen Wagon zieht sich ein Spruchband, auf dem in verschiedenen Sprachen verkündet wird, dass wir uns im Ruhebereich befinden. Hurra! Freude! Ich habe da doch noch ein Portfolio für die Uni zu schreiben, dachte ich mir.

Bis Nürnberg hält auch erstaunlicherweise die Stille, dann: Kinder! Laute Kinder, neben mir, hinter mir. Na gut, wozu gibt es Kopfhörer. Schlimmer wird es in Bamberg, als zu einem Kind entsprechende Großeltern dazukommen. „Wann sind wir da?“ „Das hast du schon vor zwei Minuten gesagt.“ „Neeeeeiiiiiiinnnnn“ „Doch, ich habe auf die Uhr gesehen.“ Ich denke sehnsüchtig an Macheten-Angriffe in Zügen. Das Handy von der ca. fünfjährigen Göre bimmelt. Der Großvater macht streng „psssst – hier ist Ruhebereich“ – in einer Lautstärke, die dem Klingelton in nichts nachsteht. Eher noch lauter. Eher noch nervtötender als ein Klingelläuten. Eher noch provokanter.

Wenn ich daran denke, dass ich in argentinischen Bussen mit Filmen in schlechter Qualität über scheppernde Boxen dauerbeschallt werden werde, kommt doch der Gedanke auf, dass das hier nicht so schlimm sein kann, dass ich zu deutsch denke. Aber eine andere Stimme in meinem Ohr sagt, dass ich in Argentinien wenigstens dann einen nervigen Film anschauen kann und sich so nicht die penetrante Inhaltslosigkeit von dem Geschwafel anderer Passagiere in mein Ohr wird bohren können.

Ich mache mir Vorwürfe: Bin ich kinder- oder altenfeindlich? Zehn Sekunden später: „Den Bahnhof kenne ich schon!“ „Nein, die schauen einfach alle gleich aus.“ „Der Zug hat sich verfahren! Sind wir immer noch nicht gleich da? Wie lange dauert das noch?“ Ich mache mir Vorwürfe: Bin ich nicht kinder- und altenfeindlich genug? Immerhin weiß das Zugabteil, dass sie in Leipzig aussteigen werden – es besteht Hoffnung…

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