Nachtzug nach Skopje

Um auch das ungarische Gesundheitssystem kennen lernen zu können, habe ich mir vor ungefähr zwei Wochen schnell mal eine kleine Mandelentzündung zugelegt. Leider hatte diese den unangenehmen Nebeneffekt, dass ich ein paar Tage nur rumliegen und mich zu nichts so wirklich aufraffen konnte, auch nicht zum Blog schreiben. Aber dafür haben sich eine Deutschlehrerin und die Eltern einer Schülerin sehr lieb um mich gekümmert, indem sie mich zum Arzt kutschiert und mir Essens-Care-Pakete vorbeigebracht haben. So bin ich unter anderem auch endlich in den Genuss original ungarischen Pörkölts (= das, was man in Deutschland als Gulasch kennt) gekommen! 🙂

Ich war zwar ein bisschen frustriert, dass mein geplanter Ausflug nach Pécs ausfallen musste, aber immerhin bin ich rechtzeitig zu den Herbstferien in dieser Woche wieder gesund geworden. Auch wenn es nur ein paar freie Tage waren, wollte ich unbedingt ein bisschen reisen. Deswegen bin ich dann am Freitag nach der Schule und kurzem panischen Umherrennen in meiner Wohnung, um zu kontrollieren, ob wirklich alle Heizungen ausgeschaltet sind und nichts im Kühlschrank vergammelt (kleiner Spoiler: die Wohung ist tatsächlich nicht abgebrannt :D) im Schildkröten-Style mit meinem großen Rucksack zum Bahnhof in Orosháza gelaufen.

22 Stunden, 4 Passkontrollen und einige interessante Begegnungen später, war ich dann auch “schon” in Skopje (für diejenigen, die schon googeln wollen: das ist die Hauptstadt von Mazedonien… also ich musste nachschauen 😉 ). Dort habe ich dann eine Gruppe von kulturweit-Freiwilligen aus Bulgarien getroffen, die ich zwar teilweise noch nicht kannte, aber mit denen ich mich sofort super wohl gefühlt habe.

Gleich bei unserem ersten Ausflug in die Innenstadt von Skopje hat die Stadt allerdings einen etwas befremdlichen Eindruck bei uns hinterlassen. Es gibt eine riesige Anzahl an Statuen und “historischen” Bauwerken, die allerdings erst in den letzten Jahren gebaut wurden und oft Monumenten aus anderen Städten verdächtig ähnlich sehen. Unser Stadtführer hat das als “Copy-and-Paste-Syndrom” beschrieben, wir fühlten uns ein bisschen wie in einem gigantischen Freizeitpark. Das Errichten dieser Bauwerke hat Unmengen an Geld gekostet und manche der Einwohner von Skopje schienen damit nicht so ganz einverstanden gewesen zu sein: Einige der Monumente waren von ihnen als Zeichen des Protests mit Farbe beschmiert worden, was das Stadtbild noch ein bisschen skurriler aussehen ließ.

Der “alte Bazar” mit seinen vielen Geschäften und Cafés hingegen war wunderschön und auch die Natur um Skopje herum war beeindruckend. Wir haben eine Bootstour über den “Canyon Matka”, einen See in einem Gebirgstal gemacht und die Tropfsteinhöhle dort besichtigt.

Nach dem klassischen Touristenprogramm kam jemand von uns auf die geniale Idee, dass wir doch, passsend zu Halloween, gemeinsam Kürbisse schnitzen könnten. Trotz einiger Vorbehalte, ob das in der Hostelküche so gut ankommt und nicht vorhandener Kürbis-schnitz-Erfahrung bei manchen von uns, haben wir diesen Plan dann auch wirklich in die Tat umgesetzt. Zum Glück, denn wir hatten super viel Spaß dabei und auch beim Verputzen der angebratenen Kürbiswürfel danach. 😉

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Anja, Toni und ich mit unserem Gangsterkürbis 😉

Leider hatten viele von uns nicht die ganze Woche frei, sodass wir am Dienstag schon wieder aus unserem gemütlichen Hostel ausziehen mussten. Für mich ging die Reise aber noch weiter und zwar ebenfalls nach Bulgarien, genauer gesagt nach Blagoevgrad, um Toni zu besuchen, eine Freiwillige aus meiner “Mikroblick-Gruppe” beim Vorbereitunggseminar.

Nachdem wir noch schnell die kaputte Spüle repariert und ein paar Kilo Joghurt mit Khaki gegessen haben (ersteres zugegebenermaßen mit ein Unterstützung), hat Toni mir dann das Städtchen gezeigt. Besonders gut gefallen hat mir, dass es in einer ziemlich bergigen Region liegt und sogar einen eigenen “Hausberg” hat, das war ein schöner Kontrast zur flachen Puszta hier.  

Zufälligerweise hatten wir abends noch einen Programmpunkt, da ein deutscher Lehrer, der sechs Jahre lang an Tonis Schule im Auslandschuldienst war, zu Besuch kam und die neue deutsche Freiwillige gernen kennenlernen wollte. Netterweise durfte ich mich dem Abendesssen anschließen und konnte so noch ein bisschen bulgarische Kultur erleben: in unserem Restaurant gab es nicht nur so leckere Spezialitäten wie Pommes mit Käse (das ist wirklich genial, keine Ironie!), sondern auch bulgarische Live-Musik, zu der einige Gäste ausgelassen bulgarische Volkstänze getanzt haben. Was für eine Stimmung dort an einem Mittwochabend war, hat mich sehr beeindruckt, in Deutschland könnte ich mir das so nur schwer vorstellen 😀

Das Beste war, dass ich am nächsten Tag die Gelegenheit bekommen habe, diese Tänze selbst einmal auszuprobieren, da ich Toni zu ihrem bulgarischen Volkstanzkurs begleitet habe. Die schnellen Schrittfolgen haben zwar sehr viel Konzentration erfordert, aber es hat mir riesig Spaß gemacht und trotz nicht vorhandener Sprachkenntnisse fand ich das Gemeinschaftsgefühl, dass doch irgendwie entstanden ist, richtig toll. Leider gibt es kein Foto davon… wobei, ist vielleicht sogar besser so. 😉

Ein paar Portionen Ljutenica später war ich dann wieder auf dem Weg zurück nach Sofia, da der Bus nach Budapest dort gestartet ist. Zuerst durfte ich allerdings noch eine bequeme Couch und ein Stück selbstgemachte megaleckere Lasagne bei Seline, einer anderen Freiwilligen, genießen. Zusammen haben wir auch noch ein paar Stündchen in Sofia verbracht, uns über Gott und die Welt unterhalten und waren – natürlich – Essen. 😉

Ein ganz großes Dankeschön an euch beide für die schöne Zeit, an Toni besonders auch für die musikalische Inspiration und an euch andere Skopje-Urlauber, falls ihr das lest, es war klasse mit euch! 🙂

Nach einer etwas anstrengenden Bus- und Zugfahrt zurück nach Orosháza und ein paar Heimatgefühlen, als ich mir am Bahnhof meinen Kaffee wieder in der Landessprache bestellen konnte, bin ich jetzt wohlbehalten wieder in meiner Wohnung und habe schon die erste Schulwoche geschafft. Diesmal wird es eine kurze Zeit bis zur nächsten Reise, da im November auch unser Zwischenseminar stattfinden wird. Insgesamt ist es einfach unglaublich, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht. Über zwei Monate bin ich schon hier, also quasi ein Drittel meines gesamten Freiwilligendienstes. 😮 Irgendwie habe ich so das Gefühl, dass der Rest von 2016 noch schneller vorbeifliegen wird…

Auf jeden Fall versuche ich mich spätestens nach dem Zwischenseminar und dem anschließenden Ausflug nach Kroatien wieder auf meinem Blog zu melden, noch einen schönen restlichen Herbst und bis bald!

(Weitere Fotos folgen noch, leider habe ich gerade Probleme mit meinem W-LAN und konnte deswegen nur eines hochladen. Aber bevor ihr noch länger auf den Blogeintrag warten müsst erstmal provisorisch die Textvariante 🙂 )

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