“Ich liebe dich…..ääh, einen Kaffee bitte”

Es ist mittlerweile spürbar Herbst geworden in Orosháza, die Nächte werden kälter und der Tag heute war leider verregnet. Ein guter Grund, um nachmittags ein bisschen Zeit im Café Amadeus zu verbringen und mich weiter durch die Speisekarte zu probieren. Ergebnis: der Schoko Latte Macchiato ist traumhaft. Also, falls ihr mal zu Besuch kommt… aber genug der Werbung. 😉 Da dort kein Englisch gesprochen wird, war es auch eine schöne Gelegenheit, meine Ungarisch Fähigkeiten anzuwenden…

Am Wochenende habe ich eine andere Freiwillige, Lina, in Szeged besucht. 🙂 Dabei haben wir uns nicht nur über alles Mögliche, mal mehr und mal weniger Tiefsinniges unterhalten, sondern auch etwas festgestellt: zwischen dem nützlichen Ausdruck “Szeretnék…” (Ich hätte gerne…) und “Szeretlek” (Ich liebe dich.) besteht ein gefährlich geringer Unterschied. Natürlich kam es heute, wie es kommen musste und ich hätte der Kellnerin im Café fast meine Liebe gestanden… 😉 Naja, immerhin ist meine Aussprache noch so unausgereift, dass man eigentlich nicht überhören kann, dass ich keine Ungarin bin.

Neben vielen spannenden Gesprächen habe ich mit Lina am Wochenende auch Szeged erkundet, eine sehr schöne Studentenstadt, die nur etwa eine Stunde mit dem Zug von Orosháza entfernt liegt. Zwar gefällt es mir hier unglaublich gut, aber ich habe mich auch darüber gefreut, dass dort ein bisschen mehr Trubel war als in “meinem” Städtchen.

Einer von vielen schönen Plätzen in Szeged

In vollen Zügen genossen haben wir auch das vielfältige Angebot an wunderschönen Cafés und Restaurants mit ausnahmslos sehr leckerem Essen und Getränken. Natürlich haben wir davon auch reichlich Fotos gemacht, hier nur eine kleine Auswahl davon:

Eine wunderschöne Kneipe, in der wir aber leider nicht mehr waren. Hoffentlich nächstes Mal! :)

Eine wunderschöne Kneipe, in der wir aber leider nicht mehr waren. Hoffentlich nächstes Mal! 🙂


Rétes mit Mohn.

Rétes mit Mohn


Ein Wochenende des guten Kaffees!

Ein Wochenende des guten Kaffees!


Eis mit Schoko-Lavendel und mit Kastanien-Geschmack

Eis mit Schoko-Lavendel und mit Kastanien-Geschmack


Hinten im Bild ist ein Stück Dobostorte. So lecker wie kalorienreich ;)

Hinten im Bild ist ein Stück Dobostorte. So lecker wie kalorienreich 😉

Besonders sehenswert ist Szeged bei Nacht, wir haben nicht nur an der Theiß gesessen und die beleuchtete Stadt von der Brücke aus betrachtet, sondern auch das Nachtleben erkundet und einige sehr interessante bis skurrile Menschen getroffen.

Der Grund, warum ich ursprünglich mit ein paar Schülern und Lehrern am Freitag Nachmittag nach Szeged gefahren bin, war allerdings eine Art “Lange Nacht der Wissenschaften”. Als ich einmal im Unterricht erwähnt habe, dass Bio mein Lieblingsfach in der Schule war, wurde mir sofort angeboten, dorthin mitzukommen und ich habe natürlich gerne zugesagt. Meine anfängliche Befürchtung, dass ich aufgrund der Sprache überhaupt nichts verstehen würde, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Es gab zwei sehr nette Studenten, die sich die Zeit genommen haben, mir die Ausstellungen auf Englisch zu erklären, so habe ich etwas über Wirkstoffe in Medikamenten und E-Nummern lernen können. Ein Mitarbeiter war sogar so freundlich, bei einer Reihe von Experimenten, mit denen man (z.B. in der Apotheke) verschiedene chemische Stoffe nachweisen kann, zu übersetzten, sodass ich dort auch mitmachen konnte!

Auch wenn sich bisher der Laborkittel noch etwas vertrauter anfühlt als die Kreide in der Hand, gefällt mir die Arbeit in der Schule immer besser. Vor allem einige “Einzelstunden” mit Schülern sind in der letzten Woche neu hinzugekommen und bieten eine sehr entspannte Gelegenheit, mit ihnen gemeinsam zu üben. Außerdem war ich heute in einer 9.Klasse und habe damit (mit Ausnahme der 7. und 8.Klasse) Unterrichtsstunden in allen Jahrgangsstufen miterlebt. Es ist sehr spannend zu sehen, wie die Deutschkenntnisse der Schüler mit den Lernjahren gewachsen sind.

Ein paar Überraschungen haben mich in den letzten Tagen ebenfalls erwartet. An einem Schultag gab es beispielsweise morgens eine Schülerehrung in der Aula (für diejenigen, die bei Wettbewerben erfolgreich waren) und dann noch einen Probe-Feueralarm, also Ereignisse, die die Alltagsroutine ein bisschen durchbrochen haben. Viel interessanter war allerdings der Besuch im nahe gelegenen Museum, bei dem ich spontan auch mitkommen durfte. Dort fand die Eröffnung einer Ausstellung über das Dorf “Geresdlak“ in dem viele Ungarndeutsche leben, statt. Zu meiner Begeisterung haben die Kinder aus diesem Dorf deutsche Volkslieder gesungen und dazu getanzt (unglaublich süß!).

Überrascht war ich auch, als ich erfahren habe, dass die Region um Orosháza eine eigene kulinarische Spezialität besitzt: eine Art Weizenkeimpudding, den man entweder hasst oder liebt (so zumindest die Aussage der Kollegin, die eine Portion davon für mich besorgt hat). Er sieht zwar gewöhnungsbedürftig aus, ist aber sehr süß und hat mich allein dadurch schon überzeugt. Leider kann ich nur ein Foto zeigen und euch den Geschmack nicht übermitteln, aber glaubt mir, es schmeckt wirklich besser, als es aussieht 😉

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Übrigens, falls jemand von euch Lesern ein andere Freiwilliger oder eine andere Freiwillige ist, die seit ein paar Wochen vor der Herausforderung steht, selbst für eine Wohnung verantwortlich zu sein: es gibt sehr hilfreiche Anleitungsvideos von DM zum Thema “Putzen”. Ich habe sie am Sonntag entdeckt, als ich leicht ratlos vor dem Regal mit gefühlten hundert verschiedenen Reinigungsmitteln im Supermarkt stand. Aber das nur nebenbei 😉

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte dazu loswerden, worüber ich in diesem Blog eigentlich schreibe.

Nach dem Vorbereitungsseminar von kulturweit, bei dem es unter anderem um Themen wie Rassismus, Sexismus und “fair berichten” ging, habe ich mein Vorhaben, überhaupt einen Blog zu führen, in Frage gestellt. Zu groß erschien mir die Herausforderung, etwas zu schreiben, durch das sich niemand angegriffen oder übergangen fühlen könnte. Schlussendlich habe ich mich dann doch für den Blog entschieden, weil ich so ausführlich wie hier niemals allen Daheimgebliebenen einzeln berichten könnte und auch, weil ich selbst vor Beginn des Freiwilligendienstes mit großem Interesse die Blogs der ehemaligen Freiwilligen gelesen habe.

Diese Zweifel und Vorbehalte gegenüber dem Schreiben an sich sind die Gründe dafür, dass der Inhalt meiner Beiträge keine tiefgründigen Reflexionen über die ungarische Kultur und das Leben im Ausland sind, sondern nur meine ganz persönlichen und teilweise sehr banalen Erfahrungen. 

Danke für das Lesen und bis nächste Woche! 🙂

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Ein Kommentar zu “Ich liebe dich…..ääh, einen Kaffee bitte”

  1. Profilbild von Lina Roß Lina Roß sagt:

    Liebe Leonie,
    Danke für diesen wundervollen Beitrag,
    den ich nur so bestätigen kann;)!
    Alles Liebe
    Lina

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