anfangen

Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.  – Meister Eckhart

Heute vor genau einer Woche, etwa um diese Uhrzeit, stand ich zum ersten Mal in der kleinen Wohnung in Orosháza, in der ich die nächsten Monate leben werde. Jetzt kommt mir alles schon viel vertrauter vor als am ersten Tag – der Weg zur Schule (nur wenige Meter), mein Platz im Lehrerzimmer, die Schulglocke, der Supermarkt in der Stadt. Schneller als gedacht fühlen sich diese Dinge ein bisschen nach Heimat an.

Ich habe viele Menschen kennengelernt (auch wenn es mir leider schwerfällt, mir alle Namen zu merken…) und bin wirklich begeistert und gerührt davon, wie sich die Lehrer und Schüler bemühen, mir den Anfang in Ungarn zu erleichtern. Die Deutschlehrer haben mich alle sehr lieb empfangen, mit selbstgemachtem Essen, Einladungen zu Ausflügen und der Hilfe (und Übersetzung) bei allen möglichen anfänglichen Schwierigkeiten und Fragen. Die Schüler, die ich bisher kennengelernt habe, sind unglaublich aufgeschlossen und gastfreundlich, mit ihnen war ich zum Beispiel schon beim Aerobic (wahrscheinlich die anstrengendste Stunde Sport, die ich je gemacht habe….), auf dem Markt und Eis essen. Falls zufällig jemand von euch diesen Blog liest, köszönöm szépen!!

Mittlerweile habe ich mich ein bisschen in der Stadt umgesehen und finde sie wirklich hübsch, es gibt viele schöne und grüne Plätze, gleich mehrere Eisdielen, ein gemütliches Café, viele Fahrradwege, einen DM und einen riesigen Tesco, also eigentlich alles, was man so zum Leben braucht. 😉

Im Unterricht war ich inzwischen auch schon einige Male, bei ganz verschiedenen Altersstufen, von der 5.Klasse bis zur 12.Klasse. Mein erster Eindruck ist, dass die Schüler hier sehr viel Zeit für die Schule aufwenden müssen („Ich habe wenig Zeit, weil ich viel lernen muss“ war ein Satz, der bei der Vorstellungsrunde häufig fiel, wenn es um Hobbys ging). Teilweise können sie wirklich überraschend gut deutsch sprechen. Aufgefallen ist mir auch, dass es hier tatsächlich für fast alle Schüler jeden Tag Sportunterricht gibt (für mich wäre das eine Katastrophe gewesen…) und dass die Sprachprüfungen wie das DSD (Deutschdiplom) eine größere Rolle spielen als bei uns, weil sie zum Beispiel die Chancen auf einen Studienplatz verbessern.

Meine Aufgabe ist es unter anderem, bei der Vorbereitung auf das DSD 2, das manche von den älteren Schüler dieses Jahr ablegen werden, zu helfen. Bei den jüngeren Schülern, die gerade erst mit dem Deutschlernen begonnen haben, darf ich den Unterricht mit Spielen oder Liedern mitgestalten. Ich hoffe, dass ich den Schülern dabei helfen kann, sich ohne Angst auf deutsch zu unterhalten, denn manche sind dabei noch sehr vorsichtig, obwohl sie fast alles verstehen können.

Die größten Schwierigkeiten bisher haben sich vor allem durch die Sprachbarriere ergeben, denn überraschend viele hier, auch Jugendliche und junge Erwachsene, sprechen kein oder nur wenig Englisch. Es ist eine sehr interessante Erfahrung, mit Menschen Kontakt zu haben, mit denen ich mich nicht richtig verständigen kann. Auf jemanden zu treffen, über den ich gerne mehr erfahren würde, was aber leider aufgrund der unterschiedlichen Sprachen nicht möglich ist. Auf jeden Fall motiviert mich das dazu, Ungarisch zu lernen. Leider bin ich damit noch nicht sehr weit gekommen, bisher gab es noch so viele Kleinigkeiten zu organisieren und zu klären, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, mich am Ende der sechs Monate zumindest über alltägliche Dinge auf ungarisch unterhalten zu können. Überlebenswichtige Worte wie Birnenbaum oder Gästezimmer kenne ich zumindest schonmal (ersterer steht als moderne Kunst auf dem Hauptplatz in Orosháza und letzeres ist die Bezeichnung für meine kleine aber feine Wohnung).

Der Grund, warum mein erster Blogeintrag so spät kommt, ist unter anderem, dass es noch einige Probleme und Verzögerungen mit dem W-Lan in meiner Wohnung gab. Sehr bald sollte theoretisch alles ganz normal funktionieren, ich werde versuchen, dann öfter von mir hören bzw. lesen zu lassen. Bis dahin werde ich bestimmt noch gelegentlich im Zimmer des für das Netzwerk der Schule zuständigen Lehrers stehen, um das eine oder andere technische Problem zu besprechen Heute war ich dort zum siebten Mal in vier Tagen, wahrscheinlich seufzt er schon innerlich, wenn ich zur Tür herein komme….;)

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