Santiagoliebe & Reiselust

Gestern war die Abschiedsveranstaltung und Zeugnisvergabe der 12.-Klässler in der Schule. Aufgeregte Jungs, stolze Eltern, rausgeputzte Lehrer, viele Reden, Tränen, Sekt. Ob man wollte oder nicht, die Welle von Emotionalität war unvermeidbar. Dazu kam etwas Wehmut und ein Flashback zu meiner eigenen Abientlassung, die mittlerweile anderthalb Jahre her ist. Vor allem beim Auftritt des Schulchors habe ich in Erinnerungen geschwelgt. Ich habe gestern sogar durch Zufall das gleiche Kleid getragen wie damals bei meiner Entlassung. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass man viele dieser Schüler zumindest ein Stück auf ihrem Weg begleitet hat. Und ich glaube keiner konnte so gut mitfühlen wie ich, wie sich die Jungs gerade fühlen. Traurig, glücklich, wehmütig, aufgeregt, vorfreudig, unsicher, alles gleichzeitig. Ist alles noch nicht so lange her bei mir, und irgendwie auch doch. Seitdem ist ganz schön viel passiert und ich habe so viel erlebt.

Gerade habe ich noch geschrieben, dass Halbzeit ist und 6 Monate schon um sind. Mittlerweile sind es 9. An sich habe ich noch knapp 3 Monate hier, was jetzt erst mal nach nicht so wenig klingt. Wenn man allerdings bedenkt, dass 9 Monate demnach schon um sind und wie schnell die vergangen sind, klingt 3 Monate plötzlich nach nichts mehr. Ich denke schon über Mitbringsel und meine Abschiedsparty nach. Weniger als 100 Tage. Nur noch 4 Wochen davon arbeite ich. Immer war der Besuch meiner Family so weit entfernt, jetzt liegt er schon wieder 6 Wochen zurück.

Irgendwie fühle ich mich momentan verwirrt. 30 Grad und überall Weihnachtsdeko? Iced Coffee trinken während im Café Weihnachtslieder laufen? Das passt nicht zusammen. Weihnachten ohne Family, stattdessen in Brasilien am Strand? Mal ganz was Anderes. Einerseits noch 3 tolle Monate vor mir, andererseits nur noch 3 Monate vor mir. Einerseits vergeht die Zeit viel zu schnell, andererseits kommen mir die ersten Wochen und Ereignisse in Chile ewig weit weg vor. Vorfreude auf Zuhause, gleichzeitig irgendwie auch Abschied von Zuhause. Wie soll ich mich denn fühlen? Viel zu früh für solche Gefühle denke ich mir, trotzdem sind sie da.

Weg jetzt mit solchen Gedanken, eigentlich empfinde ich ausschließlich Vorfreude auf die kommenden Wochen und Monate. Für jedes Wochenende haben wir tolle Pläne, sei es Geburtstagsparty, Trip ans Meer, Festival, Yoga-Event oder einfach nur das Sommerwetter genießen. Sommerwetter im November, ich kann mein Glück gar nicht fassen. Ich als absoluter Winter-und-schlecht-Wetter-Muffel kann dem Kalt, Nass und Grau in Deutschland entgehen, ein Traum. Jeden Tag eincremen müssen und durchgeschwitzt mit dem Rad in der Schule ankommen nehme ich dafür ohne Zögern in Kauf. Jeden Tag Sommerkleidchen tragen, jeden Tag mit blauem Himmel aufwachen, jeden Tag riesige sommerliche Obst-Auswahl, ob Mango, Pfirsich, Nektarine, Erdbeeren, Blaubeeren, Kirschen, Melone oder Ananas – es gibt alles, günstig und dazu auch noch leckerer als in Deutschland. Wohl eins der Dinge, die ich mit am Meisten vermissen werde. Ok, sorry, ich höre jetzt auf, sonst kriegt meine Mum Zuhause beim Lesen eine Winter-Depression.

Also, kleines Update von mir aus Chile. Time flies. Aber time wird genutzt. Regelmäßig überkommt mich eine Welle Santiago-Liebe. 1 Monat noch hier, Alltag. Dann reisen, reisen, reisen. Santiagoliebe & Reiselust. Chaíto.

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