Irgendwo zwischen Abschieden & Vorfreude

Time flies. Es ist Halbzeit. 6 Monate sind schon um, 6 Monate bin ich schon hier. Wie verrückt das klingt, wenn ich es laut ausspreche. Und 6 weitere Monate liegen noch vor mir. Nach meinem ursprünglichen Plan wäre meine Zeit in Chile jetzt vorbei, ich würde meine Koffer packen, zurück nach Hause fliegen, Welcome-Back in Gehrden feiern, umziehen und in einem guten Monat mein Studium beginnen. Good for me, dass das nicht der Fall ist, ich weiß nämlich nach wie vor noch nicht zu 100%, was ich denn nun wirklich studieren möchte.

Außerdem wäre ich noch gar nicht bereit zu gehen, noch nicht bereit für meinen eigenen Abschied. Mein Spanisch ist noch nicht gut genug. Ich habe noch nicht genug von diesem unglaublichen Land gesehen. Ich habe noch nicht genug neue Menschen kennen- und lieben gelernt. Ich habe meine Things-To-Do-Liste noch nicht vollständig abgehakt. Ich habe noch nicht oft genug die unglaubliche Sicht auf die Anden an smogfreien Tagen bewundert. Ich habe noch nicht oft genug den wunderschönen bunten Abendhimmel Santiagos in meine Snapchat-Story gepostet. Kurzum: ich habe noch nicht genug von Chile. Von Santiago. Von meiner Wohnung. Von meinem Leben hier. Von den Leuten hier. Von all den neuen Erfahrungen. Ich will noch mehr neue Erfahrungen. Und dazu habe ich in den nächsten 6 Monaten die Möglichkeit.
 
Diese Woche ist eine Woche voller Despedidas. Und ich hasse Abschiede, aber gut, wer tut das nicht. Man kann kitschig sagen „It’s not a goodbye, it’s a see you later“ und ja, vielleicht stimmt das auch, aber trotzdem ist es traurig, trotzdem bin ich innerlich ziemlich aufgewühlt. Meine Clique hier löst sich auf, heute habe ich Stella zum Flughafen gebracht und die nächsten Tage folgen ihr noch mehr der Menschen, die mir während des letzten halben Jahres so sehr ans Herz gewachsen sind, zurück nach Deutschland. Bis jetzt gibt es noch kein Santiago-Life ohne diese Menschen und jetzt gerade kann ich mir das auch irgendwie noch gar nicht vorstellen. Vor 6 Monaten habe ich hier über Goodbyes & Hellos geschrieben. Goodbyes in Deutschland und Hellos hier. Das Gleiche durchlebe ich jetzt quasi erneut, allerdings sind sowohl die Goodbyes als auch die Hellos hier. Einiges wird sich ändern.
 
Aber: anders heißt nicht schlechter. Es sind immer noch wunderbare Leute hier und es werden Neue dazu kommen. Wer mich kennt, weiß, dass Routine mich langweilt, also könnte es ja eigentlich gar nicht besser sein. Etwas Neues liegt vor mir, es beginnt quasi Teil 2 meiner Chile-Zeit. Und ich glaube Teil 2 wird mich noch mehr prägen und noch mehr wachsen lassen. Ich bin dabei, mich selbst noch besser kennenzulernen und dafür werde ich das nächste halbe Jahr auch noch brauchen. Despacito, Lea, alles ist gut so, wie es ist. What would life be without changes? Es wird anders, aber es wird keinesfalls schlechter. Und ich freue mich drauf. Ich kann sagen, dass ich mir noch nie so sicher war wie in diesem Moment, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, als ich 12 statt 6 Monate auf meinem Zulassungsbescheid von Kulturweit angekreuzt habe.

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