S wie Surfen, Salsa, Sushi

Seit 3 Wochen kann ich meinen „Ausländerausweis“ abholen, gestern habe ich mich endlich dazu aufgerafft. War das ein Aufwand: direkt in der ersten Woche nach der Ankunft 8 Stunden Anstehen und Warten in der ersten Behörde, am Tag darauf nochmal 2 Stunden in einer anderen Behörde und nun also noch das Abholen, was zum Glück aber um einiges zügiger ging. Über deutsche Behörden werde ich mich so schnell wohl nicht mehr beschweren. Ganz offiziell bin ich nun also Teil dieses Landes. Cool.

Der Sprachkurs ist vorbei – leider – und ab dieser Woche bin ich nun wieder mehr in der Schule. Mein Stundenplan ist voller, besonders durch die Zertifikatsvorbereitungskurse. Die werden für die Jungs angeboten, die ein Sprachdiplom in Deutsch auf dem Niveau A1, A2 oder B1 ablegen wollen und werden überwiegend von uns Freiwilligen betreut. Hier haben wir etwas mehr Gestaltungsfreiraum als im normalen Unterricht und in den Kursen sitzen ausschließlich die motivierten und interessierten Schüler, weshalb mein Schulalltag dadurch auf jeden Fall bereichert wird. Mein Spanisch wird langsam aber sicher besser, besonders im Verstehen. Fürs fließend Sprechen brauche ich jedoch einfach noch viel viel mehr Übung und Praxis.

Mir ist heute nicht nach einem langen Text, deswegen wird dieses Blogupdate mal etwas anders: ungefilterte Momente (Sara, du hast mich inspiriert) als Überblick über meine letzten beiden Wochen:

  • Kunstprojekt: die Gestaltung einer Wand in der Schule vor dem Deutschraum mit bunten Motiven und deutschen Wörtern mit einigen Deutschschülern und einem deutschen Streetartkünstler. Die Schule ist ein bisschen schöner und alle Beteiligten hatten Spaß.
  • Buchprojekt: zum Welttag des Buches gab es einen großen Projekttag. Jede Klasse hat im Pausenhof einen Stand mit Plakaten und kleinen Rollenspielen zu einem selbstausgewählten Buch gemacht, die meisten waren sehr engagiert bei der Sache. Eine Klasse hat „Mein Kampf“ ausgewählt, für ihren Stand und die Kostüme bastelten sie Hakenkreuze. Meine Empörung und besonders mein Missfallen konnten sie nicht nachvollziehen, die Sensibilisierung zu diesem Thema, wie es sie in Deutschland gibt, ist hier einfach nicht vorhanden. Dafür war aber z.B. auch „Das Dschungelbuch“ vertreten, die Schüler waren als Tiere verkleidet und haben „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ auf Spanisch gesungen.
  • El Principito: mein erstes Buch auf Spanisch, der kleine Prinz. Mal sehen wie lang ich dafür brauche, der gute Wille ist auf jeden Fall da.
  • WG-Feeling: viel gemeinsam sitzen, kochen, reden, Kaffee trinken. Auch dazu gehört, abends beim Serie gucken bei Stella im Bett einzuschlafen und am nächsten Morgen etwas durcheinander auch immer noch dort wieder aufzuwachen. Mein Bett wäre zwar nur quasi drei Meter entfernt gewesen, aber dafür hat’s wohl nicht mehr gereicht. Ach, und einen wöchentlichen Putzplan für die Wohnung haben wir jetzt.
  • Sushi: wir kochen tatsächlich sehr viel selbst, allerdings gibt es einfach einen zu guten Sushi-Laden bei uns direkt um die Ecke, der besonders nach langen Schultagen ein Geschenk des Himmels ist.
  • Free Walking Tour: eigentlich ein Touri-Ding, eine dreistündige Stadttour nur für Trinkgeld. Jedoch haben auch wir nochmal viel Neues und Interessantes über Santiago und Chiles Geschichte erfahren.
  • Vega-Großeinkauf: die Vega ist quasi ein riesiger Markt, auf dem man Obst, Gemüse & Co. deutlich günstiger bekommt, als im Supermarkt. Mit unseren Backpacks auf den Rücken haben wir uns zwar amüsierte Blicke eingefangen, es hat sich aber gelohnt und anders hätten wir unseren Großeinkauf nicht nach Hause transportieren können.
  • Gratis Salsa Kurs: meine erste Salsa Stunde. War lustig. Und mit einem geübtem Tanzpartner auch machbar. Grundschritt, Drehung ich, Drehung er, Drehung beide, andere Drehung, rechts, links. Er konnte seine Hüften besser kreisen lassen als ich, na toll.
  • Reisepläne: ich bin im Reisefieber, will alles sehen und jeden freien Tag nutzen. Ende Juli sind Winterferien, dafür sind wir gerade fleißig am Pläne schmieden. Vorfreude pur.
  • Besuch aus Gehrden: bzw. eigentlich aus Peru. Lodda besucht mich gerade für eine Woche hier in Santiago bevor sie sich wieder auf den Weg gen Norden zurück nach Peru macht. Da wir uns fast ein Jahr nicht gesehen haben, freue ich mich riesig darüber.
  • Pichilemu: ja, mal wieder ein Wochenende am Meer. Jedes lange Wochenende wird voll und ganz ausgekostet. Pazifik, Surfen, tolle Leute, leckeres Essen, Sonnenuntergänge im Meer, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel (zumindest zwei der drei Tage) und viel Wind.
  • WhatsApp-Call: wenn ich zur Schule gehe, eine halbe Stunde Zeit habe und mal eben in Deutschland anrufe, fühle ich mich nicht, als wäre ich über 12000km weit weg. Danke moderne Welt.
  • Zwischenseminar: in weniger als drei Wochen ist Zwischenseminar. Für alle, die 6 Monate bleiben, ist dann die Hälfte vorbei. Mir bleibt zum Glück noch mehr Zeit.

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