Vamos a la playa

Woche 3, kaum zu glauben, fühlt sich nach mehr an.

So sehr ich mich auch in Santiago verliebt habe, was fehlt, ist definitiv das Meer. Der Maschsee fehlt mir. Länger als zwei Wochen habe ich es bei diesem Wetter nicht ohne Strand ausgehalten, war zu erwarten, ich weiß. Unser zweites Wochenende hier wurde deswegen für einen Weekendtrip ans Meer genutzt. Nach einer Partynacht in Bellavista, vier Stunden Schlaf, einem halben Liter Kaffee und einem Missverständnis bezüglich des Treffpunkts, fanden wir uns dann also müde aber vorfreudig im Bus gen Pazifikküste wieder. Die Fahrt dauert ungefähr so lange wie von Hannover nach Hamburg, ein Strandtag wird in Zukunft wohl also öfter mal unsere Wochenendpläne bestimmen.

Nach entzückten Jubelschreien meinerseits beim Anblick des Meeres, Hostelsuche und lange-in-kurze-Hosen-Wechsel, ging es auf Valparaíso-Entdeckungstour. Noch nie habe ich eine Stadt gesehen, die so heruntergekommen und dreckig und gleichzeitig so bunt und voller Charme ist. Die Häuser sind bunt, jede Wand ist bemalt, hinter jedem Graffiti steckt eine Story. Wir waren begeistert. Die Stadt ist auf Hügeln gebaut, besteht also quasi nur aus Treppen. Davon waren wir weniger begeistert, allerdings ist das die Aussicht über den Hafen absolut wert. Für etwas mehr als nur treiben lassen, haben wir uns einer dreistündigen Free Walking Tour angeschlossen. Definitiv empfehlenswert. Weiteres Highlight: Bootstour bei Nacht. Die Küste wurde zum Glitzermeer. Valparaíso – Chiles Tor zur Welt, stimmt.

Nächster Tag: Strand. Endlich. Dafür gings in den Nachbarort Viña del Mar. Palmen, Strand, Promenade, Touris. Da kommt Urlaubsfeeling auf. Die Stadt an sich ist nicht unbedingt super schön, dafür kann Viña aber mit seinen Stränden punkten. Baden im Pazifik, am Strand liegen, Sonne tanken, Meeresluft, lesen, braun werden, herrlich. Jedes Mal wieder verrückt, wie wunschlos glücklich und innerlich zufrieden mich der Anblick von glitzerndem Wasser macht. Der Abschied fiel schwer.

Nun also back in the city. Fühle mich zuhause in Santiago. Telefonierend die Straße überqueren, abends nachm Sport in der Metro, in der Sonne im Café sitzen, zu Fuß durch die Straßen und Parks zur Schule, ich bin Teil der Stadt. Das Touri-Gefühl ist Vergangenheit. Apropos Metro: immer voll, aber zur Rush Hour die reinste Hölle. So habe ich das noch in keiner Stadt erlebt. Gequetsche, Gedrängel, so viele Menschen, dass man einfach gar nicht erst in die Bahn reinkommt. Und in die Nächste auch nicht. Und in die danach auch nicht. Aber: despacito. Immer mit der Ruhe. Das Motto der Menschen hier, das Motto des Landes. Und auch ich werde immer besser darin. Mir bleibt gar nichts anderes übrig. Aber tut mir gut.

Neben dem ganzen Highlife gibt es natürlich auch noch meine Arbeit in der Schule. Läuft gut bis jetzt. Ich bin entweder mit im Unterricht und helfe der jeweiligen Lehrerin den Jungs die deutsche Sprache näher zu bringen oder bereite Unterrichtmaterialien vor. Ich bin festen Klassen zugeteilt und habe damit quasi meine eigenen Schüler. 500 neue Gesichter. Von denen ich manche gefühlt wieder und wieder zum ersten Mal zu sehe. Umso stolzer, wenn ich dann doch einige sogar außerhalb des Klassenzimmers erkenne. Über meinen Schulalltag gibt es demnächst mal einen eigenen Blogeintrag, damit dieser hier nicht zu lang wird.

Heute: Dachterasse. 24. Stock. Pool. Blick über die Stadt. Sonnen. Reggaeton. Was ein Leben. Mir gehts gut hier. Liebe Grüße nach Deutschland.

 

1 Comment

  1. Susie Horst

    Liebe Lea,
    da überkommt mich das Fernweh, wenn ich deine Berichte lese. Einfach mal so in einer fremden Stadt leben und sich bereits zuhause fühlen. Wie cool ist das denn? Das habe ich zum Glück auch vor Jahren erleben dürfen. Es ist eine besondere Zeit.
    Tolle  Photos!  Santiago scheint eine sehr lebendige junge Stadt zu sein. Take care and enjoy ;-)))))
    Dicken Kuss,
    Deine Susie

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