Der erste Tag

Der Tag begann gediegen. Zuerst kaufte ich ein. Das hatte ich nun also schon mal geschafft. Die erste Herausforderung, wenn man so will. Ich schlug mich mit Englisch durch, sofern es denn nötig war. Manche Artikel sind auf Deutsch, was mich dann auch sehr gefreut hat, denn ansonsten fühlte ich mich eher wie ein Analphabet. Ich schaute mir die aufgedruckten Bilder an und konnte mich somit orientieren. Zu Hause angekommen wartete schon die nächste Herausforderung. Nichtsahnend öffnete ich die Abdeckung des Herdes. Und sofort schlug ich sie direkt wieder zu. Es traf mich wirklich wie ein Schlag. Ich erinnerte mich plötzlich wieder daran wie ich gestern eine Schublade öffnete und ein Feuerzeug dort liegen sah. Da ich aber ebenfalls auch Teelichter im Blickfeld hatte, dachte ich gestern noch: Ach ist ja nett. Hier ist für alles gesorgt. Tja, falsch gedacht. Das Feuerzeug war für den GASherd. Ich überlegte, ob ich nicht auf das Rührei verzichten könnte. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Also machte ich die Abdeckung wieder auf und inspizierte meinen neuen Gasherd, als wäre er vom Mars. Ich hatte wirklich keinen Plan wie das funktionierte. Ich erinnerte mich an meine Oma. Als ich klein war hatte sie ebenfalls einen solchen Herd. Also drehte ich an den Knöpfen und hielt das Feuerzeug daran. Aber da tat sich nichts. Ich verständigte meine Mutter. Ich konnte sie förmlich schmunzeln hören. Ich hatte den Gashahn nicht aufgedreht. Dieser verbarg sich hinter der nun offenen Abdeckung. Ganz schön kompliziert so ein Gasherd. Außerdem brennt alles warnsinnig schnell an. Außer bei Wasser das dauert gefühlt im Gegensatz dazu ewig. So aß ich nun stolz wie Oskar mein Ei. Man muss auch die kleinen Erfolge feiern.

Erst gegen Nachmittag machte ich mich dann auf den Weg die Stadt zu erkunden. Noch eher verschlafen und lustlos, wenn ich gestehen darf. Die nächsten Tage hatte ich also Zeit die Stadt zu erkunden und anzukommen. Darüber war ich auch schon sehr froh. Ich irrte ein wenig ziellos durch die Straßen. Da ich nicht genau wusste was das Ziel war, beschloss ich zu der Haltestelle zu fahren, an der ich aussteigen muss, wenn ich zur Arbeit fahre. Da ich die polnischen Haltestellen nicht aussprechen kann und damit auch schwerlich merken kann, merkte ich mir bei meiner Ankunft das Flugzeug. So ging ich dann meine Straße entlang und kam irgendwann zum Kulturpalast. Man muss dazu sagen ich wohne auf einer der größten Straßen und muss eigentlich nur geradeaus entlang gehen.

Da war er nun der große, umstrittene Kulturpalast und ragte in die Höhe, umrahmt von mehreren modernen und gläsernen Hochhäusern. Ein sehr amüsanter Stilbruch. Der Kulturpalast ist Polens höchstes Gebäude im Baustil des Sozialistischen Klassizismus und eben genau ein nicht gerade dezentes Wahrzeichen und Andenken an diese Zeit. So prägt dieses Gebäude das Stadtbild doch sehr. Vielen ist es daher eher ein Dorn im Auge. Mich dagegen hat es eher ans Empire erinnert und so kam ich mir für einen Moment vor, als wäre ich in New York. Das witzige ist zugleich, dass die Sirenen ebenfalls denen aus New York gleichen. Warschau hat diesbezüglich eine wirklich klangvolle Stadt und damit meine ich nicht Chopin. Die Klänge der Sirenen sind sehr vielseitig. Dazu kommt noch die Geräuschkulisse der Autos, der Trams und der Busse. Die vielen Fahrradfahrer hingegen sind geräuschlos. Das ist zeitweilen nicht von Vorteil. Vielleicht wurden aus diesen Gründen auch die Zebrastreifen auf den Fahrradwegen für Fußgänger angebracht. Nun es gibt hier neben der Feuerwehr, dem Krankenwagen und der Polizei auch noch die Sirenen der Regierungsautos. Das sind allesamt schwarze Limousinen und bei dem Stau, der hier herrscht sind Sirenen gar keine dumme Idee. Der Krankenwagen hat drei verschiedene Töne, die nacheinander erklingen. Anfangs dachte ich daher es seien mehrere Autos. Ich fand schnell das Flugzeug und merkte mir die Haltestelle. Danach ging ich zur Touristeninfo, die bereits geschlossen hatte. Dort wollte ich mir eigentlich einen Stadtplan holen. Naja musste ich nun ohne klarkommen.

Mein nächstes Ziel war die wunderschöne Altstadt, die ein UNESCO-Kulturwelterbe ist. Im Krieg wurde diese komplett zerstört. Die Stadt wurde danach anhand von den Canalettos  Gemälden wieder aufgebaut. Ich persönlich war anfangs ein wenig enttäuscht, da alles viel kleiner wirkte als auf den Bildern, die ich vorher gesehen hatte. Mir haben allerdings die kunterbunten Häuser sehr gefallen. Das war ein schöner Kontrast zu den ansonsten grauen Häusern. Hier ist gefühlt nämlich alles grau: die imposanten Gebäude, die Straßen und die Wolken. Leider hatte ich beim Kofferpacken nicht an einen Regenschirm gedacht. Die Straßen sind hier auch viel breiter. Manchmal wirken sie eher wie Autobahnen. Und selbst die Bürgersteige sind teils so breit wie eine Straße.

Die Altstadt ist durch die vielen Straßenkünstler auch sehr lebendig. So bin ich auf Feuerkünstler gestoßen, die mich in ihren Bann zogen. Dabei merkte ich, dass sich mein Handy-Akku langsam dem Ende zuneigte. Das hielt mich aber dennoch nicht davon ab sie zu filmen. Und so kam es wie es kommen musste: mein Handy ging plötzlich aus. So stand ich nun abends in einer fremden Stadt ohne jegliche Sprachkenntnisse und ohne zu wissen wie ich nach Hause kommen sollte, denn Google-Maps, mein neuer Verbündeter, ließ mich nun im Stich. In dem Moment war ich dann wirklich froh, dass ich vorher meine Ausstiegshaltestelle gesucht hatte. Ich fuhr also mit dem Bus zu dieser Haltestelle und dann nach Hause. Wieder eine kleine Herausforderung geschafft.

 

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