Die unendliche Geschichte des Ghana-Visums

Ich hatte Ende April schon von meiner ersten Visumsverlängerung und der damit verbundenen Reise nach Lomé in Togo berichtet. Die komplexe Geschichte rundum das Ghana-Visum kann einem teilweise den letzten Nerv rauben. Und nach knappen fünf Monaten kann ich stolz sagen – ich habe die unendliche Geschichte des Visums für Ghana endlich verstanden.

Kulturweit sagte uns, wir sollen ein Visum für sechs Monate beantragen. Bei einem sechsmonatigen Auslandsaufenthalt macht das natürlich nur Sinn. Mehrmalige Einreise bitte dazu, wir werden das Land ja nach drei Monaten für unser Zwischenseminar verlassen müssen. Gesagt, getan. 180 Tage Visum beantragt, mit mehrmaliger Einreise und einen Batzen Geld dafür gezahlt. Und jetzt, nach knapp fünf Monaten im Land, erfahre ich dann erst, dass mein Visum gar nicht für 180 Tage Aufenthalt im Land gültig ist. Ich bin vor Einreise weder aus den Informationen der Botschaft, noch aus irgendwelchen anderen Seiten schlau geworden. Gefühlt nirgendwo wird das Visum erklärt, es ist alles try and error. Wie so vieles in Ghana.

Ich bin also mit dem Gedanken in dieses wirklich wunderschöne Land eingereist, dass ich ab Einreise auch 180 Tage im Land bleiben darf. Der Immigration Service am Flughafen machte mir da schon direkt einen Strich durch die Rechnung und verkürzte mein Visum auf 60 Tage. Um eine teure Verlängerung beim Immigration Service zu umgehen, bin ich also nach Togo gereist und einen Tag später wieder eingereist, inklusive neuem 60-Tage-Stempel im Pass. Nach meinem Zwischenseminar in Namibia war es das gleiche Spiel, ich bekam einen neuen Stempel, der für 60 Tage gültig war. Bis Anfang August hätte ich also safe im Land bleiben können und einfach den Stempel durch eine erneute Reise nach Togo erneuern können.

Nur ist mein Visum nicht für die Dauer des Aufenthalts ab Einreise gültig. Mein Visum ist ab Ausstellungsdatum in Berlin gültig. Ab dem Moment durfte ich 180 Tage ein- und ausreisen, wie ich lustig bin. Hätte ich nach 170 Tagen Aufenthalt einen neuen Stempel in meinen Pass bekommen, hätte ich die Gültigkeitsdauer noch in Ghana bleiben dürfen – ich hätte nur nicht wieder einreisen dürfen. Hätte ich mein Visum also schon Anfang Januar beantragt, wie ich es eigentlich geplant hatte, hätte ich nur bis Anfang Juli ständig ein- und ausreisen dürfen. Und ich hätte teures Geld beim Immigration Service zahlen müssen, damit ich auch bis Ende August bleiben darf. Diese Information hätte ich natürlich schon gerne bei der Planung meines Aufenthaltes gehabt. Es hätte die komplette Planung um einiges leichter und die Visumsbeantragung deutlich günstiger machen können. Mir hatte ein Einreisevisum bis kurz nach dem Zwischenseminar gereicht (für knapp die Hälfte des Geldes) – eine Verlängerung wäre dazu gekommen. Warum gibt man Reisenden in das Land dann also nicht diese Information? Vermutlich erhoffen sich die Behörden, dass die dadurch mehr Geld eintreiben können. Schmiergeld an der Grenze für ein neues Visum? Gar kein Problem. Sowas wird gerne gemacht. Vor allem, wenn die Reisenden sich nicht anders zu helfen wissen, weil ihnen niemand gesagt hat, dass ihr Visum im Pass nicht für ihre Aufenthaltsdauer ab Einreise gültig ist.

Ich hatte Glück. Ich musste mein Visum aus Organisationsgründen recht spät beantragen. Es war teuer, aber ich habe auch keine Probleme hier bekommen. Ich konnte erneut entspannt nach Lomé reisen und in die entspannte Atmosphäre der Hauptstadt Togos eintauchen. Ein Trip, der sich immer wieder lohnt. Aber die unendliche Geschichte des Ghana-Visums macht es trotzdem nicht einfacher.

Zimmer with a view

 

 

 

 

 

 

 

 

Ghana als Land ist wunderbar. Es hat wunderschöne Orte und Strände außerhalb der Hektik Accras. Die Straßen sind weniger schlimm, als ich sie zu Beginn erwartet hätte (nur was hatte ich eigentlich erwartet?) und mit Kleinbussen und Trotros kommt man wirklich günstig von A nach B. Trotzdem ist in den Köpfen hier der Tourismus noch nicht wirklich angekommen. Und das sieht man vor allem an den Unverständlichkeiten, bevor man überhaupt in dieses Land reisen kann – das Visum ganz vorne mit dabei.

Das Glück der Erde…

Am 01. Juli feiert Ghana den Republic Day. Und da dieser Feiertag auf einen Sonntag fiel, gab es als Ersatz den Montag frei. Immerhin können die Menschen ja nichts dafür, dass der Feiertag auf das Wochenende fällt. Das war mir gleich sympatisch. Am 01. Juli 1960 wurde Ghana eine unabhängige Republik, jedoch wird im März auch noch der Independence Day gefeiert – der Tag, an dem Ghana unabhängig von Großbritannien wurde und als erstes Land in Afrika nicht von Europäern regiert wurde.

Das lange Wochenende haben Zaira und ich genutzt mal etwas weiter aus Accra herauszufahren. Viele Strecken lohnen sich für einen Samstag/Sonntag Ausflug nicht, also hat sich das angeboten. Wir entschieden uns für den Lake Bosumtwi (oder auch Lake Bosomtwe) in der Nähe von Kumasi, denn wir hatten schon öfters gehört, dass es dort wunderschön sein soll. Außerdem könnte man dort reiten gehen und für ein jahrelanges Reitermädchen war das natürlich ein absoluter Pluspunkt. Wir buchten uns in der Green Ranch ein. Die kleine Ranch wird von einer Französin betrieben, die es sich zur Aufgabe gemacht hat einen Beitrag zur Umwelt zu leisten. Maximal 15 Gäste können zeitgleich in der Ranch schlafen. Das soll den Müllverbrauch verringern und der Unterkunft die Möglichkeit geben ihren Müll selbst zu entsorgen. Das Wasser wird selbst gefiltert, in Glasflaschen abgefüllt und frei angeboten, damit die Besucher auf Plastikflaschen verzichten können. Die Pferde laufen den ganzen Tag frei auf dem Gelände herum und kommen nur abends in ihre Boxen. Ein Projekt, was ich gerne unterstützt habe.

Wir brachen morgens mit dem VIP Reisebus von Accra nach Kumasi auf. Der Bus war deutlich komfortabler, als die Trotros und Minivans, die wir sonst nutzten, hatte aber auch einen stolzen Preis von 45 Cedi. Dafür gab es einen Raststopp mit den saubersten Toiletten, die ich in Ghana jemals gesehen habe. Davon könnten sich selbst manche Raststätten an Deutschlands Autobahnen eine Scheibe von abschneiden. Einzig die Klimaanlage in dem Bus war ne Ecke zu viel. Die Fahrt dauerte recht lange, vor allem weil wir bei Ankunft in Kumasi erstmal im Stau standen. Ghana Style eben. Dort angekommen liefen wir zur Trotro Station. Von Accra gibt es keine direkte Verbindung zum Lake Bosumtwi, von Kumasi leider auch nicht. Wir sollten über Kuntanase fahren und von dort mit dem Taxi nach Abono, wo der See liegt. An der Station trafen wir zufällig fünf andere Deutsche. Und ein Trotro nach Abono. Kurze Verwirrung, gemischt mit Freude, gemischt mit komischen Gefühlen. Schnell wurde klar, dass das Trotro nur wegen uns „Weißen“ nach Abono fahren würde und auch den Preis verlangen würde. Nach längere Verhandlungsphase – der Mate wollte das alles künstlich in die Länge ziehen – einigten wir uns auf einen Preis und er durfte noch weitere Menschen auf dem Weg einsammeln. Kurze Zeit später fing es sehr stark an zu regnen. Die Scheibenwischer fielen aus und der Fahrer fuhr einfach in seinem (etwas schnellem) Tempo weiter. Es wurde kein Schlagloch ausgelassen, das Wasser spritze nur so über die Straßen und einmal sind wir knapp einem Unfall entkommen. Zumindest ist es mir nur einmal wirklich aufgefallen. Als wir endlich am kleinen Ankunftshäuschen vom See ankamen, war ich sehr erleichtert. Wir drückten dem Ranger die 5 Cedi Parkgebühr in die Hand und fuhren weiter. Der Lake Bosumtwi ist ein UNESCO Biosphärenreservat, die Parkgebühr unterstützt die Entwicklung dort. Wenige Minuten später erreichten wir dann Abono – und wurden direkt wieder weggezerrt. Ein Mann kam an und meinte wir sollten mit in das Tourismusbüro kommen. Warum? Keine Antwort. Er verlangte 10 Cedi Eintrittsgebühr, ohne dürften wir uns nicht dort aufhalten und wurde sehr frech, als wir diese verweigerten. Immerhin hatten wir ja schon eine Eintrittsgebühr bezahlt. Es war mal wieder eine der vielen Maschen, mit denen viele Menschen versuchen mehr Geld zu machen. Eine Erklärung für was das Geld sei, wollte er uns nicht geben. Als Antwort wurden wir nur angeschrien. Das ging so weit, dass wir die Unterkunft anruften und nachfragten, was es damit auf sich hat. Die Besitzerin meinte, wir sollten gehen, wir müssen die Gebühr nicht zahlen. Hätte man uns erklärt, für was das Geld benötigt wird, wären wir vermutlich bereit gewesen diese 10 Cedi als Spende abzugeben. Der Mann machte allerdings den Anschein, als würde er sich die 70 Cedi, die er an uns verdient hätte, einfach selbst in die Tasche steckten. Im strömenden Regen machten wir uns dann auf die Suche nach einem Taxi. Und der Spaß ging von vorne los. Die 10-minütige Fahrt zur Unterkunft wurde uns für 40 bis 50 Cedi angeboten. In Accra zahlen wir für die gleiche Strecke maximal 10 Cedi. Da wir aber vor Einbruch der Dunkelheit in der Unterkunft ankommen wollten, einigten wir uns auf eine 25 Cedi Fahrt. Die anderen Deutschen wohnten in einem anderen Hotel und es hat uns sehr viel Mühe gekostet, den Taxifahrern zu erklären, dass wir nicht in die gleiche Unterkunft fahren. Und was passiert? Der Taxifahrer fährt uns in die Unterkunft der anderen Deutschen. Ein klassischer Fall von nicht-zuhören, den viele Ghanaer, die ich bis jetzt getroffen habe, sehr zu pflegen scheinen. Nach zehn (!) Stunden Reise kamen wir dann endlich an der Green Ranch an.

Die Aussicht

Die Ranch hat mich von Anfang an begeistert. Kleine, aber schöne Zimmer. Ein wunderschöner Ausblick auf den See. Freilaufende Pferde und ein etwas frecher Esel. Einfach eine nette Umgebung und absolut empfehlenswert, wenn man den Lake Bosumtwi besuchen möchte.

Der Tag war für uns dann mehr oder weniger gelaufen. Durch den Regen und die Dunkelheit konnten wir die Umgebung nicht mehr wirklich erkunden, also gingen wir auf die große Terrasse und genossen unser vegetarisches Abendessen. Auf der Ranch wird ausschließlich vegetarisches und veganes Essen angeboten. Ich bin zwar keine Vegetariern, aber es war eine nette Abwechslung zum ewigen Fleischkonsum, dem wir in Accra ausgesetzt sind. Wir sprachen mit den anderen Gästen und verzogen uns danach recht schnell in unser Zimmer.

Am nächsten Morgen entschieden wir auf jeden Fall einen Ausritt machen zu wollen. Das Wetter war unbeständig, aber Elodie (die Besitzerin) war zuversichtlich, dass wir im Laufe des Morgens eine trockene Phase erwischen würden. Und sie sollte Recht behalten. Nach dem Frühstück warteten wir den kurzen Regen ab und schon ging es los. Eine Stunde entlang des Sees und der kleinen Dörfer. Und endlich mal wieder auf dem Rücken eines Pferdes. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht auch wenn ich etwas Muskelkater davongetragen habe. Den restlichen Tag habe ich mit einem Buch auf der Terrasse verbracht – mit Ausblick auf den See und Schutz vor dem immer wieder kommendem Regen. Es war entspannend einfach mal nichts zu tun und der Hektik Accras zu entkommen.

Neue Freundin gefunden – Indigo

Am nächsten Tag mussten wir schon wieder abreisen. Und das relativ früh, da wir auf dem Hinweg ja gelernt hatten, dass die Fahrt durchaus länger dauern kann. Aber natürlich kam es mal wieder anders. Wir entschieden uns mit dem Boot nach Abono zu fahren und von dort ein shared taxi zu den nächsten Orten zu nehmen. Leider kam das Boot aber nicht. Nach über einer Stunde warten, rufte Elodie uns ein Taxi. Und prompt kam das schon abbestellte Boot angefahren. Typisch Ghana. Eine halbe Stunde später saßen wir dann endlich im Taxi. Elodie erklärte uns, dass wir nicht wieder über Kumasi fahren müssen. Auf der Strecke gäbe es einen Ort, wo auch Kleinbusse nach Accra fahren. Perfekt! Dachten wir zumindest. Dort angekommen mussten wir nämlich über eine Stunde warten, bis der Bus sich endlich mal füllte. Und normalerweise fahren solche Busse die Strecke dann durch. Unserer nicht. Wir hielten an jeder Möglichkeit, ließen Leute ein- und aussteigen. Wie bei einem Trotro. Nur, dass wir deutlich mehr bezahlt hatten. Als wir uns endlich Accra näherten und knapp zehn Minuten von der Station entfernt waren, entschied der Fahrer aber keine Lust mehr zu haben. Wir mussten aussteigen – Diskussion hin oder her – und mit dem Trotro zur geplanten Station fahren. Wir hatten geplant vor der Dunkelheit in Accra einzutreffen. Durch diese Aktion hat das natürlich nicht geklappt.

Das Wochenende hat mir mal wieder gezeigt, dass in Ghana nie etwas so läuft, wie man es plant. Und es trotzdem immer irgendwie funktioniert. Die Reise war stressig, der Aufenthalt dafür umso schöner. Kleinkriegen lassen gibt es hier nicht. Man nimmt die Dinge, wie sie kommen. Was bleibt einem auch anderes übrig?

Regenzeit, Stromausfälle und andere Kleinigkeiten

Juni ist Regenzeit. Glücklicherweise bin ich noch kein einziges Mal wirklich nass geworden. Meist regnet es nachts, vielleicht mal am Vormittag oder am Abend, aber nie den ganzen Tag, immer nur kurz. Die Regenzeit habe ich mir anders vorgestellt, aber vermutlich habe ich einfach zu wenig Ahnung davon. Die Tage in Accra sind oft bewölkt, manchmal so sehr, dass es gar nicht wirklich hell wird. Die Sonne sieht man seltener, als noch im März oder April, aber doch ist sie ein ständiger Gast.

Leider bringt die Regenzeit auch kleinere Probleme mit sich. Komplett Accra war einen Abend ohne Strom. Die Bars und Restaurants besitzen Generatoren, also machten wir uns auf den Weg Richtung Oxford Street und warteten bis die Lichter wieder angingen. Dann war für längere Zeit Ruhe. Bis vor zwei Wochen…

Mir wurde gesagt, dass Accra im Juni eigentlich immer von einer Katastrophe – verursacht durch den Regen – getroffen wird. Wir sind verschont geblieben, oder es war für mein Verständnis keine Katastrophe. An einem Mittwoch Abend fiel wieder der Strom aus. Und da es in Ghana immer schon um kurz nach 18 Uhr dunkel wird, heißt das wirklich in Dunkelheit sitzen. Da wir darauf keine Lust hatten, fuhren wir ins Afrikiko zum Salsa tanzen und gucken. Was ein Glück, dass es für Mittwoch immer eine Alternative gibt (und die guten, alten Generatoren)! Der Strom ist glücklicherweise immer zurück, wenn man zu Hause eintrifft. Am Wochenende fiel der Strom dann wieder aus und wir flohen erneut aus unserem Haus. Und was für uns so einfach ist, ist für die Menschen, die ihre Straßenstände betreiben oft ein kleiner Fluch. Ob sie sich davon unterkriegen lassen? Nö. Kerzen werden aufgestellt und der Verkauf geht munter weiter – vorausgesetzt die Kundschaft kommt. Ich hab noch keinen Ghanaer gehört, der sich über diese Verhältnisse beschwert. Es ist zu sehr im Alltag verankert.

Und dann kam der Tag, der zu einer kleinen Grenze für mich wurde. Eines Abends hat es so stark geregnet, dass unsere Wohnung voll Wasser lief. Der Wind drückte den Regen durch die Fenster, das Wasser sickerte durch die Wände in die Wohnung. Innerhalb kürzester Zeit waren Wohnzimmer, Küche und beide Bäder vollgelaufen. Unsere Zimmer sind glücklicherweise verschont geblieben. Unsere erste Reaktion war es zu lachen. Was sollten wir auch sonst tun? An den Stromkästen tropfte das Wasser herunter und wir können eigentlich froh sein, dass nichts schlimmeres passiert ist. Seitdem funktioniert der Strom in der Küche auch nicht mehr – zwei Wochen ohne Küche und keine Besserung in Sicht. Die ghanaische Mentalität hat eingeschlagen – wir kommen morgen und reparieren das. Jaja. Morgen. Das war vor zwei Wochen.

Aber der Juni hatte nicht nur die kleinen Katastrophen und Regenfälle mitgebracht. An einem Wochenende entschieden Zaira und ich, dass wir zu den Boti Falls fahren. Immerhin würde sich da auch ein Tagestrip von Accra aus lohnen. Also fuhren wir an einem Morgen in aller Frühe mit dem Trotro nach Madina und von dort mit einem Kleinbus nach Koforidua etwa 1 1/2 Stunden weiter ins Landesinnere. In Koforidua angekommen wurden wir natürlich direkt wieder von Taxifahrern belagert. Samstags würde kein Trotro zu den Boti Falls fahren, was wir anfangs nicht geglaubt haben. Nachdem uns aber mehrere Menschen diese Auskunft gegeben hatte, zweifelten wir langsam. Also nahmen wir einen der (nervigen) Taxifahrer. 8 Cedi pro Person für die Strecke? Guter Deal, machen wir! Und sind damit in eine dreiste Falle des Fahrers gefallen. Bei Ankunft an den Boti Falls wollte der Fahrer nicht 8 Cedi pro Person, sondern 8 Cedi pro Sitz im Auto. Eine gefühlte Stunde voller Diskussionen später, haben beide Parteien irgendwie ihren Kopf durchgesetzt. Wir zahlten nicht seinen verlangten Preis, aber doch mehr, als vorher abgemacht war. Wir sind ja nicht aus Ghana, mit uns kann man’s ja machen. An den Boti Falls selbst sollten wir einen Guide dazubuchen, ohne dürfte man sich auf dem Gelände nicht bewegen. Ebenfalls eine dreiste Lüge, um etwas mehr Geld zu verdienen. Zu den Wasserfällen gelangt man ganz einfach über eine Treppe – Guide nicht notwendig. Die schönen Zwillingswasserfälle konnten wir auch gut alleine betrachten.

Und wie oft wurde uns beim Vorbereitungsseminar gesagt, wir sollen keine Fotos von den Einheimischen machen, außer wir fragen vorher? Wir haben eine gewisse Verantwortung, wenn wir diesen Blog führen. Wir sollten uns bewusst sein, dass nicht jeder fotografiert werden möchte. Leuchtet mir ein. Wirklich. Den Ghanaern aber offensichtlich nicht. Während der Wanderung an den Boti Falls haben wir eine kleine Pause gemacht. Direkt scherrten sich vier ghanaische Mädchen und ein Junge um mich und machten Fotos. Wurde ich gefragt? Natürlich nicht. Ein Mädchen setzte sich sogar auf mich, um ein gutes Foto machen zu können. Ich war kurz vorm Platzen, aber habe nach drei Monaten in Ghana auch gelernt, dass ich mich mit so einem Verhalten abfinden muss. Es war nicht das erste Mal, dass ich so offensichtlich fotografiert wurde. Oft passiert das allerdings heimlicher. Ich habe schon mehrfach bemerkt, dass mich Männer heimlich fotografieren. Auf dem Markt hat mich ein jüngeres Mädchen fotografiert. Wenn wir irgendwo sitzen, egal ob im Trotro, im Restaurant oder sonst wo, werden oft Selfies geschossen – mit uns im Hintergrund. Es ist ein unangenehmes Gefühl ständig wie eine Attraktion behandelt zu werden, nur weil man anders aussieht. Umso mehr kann ich es verstehen, dass man in Deutschland darauf sensibilisiert wird so ein Verhalten eben nicht zu unterstützen. Das funktioniert nur leider nicht überall.

Der Juni brachte natürlich auch die Fußball-WM mit sich. Das erste Deutschland Spiel schauten wir beim Public Viewing in der German Swiss International School. Und wussten direkt – einmal und nie wieder. Obwohl ich die Deutschland Spiele fast immer beim Public Viewing gesehen hatte, mit der deutschen Community in Ghana zu schauen, fühlte sich irgendwie komisch an. Deshalb schauten wir das nächste Spiel in einer Bar. Für Deutschland war es ja leider ein kurzes Vergnügen. Immerhin müssen wir uns jetzt nicht mehr den Kopf zerbrechen, wann wir wo das nächste Spiel gucken. Oder ob wir wegen der Zeitverschiebung noch auf der Arbeit sein werden. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

In den letzten Monaten haben ich definitiv gelernt mit meinen interkulturellen Begegnungen deutlich besser umzugehen. Ich werde auf der Straße von einem Mann angemacht? Ignoriert und weitergehen. Taxifahrer oder Händler versuchen mehr Geld von mir zu bekommen, „nur weil ich weiß bin“? Nicht kleinkriegen lassen. Ändern kann man es sowieso nicht. Nur damit umgehen.

 

Zwischenseminar in Namibia – Halbzeit!

Wie oft habe ich schon wiederholt, dass die Zeit viel zu schnell vorbeigeht? Tausende Male würde ich behaupten. Und die letzte Woche machte da auch keine Ausnahme. Für uns Freiwillige aus Ghana ging es zum Zwischenseminar nach Windhoek, Namibia und die zweite Hälfte unseres Freiwilligendienstes wurde offiziell eingeläutet.

Und wer hätte gedacht, dass es so kompliziert sein kann, von Ghana nach Namibia zu kommen? Wir flogen von Accra über Nairobi und Johannesburg nach Windhoek und da und das alles zu lang war, legten wir eine Wochenendpause in Johannesburg ein. Eine der besten Entscheidungen auf dem ganzen Trip, denn Johannesburg hat mich sehr fasziniert. Die Straßen erinnerten mich an New York und in jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken. Ein kleiner Markt, Streetfood und Krimskrams – ich lebe für solche Dinge. Außerdem hatten wir die Möglichkeit uns vor dem Seminar schon mit Paula und Chantal dort zu treffen, die ebenfalls in unserer Homezone beim ersten Seminar waren. Es war viel zu schade, dass wir nur das kurze Wochenende in dieser Stadt verbringen konnten. Aber ich werde wieder kommen!

Joburg, I like you.

Und so ging es in den nächsten Flieger. In Windhoek kam dann unsere komplette Homezone aus dem Vorbereitungsseminar zusammen – Freiwillige aus dem Senegal, Kamerun, Lesotho, Namibia und Ghana. Abends kamen also alle Freiwilligen aus meiner Homezone im Vorbereitungsseminar zusammen und wir sind Essen gegangen. Und es hat mich richtig gefreut, die anderen Freiwilligen wiederzusehen.

Am nächsten Morgen zeigten uns unsere Mitfreiwilligen ihr Windhoek. Wir sahen die wenigen Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat und gingen dann noch kurz einkaufen. In einer riesigen Mall, die den Namen auch verdient hat, denn in Ghana bestellen die Malls zum größten Teil aus Fressbuden und Elektrontikgeschäften. Nachmittags ging es zur UMTI Lodge mit reichlich afrikanischer Verspätung. Unser Shuttle-Fahrer hatte uns vergessen, dementsprechend kamen wir fast 2 Stunden nach Seminarbeginn in der Unterkunft an. Begrüßt wurden wir von unserem Trainer und einem Vertreter der deutschen Botschaft in Namibia. Da wir aber zu spät kamen, war dies auch kein langes Vergnügen.

In den fünf Tagen Seminar war für mich das Interessanteste, was die anderen Freiwilligen in ihren Einsatzorten so erleben. Wir konnten uns stundenlang austauschen, Ratschläge geben und Motivation zusprechen. Einige Themen aus dem Vorbereitungsseminar wurden wiederholt ohne wirklich anzuknüpfen, aber das ist für mich kein wirklicher Kritikpunkt. Die einzige Kritik am ganzen Seminar wird wohl die Tatsache bleiben, dass wir für fünf Tage Austausch einmal quer über den ganzen Kontinent geflogen worden.

Unser Ausflugstag in Windhoek hat noch einmal genauer gezeigt, wie sehr diese Stadt von der deutschen Koloniegeschichte noch heute geprägt ist. Mal abgesehen davon, dass sehr viele Menschen dort Deutsch sprechen, findet man auch fast ausschließlich deutsche Straßennamen. Teilweise habe ich mich wie in Endenich gefühlt, wenn wir durch die Brahmsstrasse oder Haydnstraße liefen.

Nach dem Seminar blieben wir noch das Wochenende in Windhoek und teilten uns in zwei Gruppen auf. Während die Anderen zur Mall und zu einem Rugby Spiel fuhren, fuhren Zaira, Chantal, Paula und ich zum Daan Viljoen Game Reserve – ein kleiner, privater Park, in dem man mit Glück auch Giraffen sehen könnte. Um unsere Chance zu erhöhen, wanderten wir den 9km Weg. Die Landschaft beeindruckte und teilweise fühlte man sich, als würden Simba und Nala gleich an einem vorbeilaufen. Glück mit Giraffen hatten wir leider nicht, aber kurz vor Ende begegnete uns eine Herde Zebras, kurz darauf eine Herde Affen und Antilopen konnten wir auch begutachten. Der Ausflug hat sich richtig gelohnt und Lust auf eine richtige Safari gemacht.

Roomies on Tour

Die komplette Woche um das Zwischenseminar ging so schnell vorbei. Und auch wenn mir die Reise ins südliche Afrika gefallen hat und ich Südafrika und Namibia definitiv noch einmal einen Besuch abstatten werde, bin ich doch froh, wieder in Ghana zu sein. Die Wärme und das kleine Chaos, die vielen Menschen und Straßenstände haben mir in der kurzen Abwesenheit doch gefehlt. Weniger als drei Monate bleiben mir noch in Ghana. Auf das die zweite Halbzeit genauso spannend bleibt, wie die erste!

 

 

Korruptes Ghana?

Nicht selten werde ich in den letzten Wochen mit Korruption in Ghana konfrontiert. Aber ist Ghana wirklich ein so korruptes Land? Als Reisender oder Freiwilliger fällt diese Problematik nicht auf – zumindest sieht man es selten.

Heute fand ein Event der Media Foundation for West Africa in Kooperation mit der DW Akademie zum Thema Medien und Korruption in Ghana statt. Und schon wieder wurde ich mit dem Thema konfrontiert. In der Diskussion wurde der sogenannte „Soli“ angesprochen – Journalisten, die die Berichterstattung nur zusichern, bzw. erscheinen, wenn ihnen ein brauner Umschlag mit Geld, die Transportkosten oder ein Essen zugesprochen wird. Dabei kommt mir nur eine Berichterstattung zugunsten des Veranstalters in den Sinn.

In dem heutigen Event wurde diskutiert, was die Medien gegen Korruption machen können. Oder können die Medien überhaupt etwas ändern, wenn sie selbst korrupt sind? Nicht selten wird argumentiert, dass Journalisten in Ghana zu wenig Geld verdienen und auf Soli angewiesen sind. In der Diskussion wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es nicht immer die ‚armen‘ Journalisten sind, sondern eher die, die sowieso schon gut verdienen. Einen Celebrity-Lifestyle wollen sie aufrecht erhalten. So wird es erklärt.

Bei meinen Reisen in Ghana ist mir auch schon die viel zu oft erwähnte, korrupte Polizei aufgefallen. Auf dem Weg zum Kakum National Park fehlte unserem Taxifahrer ein Nummernschild. Dem Polizisten hat unser Fahrer ein paar Cedi in die Hand gedrückt und durfte weiterfahren. Schon oft wurde ich davor gewarnt, dass Polizisten und Taxifahrer unter einer Decke stecken. In letzter Zeit wurden wir schon häufiger von der Polizei kontrolliert, wenn sie im Taxi etwas finden würden, müssten wir mit auf die Polizeistation. Die Polizisten würden Geld wollen, damit sie einen gehen lassen. Wenn man einfach nichts sagt, verlieren sie irgendwann die Lust. Ob das in Wirklichkeit so passieren würde, kann ich nicht sagen.

Aber solche Vorfälle lassen einen froh sein, in einem Land zu leben, in dem Journalisten so viel Geld verdienen, dass sie nicht darauf angewiesen sind, versteckt Geld anzunehmen. Dass man davon ausgehen kann, dass die Berichterstattung nicht als Folge der Bezahlung des Veranstalters erfolgt. Und auch wenn Ghana in der Rangliste der Pressefreiheit sehr weit oben steht (Rang 23 um genau zu sein), tut sich das Land schwer gegen Korruption zu kämpfen. So zumindest in meinen Augen. Diskussionen werden immer geführt – jetzt müssen Handlungen folgen.

World Press Freedom Day

Mai ist der Monat der vielen Aufgaben. Nach einem entspannten Feiertag stand direkt das erste große Event an – der World Press Freedom Day. Der internationale Tag der Pressefreiheit wird überall auf der Welt gefeiert, doch das Hauptevent fand dieses Jahr in Accra statt. Und ich durfte bei den Feierlichkeiten am 02. und 03. Mai mit dabei sein.

Morgens musste ich erst einmal zur Registrierung. Mit meinem DW Akademie Batch hatte ich dann Zugang zu allen Veranstaltungen an beiden Tagen. Und mir wurde auch die Freiheit gelassen, was ich denn besuchen möchte. Also ging ich morgens zur großen Eröffnung und danach zur Diskussion „Media Under Fire: What Are the New Challenges to Press Freedom 27 Years After the Windhoek Declaration?“

Aber natürlich wurde ich nicht zum WPFD mitgenommen, um mir nur die Diskussionen anderer anzusehen. Die DW Akademie organisierte eine Plenumsdiskussion zum Thema „Does online speech need regulation or self-regulation?“. Ich wurde dazu beauftragt Fotos von der Vorbereitung und der eigentlichen Diskussion zu machen, sowie meine persönliche Einschätzung abzugeben. Also habe ich mir meine Kamera geschnappt (die dann auch endlich mal zum Einsatz kam) und habe Bilder ohne Ende geknipst. Die sind immerhin am Ende im Intranet der Deutschen Welle gelandet.

Der Folgetag war leider nur sehr üppig besucht. Ich habe an zwei weiteren Plenumsdiskussionen teilgenommen und bin danach zurück ins Büro gefahren, wo in der Zeit etwas Arbeit liegengeblieben ist. Abends bin ich dann noch mit Elly, einer Mitarbeiterin des Partners Media Foundation for West Africa, zum Closing Dinner gegangen. Das komplette Dinner war ein Invitation-only-Event und wurde von Al Jazeera gesponsort. Ich hatte überraschenderweise eine Einladung bekommen und konnte mir das Event dann natürlich auch nicht entgehen lassen 😉In den zwei Tagen wurde viel diskutiert. Vor allem ging es um Medien und Korruption und die Schwierigkeiten, die Journalisten heutzutage ausgesetzt sind. Eingesperrte oder getötete Journalisten wurden mehrfach in den Reden geehrt und die Wichtigkeit des Journalismus und der Pressefreiheit betont. Unter Anderem trafen wir die „Wahrheitskämpfer“, eine Gruppe Künstler aus Deutschland, die anhand von Portraits gefallene und eingesperrte Journalisten durch ihre Kunst ehren und damit auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam machen wollen. Dass Journalisten in einigen Ländern der Welt weggesperrt, oder sogar umgebracht werden, nur weil sie ihre Arbeit erledigen, habe ich persönlich als das meist diskutierte Thema in diesem Jahr wahrgenommen. Gefolgt von den Angriffen auf Journalisten, wenn sie über gewisse Veranstaltungen berichten möchten. Und auch wenn Deutschland im Ranking der Pressefreiheit relativ weit oben mit dabei ist und Ghana ein Vorzeigeland für Pressefreiheit in Afrika ist, so merkt man doch immer mehr, dass da noch viel Luft nach oben ist.

 

Road to Lomé, Togo

Die Zeit rennt. Sehr schnell, habe ich so im Gefühl. Aber das zeigt doch, dass man eine gute Zeit hat, oder?

Schneller, als gedacht, ist der Tag gekommen bei dem ich bei Einreise dachte, dass das noch ewig dauern wird. Der Tag, an dem ich mich um die Verlängerung meines Visums kümmern muss. Die Visumsbestimmungen für Deutsche in Ghana sind relativ streng. Allein das Visum zu beantragen, hat mich unfassbar viele Nerven gekostet, denn ich brauchte nicht nur meinen Reisepass, sondern auch ein Einladungsschreiben der DW Akademie, sowie Kontaktdaten zu Privatpersonen in Ghana. Das 180-Tage-Visum mit mehrmaliger Einreise und Expressbeantragung hat mich am Ende spaßige 310 Euro gekostet. Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt. Bis ich bei der Einreise bei der Immigration am Flughafen stand und in meinen Stempel „Valid for 60 days“ geschrieben wurde. Was nichts anderes heißt, als dass ich nach zwei Monaten Aufenthalt in Ghana mein Visum verlängern muss.

Offiziell geht man dafür zum Immigration Service und bezahlt eine Gebühr, dass das Visum um weitere 60 Tage verlängert wird. Das heißt, ich muss mein Visum sogar noch ein zweites Mal verlängern und dafür wieder zahlen. Zusätzlich soll man wohl eine Non-Citizen Card beantragen, die umgerechnet auch noch einmal 100 Euro kostet. Ein Schelm, wer dabei an Geldmacherei denkt. Und da das nicht nur mich, sondern auch die anderen kulturweit-Freiwilligen in Ghana betrifft, entschieden wir uns unser Visum anderweitig zu besorgen. Mit einem kleinen Wochenendtrip nach Lomé in Togo.

Samstag Morgen, 6 Uhr. Wir machen uns auf dem Weg zum Kaneshi Market, um einen der vielen kleinen Vans zu nehmen, die nach Aflao an der Grenze zu Togo fahren. Dort finden wir heraus, dass diese Vans da gar nicht abfahren, sondern wir zur Tudu Station müssen – also einmal auf die andere Seite der Stadt. Dort angekommen, mussten wir erst einmal einige Zeit warten, bis auf einmal zwei Trotros nach Aflao ankamen. Es war hektisch, wir wurden regelrecht umworben, um mit dem Trotro zu fahren und da wir keine große Lust mehr hatten zu warten, haben wir das auch getan. Nach knappen vier Stunden waren wir dann in Aflao angekommen. Dort mussten wir erst einmal Geld tauschen, da man in Togo mit CFA bezahlt und den ghanaischen Cedi nicht ausführen darf. Danach ging es ins ghanaische Grenzbüro. Wir mussten einen kleinen Zettel zur Ausreise ausfüllen, unseren Pass und Impfausweis abgeben und haben einen Stempel zur Ausreise bekommen. Zu Fuß ging es weiter ins Grenzbüro von Togo. Dort bekamen wir für 10.000 CFA (umgerechnet knapp 15 Euro) ein 7-Tage Transitvisum, um ins Land einzureisen.

So sieht das Visum dann aus

Lomé selbst hat mir persönlich wirklich gut gefallen. Die Stadt wirkt ruhiger, aufgeräumter und sauberer als Accra. Von unserem Hotel ging es zum großen Markt, wo ich mal wieder ein paar Stoffe gekauft habe. Den restlichen Abend haben wir am Strand verbracht. Am nächsten Morgen ging es nach dem großen Frühstück (wir haben uns das mal gegönnt) schon wieder zurück zur Grenze. Immerhin war der primäre Grund unserer Reise nach Togo unser Visum für Ghana zu verlängern. An der Grenze wurden wir von dem Taxifahrer erst einmal vor den „Banditen“ gewarnt, von denen wir uns auf keinen Fall helfen lassen sollen – sie würden uns nur abzocken wollen. Also gingen wir alleine ins Grenzbüro, gaben unseren Impfpass wieder ab, gingen weiter, um unseren Pass abzugeben und sehr schnell einen neuen Stempel zu bekommen. Natürlich wieder nur mit einer Gültigkeit von 60 Tagen. Für uns ein Grund, auf jeden Fall noch einmal über die Grenze nach Togo zu fahren.

Die neue Ausbeute

Visumsverlängerung mal anders. Das Geld, was wir beim Immigration Service bezahlt hätten, konnten wir so deutlich sinnvoller nutzen.

Strand so weit das Auge reicht

Sowas wie Alltag

Man fragt sich, warum so wenig auf so einem Blog geschrieben wird? Naja, die Antwort ist ganz einfach: der Alltag hat mich erreicht.

Mein Tag beginnt früher, als er es damals in Siegen. Von meiner WG zum Bahnhof und zum WDR brauchte ich mal gerade 10 Minuten zu Fuß und selbst Verschlafen war kein Problem. Hier kann ich mir 5 Minuten länger im Bett quasi nicht erlauben. Zur Arbeit nehme ich fast jeden Tag das Trotro – ein Kleinbus, oder eher Van, mit einem Mate und einem Fahrer. Schreit der Mate „Madina, Madina“ heißt es für mich einsteigen und los. Es gibt keine feste Abfahrtszeit, aber gegen 8 Uhr kriege ich immer ein Trotro. Je nach Verkehr dauert die Fahrt zwischen 20 und 45 Minuten, danach laufe ich noch 10 Minuten, bis ich bei der DW Akademie angekommen bin.

Dort machen ich fast nur Büroarbeit. Ich schreibe E-Mails, recherchiere und arbeite auf Zuruf. Mir gefällt die Arbeit hier, denn ich finde es unglaublich interessant, wie man den ghanaischen Medien bei der Entwicklung helfen soll.

Zu meinem Alltag gehört auch Lautstärke. Angefangen von meinem lauten Ventilator (Bei 32 Grad kann man den schon mal an haben), über die lauten Gespräche auf der Straße, bis zu dem Straßenlärm allgemein. Taxifahrer hupen uns an. Sie signalisieren uns, dass sie frei sind. Sie signalisieren uns, dass wir ihnen im Weg sind. Oder sie signalisieren uns, dass sie als Erstes über die Kreuzung fahren möchten. Manchmal habe ich das Gefühl sie hupen einfach so. Es ist ein einziges Hupkonzert auf den Straßen Ghanas. Straßenhändler sprechen einen an, die Trotro-Fahrer bewerben ihre Richtung. Accra ist laut und das stört mich manchmal. Dass ich mich daran gewöhne, merke ich aber auch daran, dass ich mich nicht mehr bei jedem Hupen umdrehe.

Nach 8 Stunden Arbeit verschlägt es mich nach Hause. Manchmal gehen wir noch gemeinsam Essen, manchmal einen Kaffee trinken, manchmal nur kurz einkaufen. Ganz oft sitzen wir auch einfach nur in unserem Wohnzimmer. Selbst der wöchentliche Twi-Sprachkurs ist schon zur Routine geworden. Eine Routine, die mir gefällt, auch wenn ich Twi in manchen Fällen kompliziert finde.

Zu meinem Alltag hier gehört aber auch das Reisen am Wochenende. Um dem Lärm Accras zu entfliehen, versuchen wir so oft wie möglich die Stadt zu verlassen. Versteht mich nicht falsch, ich mag Accra, ich find das Leben hier aufregend. Aber manchmal ist Ruhe auch nicht so verkehrt. Also fahren wir an die nahegelegenden Strände, erkunden die Umgebung. Oder wenn uns doch nach etwas Aufregung ist, besuchen wir die vielen verschiedenen Märkte in der Umgebung. Durch diese permanente Beschäftigung habe ich auch das Gefühl, dass die Zeit hier fliegt. Immerhin ist schon Ende April und der Mai ist vollgepackt mit Arbeit. Der World Press Freedom Day findet in Accra statt, wir haben einen weiteren Workshop mit GCRN und Ende Mai geht es schon nach Namibia zum Zwischenseminar – und damit zu meiner persönlichen kulturweit-Halbzeit.

Cape Coast und der Kakum National Park

Nach fast drei Wochen in der Hauptstadt Accra, zog es uns am langen Wochenende nach Cape Coast.

Cape Coast liegt ca. 3 Stunden westlich von Accra und wird auch als der Urlaubsort der Ghanaer gehandelt. Dadurch hatten wir uns auch recht schnell für diesen Urlaubsort als unseren ersten, kleinen Roadtrip entschieden. Am Karfreitag ging es also gegen Mittag zum doch sehr belebten Kaneshi Market. Dort fahren nicht nur Trotros in gefühlt alle Richtungen ab, sondern auch Reisebusse von STC, Metro Mass Transit, VIP oder kleine Ford Vans für maximal 15 Personen. Uns wurden die Ford Vans empfohlen, da sie immer klimatisiert sind, nicht so lange brauchen, um voll zu werden (denn die meisten Busse und Vans fahren erst ab, wenn sie auch voll sind. So kann es auch mal sein, dass man mehrere Stunden auf seine Abfahrt wartet) und auch nicht so lange fahren, wie die größeren Reisebusse. Gesagt, getan – wir bekamen die letzten drei Plätze in einem Van für günstige 24 Cedi und konnten direkt losfahren. Die Straßenverhältnisse nach Cape Coast waren erstaunlich gut. Kaum Schlaglöcher und dadurch auch kaum waghalsige Ausweichmanöver des Fahrers. Zu Straßenverhältnissen, Fahrverhalten und Ähnlichem kann ich sicher einen eigenen Blogeintrag füllen – also bleibt gespannt!

Das Cape Coast Castle

In Cape Coast angekommen, brachte uns ein Taxi in unser Hotel. Und da wir früher angekommen waren, als angenommen, ließen wir uns zum Cape Coast Castle fahren. Ein wunderschönes Gebäude in einer beeindruckenden Umgebung mit einer viel zu tragischen Geschichte. Das Cape Coast Castle war eines der vielen Gebäude, in denen Einheimische gefangen gehalten wurden, um für den Skalvenhandel abtransportiert zu werden. Teilweise monatelang saßen um die 200 Skalven in einer Zelle und warteten darauf, verschifft zu werden. Durch die „Door of no Return“ ging es für sie dann auf das weite Meer hinaus.

Der Ausblick aus dem Zimmer des Gouverneurs

 

 

 

Am darauffolgenden Tag verschlug es uns in den Kakum National Park. Eine knappe halbe Stunde Fahrt trennte uns von unserem Hotel und dem Park und wir erlebten mal wieder die knallharten Verhandlungen mit den Taxifahrern. Zum National Park wird man nämlich nicht nur hingefahren – der Taxifahrer wartet dort und fährt einen dann auch wieder zurück. Man zahlt also nicht nur die Fahrt, sondern auch die Wartezeit des Fahrers. Je länger man im Park verbringt, desto teurer wird es. Uns war es das aber wert. Allgemein schienen uns die Preise sehr teuer. Der Eintritt in den Park kostet 2 Cedi, erlaubt einem aber nicht, sicher dort irgendwie selbst durchzuschlagen. Man ist quasi gezwungen eine der Attraktionen zu buchen. Wir entschieden uns für eine einstündige Wanderung durch den Regenwald, der an einem kleinen Wasserfall enden sollte. Der Wasserfall war leider trocken, man sagte uns, dass er nur in der Regenzeit wirklich zu sehen ist. Dafür konnten wir unterhalb des eigentlichen Wasserfalls eine Schlange auf der Jagd beobachten. Auf unsere – eigentlich nicht ernst gemeinte – Frage, ob diese Schlange giftig sei, wurde nur trocken mit „Ja“ geantwortet.

Blut geleckt von dieser Wanderung, wollten wir noch mehr erleben. Immerhin waren wir mal grade eine Stunde in dem Park. Wir buchten zusätzlich den Canopy Walk. Mehrere Hängebrücken mit Aussichtsplattformen zogen sich über dem Regenwald her. Einheimische zahlen für den Canopy Walk nicht einmal 20 Cedi, Ausländer zahlen 60 Cedi. Das ist für die ghanaischen Verhältnisse, die wir inzwischen gewohnt sind, schon sehr viel Geld. Aber glücklicherweise zahlen Volunteers und Studierende „nur“ 40 Cedi. Immer noch ein Vielfaches von dem, was die Ghanaer zahlen, aber das war es uns wert. Also ging es die relativ steile Wanderung hinauf Richtung Canopy Walk und schon liefen wir über die langen Hängebrücken oberhalb des Regenwaldes. Ein unfassbar schöner Anblick und ich mag mich wiederholen – absolut zu empfehlen!

Ausblick vom Canopy Walk

Zurück in Cape Coast gingen wir dann zum Strand. Eigentlich wollten wir schwimmen gehen, aber ich persönlich erschrak, als ich den ganzen Plastikmüll in den Wellen sah und habe mich dagegen entschieden. Also wurde sich mit Sonnenbaden und der Strandbar begnügt. Ich finde es auch immer noch erschreckend, wie viel Plastikmüll hier im Meer rumschwimmt und am Strand angespült wird. Der Müll wird zwar häufig irgendwie zusammengekehrt, allerdings behebt das ja nicht das eigentliche Problem. Trotz allem ließen wir unseren Urlaub in gemütlicher Strandatmospähre ausklingen, denn wie kann man schon sechs Monate an der Küste leben und nicht so viel Zeit wie möglich am Strand verbringen?

Ein Ritual scheint sich einzuschleichen

Unseren Samstag verbrachten wir in James Town, wo ein Hip Hop Jam von weltwärts-Freiwilligen organisiert wurde. Mit verschiedenen Workshops und Basketball wurden vor allem einheimische Kinder und Jugendliche angelockt.

Kaum waren wir angekommen, sprangen schon die ersten Kinder um uns herum und wichen uns nicht mehr von der Seite. Sie wollten bespaßt werden, man konnte sie Ewigkeiten mit den einfachsten Sachen beschäftigen (Kinder halt, welches Kind mochte es nicht über die Köpfe der Anderen gehoben zu werden?) und es war ein Aufmerksamkeitskampf vom allerfeinsten. Sobald die Workshops anfingen (u.A. Tanzen oder Graffitis sprühen) legte sich diese Aufmerksamkeit und vor allem beim Tanzen sah man das Strahlen und den Spaß der Kinder. Die komplette Veranstaltung hat gezeigt, dass man mit etwas Aufwand schon einiges bewirken kann und für das ganze Kinderlachen muss es sich schon gelohnt haben.

Nach den Workshop entschieden wir uns aber, uns James Town mal etwas genauer anzugucken. Weit sind wir allerdings nicht gekommen, da uns der Hunger zurück nach Osu trieb. Dort gab es für mich zum ersten Mal Tilapia. Den Fisch reicht man häufig komplett (zumindest habe ich es bis jetzt noch nicht anders gesehen) und man beschäftigt sich eine Weile die Gräten zu entfernen. Auch dass man mit den Fingern isst, macht das Essen zu einem Erlebnis. Man bekommt grundsätzlich zwei Schüsseln Wasser und Seife gereicht, um sich die Hände waschen zu können. Daran könnte ich mich gewöhnen 😀

Vielleicht wird der Sonntag zu unserer Entspannungstradition. Wir waren am Bojo Beach etwas außerhalb von Accra, um uns den nächsten Strand auf unserer Liste anzuschauen. Und wir wurden nicht enttäuscht! Für schlappe 20 Cedi Eintritt (in etwa vergleichbar mit dem Eintritt im Freibad) wurden wir mit dem Boot zum Strand gebracht und durften dort einen ruhigen Tag verbringen. Aber seht selbst:

Der Rückweg gestaltete sich etwas schwieriger. Die Taxifahrer verlangten zum Teil unverschämt hohe Preise (wir zahlten 35 Cedi für die Hinfahrt, für die Rückfahrt wollten sie fast das Doppelte) und ein Uber war nicht Verfügbar. Und auch wenn die Taxifahrer zum Teil unverschämt beim Verhandeln waren, konnten wir doch wieder die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Touristen/Freiwilligen sehen. Wir wurden direkt darauf hingewiesen, dass wir auf keinen Fall zu Fuß bis zur Hauptstraße laufen sollten, die Straße sei bekannt für Raubüberfälle. Auf halber Strecke nach Hause sagte unser Taxifahrer, wir sollen unsere Handys einpacken, siewürden auf der Strecke aus den Autos geklaut werden. Nach meiner noch begrenzten Erfahrung hier möchte wirklich kein Mensch, dass einem hier etwas Unangenehmes passiert.

Die Menschen sind so unglaublich freundlich und hilfsbereit (und das in wirklich jeder Situation!), dass man sich in Ghana nur Willkommen fühlen kann.