Regenzeit, Stromausfälle und andere Kleinigkeiten

Juni ist Regenzeit. Glücklicherweise bin ich noch kein einziges Mal wirklich nass geworden. Meist regnet es nachts, vielleicht mal am Vormittag oder am Abend, aber nie den ganzen Tag, immer nur kurz. Die Regenzeit habe ich mir anders vorgestellt, aber vermutlich habe ich einfach zu wenig Ahnung davon. Die Tage in Accra sind oft bewölkt, manchmal so sehr, dass es gar nicht wirklich hell wird. Die Sonne sieht man seltener, als noch im März oder April, aber doch ist sie ein ständiger Gast.

Leider bringt die Regenzeit auch kleinere Probleme mit sich. Komplett Accra war einen Abend ohne Strom. Die Bars und Restaurants besitzen Generatoren, also machten wir uns auf den Weg Richtung Oxford Street und warteten bis die Lichter wieder angingen. Dann war für längere Zeit Ruhe. Bis vor zwei Wochen…

Mir wurde gesagt, dass Accra im Juni eigentlich immer von einer Katastrophe – verursacht durch den Regen – getroffen wird. Wir sind verschont geblieben, oder es war für mein Verständnis keine Katastrophe. An einem Mittwoch Abend fiel wieder der Strom aus. Und da es in Ghana immer schon um kurz nach 18 Uhr dunkel wird, heißt das wirklich in Dunkelheit sitzen. Da wir darauf keine Lust hatten, fuhren wir ins Afrikiko zum Salsa tanzen und gucken. Was ein Glück, dass es für Mittwoch immer eine Alternative gibt (und die guten, alten Generatoren)! Der Strom ist glücklicherweise immer zurück, wenn man zu Hause eintrifft. Am Wochenende fiel der Strom dann wieder aus und wir flohen erneut aus unserem Haus. Und was für uns so einfach ist, ist für die Menschen, die ihre Straßenstände betreiben oft ein kleiner Fluch. Ob sie sich davon unterkriegen lassen? Nö. Kerzen werden aufgestellt und der Verkauf geht munter weiter – vorausgesetzt die Kundschaft kommt. Ich hab noch keinen Ghanaer gehört, der sich über diese Verhältnisse beschwert. Es ist zu sehr im Alltag verankert.

Und dann kam der Tag, der zu einer kleinen Grenze für mich wurde. Eines Abends hat es so stark geregnet, dass unsere Wohnung voll Wasser lief. Der Wind drückte den Regen durch die Fenster, das Wasser sickerte durch die Wände in die Wohnung. Innerhalb kürzester Zeit waren Wohnzimmer, Küche und beide Bäder vollgelaufen. Unsere Zimmer sind glücklicherweise verschont geblieben. Unsere erste Reaktion war es zu lachen. Was sollten wir auch sonst tun? An den Stromkästen tropfte das Wasser herunter und wir können eigentlich froh sein, dass nichts schlimmeres passiert ist. Seitdem funktioniert der Strom in der Küche auch nicht mehr – zwei Wochen ohne Küche und keine Besserung in Sicht. Die ghanaische Mentalität hat eingeschlagen – wir kommen morgen und reparieren das. Jaja. Morgen. Das war vor zwei Wochen.

Aber der Juni hatte nicht nur die kleinen Katastrophen und Regenfälle mitgebracht. An einem Wochenende entschieden Zaira und ich, dass wir zu den Boti Falls fahren. Immerhin würde sich da auch ein Tagestrip von Accra aus lohnen. Also fuhren wir an einem Morgen in aller Frühe mit dem Trotro nach Madina und von dort mit einem Kleinbus nach Koforidua etwa 1 1/2 Stunden weiter ins Landesinnere. In Koforidua angekommen wurden wir natürlich direkt wieder von Taxifahrern belagert. Samstags würde kein Trotro zu den Boti Falls fahren, was wir anfangs nicht geglaubt haben. Nachdem uns aber mehrere Menschen diese Auskunft gegeben hatte, zweifelten wir langsam. Also nahmen wir einen der (nervigen) Taxifahrer. 8 Cedi pro Person für die Strecke? Guter Deal, machen wir! Und sind damit in eine dreiste Falle des Fahrers gefallen. Bei Ankunft an den Boti Falls wollte der Fahrer nicht 8 Cedi pro Person, sondern 8 Cedi pro Sitz im Auto. Eine gefühlte Stunde voller Diskussionen später, haben beide Parteien irgendwie ihren Kopf durchgesetzt. Wir zahlten nicht seinen verlangten Preis, aber doch mehr, als vorher abgemacht war. Wir sind ja nicht aus Ghana, mit uns kann man’s ja machen. An den Boti Falls selbst sollten wir einen Guide dazubuchen, ohne dürfte man sich auf dem Gelände nicht bewegen. Ebenfalls eine dreiste Lüge, um etwas mehr Geld zu verdienen. Zu den Wasserfällen gelangt man ganz einfach über eine Treppe – Guide nicht notwendig. Die schönen Zwillingswasserfälle konnten wir auch gut alleine betrachten.

Und wie oft wurde uns beim Vorbereitungsseminar gesagt, wir sollen keine Fotos von den Einheimischen machen, außer wir fragen vorher? Wir haben eine gewisse Verantwortung, wenn wir diesen Blog führen. Wir sollten uns bewusst sein, dass nicht jeder fotografiert werden möchte. Leuchtet mir ein. Wirklich. Den Ghanaern aber offensichtlich nicht. Während der Wanderung an den Boti Falls haben wir eine kleine Pause gemacht. Direkt scherrten sich vier ghanaische Mädchen und ein Junge um mich und machten Fotos. Wurde ich gefragt? Natürlich nicht. Ein Mädchen setzte sich sogar auf mich, um ein gutes Foto machen zu können. Ich war kurz vorm Platzen, aber habe nach drei Monaten in Ghana auch gelernt, dass ich mich mit so einem Verhalten abfinden muss. Es war nicht das erste Mal, dass ich so offensichtlich fotografiert wurde. Oft passiert das allerdings heimlicher. Ich habe schon mehrfach bemerkt, dass mich Männer heimlich fotografieren. Auf dem Markt hat mich ein jüngeres Mädchen fotografiert. Wenn wir irgendwo sitzen, egal ob im Trotro, im Restaurant oder sonst wo, werden oft Selfies geschossen – mit uns im Hintergrund. Es ist ein unangenehmes Gefühl ständig wie eine Attraktion behandelt zu werden, nur weil man anders aussieht. Umso mehr kann ich es verstehen, dass man in Deutschland darauf sensibilisiert wird so ein Verhalten eben nicht zu unterstützen. Das funktioniert nur leider nicht überall.

Der Juni brachte natürlich auch die Fußball-WM mit sich. Das erste Deutschland Spiel schauten wir beim Public Viewing in der German Swiss International School. Und wussten direkt – einmal und nie wieder. Obwohl ich die Deutschland Spiele fast immer beim Public Viewing gesehen hatte, mit der deutschen Community in Ghana zu schauen, fühlte sich irgendwie komisch an. Deshalb schauten wir das nächste Spiel in einer Bar. Für Deutschland war es ja leider ein kurzes Vergnügen. Immerhin müssen wir uns jetzt nicht mehr den Kopf zerbrechen, wann wir wo das nächste Spiel gucken. Oder ob wir wegen der Zeitverschiebung noch auf der Arbeit sein werden. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

In den letzten Monaten haben ich definitiv gelernt mit meinen interkulturellen Begegnungen deutlich besser umzugehen. Ich werde auf der Straße von einem Mann angemacht? Ignoriert und weitergehen. Taxifahrer oder Händler versuchen mehr Geld von mir zu bekommen, „nur weil ich weiß bin“? Nicht kleinkriegen lassen. Ändern kann man es sowieso nicht. Nur damit umgehen.

 

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